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Herbsttagung 2017
Dienstag, 28. November 2017

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Bericht über die Finanzen
Vizepräsident Dr. Knöppel: Reformprozess wird konsequent weitergeführt

Hofgeismar (medio). In seinem Bericht zur finanziellen Situation der Landeskirche ging der Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Volker Knöppel, auf die Entwicklung der Kirchensteuern und Gemeindegliederzahlen ein und gab einen Ausblick auf den noch zu verabschiedenden Doppelhaushalt 2018 / 2019 und dessen Auswirkungen auf den Reformprozess 2026.


Kirchensteueraufkommen ist real gesunken

Dr. Knöppel berichtete, dass trotz des stabilen Wirtschaftswachstums und des starken Arbeitsmarktes in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 ein erheblicher Druck auf die Kirchensteuer zu spüren gewesen sei. Dies liege an einem flacheren Anstieg der Kirchensteuer gegenüber den gesamtstaatlichen Lohn- und Einkommenssteuereinnahmen. Die aktuell vorliegenden Zahlen für den Monat Oktober 2017 wiesen ein Plus von 1,61 Prozent bei den gesamtkirchlichen Steuereinnahmen auf. Berücksichtige man aber die im Jahr 2017 eingetretenen Personalkostensteigerungen von 2,35 Prozent, verkehre sich dieser nominale Zuwachs real zu einer Negativentwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2016 habe das Gesamtaufkommen bei der Kirchensteuer 177,2 Mio. Euro betragen; damit sei ein Anstieg um rund 1,2 Mio. Euro (=0,7 Prozent) gegenüber dem Jahr 2015 zu verzeichnen. Dr. Knöppel stellte fest: «Das ist inflationsbereinigt auch keine schwarze Null mehr.»

Gemeindegliederentwicklung ist stärker rückläufig als prognostiziert

Der Vizepräsident erinnerte daran, dass auf Grundlage eines prognostizierten Gemeindegliederrückgangs von durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr die Zukunftsbeschlüsse mit der Einsparvorgabe von 25 Prozent (= Einsparvolumen von rund 50 Mio. Euro) auf der Herbstsynode 2015 auf den Weg gebracht worden sei. Allerdings seien in diesem Jahr die Verluste an Gemeindegliedern viel stärker ausgefallen als seinerzeit angenommen. Als mutmaßlichen Grund für diesen Anstieg nannte er die Änderung des Austrittsverfahrens, nach dem Gemeindeglieder seit dem 1. März ihren Austritt nicht mehr beim Amtsgericht, sondern bei der Meldebehörde erklären können. Dr. Knöppel mahnte eine genaue Analyse an, «welche Menschen, in welchen Regionen und in welchen Lebenssituationen der Kirche den Rücken kehren, um diesen Negativtrend etwas entgegenzusetzen».

Doppelhaushalt 2018 / 2019 ist ein weiterer Schritt in Richtung Reformprozess 2026

Mit Blick auf die anstehende Verabschiedung des Doppelhaushalts 2018 / 2019 erläuterte der Vizepräsident, dass erste Auswirkungen im Haushaltsentwurf zu verzeichnen seien, auch wenn sich dies nicht im Haushaltsvolumen niederschlage. So weise der Haushalt mit rund 250 Mio. Euro ein um 18 Mio. Euro höheres Haushaltsvolumen gegenüber dem Planungsjahr 2017 auf. Dies liege aber u. a. an der Überführung von acht ehemaligen Sonderhaushalten in die Bewirtschaftung des Landeskirchenamtes und an weiteren systemischen Verrechnungen.

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An anderer Stelle könne man aber die Auswirkungen der Einsparungen deutlich erkennen. So spare man durch die Integration der Bewirtschaftung von acht landeskirchlichen Einrichtungen (im Bereich der Kirchenmusik und der Schulen in landeskirchlicher Trägerschaft) in das Landeskirchenamt 240.000 Euro an Verwaltungskosten. Im Bereich der Tagungsstätten und Freizeitheime werde das Evangelische Jugend- und Freizeithaus Bieber zum Jahresende geschlossen und das Evangelische Freizeitheim Niedenstein werde seit April 2016 als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Durch diese Maßnahmen könnten landeskirchliche Zuweisungen in Höhe von 213.500 Euro eingespart werden. An anderer Stelle würden erwartete Mehrkosten durch Einsparmaßnahmen vermieden: Im Bereich des Landeskirchenamtes kompensierten die im kommenden Doppelhaushalt eingeplanten Stellenreduzierungen im Umfang von 319.000 Euro vollständig die Personalkostensteigerungen, und im Bereich Gebäudemanagement würden Kostensteigerungen aufgrund des Baukostenindex durch die Reduzierung des Gebäudebestands aufgefangen.


Personalfonds zum sozialverträglichen Abbau von Stellen wird eingerichtet

Dr. Knöppel zeigte sich entschlossen, den Kürzungsprozess auf den verschiedenen Ebenen der Landeskirche im Bereich der Mitarbeitenden fortzusetzen, an dessen Ende ein Einsparvolumen von 12,5 Mio. Euro stehe. Um einen sozialverträglichen Abbau der Stellen zu gewährleisten, habe man im kommenden Doppelhaushalt erstmals Mittel für einen Personalfonds von 500.000 Euro pro Jahr eingestellt. Zurzeit würden die rechtlichen Grundlagen für die Fördervoraussetzungen, die Antragstellung und das Bewilligungsverfahren erarbeitet.

Kinder- und Jugendarbeit wird gestärkt und Verwaltungsassistenzen werden geschaffen

Der Vizepräsident wies darauf hin, dass mit dem Reformprozess nicht nur Einsparungen verbunden seien. Vielmehr habe sich die Synode dazu entschlossen, die «Volkskirche qualitativ weiterzuentwickeln», indem bestimmte Bereiche wie die Kinder- und Jugendarbeit gesichert und gestärkt würden bzw. Stellenreduzierungen bei den Pfarrstellen durch die Errichtung von Verwaltungsassistenzen flankiert würden. Diese Maßnahmen würden pro Jahr mit 3,5 Mio. Euro im Doppelhaushalt veranschlagt. (28.11.2017)

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Finanzbericht von Vizepräsident Knöppel im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Vizepräsident Knöppel im Interview zur Entwicklung des Kirchensteueraufkommens, zu den Sparmaßnahmen der Landeskirche und deren Auswirkungen auf den Doppelhaushalt 2018/19:

Zum Interview...

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Reformprozess der Landeskirche nimmt Fahrt auf

Hofgeismar (epd). Der im Herbst 2015 von der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck beschlossene «Reformprozess 2026 - Volkskirche qualitativ weiterentwickeln» nimmt Fahrt auf. Von den 181 Beschlüssen, die dazu beitragen sollen, 50 Millionen Euro einzusparen, seien bis jetzt 52 umgesetzt worden, berichtete Pfarrer Wolfgang Kallies, Geschäftsführer des Reformprozesses, am Dienstag vor der Synode in Hofgeismar. 107 Maßnahmen seien in Arbeit, weitere 22 seien noch nicht projektiert oder terminlich überfällig. «Das ist angesichts der Wegstrecke ein ansehnliches und respektables Ergebnis», sagte er.

Kallies mahnte an, bei der weiteren Umsetzung der Beschlüsse substanziell zu arbeiten und nichts zu überstürzen. Man müsse sich aber auch von dem Gedanken verabschieden, dass kleine Beträge keine Rolle spielten. Zu den Bereichen, die nicht zurückgefahren, sondern aufgrund des Synodenbeschlusses sogar ausgebaut werden sollen, zählt die Kinder- und Jugendarbeit. Hier werde es laut Kallies für jeden fusionierten Kirchenkreis sogar eine weitere Vollzeitstelle geben.

Der Reformprozess enthalte viele sinnvolle Schritte, auch wenn sie bisweilen schmerzhaft seien, sagte Kallies. Der Prozess sei eine gemeinschaftliche Aufgabe der Kirche. «Wir möchten auch weiterhin nahe bei den Menschen bleiben», umriss er das Ziel. (28.11.2017)

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Impressionen des Tages

(Alle Fotos: medio.tv/Schauderna)

 
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