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Mittwoch, 26. November 2014

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Bericht von Diakoniedezernent Rühl
Themen des Diakonie-Berichts: Flüchtlinge, Kirchenasyl und Armutsprojekte

Morschen (medio). In seinem Diakonie-Bericht vor der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ging Diakoniedezernent Landeskirchenrat Horst Rühl, zugleich Theologischer Vorstand der Diakonie Hessen, auf die aktuellen Fragen der Flüchtlingsarbeit ein. Aufgrund stetig steigender Flüchtlingszahlen stehe die Flüchtlingsarbeit der beiden Evangelischen Kirchen in Hessen und der Diakonie Hessen vor neuen Herausforderungen. In Hessen seien im letzten Jahr ca. 8.700 Menschen aufgenommen worden, in diesem Jahr rechne das Regierungspräsidium in Darmstadt mit mehr als 10.000 Flüchtlingen, die untergebracht werden müssten, so Rühl.


Landessynode beschließt Stärkung der Flüchtlingsarbeit

Aufgrund des weiterhin wachsenden Bedarfs an professioneller Begleitung und rechtlicher Beratung der Flüchtlinge (bedingt durch die Dublin-Verordnung II und III) hat die Landessynode beschlossen, die Beteiligung am Rechtshilfefonds der Diakonie Hessen im laufenden Jahr um 20.000 Euro aufzustocken. Im Jahr 2015 soll die Beteiligung 30.000 Euro und in den Jahren 2016 bis 2019 mit 35.000 Euro betragen. Mit dieser Entscheidung werde die Chance für viele Flüchtlinge auf ein geordnetes Asylverfahren in Deutschland deutlich erhöht und damit auch die Möglichkeit, ihren Rechtsansprüchen Geltung zu verschaffen.

Zahl der Kirchenasyle in Hessen steigt

Für Rühl ist die zunehmende Zahl von Kirchenasylen eine Folge der steigenden Flüchtlingszahlen: «Seit April dieses Jahres gewähren einige Kirchengemeinden wieder Flüchtlingen, denen eine Verletzung ihrer Menschenrechte droht, Schutz vor Abschiebung.» In ganz Hessen seien es zurzeit 36 Kirchengemeinden, auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck 13 Kirchengemeinden, die ihre Räume öffneten (Stand 19.11.2014).

Den Gemeinden, die sich stets die Entscheidung zu einem Kirchenasyl nicht leicht machten, stehe die Clearingstelle Kirchenasyl beratend zur Seite, erläuterte der Diakoniedezernent. Erst nach gründlichen Abwägungen entscheide man sich in den Gemeinden für eine zeitlich befristete humanitäre Unterstützung von gefährdeten Menschen: «Kirchenasyl kann vor allem denjenigen Menschen helfen, die besonders gefährdet sind.» Als Beispiele nannte Rühl einer Familie aus Somalia, die sich die Nahrung für ihre zwei Kleinkinder in Italien hätte erbetteln müssen oder eine junge Frau mit dem Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung. «Im Kirchenasyl finden diese Menschen Ruhe vor der permanenten Angst vor Abschiebung und können, nachdem Deutschland für das Asylverfahren zuständig wurde, ihr Recht auf Asyl prüfen lassen», sagte Rühl. Das Kirchenasyl verschaffe also keinen sicheren Aufenthalt in Deutschland, aber die Chance auf ein faires Asylverfahren, betonte der Dezernent. Entsprechend der Verlautbarung der Synode der EKD sei es als Dienst am Rechtsstaat zu verstehen. Deshalb sei den politischen Verantwortungsträgern zu danken, die ein Kirchenasyl als Unterbrechung behördlicher Abläufe respektierten.

Armutsprojekte laufen erfolgreich

Rühl ging in seinem Bericht auch auf die 14 Armutsprojekte ein, die durch die Aktion «Diakonische Gemeinde – Armut bekämpfen und gesellschaftliche Teilhabe fördern» entstanden sind. Die Landessynode hatte am 25. November 2008 auf ihrer Herbsttagung in Hofgeismar eine Stellungnahme zur gestiegenen Armut in Deutschland abgegeben. Damit verbunden wurden Mittel in Höhe von 1 Mio. Euro über einen Zeitraum von vier Jahren zur Verfügung gestellt, um Kirchengemeinden dabei zu unterstützen, Initiativen zur Armutsbekämpfung und zur nachhaltigen Integration sozial benachteiligter Menschen zu entwickeln bzw. fortzuführen.

«Als erstes Zwischenergebnis können wir heute sagen, dass die Aktion 'Diakonische Gemeinde – Armut bekämpfen und gesellschaftliche Teilhabe fördern' einen sehr positiven Aspekt erzielt hat: Menschen aus allen Regionen unserer Landeskirche haben sich zusammen mit Betroffenen an die Arbeit gemacht, um Wege vor Ort für benachteiligte Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Lebenslagen zu kreieren», so Rühl. Er betonte, das Thema werde die Gemeinden ebenso wie die Landessynode auch weiterhin beschäftigen. «Eine Aktion dieser Art ist immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber im Verbund mit den anderen christlichen Kirchen kann sich etwas bewegen, denn ‚steter Tropfen höhlt den Stein‘.» Rühl stellte heraus, dass der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle zukäme. Andere Kirchen würden bereits folgen, wie z.B. die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.

Diakonie gestaltet Sozialstaat mit

Rühl hob in seinem Bericht die Chance hervor, dass durch das diakonische Handeln vor Ort Sozialpolitik gestaltet werden könne. Diakonie trete für Recht und Gerechtigkeit ein und gestalte so den Sozialstaat mit. Sie sei kritisches Korrektiv gerade dort, wo Recht und Gerechtigkeit auseinanderfallen. «So ist die Diakonie ein Segen für das Gemeinwesen von der lokalen bis zur landesweiten Ebene. Wir machen uns das selbst viel zu wenig bewusst, dass wir die Fülle des Segens, der uns geschenkt ist, auf diese Weise in die Gesellschaft tragen», sagte der Landeskirchenrat. (26.11.2014)

2014-11-26

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Landeskirchenrat Horst Rühl im Wortlaut:

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Nachgefragt:

Landeskirchenrat Horst Rühl im Interview zum Diakonie-Bericht. Das Interview führte medio!-Reporter Torsten Scheuermann:

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Landessynode richtet Friedensappell an ihre Gemeinden

Morschen (medio). Angesichts der weiterhin bedrohlichen Lage in Syrien und im Nordirak hat die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck einen Aufruf an ihre Gemeinden und Einrichtungen verfasst. Diese werden darin aufgefordert, ihre Anstrengungen im Bereich der Friedenserziehung und der Einübung in die Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu verstärken. Die Gemeinden und Einrichtungen sollen sich an dem vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufenen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens beteiligen, teilte die Pressestelle der Landeskirche mit.

Die Synode regt weiter dazu an, regelmäßige Friedensgebete durchzuführen und bittet darum, in der Fürbitte für die Menschen im Irak und in Syrien und im Einsatz für humanitäre Hilfe in Syrien nicht nachzulassen. Zudem wird auf den Unterstützungsbedarf der Syrienhilfe der Landeskirche und der Diakonie Katastrophenhilfe hingewiesen. In den Gemeinden selbst wird weiterhin zu Gastfreundlichkeit gegenüber den Flüchtlingen vor Ort aufgerufen.
 
Die Synode erklärt, dass sie seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien vor vier Jahren mit großer Sorge und Anteilnahme das Ausmaß von Gewalt und Terror sowie die sich zuspitzende humanitäre Lage und die Verletzung der Religionsfreiheit in Syrien verfolge. Mit Gebetsaufrufen, Hilfstransporten und Spenden für humanitäre Maßnahmen der Diakoniekatastrophenhilfe setzt sich die Landeskirche seitdem für die Opfer des Bürgerkrieges ein, heißt es weiter.
 
In ihrer Synodalerklärung schließt sich die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck dem Beschluss der EKD Synode vom 12.11.2014 in Dresden zur Lage im Nordirak und in Syrien an. Den Wortlaut der Erklärung finden Sie rechts im Download. (01.12.2014)

2014-12-01

Im Wortlaut:

Erklärung der Landessynode vom 26. November 2014 zur Lage in Syrien und im Nordirak:

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Landessynode verabschiedet Resolution zur «Solidarität mit Flüchtlingen»

Morschen (medio). Die Landessynode hat auf ihrer Herbsttagung in Morschen am Mittwoch eine Resolution zur «Solidarität mit Flüchtlingen» verabschiedet. Darin dankt sie allen Kirchengemeinden und Initiativen für deren Engagement für Flüchtlinge und bittet diese, «sich auch weiterhin gegen Diskriminierung und Rassismus und für Beteiligungsmöglichkeiten von geflüchteten Menschen in der Gesellschaft einzusetzen.»

Des Weiteren bittet die Landessynode den Bischof der Landeskirche und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sich dafür einzusetzen, dass die Seenotrettung «Mare Nostrum» wieder aufgenommen wird und legale Zugangswege nach Europa eröffnet werden, damit sich «Menschen nicht in die Hände von Schleppern und auf lebensgefährliche Wege nach Europa begeben müssen.»

An die Hessische Landesregierung gerichtet, heißt es in der Resolution: «Die Landessynode bittet die Hessische Landesregierung, weiterhin für eine Unterstützung der Landkreise und Kommunen bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen zu sorgen.»

Lesen Sie den Wortlaut der gesamten Erklärung rechts im Download. (26.11.2014)

2014-11-26

Download:

Lesen Sie hier die Resolution im Wortlaut:

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Bericht des Kooperationsrates von EKKW und EKHN
Gemeinsames Religionspädagogisches Institut startet zum 1. Januar 2015 in Marburg

Morschen (medio). In einem Bericht des Kooperationsrates zur Zusammenarbeit beider evangelischer Kirchen in Hessen wurden die Synodalen auf der Herbsttagung der Landessynode in Morschen über die Bereiche  Mission und Ökumene und Religionspädagogik informiert. Demnach soll das neue gemeinsame religionspädagogische Institut seinen Sitz in Marburg haben und seine Arbeit zum 1. Januar 2015 aufnehmen, heißt es in einer Mitteilung der Landeskirche.

Das Institut wird mit einer «integrierten Regionalstruktur» vor allem für die pädagogisch-theologische Aus, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften im schulischen Religionsunterricht im Bereich der beiden Landeskirchen zuständig sein. Leiterin wird die bisherige Direktorin des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Pfarrerin Dr. Gudrun Neebe.

Zur Person:

2014-11-27
Dr. Gudrun Neebe wurde 1961 in Niederasphe (Kirchenkreis Kirchhain) geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1980 studierte sie evangelische Theologie und Diplom-Pädagogik an der Philipps-Universität in Marburg. 1988 bis 1989 absolvierte sie darüber hinaus noch einen Fernstudiengang in der Erwachsenenbildung. 1991 begann sie ihr Vikariat zunächst in der Kirchengemeinde Cappel (Kirchenkreis Marburg), absolvierte dann ein pädagogisches Praktikum und wechselte zum Ende ihrer Vikariatszeit an das Predigerseminar Hofgeismar. Im Jahr 1993 wurde sie durch Bischof Dr. Zippert in Lippoldsberg ordiniert.

Von 1993 bis 1996 war sie an dem Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität tätig. Von 1998 bis 1999 versah sie den Dienst als Pfarrerin in der Kirchengemeinde Weitershausen (Kirchenkreis Marburg) mit dem Zusatzauftrag «Aussiedlerseelsorge», ein Aufgabengebiet, dem sie sich von Januar bis September 2000 ganz widmete. Im Oktober 2000 wurde Neebe als Direktorin des Pädagogisch-Theologischen Instituts berufen.

Direktorin Dr. Gudrun Neebe engagierte sich neben ihrer Tätigkeit als Leiterin des  Pädagogisch-Theologischen Instituts noch in mehreren landeskirchlichen Gremien: stellvertretendes Mitglied der 11. und 12. Landessynode, seit 2004 geschäftsführender Vorsitz der Bildungskammer der Landeskirche, seit 2004 Mitglied im Fachbeirat Hephata und von 2003 bis 2004 Mitglied des Kuratoriums des Freiwilligen Sozialen und Ökologischen Jahres. Gudrun Neebe ist verheiratet; das Ehepaar hat einen Sohn. (27.11.2014)

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Impressionen des Tages

(alle Fotos: medio.tv/Schauderna)

2014-11-27