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Herbsttagung 2017
Montag, 27. November 2017

Übersicht

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Bischofsbericht zum Verhältnis von Kirche und Staat
Bischof Hein: «Unser Anspruch ist, gehört zu werden und zu überzeugen»

Hofgeismar (medio). Wie steht es um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat? Mischt sich Kirche zu stark in die Politik ein? Diese kontrovers diskutierten Fragen waren Anlass für Bischof Prof. Dr. Martin Hein, sich in seinem diesjährigen Bericht vor der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck grundlegend mit dem Verhältnis von Staat und Kirche auseinanderzusetzen. Unter dem Titel «Bejahte Freiheit» ging Hein darin auf die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen und das Verhältnis zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft sowie auf die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Aufgaben der Kirche ein. 


Deutschland ist ein säkularer, kein laizistischer Staat

Zu Beginn seiner Ausführungen beschrieb Bischof Hein die rechtlichen Rahmenbedingungen des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend geändert hätten. Während die Kirche im 19. Jahrhundert noch eine «Staatskirche» gewesen sei, sei sie im modernen, freiheitlichen und demokratischen Staat zu einer «verfassten» Kirche geworden. Damit sei sie nicht mehr Teil des Staates, sondern der Gesellschaft. Seither regelten Kirche und Staat ihr Verhältnis – genauso wie andere gesellschaftliche Organisationen auch – über Verträge, die zur Entwicklung eines «Staatskirchenrechts» geführt hätten. Die Bundesrepublik garantiere als säkularer, aber nicht laizistischer Staat eine positive Religionsfreiheit. Die Kirchen seien als «Körperschaften des öffentlichen Rechts» anerkannt. Damit garantiere der Staat ihnen das Recht zur öffentlichen Ausübung der Religion und zur eigenständigen Regelung der innerkirchlichen Angelegenheiten. Seither ständen Kirchen und Staat zueinander in einem Verhältnis von wohlwollendem Respekt, kritischer Distanz und gegenseitiger rechtlicher Absicherung.

Kirchen sind Teil der Zivilgesellschaft

Hein erläuterte, dass die Bundesrepublik ein Staat sei, der die pluralistische gesellschaftliche Entwicklung fördere. Die Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts seien Teil der Zivilgesellschaft und als solche auch Teil einer pluralen Öffentlichkeit. In dieser repräsentierten sie zwar nicht mehr die Mehrheit, könnten aber durch ihren Körperschaftsstatus als Teil der Öffentlichkeit agieren. Zugleich müssten sie sich gegenüber der pluralen Gesellschaft verantworten, die eine Außenperspektive auf die Kirchen einnehme. Hein machte deutlich: «Die Stimme der Kirchen wird durchaus gehört, aber sie ist eine unter vielen.»

Kirche gibt Impulse für die Gesellschaft durch Verkündigung des Evangeliums

Die Kirchen versuchten auch unter diesen veränderten Rahmenbedingungen, mit Anregungen und Impulsen zur Entwicklung der freiheitlichen Gesellschaft beizutragen und sich aktiv in Debatten einzubringen. Hein betonte: «Wenn wir als Kirche im Blick auf politische Entscheidungen unsere Einschätzungen einbringen und auch Kritik äußern, dann tun wir das nicht von einer vermeintlich «höheren» Warte aus oder als selbst ernannte «Moralanstalt», sondern unter den Bedingungen freiheitlicher Pluralität. Unser Anspruch besteht im Rahmen der «Öffentlichkeit» allein darin, gehört zu werden – und wenn möglich, auch zu überzeugen.» Die Kirchen müssten sich «selbstbewusst, aber nicht auftrumpfend» der Aufgabe stellen, die Lebensdienlichkeit des Evangeliums zu kommunizieren. Denn ihnen liege ein Verständnis von Mensch, Gesellschaft und Staat zugrunde, das auf Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung hin ausgelegt sei. Heins Ansicht nach sei die Stimme der Kirchen aktuell besonders gefragt zur Relativierung des Leistungsprinzips, für eine Betonung der Menschenrechte sowie um den sozialen Dienst an der Gemeinschaft in diakonischer Zuwendung bewusst zu machen.

Staat überträgt subsidiär Aufgaben

Der Staat biete den Kirchen aber nicht nur Möglichkeiten und Chancen, sondern er formuliere an sie auch Erwartungen. Durch das Prinzip der Subsidiarität überlasse der Staat möglichst viele soziale Aufgaben und deren Erfüllung der Zivilgesellschaft. Hein formulierte pointiert: «Für Staat und Gesellschaft sind wir allein durch die Subsidiarität interessant. Daran wird unsere Bedeutung gemessen.» In der Möglichkeit, subsidiär tätig zu werden, präge sich die moderne Wahrnehmung des Auftrags des Evangeliums aus, Gerechtigkeit zu organisieren. Damit ständen die Kirchen aber in Konkurrenz zu anderen gesellschaftlichen Gruppen: «Für den Staat und die Gesellschaft zählt, was wir tun, und nicht, wie wir es begründen!»

Flüchtlingsarbeit ist weiterhin notwendig

In seinem Bericht nahm Bischof Dr. Hein auch zur kirchlichen Flüchtlingsarbeit und zur aktuellen Diskussion um den Familiennachzug Stellung. Hein machte deutlich, dass trotz zurückgehender Flüchtlingszahlen das kirchliche und diakonische Engagement weiterhin notwendig sei. Er dankte ausdrücklich den vielen Ehrenamtlichen, die mit Widerständen zu kämpfen hätten und die es viel Kraft koste, die Sensibilität für die Nöte der Flüchtlinge wachzuhalten. Der Bischof zeigte sich überzeugt: «Unabhängig von den Schieflagen der öffentlichen Diskussion können alle in der Flüchtlingsarbeit Engagierten davon ausgehen, dass eine große Mehrheit unserer Kirchenmitglieder diese Arbeit bejaht!»

Familiennachzug ist ein wichtiger Integrationsfaktor

Hein äußerte seine Irritation über die Zahlen, mit denen in der aktuellen politischen Diskussion um den Familiennachzug operiert werde. Mittlerweile gehe auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge davon aus, dass deutlich weniger Menschen im Zuge des Familiennachzugs nach Deutschland kommen würden. Der Bischof betonte, dass aus Sicht der Kirchen die Stärkung von Familien ein nicht zu unterschätzender Faktor sei, der sich positiv auf die Integration auswirke. Daher setzten sich Landeskirchen und Diakonie dafür ein, dass die Familienzusammenführung aller Schutzberechtigten, aber auch aller subsidiär Schutzberechtigten ermöglicht werde.

Zahl der Kirchenasyle ist gestiegen

Als Ursache für die deutlich gestiegene Zahl von Kirchenasylen benannte Bischof Dr. Hein die Verschärfung des Problems der Abschiebungen. Durch Gewährung von Asyl wiesen die Kirchengemeinden auf einen individuellen Härtefall hin mit dem Ziel, den Antrag erneut zu prüfen. Hein betonte: «Wir vertrauen unseren Gemeinden in ihrem Handeln und in ihrer Entscheidung zum Kirchenasyl!» (27.11.2017)

Videobeitrag

Wie steht es um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat? Mischt sich Kirche zu stark in die Politik ein? Mit diesen und weitere Fragen beschäftigte sich Bischof Prof. Dr. Martin Hein in seinem diesjährigen Bericht «Bejahte Freiheit» und stellte das Verhältnis von Staat und Kirche in dessen Mittelpunkt. Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer sprach mit Synodalen und Gästen über das Thema Kirche und Staat und welche Erwartungen beide an einander haben dürfen. (28.11.2017)

2017-11-28

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Hein im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Bischof Hein zum Verhältnis von Kirche und Staat, zur Rolle der Kirche in der Politik und was eine christlich geprägte Gesellschaft zukünftig ausmachen kann:

Zum Interview...

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Landessynode nimmt Beratungen auf
Präses Dittmann: Grundordnung hat sich bewährt

Hofgeismar (medio). In seiner Eröffnung der Herbsttagung der Landessynode erinnerte Präses Dr. Thomas Dittmann an zwei Jubiläen, die die Landeskirche im vergangenen Kirchenjahr gefeiert habe: 500 Jahre Reformation und 50 Jahre Grundordnung. Dr. Dittmanns Einschätzung nach habe sich die Grundordnung in den 50 Jahren ihrer Geltung bewährt und die maßgeblichen Strukturprinzipien hätten weiterhin Bestand. Dabei habe die Grundordnung die geistliche Dimension kirchenleitenden Handelns im Blick. In der Formulierung vom «Miteinander und Gegenüber» von Bischof und Synode käme zum Ausdruck, dass kirchliches Handeln nicht von «durchsetzbaren Rechtspositionen» bestimmt sei, sondern «ständig neue Verständigungsprozesse erfordere». Dr. Dittmann zeigte sich überzeugt: «Dies entspricht der Kultur, die wir in der Kirche pflegen wollen: nicht bloß dem Buchstaben des (Kirchen-)Gesetzes folgend, sondern dem Geist der kirchlichen Ordnung, der sich bereit hält für das Wirken des Heiligen Geistes.»

Der Präses unterstrich, dass die Grundordnung kein Selbstzweck sei, sondern ein brauchbares Werkzeug. Sie lade dazu ein, von ihr «sachgemäßen Gebrauch» zu machen. Die Grundordnung biete jedem Gemeindeglied die Möglichkeit zur Mitarbeit, Mitbestimmung und Mitgestaltung in den Gemeinden, so dass sich das Priestertum aller Getauften verwirklichen könne: «Dies ist auch 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation und 50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Grundordnung eine bleibende Aufgabe,» so der Präses. Und dieser Aufgabe stelle sich die Synode auch auf dieser Herbsttagung.

Landessynode tagt klimaneutral

Die Landessynode verfolgt auch auf ihrer diesjährigen Herbsttagung die Absicht, klimaneutral zu tagen. Um dies zu erreichen, soll die anfallende CO2-Belastung erhoben, bilanziert und eine Ausgleichzahlung in den Kompensationsfonds christlicher Kirchen geleistet werden. Zur CO2-Reduzierung im Vorfeld der Tagung wurde für die An- und Abreise nach Hofgeismar eine Mitfahrbörse eingerichtet, über die Fahrgemeinschaften gebildet werden konnten.

Die vorangegangene Frühjahrstagung im April 2017 wurde erstmals als klimaneutrale Veranstaltung durchgeführt. Dazu wurde die dreitägige Tagung mit ihren 130 Teilnehmenden nach ihrer CO2-Wirkung bilanziert. Hierfür wurden die durch An- und Abreise, den Verbrauch an Wärme und Strom, die Verpflegung, Übernachtung und Druckerzeugnisse entstandenen Klimagase ermittelt. Diese ergaben im Ergebnis eine Summe von 17,47 Tonnen CO2 - Äquivalenten. Zum Ausgleich wurde in den Kompensationsfonds christlicher Kirchen ein Betrag in Höhe von 401,79 Euro gezahlt. (27.11.2017)

Videobeitrag

Eröffnung der Herbsttagung der Landessynode in Hofgeismar mit einem Gottesdienst und den Schwerpunkten Bischofsbericht und Finanzen der Landeskirche. (28.11.2017)

2017-11-28

Nachgefragt:

Präses Dittmann im Interview zu den Schwerpunkten der Herbsttagung, zum Gesetzesvorhaben über die Sprengelneuordnung und die Stimmung in der Synode.

Zum Interview...

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Gottesdienst zum Auftakt der Herbsttagung
Prälatin Natt: Jahreslosung 2018 ist eine erquickende Zusage

Hofgeismar (medio). In ihrer Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Herbsttagung 2017 der Landessynode griff die Prälatin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marita Natt, die Jahreslosung 2018 auf: «Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.» Der Text aus dem Buch der Offenbarung sei für alle Christen eine wunderbare Ermutigung. Wasser sichere nicht nur im wörtlichen Sinne das Überleben. Vielmehr würden – einem Jesuswort folgend – Menschen, die vom Glauben ergriffen seien, zu solchen, von denen «Wasserströme» ausgingen. Und – so die Prälatin wörtlich: «Ist es nicht das, was viele von uns bewegt und antreibt? In der Kirche Engagierte möchten solch lebendiges Wasser sein. Möchten Menschen erquicken, stärken, aufbauen, bilden, mutig machen und ermutigen», so Natt.

Die Jahreslosung sei eine Verheißung für diejenigen, die das Evangelium als Schatz entdeckt hätten, die nach Vergewisserung und Rechtfertigung dürsteten. Denn durch Gottes Gnade bekämen die Menschen das lebendige Wasser ohne besondere Leistungen geschenkt – eben «umsonst». Die neue Jahreslosung sei eine «erquickende Zusage». Das Fazit der Prälatin: «Sie ist eine Einladung zur Quelle zu gehen, sie neu zu entdecken, von ihr belebt und gestärkt zu werden, zu leben in der Nachfolge des Herrn!» (27.11.2017)

2017-11-27

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Prälatin Marita Natt im Eröffnungsgottesdienst der Herbsttagung im Wortlaut:

PDF-Dokument

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Impressionen des Tages

(Alle Fotos: medio.tv/Schauderna)

 
2017-11-27