Montag: Montag, 25.04.2016

Überblick:

2016-04-25 17966


Montag, 25.04.2016

 
Montag: Landessdynode wählt Synodalvorstand - Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann neuer Präses

Morschen (medio). Mit 80 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme, vier Enthaltungen und einer ungültigen Stimme ist Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann (64) am Montag (25.4.) zum Präses der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gewählt worden.

Dittmann, der im Amt des Präses auf Kirchenrat Dekan i.R. Rudolf Schulze folgt, ist Vorsitzender Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof und gehört seit 18 Jahren der Landessynode an. Als Beisitzer wurden Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß (Kirchenkreis Hanau) sowie Pfarrer Dr. Volker Mantey (Kirchenkreis Melsungen) gewählt.

Zur Person: Dr. Thomas Dittmann

Dr. Thomas Dittmann wurde 1951 in Melsungen geboren und wuchs in Leverkusen auf. Nach dem Abitur studierte er Jura in Köln und Marburg, dort auch im Nebenfach evangelische Theologie. Nach seinem 1. juristischen Examen absolvierte er ein theologisches Studienjahr am Evangelisch-lutherischen Missionsseminar Hermannsburg. Danach war er Rechtsreferendar, zugleich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Rechtswissenschaften in Marburg und promovierte über das Thema «Toleranz im Schulrecht der Hessischen Landesverfassung». Nach dem 2. juristischen Staatsexamen im Jahr 1980 war er Richter an Verwaltungsgerichten, zunächst in Wiesbaden, ab 1982 in Kassel. Seit 1991 ist Dr. Dittmann als Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel und seit 2010 als Vorsitzender Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel tätig. Seit 1988 ist Dr. Dittmann Mitglied des Kirchenvorstandes der Emmausgemeinde Kassel-Brasselsberg, von 1995 bis 2007 war er dessen Vorsitzender. Seit 1992 war er berufenes stellvertretendes Mitglied der Landessynode, seit 1998 gewähltes Mitglied der Landessynode. Während der 10. und 11. Landessynode gehörte Dr. Dittmann dem Synodalvorstand an. 2008 wurde Dr. Dittmann für sein «herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Landeskirche und für die kirchliche Rechtsetzung» der Ehrentitel Kirchenrat verliehen. (25.04.2016)

2016-04-28 17968

Dekanin Brinkmann-Weiß und Pfarrer Mantey Beisitzer
Landessdynode wählt Synodalvorstand - Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann neuer Präses

 

Morschen (medio). Mit 80 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme, vier Enthaltungen und einer ungültigen Stimme ist Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann (64) am Montag (25.4.) zum Präses der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gewählt worden.

Dittmann, der im Amt des Präses auf Kirchenrat Dekan i.R. Rudolf Schulze folgt, ist Vorsitzender Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof und gehört seit 18 Jahren der Landessynode an. Als Beisitzer wurden Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß (Kirchenkreis Hanau) sowie Pfarrer Dr. Volker Mantey (Kirchenkreis Melsungen) gewählt.

Zur Person: Dr. Thomas Dittmann

Dr. Thomas Dittmann wurde 1951 in Melsungen geboren und wuchs in Leverkusen auf. Nach dem Abitur studierte er Jura in Köln und Marburg, dort auch im Nebenfach evangelische Theologie. Nach seinem 1. juristischen Examen absolvierte er ein theologisches Studienjahr am Evangelisch-lutherischen Missionsseminar Hermannsburg. Danach war er Rechtsreferendar, zugleich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Rechtswissenschaften in Marburg und promovierte über das Thema «Toleranz im Schulrecht der Hessischen Landesverfassung». Nach dem 2. juristischen Staatsexamen im Jahr 1980 war er Richter an Verwaltungsgerichten, zunächst in Wiesbaden, ab 1982 in Kassel. Seit 1991 ist Dr. Dittmann als Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel und seit 2010 als Vorsitzender Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel tätig. Seit 1988 ist Dr. Dittmann Mitglied des Kirchenvorstandes der Emmausgemeinde Kassel-Brasselsberg, von 1995 bis 2007 war er dessen Vorsitzender. Seit 1992 war er berufenes stellvertretendes Mitglied der Landessynode, seit 1998 gewähltes Mitglied der Landessynode. Während der 10. und 11. Landessynode gehörte Dr. Dittmann dem Synodalvorstand an. 2008 wurde Dr. Dittmann für sein «herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Landeskirche und für die kirchliche Rechtsetzung» der Ehrentitel Kirchenrat verliehen. (25.04.2016)


arrow_forward Nachgefragt:

Der neu gewählte Präses Dr. Thomas Dittmann spricht in einem Interview mit Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer und mit dem Leitenden Redakteur Radio, Pfarrer Dr. Siegfried Krückeberg, über seine Erwartungen für sein neues Amt:

Montag: Bischof Hein: «Kirche in der Gesellschaft und für die Gesellschaft sein und bleiben»

Morschen (medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, machte in seinem Bericht vor den Mitgliedern der 13. Landessynode am Montag deutlich, deutlich, dass es bei dem von der vergangenen Synode initiierten Zukunftsprozess nicht einfach darum gehe zu sparen. Hein kündigte an: «Diese Synode wird die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als Volkskirche qualitativ weiter entwickeln. Wir richten unsere Kirche, soweit das in unserer Hand liegt, auf die Zukunft aus.» Dabei gelte es, Veränderungen in Kirche und Gesellschaft aktiv aufzunehmen und zu gestalten. Volkskirche zu bleiben heiße, Kirche in der Gesellschaft und für die Gesellschaft zu sein. Dies bedeute für die ländlich geprägte Landeskirche, auch unter veränderten Bedingungen in der Fläche präsent zu bleiben, so Bischof Hein.

Der Bischof berichtete, bislang sei der Zukunftsprozess sehr zielführend, konzentriert und sachorientiert vorangeschritten. Da dies auch weiterhin nötig sein werde, sei es Aufgabe der neuen Synode, «Entscheidungen theologisch zu gewichten, Fragen nach dem Sinn und Zweck der Kirche vom Glauben her zu stellen und uns unseres Auftrags zu vergewissern.» Nicht zuletzt sei aber die Frage der Kommunikation der getroffenen Entscheidungen und die Beteiligung der Betroffenen am Veränderungsprozess von wesentlicher Bedeutung: «Wirklich gelingen wird uns das alles nur, wenn wir diejenigen, die davon betroffen sind, ins Bild setzen und einbeziehen, wenn wir unsere synodalen Entscheidungen verdeutlichen, begründen und gegebenenfalls auch verteidigen. Der öffentliche Diskurs ist im Protestantismus nicht ein notwendiges Übel, sondern ein Teil seiner Identität.»

Im Reformationsjahr 2017 das ökumenisch Verbindende betonen

Mit Blick auf die landeskirchlichen Veranstaltungen im kommenden Jubiläumsjahr sagte Hein, dass ihm die ökumenischen Gottesdienste besonders am Herzen liegen, die die Landeskirche mit dem Erzbistum Paderborn und den Bistümern Fulda und Erfurt feiern wird. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, das Gemeinsame zu betonen, dass die Christenheit aus der Reformation empfangen habe: «die Konzentration auf das Zeugnis von Jesus Christus, das uns in der Bibel überliefert ist und auf das wir im Glauben vertrauen», sagte Hein. Auch die römisch-katholische Kirche verdanke ihre heutige Gestalt der intensiven Auseinandersetzung mit der Reformation, und dies, so der Bischof wörtlich: «keineswegs nur in Abgrenzung!»

1230 Gottesdienstorte starten feierlich mit neuen Bibeln ins Jubiläumsjahr 2017

Hein berichtete, der Rat der Landeskirche habe entschieden, jeder Kirchengemeinde und jedem Gottesdienstort eine neue revidierte Ausgabe der Lutherbibel als Altarbibel zur Verfügung zu stellen. Dies sei «eine ausgesprochen schöne Idee, die auf einfache Weise sichtbar und erfahrbar macht, was in einer Kirche der Reformation im Mittelpunkt steht: die Heilige Schrift!» Bislang seien schon 1230 Bestellungen eingegangen. Erstaunlich sei dabei, an welchen Orten die Bibel dann, neben den Kirchen und Gottesdiensträumen, auch zu finden sei. Dies seien u.a. der Tierpark Sababurg, eine mobile Kirche und diverse Räume der Stille in Kliniken und Schulen. Der Bischof kündigte an, dass die Bibeln am 31. Oktober 2016 mit Beginn des Reformationsjahres in all diesen Kirchen feierlich in Gebrauch genommen würden.

Assistierter Suizid, Hirntod und Embryonenspende als ethische Herausforderungen

Aus seiner Tätigkeit als Mitglied des Deutschen Ethikrates berichtete der Bischof, dieser habe sich zuletzt vorrangig mit Themen befasst, mit denen sich die Kirchen schon seit langem auseinandersetzten. Dies seien Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens beträfen. Als Beispiele nannte Hein die Stellungnahme der Synode zum assistierten Suizid und die Beschäftigung des Evangelischen Juristenforums mit der Frage des «Hirntodes». Letztere benötige einen breiten öffentlichen Diskurs, in dem er persönlich das Anliegen und die Aktion der Evangelischen Frauen in Deutschland unterstütze, mittels eines «Anderen Organspendeausweises» die Organentnahme bei festgestelltem Hirntod nur unter Vollnarkose durchzuführen. Weiterhin stellten die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin u.a. mit der Frage der Embryonenspende die Gesellschaft vor neue ethische Herausforderungen. Der Bischof unterstrich, dass seine Mitgliedschaft im Deutschen Ethikrat ihm eine «öffentliche Theologie» ermögliche, die in der medial vermittelten Öffentlichkeit immer wichtiger werde. 

Humanität und Barmherzigkeit gebieten es, Flüchtlinge aufzunehmen

Der Bischof gab zu bedenken, dass die Frage des Umgangs mit Menschen auf der Flucht die Gesellschaft spalte und für Verunsicherung sorge. Die Kirche stehe dadurch vor einer neuen Herausforderung: Einerseits gelte es zu verhindern, dass der gesellschaftliche Riss auch durch die Kirche gehe. Andererseits müssten die Grenzen dessen, was für eine Christin und einen Christen vertretbar sei, deutlich formuliert werden. Die Barmherzigkeit gebiete es, Flüchtende aufzunehmen. Diese Haltung sei nicht politisch naiv, sondern im westlichen Verständnis von einer Humanität begründet, die allen Menschen gleich welcher Religion, Herkunft und Hautfarbe gelte. Hein bekräftigte: «Taten der Barmherzigkeit sind ein einladendes Zeugnis für den christlichen Glauben. Das gilt nach innen ebenso wie nach außen.» Abschließend ermunterte der Bischof die Synodalen, im Vertrauen auf Gott ihren Beitrag dazu zu leisten, Lösungen zu suchen und zu finden, die für alle Menschen lebensdienlich seien: «Dafür stehen wir ein. Das ist unser Auftrag!» (25.04.2016)

2016-04-25 17972

Bischofsbericht zu aktuellen Herausforderungen und ethischen Fragen
Bischof Hein: «Kirche in der Gesellschaft und für die Gesellschaft sein und bleiben»

 

Morschen (medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, machte in seinem Bericht vor den Mitgliedern der 13. Landessynode am Montag deutlich, deutlich, dass es bei dem von der vergangenen Synode initiierten Zukunftsprozess nicht einfach darum gehe zu sparen. Hein kündigte an: «Diese Synode wird die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als Volkskirche qualitativ weiter entwickeln. Wir richten unsere Kirche, soweit das in unserer Hand liegt, auf die Zukunft aus.» Dabei gelte es, Veränderungen in Kirche und Gesellschaft aktiv aufzunehmen und zu gestalten. Volkskirche zu bleiben heiße, Kirche in der Gesellschaft und für die Gesellschaft zu sein. Dies bedeute für die ländlich geprägte Landeskirche, auch unter veränderten Bedingungen in der Fläche präsent zu bleiben, so Bischof Hein.

Der Bischof berichtete, bislang sei der Zukunftsprozess sehr zielführend, konzentriert und sachorientiert vorangeschritten. Da dies auch weiterhin nötig sein werde, sei es Aufgabe der neuen Synode, «Entscheidungen theologisch zu gewichten, Fragen nach dem Sinn und Zweck der Kirche vom Glauben her zu stellen und uns unseres Auftrags zu vergewissern.» Nicht zuletzt sei aber die Frage der Kommunikation der getroffenen Entscheidungen und die Beteiligung der Betroffenen am Veränderungsprozess von wesentlicher Bedeutung: «Wirklich gelingen wird uns das alles nur, wenn wir diejenigen, die davon betroffen sind, ins Bild setzen und einbeziehen, wenn wir unsere synodalen Entscheidungen verdeutlichen, begründen und gegebenenfalls auch verteidigen. Der öffentliche Diskurs ist im Protestantismus nicht ein notwendiges Übel, sondern ein Teil seiner Identität.»

Im Reformationsjahr 2017 das ökumenisch Verbindende betonen

Mit Blick auf die landeskirchlichen Veranstaltungen im kommenden Jubiläumsjahr sagte Hein, dass ihm die ökumenischen Gottesdienste besonders am Herzen liegen, die die Landeskirche mit dem Erzbistum Paderborn und den Bistümern Fulda und Erfurt feiern wird. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, das Gemeinsame zu betonen, dass die Christenheit aus der Reformation empfangen habe: «die Konzentration auf das Zeugnis von Jesus Christus, das uns in der Bibel überliefert ist und auf das wir im Glauben vertrauen», sagte Hein. Auch die römisch-katholische Kirche verdanke ihre heutige Gestalt der intensiven Auseinandersetzung mit der Reformation, und dies, so der Bischof wörtlich: «keineswegs nur in Abgrenzung!»

1230 Gottesdienstorte starten feierlich mit neuen Bibeln ins Jubiläumsjahr 2017

Hein berichtete, der Rat der Landeskirche habe entschieden, jeder Kirchengemeinde und jedem Gottesdienstort eine neue revidierte Ausgabe der Lutherbibel als Altarbibel zur Verfügung zu stellen. Dies sei «eine ausgesprochen schöne Idee, die auf einfache Weise sichtbar und erfahrbar macht, was in einer Kirche der Reformation im Mittelpunkt steht: die Heilige Schrift!» Bislang seien schon 1230 Bestellungen eingegangen. Erstaunlich sei dabei, an welchen Orten die Bibel dann, neben den Kirchen und Gottesdiensträumen, auch zu finden sei. Dies seien u.a. der Tierpark Sababurg, eine mobile Kirche und diverse Räume der Stille in Kliniken und Schulen. Der Bischof kündigte an, dass die Bibeln am 31. Oktober 2016 mit Beginn des Reformationsjahres in all diesen Kirchen feierlich in Gebrauch genommen würden.

Assistierter Suizid, Hirntod und Embryonenspende als ethische Herausforderungen

Aus seiner Tätigkeit als Mitglied des Deutschen Ethikrates berichtete der Bischof, dieser habe sich zuletzt vorrangig mit Themen befasst, mit denen sich die Kirchen schon seit langem auseinandersetzten. Dies seien Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens beträfen. Als Beispiele nannte Hein die Stellungnahme der Synode zum assistierten Suizid und die Beschäftigung des Evangelischen Juristenforums mit der Frage des «Hirntodes». Letztere benötige einen breiten öffentlichen Diskurs, in dem er persönlich das Anliegen und die Aktion der Evangelischen Frauen in Deutschland unterstütze, mittels eines «Anderen Organspendeausweises» die Organentnahme bei festgestelltem Hirntod nur unter Vollnarkose durchzuführen. Weiterhin stellten die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin u.a. mit der Frage der Embryonenspende die Gesellschaft vor neue ethische Herausforderungen. Der Bischof unterstrich, dass seine Mitgliedschaft im Deutschen Ethikrat ihm eine «öffentliche Theologie» ermögliche, die in der medial vermittelten Öffentlichkeit immer wichtiger werde. 

Humanität und Barmherzigkeit gebieten es, Flüchtlinge aufzunehmen

Der Bischof gab zu bedenken, dass die Frage des Umgangs mit Menschen auf der Flucht die Gesellschaft spalte und für Verunsicherung sorge. Die Kirche stehe dadurch vor einer neuen Herausforderung: Einerseits gelte es zu verhindern, dass der gesellschaftliche Riss auch durch die Kirche gehe. Andererseits müssten die Grenzen dessen, was für eine Christin und einen Christen vertretbar sei, deutlich formuliert werden. Die Barmherzigkeit gebiete es, Flüchtende aufzunehmen. Diese Haltung sei nicht politisch naiv, sondern im westlichen Verständnis von einer Humanität begründet, die allen Menschen gleich welcher Religion, Herkunft und Hautfarbe gelte. Hein bekräftigte: «Taten der Barmherzigkeit sind ein einladendes Zeugnis für den christlichen Glauben. Das gilt nach innen ebenso wie nach außen.» Abschließend ermunterte der Bischof die Synodalen, im Vertrauen auf Gott ihren Beitrag dazu zu leisten, Lösungen zu suchen und zu finden, die für alle Menschen lebensdienlich seien: «Dafür stehen wir ein. Das ist unser Auftrag!» (25.04.2016)


file_download Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Martin Hein im Wortlaut:

Montag: Ministerpräsident Bouffier: Synode ist wichtiger Bestandteil kirchenleitender Arbeit

Morschen (medio). Zum Auftakt der ersten Tagung der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck besuchte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Landessynode und richtete sich in einem Grußwort an ihre Mitglieder. Bouffier würdigte die Bedeutung des vorwiegend aus Ehrenamtlichen bestehenden Leitungsgremiums der Evangelischen Kirche: «In der Evangelischen Kirche dient die Synode dem Meinungsaustausch der Glaubenden. Sie ist wichtiger Bestandteil kirchenleitender Arbeit», sagte Volker Bouffier.


Bouffier: «Die Hilfsbereitschaft vieler Christen in Hessen ist bemerkenswert.»
Auch die Hilfsbereitschaft und das Engagement evangelischer Christen angesichts der Flüchtlingskrise wurden vom Ministerpräsidenten in seinem Grußwort in den Blick genommen: «Bedeutende Herausforderung auch der kirchlichen Arbeit ist die Flüchtlingskrise. Die Hilfsbereitschaft vieler Christen in Hessen für die zu uns kommenden Menschen ist bemerkenswert, geht sie doch auch über den eigenen Glauben hinaus und verwirklicht somit einen Kernauftrag der christlichen Botschaft: Nächstenliebe ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit. Die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck trägt so zu einem weltoffenen und toleranten Land bei. Und das wollen wir auch bleiben – für alle Menschen und für alle Religionen.» (25.04.2016)

2016-04-25 17970

Grußwort vor Landessynode
Ministerpräsident Bouffier: Synode ist wichtiger Bestandteil kirchenleitender Arbeit

 

Morschen (medio). Zum Auftakt der ersten Tagung der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck besuchte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Landessynode und richtete sich in einem Grußwort an ihre Mitglieder. Bouffier würdigte die Bedeutung des vorwiegend aus Ehrenamtlichen bestehenden Leitungsgremiums der Evangelischen Kirche: «In der Evangelischen Kirche dient die Synode dem Meinungsaustausch der Glaubenden. Sie ist wichtiger Bestandteil kirchenleitender Arbeit», sagte Volker Bouffier.


Bouffier: «Die Hilfsbereitschaft vieler Christen in Hessen ist bemerkenswert.»
Auch die Hilfsbereitschaft und das Engagement evangelischer Christen angesichts der Flüchtlingskrise wurden vom Ministerpräsidenten in seinem Grußwort in den Blick genommen: «Bedeutende Herausforderung auch der kirchlichen Arbeit ist die Flüchtlingskrise. Die Hilfsbereitschaft vieler Christen in Hessen für die zu uns kommenden Menschen ist bemerkenswert, geht sie doch auch über den eigenen Glauben hinaus und verwirklicht somit einen Kernauftrag der christlichen Botschaft: Nächstenliebe ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit. Die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck trägt so zu einem weltoffenen und toleranten Land bei. Und das wollen wir auch bleiben – für alle Menschen und für alle Religionen.» (25.04.2016)


Montag: Präses Schulze: Flüchtlingen durch gelebten Glauben Halt und Ermutigung geben

Morschen (medio). In seiner Eröffnungsansprache formulierte der scheidende Präses Kirchenrat Rudolf Schulze als dringliche Aufgabe, auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der christlichen Botschaft aufmerksam zu machen. Angesichts der Zuwanderung vieler Menschen appellierte er dafür, sich nicht nur als Kirche für die einheimische Gesellschaft, sondern zunehmend als Kirche in einer Einwanderungsgesellschaft zu verstehen. Für die nachhaltige Integration von Flüchtlingen werde die diakonische Kompetenz der Kirche gebraucht. Aber genauso sei die geistliche und seelsorgerliche Kompetenz der Kirche gefragt, um in eine verunsicherte Gesellschaft die orientierende Kraft des Evangeliums einzubringen. Auf der Ebene von nachbarschaftlichen Beziehungen sah Schulze neue Möglichkeiten für einen interreligiösen Dialog: «Dazu bedarf es nicht erst eines bestimmten Frömmigkeitspegels, sondern es ist eine Frage der Haltung.» Christen könnten durch ihren gelebten Glauben den Flüchtlingen, die in Deutschland heimisch würden, Gemeinschaft, Halt und Ermutigung geben. 
 

Zusammensetzung der Landessynode

87 Mitglieder gehören der Landessynode an; dabei sind die Nicht-Theologen in der Mehrheit. Das Gros der Mitglieder wird direkt von den Synoden der Kirchenkreise für sechs Jahre gewählt. Hinzu kommen von Amts wegen der Bischof sowie seine Stellvertreter, der Vizepräsident (juristischer Stellvertreter) und die Prälatin (theologische Stellvertreterin), die Pröpstinnen und Pröpste der vier Sprengel sowie die Direktoren des Evangelischen Predigerseminars und der Evangelischen Akademie. Der Rat der Landeskirche beruft zwölf weitere Mitglieder der Landessynode, von denen mindestens acht Laien sein müssen. Bei deren Berufung sollen laut Grundordnung «die für den Dienst der Kirche in der Welt wichtigen Kräfte» vertreten sein.

Informationen zur 13. Landessynode

Die Landessynode tagt in der Regel zweimal im Jahr: im Frühjahr und in der Woche vor dem 1. Advent. Ihre Sitzungen werden durch den / die Präses oder ihre Stellvertreterinnen und Stellvertreter geleitet. Am 25. April 2016 beginnt die Amtszeit der 13. Landessynode. Die Amtszeit endet im Frühjahr 2022. Die Synode wählt zu Beginn ihrer Tagung das Präsidium, bestehend aus dem/der Präses und zwei Beisitzern sowie den Rat der Landeskirche, der die Synode in ihrer tagungsfreien Zeit vertritt. Die Ergebnisse der Ratswahl werden im Laufe des Dienstagnachmittags erwartet. (25.04.2016)

2016-04-25 17965

Eröffnung der ersten Tagung der 13. Landessynode
Präses Schulze: Flüchtlingen durch gelebten Glauben Halt und Ermutigung geben

 

Morschen (medio). In seiner Eröffnungsansprache formulierte der scheidende Präses Kirchenrat Rudolf Schulze als dringliche Aufgabe, auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der christlichen Botschaft aufmerksam zu machen. Angesichts der Zuwanderung vieler Menschen appellierte er dafür, sich nicht nur als Kirche für die einheimische Gesellschaft, sondern zunehmend als Kirche in einer Einwanderungsgesellschaft zu verstehen. Für die nachhaltige Integration von Flüchtlingen werde die diakonische Kompetenz der Kirche gebraucht. Aber genauso sei die geistliche und seelsorgerliche Kompetenz der Kirche gefragt, um in eine verunsicherte Gesellschaft die orientierende Kraft des Evangeliums einzubringen. Auf der Ebene von nachbarschaftlichen Beziehungen sah Schulze neue Möglichkeiten für einen interreligiösen Dialog: «Dazu bedarf es nicht erst eines bestimmten Frömmigkeitspegels, sondern es ist eine Frage der Haltung.» Christen könnten durch ihren gelebten Glauben den Flüchtlingen, die in Deutschland heimisch würden, Gemeinschaft, Halt und Ermutigung geben. 
 

Zusammensetzung der Landessynode

87 Mitglieder gehören der Landessynode an; dabei sind die Nicht-Theologen in der Mehrheit. Das Gros der Mitglieder wird direkt von den Synoden der Kirchenkreise für sechs Jahre gewählt. Hinzu kommen von Amts wegen der Bischof sowie seine Stellvertreter, der Vizepräsident (juristischer Stellvertreter) und die Prälatin (theologische Stellvertreterin), die Pröpstinnen und Pröpste der vier Sprengel sowie die Direktoren des Evangelischen Predigerseminars und der Evangelischen Akademie. Der Rat der Landeskirche beruft zwölf weitere Mitglieder der Landessynode, von denen mindestens acht Laien sein müssen. Bei deren Berufung sollen laut Grundordnung «die für den Dienst der Kirche in der Welt wichtigen Kräfte» vertreten sein.

Informationen zur 13. Landessynode

Die Landessynode tagt in der Regel zweimal im Jahr: im Frühjahr und in der Woche vor dem 1. Advent. Ihre Sitzungen werden durch den / die Präses oder ihre Stellvertreterinnen und Stellvertreter geleitet. Am 25. April 2016 beginnt die Amtszeit der 13. Landessynode. Die Amtszeit endet im Frühjahr 2022. Die Synode wählt zu Beginn ihrer Tagung das Präsidium, bestehend aus dem/der Präses und zwei Beisitzern sowie den Rat der Landeskirche, der die Synode in ihrer tagungsfreien Zeit vertritt. Die Ergebnisse der Ratswahl werden im Laufe des Dienstagnachmittags erwartet. (25.04.2016)


arrow_forward Nachgefragt:

Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer sprach mit Präses Kirchenrat Rudolf Schulze zum Ende seiner Amtszeit als Präses der Landessynode:

Montag: Oberkirchenrat Dr. Thiele «Wer oder was ist die EKD?»

  Morschen (medio). Unter dem Titel «Wer oder was ist die EKD? - Überlegungen zur Grundordnung und zum Kirche-Sein der EKD» informierte Oberkirchenrat Dr. Christoph Thiele, Leiter der Rechtsabteilung des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Mitglieder der 13. Landessynode über die Aufgaben der EKD und deren aktuellen Fragestellungen. (25.04.2016)

Wir dokumentieren die Thesen im Wortlaut. Den gesamten Vortrag können Sie rechts nachlesen.

«Wer oder was ist die EKD? - Überlegungen zur Grundordnung und zum Kirche-Sein der EKD»

(Gliederung und Kernsätze)

1. Woher kommt die EKD? 

Die EKD ist der gegenwärtige Endpunkt einer Entwicklung der protestantischen Einigungsbemühungen, die ihren Ursprung bereits im Jahrhundert der Reformation haben, als sich als Vorläufer der heutigen Landeskirchen konfessionell unterschiedlich geprägte protestantische Territorialkirchen gebildet haben. Die wachsende Intensität der Zusammenarbeit zwischen den Landeskirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat unterschiedliche Formen kirchlicher Kooperationen hervorgebracht, immer allerdings in klarer Abgrenzung von der Idee einer nationalkirchlichen Gesamtorganisation. Auch deshalb konnte die staatliche Verordnung der zentralistisch verfassten «Deutschen Evangelischen Kirche» in der NS-Zeit nur scheitern. Eine Blockbildung zwischen den Landeskirchen in Fragen der Kircheneigenschaft eines gemeinsamen Zusammenschlusses und der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft ermöglichten nach dem 2. Weltkrieg die Gründung der EKD nur als ein «Bund lutherischer, reformierter und unierter Kirchen», in dem die Überbrückung der theologischen Gegensätze noch ausstand. Dementsprechend prägten Lehrgespräche zu den genannten Fragen die theologische Arbeit in den ersten Jahrzehnten der EKD. 

2. Welche Aufgaben hat die EKD und wie nimmt sie sie wahr? 

Die EKD bemüht sich um Festigung und Vertiefung der Gemeinschaft unter den Gliedkirchen und fördert den Austausch ihrer Kräfte und Mittel. Dabei wirkt die EKD dahin, dass die Gliedkirchen, soweit nicht ihr Bekenntnis entgegensteht, in den wesentlichen Fragen des kirchlichen Lebens und Handelns nach übereinstimmenden Grundsätzen verfahren. Die Grundordnung benennt konkret einige Aufgabenbereiche. Die Gliedkirchen lassen weitere Gemeinschaftsaufgaben durch die EKD erfüllen. Damit erweist sich die EKD in ihrem Grundauftrag als föderal geprägte, nicht auf zentralistische Organisation angelegte Einrichtung der sie tragenden Landeskirchen. Die EKD wird durch ihre drei Organe, Synode, Kirchenkonferenz und Rat, geleitet. 

3. Welche Bedeutung hat die Leuenberger Konkordie für die EKD? 

Mit der Leuenberger Konkordie haben die Signatarkirchen einander Kirchengemeinschaft erklärt. Dies schließt Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und die gegenseitige Anerkennung der Ordination ein. Die Leuenberger Konkordie ist von allen Gliedkirchen der EKD und inzwischen auch von der EKD selbst unterzeichnet worden. Dadurch konnte sie zu einem wichtigen Schlüssel für die Weiterentwicklung der EKD werden. Die Frage der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen den Gliedkirchen der EKD, die beim Inkrafttreten der Grundordnung der EKD 1948 noch ungeklärt bleiben musste, ist damit beantwortet worden und hat in der Grundordnung ausdrückliche Erwähnung gefunden. 

4. Worauf zielt die aktuelle Grundordnungsänderung ab und warum ist sie wichtig? 

Die EKD erfüllt ihre ekklesiale Funktion als "Kirche" dadurch, dass sie aufgrund der gewonnenen Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums (Artikel 29 Leuenberger Konkordie) für die Einheit in der bleibenden Vielfalt der Bekenntnisse ihrer Gliedkirchen einsteht. Um selbst Kirche zu sein, bedarf die EKD deshalb ausdrücklich nicht selbst einer eigenen Bekenntnisbindung. Ebenso wenig handelt es sich bei der EKD, die im vollen theologischen Sinn «Kirche» ist, um eine Verwaltungs- oder gar Konsensusunion. Die ausdrückliche Erwähnung des Kirche-Seins der EKD im Text der Grundordnung der EKD ist aus Gründen der Dokumentation eines nach Jahrzehnten gefundenen theologischen Konsenses geboten.

5. Zusammenfassung: Wer oder was ist die EKD? 

Die EKD, als Körperschaft des öffentlichen Rechts rechtlich verfasst, wurzelt kirchengeschichtlich in den protestantischen Einigungsbestrebungen, die aufgrund von in der Reformationszeit beginnenden Entwicklungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts sich verdichtende Formen kirchlicher Kooperation zwischen den unterschiedlich bekenntnismäßig verfassten Landeskirchen auf deutschem Gebiet ausgebildet haben. Zunächst 1945 nur als ein «Bund lutherischer, reformierter und unierter Kirchen» gegründet, konnte im Zuge der Feststellung von Kirchengemeinschaft zwischen allen Gliedkirchen der EKD aufgrund der Leuenberger Konkordie die bestehende Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen allen Gliedkirchen in der Grundordnung der EKD verankert werden. Dementsprechend versteht sich die EKD jetzt auch ausdrücklich als Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Die sie tragenden Landeskirchen haben der EKD die Aufgabe gegeben, sich um die Festigung und Vertiefung der Gemeinschaft unter den Gliedkirchen zu bemühen und den Austausch ihrer Kräfte und Mittel zu fördern. Dabei wirkt die EKD dahin, dass die Gliedkirchen, soweit nicht ihr Bekenntnis entgegensteht, in den wesentlichen Fragen des kirchlichen Lebens und Handelns nach übereinstimmenden Grundsätzen verfahren. Die EKD hat dementsprechende Kompetenzen. Weder an den Aufgaben, noch an den Kompetenzen ändert sich etwas durch die aus der Leuenberger Konkordie neu gewonnene theologische Erkenntnis, dass die EKD, deren ekklesiale Funktion es ist, aufgrund der gewonnenen Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums für die Einheit in der bleibenden Vielfalt der Bekenntnisse ihrer Gliedkirchen einzustehen, als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen selbst Kirche ist.

Oberkirchenrat Dr. Christoph Thiele, Referat bei der 1. Tagung der 13. Landessynode der EKKW am 25.4.2016

2016-04-25 17975

Referat vor Landessynode:
Oberkirchenrat Dr. Thiele «Wer oder was ist die EKD?»

 

  Morschen (medio). Unter dem Titel «Wer oder was ist die EKD? - Überlegungen zur Grundordnung und zum Kirche-Sein der EKD» informierte Oberkirchenrat Dr. Christoph Thiele, Leiter der Rechtsabteilung des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Mitglieder der 13. Landessynode über die Aufgaben der EKD und deren aktuellen Fragestellungen. (25.04.2016)

Wir dokumentieren die Thesen im Wortlaut. Den gesamten Vortrag können Sie rechts nachlesen.

«Wer oder was ist die EKD? - Überlegungen zur Grundordnung und zum Kirche-Sein der EKD»

(Gliederung und Kernsätze)

1. Woher kommt die EKD? 

Die EKD ist der gegenwärtige Endpunkt einer Entwicklung der protestantischen Einigungsbemühungen, die ihren Ursprung bereits im Jahrhundert der Reformation haben, als sich als Vorläufer der heutigen Landeskirchen konfessionell unterschiedlich geprägte protestantische Territorialkirchen gebildet haben. Die wachsende Intensität der Zusammenarbeit zwischen den Landeskirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat unterschiedliche Formen kirchlicher Kooperationen hervorgebracht, immer allerdings in klarer Abgrenzung von der Idee einer nationalkirchlichen Gesamtorganisation. Auch deshalb konnte die staatliche Verordnung der zentralistisch verfassten «Deutschen Evangelischen Kirche» in der NS-Zeit nur scheitern. Eine Blockbildung zwischen den Landeskirchen in Fragen der Kircheneigenschaft eines gemeinsamen Zusammenschlusses und der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft ermöglichten nach dem 2. Weltkrieg die Gründung der EKD nur als ein «Bund lutherischer, reformierter und unierter Kirchen», in dem die Überbrückung der theologischen Gegensätze noch ausstand. Dementsprechend prägten Lehrgespräche zu den genannten Fragen die theologische Arbeit in den ersten Jahrzehnten der EKD. 

2. Welche Aufgaben hat die EKD und wie nimmt sie sie wahr? 

Die EKD bemüht sich um Festigung und Vertiefung der Gemeinschaft unter den Gliedkirchen und fördert den Austausch ihrer Kräfte und Mittel. Dabei wirkt die EKD dahin, dass die Gliedkirchen, soweit nicht ihr Bekenntnis entgegensteht, in den wesentlichen Fragen des kirchlichen Lebens und Handelns nach übereinstimmenden Grundsätzen verfahren. Die Grundordnung benennt konkret einige Aufgabenbereiche. Die Gliedkirchen lassen weitere Gemeinschaftsaufgaben durch die EKD erfüllen. Damit erweist sich die EKD in ihrem Grundauftrag als föderal geprägte, nicht auf zentralistische Organisation angelegte Einrichtung der sie tragenden Landeskirchen. Die EKD wird durch ihre drei Organe, Synode, Kirchenkonferenz und Rat, geleitet. 

3. Welche Bedeutung hat die Leuenberger Konkordie für die EKD? 

Mit der Leuenberger Konkordie haben die Signatarkirchen einander Kirchengemeinschaft erklärt. Dies schließt Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und die gegenseitige Anerkennung der Ordination ein. Die Leuenberger Konkordie ist von allen Gliedkirchen der EKD und inzwischen auch von der EKD selbst unterzeichnet worden. Dadurch konnte sie zu einem wichtigen Schlüssel für die Weiterentwicklung der EKD werden. Die Frage der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen den Gliedkirchen der EKD, die beim Inkrafttreten der Grundordnung der EKD 1948 noch ungeklärt bleiben musste, ist damit beantwortet worden und hat in der Grundordnung ausdrückliche Erwähnung gefunden. 

4. Worauf zielt die aktuelle Grundordnungsänderung ab und warum ist sie wichtig? 

Die EKD erfüllt ihre ekklesiale Funktion als "Kirche" dadurch, dass sie aufgrund der gewonnenen Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums (Artikel 29 Leuenberger Konkordie) für die Einheit in der bleibenden Vielfalt der Bekenntnisse ihrer Gliedkirchen einsteht. Um selbst Kirche zu sein, bedarf die EKD deshalb ausdrücklich nicht selbst einer eigenen Bekenntnisbindung. Ebenso wenig handelt es sich bei der EKD, die im vollen theologischen Sinn «Kirche» ist, um eine Verwaltungs- oder gar Konsensusunion. Die ausdrückliche Erwähnung des Kirche-Seins der EKD im Text der Grundordnung der EKD ist aus Gründen der Dokumentation eines nach Jahrzehnten gefundenen theologischen Konsenses geboten.

5. Zusammenfassung: Wer oder was ist die EKD? 

Die EKD, als Körperschaft des öffentlichen Rechts rechtlich verfasst, wurzelt kirchengeschichtlich in den protestantischen Einigungsbestrebungen, die aufgrund von in der Reformationszeit beginnenden Entwicklungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts sich verdichtende Formen kirchlicher Kooperation zwischen den unterschiedlich bekenntnismäßig verfassten Landeskirchen auf deutschem Gebiet ausgebildet haben. Zunächst 1945 nur als ein «Bund lutherischer, reformierter und unierter Kirchen» gegründet, konnte im Zuge der Feststellung von Kirchengemeinschaft zwischen allen Gliedkirchen der EKD aufgrund der Leuenberger Konkordie die bestehende Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen allen Gliedkirchen in der Grundordnung der EKD verankert werden. Dementsprechend versteht sich die EKD jetzt auch ausdrücklich als Gemeinschaft ihrer lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen. Die sie tragenden Landeskirchen haben der EKD die Aufgabe gegeben, sich um die Festigung und Vertiefung der Gemeinschaft unter den Gliedkirchen zu bemühen und den Austausch ihrer Kräfte und Mittel zu fördern. Dabei wirkt die EKD dahin, dass die Gliedkirchen, soweit nicht ihr Bekenntnis entgegensteht, in den wesentlichen Fragen des kirchlichen Lebens und Handelns nach übereinstimmenden Grundsätzen verfahren. Die EKD hat dementsprechende Kompetenzen. Weder an den Aufgaben, noch an den Kompetenzen ändert sich etwas durch die aus der Leuenberger Konkordie neu gewonnene theologische Erkenntnis, dass die EKD, deren ekklesiale Funktion es ist, aufgrund der gewonnenen Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums für die Einheit in der bleibenden Vielfalt der Bekenntnisse ihrer Gliedkirchen einzustehen, als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen selbst Kirche ist.

Oberkirchenrat Dr. Christoph Thiele, Referat bei der 1. Tagung der 13. Landessynode der EKKW am 25.4.2016


file_download Im Wortlaut:

Lesen Sie hier das Referat von Oberkirchenrat Dr. Thiele im Wortlaut:

Montag: Hein: «Mutig, entschlossen und in großer Freiheit das Amt ausfüllen»

Morschen (medio). Mit einem Gottesdienst  in der Klosterkirche Haydau ist begann heute die erste Tagung der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Im Gottesdienst wurden die Synodalen durch Bischof Martin Hein für ihren Dienst in der Landessynode gesegnet. Ein Drittel der 87 Synodalen sind neu in diesem Amt. Schwerpunkte der Tagung, die bis einschließlich Mittwoch, den 27. April, dauern wird, werden Wahlen in unterschiedliche Gremien der Synode für ihre sechsjährige Amtsperiode sein. So werden u.a. das Präsidium der Synode und der Rat der Landeskirche neu gewählt. 

In seiner Predigt zu Kolosser 3,12-17 ermunterte Bischof Prof. Dr. Hein die Synodalen, mutig, entschlossen und in großer innerer Freiheit ihr Amt auszufüllen: «Unsere Synode kennt keine Fraktionen, auch keine vorgefertigten Meinungen, denen man sich aus welchen Zwängen auch immer anschließen müsste. Die Grundordnung sagt ausdrücklich, dass «die Bindung an andere Aufträge und Weisungen» ausgeschlossen sei. Aus der Bindung an das Gelöbnis und damit allein an den Herrn der Kirche erwächst eine große Freiheit, die nicht eingeschränkt werden darf.»

Bischof Hein: «Gesellschaftliche Entwicklungen begleiten und Stellung beziehen»

Mit einem Blick auf die drängenden gesellschaftspolitischen Fragen sagte der Bischof: «Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind groß: in unserer Landeskirche ebenso wie in der Welt. Die Synode hat sich nie gescheut, zu gesellschaftlichen Fragen, die uns alle beschäftigen, Stellung zu nehmen.» Dabei beanspruchten die Synodalen nicht, die besseren Politikerinnen und Politiker zu sein. Sie seien jedoch überzeugt, «dass uns Gottes Wort dazu anleitet und auffordert, aufmerksam die Entwicklungen zu begleiten und öffentlich auszusprechen, was uns in bestimmten Situationen als vom Evangelium her geboten erscheint.» Aus dieser Gewissheit entstehe Orientierung, Mut und Entschlossenheit für die kommenden Jahre.

Auch die Unterschiedlichkeit der Synodalen sprach der Bischof an: »Eine Synode ist ja eine Zusammenkunft höchst unterschiedlicher Menschen: Frauen und Männer, ältere und jüngere Mitglieder, unterschiedliche Regionen vom Main bis zur Weser, vom Thüringer Wald bis ins Waldeckische Upland, verschiedene Berufe, manchmal sehr eigene Charaktere.» Was sie verbinde und eine, sei der Wille, für die Landeskirche verbindlich einzustehen und ihren Fortgang weiterzuentwickeln: «Und es eint uns noch etwas Entscheidendes: der gemeinsame Glaube an Jesus Christus als Herrn der Kirche und das Vertrauen, dass er in all unseren Entscheidungen gegenwärtig ist.» So entstehe eine Gemeinschaft auf Zeit, deren gegenseitiges Verhalten von Wertschätzung, Respekt und Freundlichkeit bestimmt sei. (25.04.2016)

2016-04-25 17961

Gottesdienst zur ersten Tagung der 13. Landessynode
Hein: «Mutig, entschlossen und in großer Freiheit das Amt ausfüllen»

 

Morschen (medio). Mit einem Gottesdienst  in der Klosterkirche Haydau ist begann heute die erste Tagung der 13. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Im Gottesdienst wurden die Synodalen durch Bischof Martin Hein für ihren Dienst in der Landessynode gesegnet. Ein Drittel der 87 Synodalen sind neu in diesem Amt. Schwerpunkte der Tagung, die bis einschließlich Mittwoch, den 27. April, dauern wird, werden Wahlen in unterschiedliche Gremien der Synode für ihre sechsjährige Amtsperiode sein. So werden u.a. das Präsidium der Synode und der Rat der Landeskirche neu gewählt. 

In seiner Predigt zu Kolosser 3,12-17 ermunterte Bischof Prof. Dr. Hein die Synodalen, mutig, entschlossen und in großer innerer Freiheit ihr Amt auszufüllen: «Unsere Synode kennt keine Fraktionen, auch keine vorgefertigten Meinungen, denen man sich aus welchen Zwängen auch immer anschließen müsste. Die Grundordnung sagt ausdrücklich, dass «die Bindung an andere Aufträge und Weisungen» ausgeschlossen sei. Aus der Bindung an das Gelöbnis und damit allein an den Herrn der Kirche erwächst eine große Freiheit, die nicht eingeschränkt werden darf.»

Bischof Hein: «Gesellschaftliche Entwicklungen begleiten und Stellung beziehen»

Mit einem Blick auf die drängenden gesellschaftspolitischen Fragen sagte der Bischof: «Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind groß: in unserer Landeskirche ebenso wie in der Welt. Die Synode hat sich nie gescheut, zu gesellschaftlichen Fragen, die uns alle beschäftigen, Stellung zu nehmen.» Dabei beanspruchten die Synodalen nicht, die besseren Politikerinnen und Politiker zu sein. Sie seien jedoch überzeugt, «dass uns Gottes Wort dazu anleitet und auffordert, aufmerksam die Entwicklungen zu begleiten und öffentlich auszusprechen, was uns in bestimmten Situationen als vom Evangelium her geboten erscheint.» Aus dieser Gewissheit entstehe Orientierung, Mut und Entschlossenheit für die kommenden Jahre.

Auch die Unterschiedlichkeit der Synodalen sprach der Bischof an: »Eine Synode ist ja eine Zusammenkunft höchst unterschiedlicher Menschen: Frauen und Männer, ältere und jüngere Mitglieder, unterschiedliche Regionen vom Main bis zur Weser, vom Thüringer Wald bis ins Waldeckische Upland, verschiedene Berufe, manchmal sehr eigene Charaktere.» Was sie verbinde und eine, sei der Wille, für die Landeskirche verbindlich einzustehen und ihren Fortgang weiterzuentwickeln: «Und es eint uns noch etwas Entscheidendes: der gemeinsame Glaube an Jesus Christus als Herrn der Kirche und das Vertrauen, dass er in all unseren Entscheidungen gegenwärtig ist.» So entstehe eine Gemeinschaft auf Zeit, deren gegenseitiges Verhalten von Wertschätzung, Respekt und Freundlichkeit bestimmt sei. (25.04.2016)


file_download Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Bischof Martin Hein im Wortlaut:

Montag: Tagesimpressionen

(alle Fotos: medio.tv/schauderna und böttger)

2016-04-25 17982


Tagesimpressionen

 

(alle Fotos: medio.tv/schauderna und böttger)