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Nachgefragt...

Foto: Vizepräsident Dr. Knöppel während der Pressekonferenz zur Tagung der Landessynode am 16.11.2016 im Kasseler Haus der Kirche. (Foto: medio.tv/Schauderna) Vizepräsident Dr. Knöppel während der Pressekonferenz zur Tagung der Landessynode am 16.11.2016 im Kasseler Haus der Kirche. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Vizepräsident Dr. Volker Knöppel stellte sich den Fragen von medio-Radioredakteur Torsten Scheuermann am 16.11.2016 in Kassel.

Scheuermann: Herr Vizepräsident, der Nachtragshaushalt beträgt 33 Millionen Euro. Warum ist der Betrag so hoch?

Vizepräsident Knöppel: Hinter diesem Betrag verbirgt sich der Vorschlag an die Landessynode, als neue dritte Säule für unsere Versorgungsabsicherung eine Versorgungsrücklage zu bilden. Diese soll 16 Millionen Euro umfassen, und der Betrag wird je zur Hälfte aus dem gemeindlichen und landeskirchlichen Teil des Haushalts entnommen, um es dann gemeinsam in die Rücklage zu überführen. Dahinter stehen Buchungen zwischen diesen verschiedenen Haushaltsteilen. Die machen diese Summe so groß. Das Geld, was da fließt, ist deutlich geringer. Diese Buchung zwischen den verschiedenen Teilen unseres Haushaltes ist durch unser Haushaltsrecht vorgegeben.

Scheuermann: Warum muss die EKKW einen solch hohen Betrag für die Kirchenbeamten zurücklegen?

Vizepräsident Knöppel: Wir haben ja die Umstellung von der kameralistischen Haushaltsführung zur kaufmännischen Rechnungslegung jetzt durchgeführt, und diese kaufmännische Rechnungslegung zeigt uns, welche Versorgungsverpflichtungen jetzt und auch in allen zukünftigen Jahren auf uns zu kommen. Wenn wir uns die Versorgungsansprüche der Aktiven anschauen, die zum Teil noch für viele Jahre im Dienst stehen und erst in weiter Zukunft den Versorgungsanspruch bekommen, sehen wir diese Zahlen jetzt auf einen Schlag. Wir müssen diese Verpflichtung sehen und damit auch umgehen, weil das Rechtsverpflichtungen sind, die wir gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Aber wir müssen diese Verpflichtungen nicht von heute auf morgen, also auf einen Schlag kapitalgedeckt irgendwo in die Rücklagen legen, sondern wir müssen jetzt in den nächsten Doppelhaushalten gewährleisten, dass wir uns einer Kapitaldeckung immer weiter nähern. Wir sind da auch nicht allein, das geht den Landkreisen, den Kommunen, den anderen Landeskirchen und auch dem Land Hessen genauso. Jeder der bilanziert, sieht auf einmal diese langfristigen Verpflichtungen.

Scheuermann: Wie wollen Sie in der Zukunft konkret mit diesen Zahlungsverpflichtungen umgehen?

Vizepräsident Knöppel: Das System ist, außer der Bildung der Versorgungsrücklage, ja nicht neu.  Wir haben uns schon vor Jahrzehnten darauf vorbereitet, dass wir die laufenden Versorgungsverpflichtungen nicht mehr aus den Haushalten der Landeskirche entnehmen wollen. Das würde nämlich unsere Möglichkeiten als Volkskirche aktiv zu werden, ordentlich beschneiden. Deshalb haben wir  entweder Versorgungskassen selbst gegründet oder haben uns an bestehenden Versorgungskassen beteiligt.  Zum Teil sind wir dort Kapitalgedeckt unterwegs, zum Teil haben wir ein Mischsystem zwischen Kapitaleinlagen und einem umlagefinanzierten System.

Scheuermann: Investitionen auf dem Kapitalmarkt werfen wegen der niedrigen Zinsen kaum etwas ab. Wie legt in diesen Zeiten die Landeskirche ihr Geld an?

Vizepräsident Knöppel: Sowohl wir als Landeskirche  als auch die Versorgungskassen stehen vor der gleichen Frage, ebenso die großen Versicherungskonzerne: Was machen wir mit dem Geld? Im Moment ist auf dem Kapitalmarkt finanzpolitisch die Niedrigzinsphase gewollt, und wird wahrscheinlich auch noch viele Jahre fortbestehen, denn dem Staat hilft es ja seine Staatsverschuldung abzubauen. Wie gehen wir also damit um, denn wir brauchen ja schon eine gewisse Rendite aus unseren Kapitalanlagen, denn von Jahr zu Jahr steigen Löhne und Gehälter, das muss  irgendwo herkommen, um es zu finanzieren. In der Vergangenheit konnten wir unsere Kapitalanlagen gut anlegen, entweder in Rentenpapieren oder in Staatsanleihen. Die werfen heute aber kaum noch eine Rendite ab, man muss heute etwas stärker in die Aktien gehen, schauen, dass das Risiko da nicht zu groß wird und  auch schauen, wie sieht es auf den Immobilienmärkten aus, bzw. in den Immobilienfonds. Da gibt es noch erkleckliche Renditen, so dass wir also im Grunde genommen ganz gemischt mit unseren Finanzanlagen umgehen in einem System, das EKD-weit abgestimmt ist. Wir nennen das  Nachhaltigkeitsstrategie, die wir gemeinsam in den Landeskirchen und mit unseren Pensionskassen zusammen entwickelt haben.

Scheuermann: Herr Vizepräsident, vielen Dank für das Gespräch.

(16.11.2016)

2016-11-18

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