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Nachgefragt...

Foto: (Foto: medio.tv/Schauderna) (Foto: medio.tv/Schauderna)
Bischof Prof. Dr. Martin Hein stellte sich den Fragen von Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer am 28.03.2014 in Kassel.

Fischer:
Herr Bischof, welchen Stellenwert hat die Konfirmation heute im Leben der Menschen?

Bischof Hein:
Die Konfirmation hat im Leben von Jugendlichen, aber auch deren Familien, eine ungemein hohe Bedeutung. Wir können davon ausgehen, dass im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland 93 Prozent aller getauften evangelischen Jugendlichen auch konfirmiert werden, in Kurhessen-Waldeck ist das sogar noch ein Prozent mehr. Also: 94 Prozent der Jugendlichen, die zur evangelischen Kirche gehören, lassen sich konfirmieren. Das ist mit Abstand die stärkste kirchliche Amtshandlung, die wir haben, und sie erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit.

Fischer:
Nun könnte man da von einem Erfolgsmodellsprechen. Trotzdem wollen Sie etwas ändern und die Konfirmandenarbeit neu ausrichten. Warum?

Bischof Hein:
Die Konfirmation ist seit ihrer Erfindung 1539 in Ziegenhain natürlich einem Wandel unterworfen. Das hat auch damit zu tun, dass die Zeit der Jugend heutzutage länger ist als früher. Früher wurde man mit 14 Jahren konfirmiert, weil man damit ins Berufsleben eintrat. Inzwischen ist man mit 14 bis 18 Jahren immer noch Schüler oder Schülerin. Jugendlicher sein heißt Schüler sein. Trotzdem begleiten wir gerade durch den Konfirmandenunterricht Jugendliche in einer spannenden Zeit, nämlich der Pubertät, der Ablösung vom Elternhaus und der Zuordnung in neue Freundeskreise. Da ist das Gesamtgefüge des eigenen Lebens ausgesprochen unklar, manchmal auch noch nicht ganz ausgereift. Und in dieser spannenden Phase, die manchmal mit richtigem Protest verbunden ist, ist es wichtig, Jugendlichen zu sagen, woran sie sich orientieren können. Das ist die Aufgabe des Konfirmandenunterrichtes. Er ist nachgeholter Taufunterricht. So war er auch 1539 in der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung konzipiert worden.

Fischer:
Was hat sich denn aktuell in den letzten Jahren an den Rahmenbedingungen geändert?

Bischof Hein:
Das Umfeld der Jugendlichen hat sich gewandelt. Sie sind inzwischen in Schulen, die oft Nachmittagsunterricht haben. Das Wochenendverhalten ist auch anders geworden. Das heißt wiederum, wir können für eine Landeskirche wie Kurhessen-Waldeck kein einheitliches Modell mehr voraussetzen, sondern müssen schauen, wie die jeweiligen Lebensbedingungen sind, um dann daraus für die Jugendlichen einen auf deren individuelle Voraussetzungen und Bedingungen abgestimmten Konfirmandenunterricht zu entwerfen…

Fischer:
… also auch eine stärkere lokale Differenzierung, je nachdem wie die Rahmenbedingungen vor Ort sind?

Bischof Hein:
Ja, wir werden Gemeinden haben, die vielleicht den traditionellen Konfirmandenunterricht regelhaft einmal in der Woche durchführen. Wir werden andere haben, die versuchen werden, sich das auf Wochenenden zu konzentrieren, und es gibt auch Modelle in anderen Landeskirchen, in denen der Konfirmandenunterricht über zwei Wochen während der Ferien stattfindet und damit sehr intensive Begegnungsmöglichkeiten erlaubt.

Fischer:
Kann man da noch von einer Wiedererkennbarkeit der Konfirmandenarbeit ausgehen?

Bischof Hein:
Wir plädieren für eine große Offenheit. Allerdings soll das Ziel immer noch sein, in den christlichen Glauben einzuführen. Dazu gehört auch das Wissen, warum man getauft ist und warum man Christ ist, und die Fähigkeit, sich entscheiden zu können. Der Konfirmandenunterricht ist ein Beitrag zur Mündigkeit von Jugendlichen.

Fischer:
Und wie steht es um den Stellenwert der Konfirmation im Leben der Jugendlichen. Geht es nicht letztendlich doch mehr um die Geschenke als um den Glauben?

Bischof Hein:
Jugendliche lassen sich nicht konfirmieren, weil es viele Geschenke gibt. Das hat eine aktuelle Mitgliederbefragung im Rahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland erneut ergeben. Das ist eher ein Vorurteil, das Erwachsene haben. Jugendliche wissen sehr genau, dass es wichtig ist, mit anderen über die Fragen des Glaubens zu sprechen. Die meisten gehen gerne in den Konfirmandenunterricht. Sie tun es nicht anderthalb oder zwei Jahre, um dann am Schluss einen vierstelligen Geldbetrag zu bekommen. Das lohnt sich gar nicht! Nein, es ist Interesse da. Die Erfahrungen, die Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Konfirmandenzeit da gemacht haben, tragen oft durch das ganze Leben. So wenigstens haben es mir manche meiner «silbernen» Konfirmandinnen und Konfirmanden bestätigt. Das hätte ich gar nicht gedacht. Sie haben mir gesagt: «Ich merke jetzt allmählich, was das für mich bedeutet». Und solch eine Fernwirkung können wir uns ja nur wünschen.

Fischer:
Herr Bischof Hein, vielen Dank für das Gespräch.

(28.03.2014)

2014-05-22

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