a24620

Donnerstag, 26. April 2018

Übersicht

Hier gelangen Sie wieder zurück zur vorherigen Übersicht:

zurück

a24684

Personalbericht vor der Landessynode
Prälat Böttner: Mut zu «Experimentierfreudigkeit und Fehlerfreundlichkeit»

Hofgeismar (medio). Die inhaltliche und organisatorische Neuaufstellung der kirchlichen und pastoralen Arbeit stand im Mittelpunkt des Personalberichts von Prälat Bernd Böttner am Donnerstag (26.4.) vor der Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Böttner stellte seinen ersten Bericht unter das Motoo: «Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist» (Hosea 10,12). Bei der Neugestaltung gelte die Maxime: Kirchliche Strukturen seien nie Selbstzweck, sondern müssten der Verkündigung des Evangeliums dienen, so der Prälat.


Verkündigung des Evangeliums auf der Höhe der Zeit

Böttner ging der Frage nach, wie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck auch bei sich verändernden Rahmenbedingungen ihren Anspruch, Volkskirche zu sein, verwirklichen könne: «Weil sich die Menschen und die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern, darum müssen sich auch unsere Angebote ändern. Ein wie auch immer geartetes «weiter so!» ist nicht die Antwort», teilte die Pressestelle der Landeskirche mit. Daher müsse die Verkündigung des Evangeliums auf der Höhe der Zeit sein, d. h. Arbeitsformen und kirchliche Angebote müssten daraufhin abgestimmt werden, dass sie den veränderten Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Darüber hinaus müsse mit Blick auf die geringer werdenden finanziellen Ressourcen geprüft werden, welche Aufgaben weiterhin notwendig seien, welche künftig noch geschultert und welche ganz neu entwickelt werden könnten. Diese Aufgabenkritik werde auf allen Ebenen der Landeskirche vorgenommen und falle regional und lokal sehr unterschiedlich aus. Um Lösungsansätze für anstehende Aufgaben zu finden, «benötigen wir Experimentierfreudigkeit und Fehlerfreundlichkeit», so Prälat Böttner.

Kooperation als Herausforderung und Chance

Der Prälat machte deutlich, dass die Bildung von Kooperationsräumen zwar für viele Kirchengemeinden eine Herausforderung sei, dass sie sich aber lohne. Kooperationsräume sollten dabei helfen, neue Formen kirchlicher Zusammenarbeit zu entwickeln und einzuüben, um für die Zeiten, in denen mit weniger Personal gearbeitet werden müsse, vorbereitet zu sein. Im Zentrum der Bemühungen solle dabei stets die Maßgabe stehen, dass eine gute pastorale Versorgung gewährleistet sei, so dass alle Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche «gut, gern und wohlbehalten» miteinander arbeiten könnten. Sein Motto für die Arbeit in den Kooperationsräumen laute: «Besser weniger gut machen!» Daher gebe es für ihn nur zwei Pflichtaufgaben: eine verlässliche gegenseitige Vertretung der Pfarrerinnen und Pfarrer zu regeln und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Auf der Pflicht könne dann die Kür aufbauen, z. B. das Feiern von Gottesdiensten mit alten und neuen Formaten, an traditionellen oder neuen Orten.

Pfarramtlicher Dienst mit Mitte und Maß

Der Prälat hob die Bedeutung von Pfarrerinnen und Pfarrern für die Volkskirche hervor. Damit die Nachwuchsgewinnung erfolgreich sein könne, müssten ein positives Berufsbild, eine angemessene Entlohnung und vor allem angemessene Arbeitsbedingungen vorliegen. Dabei benötige das übertragene Amt «Mitte und Maß». Wörtlich sagte Böttner: «Das Amt benötigt eine Begrenzung, die durch klare Dienstbeschreibungen zu erreichen ist, deren Ziel lautet: Freiheit zur Selbstgestaltung und geordnete Verhältnisse!» Diese Dienstbeschreibungen seien aber nicht als Dienstanweisung zu verstehen, und es gehe auch nicht um die Einführung von Wochenarbeitszeiten. Vielmehr solle mit den Dienstbeschreibungen auf der Grundlage einer Jahresarbeitshöchstzeit als Rechengröße sichergestellt werden, dass Pfarrerinnen und Pfarrer nicht über das vertretbare Maß hinaus tägig werden müssen. Als Ziel formulierte Böttner: «Überforderungen vermeiden und Aufgabenkritik so umsetzen, dass sie kein Lippenbekenntnis bleibt.»

Reduzierung und Verteilung von Pfarrstellen

Mit der Verabschiedung der Beschlüsse zum landeskirchlichen Reformprozess hatte die Landessynode auch den Abbau von Pfarrstellen beschlossen. Böttner erinnerte an das formulierte Ziel, 2026 mindestens 400 volle Gemeindepfarrstellen und mindestens 150 Funktionspfarrstellen vorzusehen. Die gegenwärtigen Prognosen gehen von 445 Gemeindepfarrstellen in 2026 bei einem derzeitigen Stand von 505 Gemeindepfarrstellen aus.

Alle übrigen Pfarrstellen summierten sich aktuell auf 264, von denen zurzeit  84 Stellen in unterschiedlichem Umfang refinanziert seien. Je nachdem, wie man die Refinanzierung im Einzelnen bewerte, müssten in diesem Bereich  bis 2026 noch eine erhebliche Zahl von Pfarrstellen reduziert werden. Nach Einschätzung des Prälaten sei diese Anpassung aber «nicht dramatisch», sie entspreche dem Rückgang der Kirchenmitglieder. Eine Gegenüberstellung von Abgängen aufgrund von Versetzungen in den Ruhestand und den prognostizierten Zugängen durch eine Übernahme in den Pfarrdienst zeige, dass nach der aktuellen Prognose voraussichtlich 40 vakante Stellen in 2026 zu verzeichnen sein würden. Es sei das Ziel der Landeskirche durch eine verstärkte Nachwuchsförderung mögliche Vakanzen zu vermeiden.

Die im Pfarrstellenbudget-Gesetz vorgesehene Verteilung der Pfarrstellen auf die einzelnen Kirchenkreise wiederum garantiere, dass sich auch die Vakanzen einigermaßen gleichmäßig verteilen würden. Laut Böttner habe diese vorhergesagte Stellenentwicklung zur Folge, dass weiterhin eine kontinuierliche Einstellung nötig sei, um für die kommenden Jahre so gut wie möglich aufgestellt zu sein.

Anstehende Herausforderungen müssen gut vermittelt werden

Nach Einschätzung des Prälaten sei die Dimension der zu leistenden Aufgabe noch nicht bei allen vor Ort angekommen. Er sehe zwar zum einen den großen Einsatz vieler, die durch unterschiedliche Maßnahmen kirchengemeindliche und pastorale Arbeit durch Fusionen, Kürzungsmaßnahmen, Sponsoring und zusätzliches ehrenamtliches Engagement absichern und fördern wollten. Zum anderen gebe es aber auch noch Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kirchenvorstände, die den Bildern und Erfahrungen des bisher Gewohnten anhingen und Angst vor Veränderungen hätten.

Böttner zeigte Verständnis dafür, dass die anstehenden Veränderungen viele verunsicherten und sie daher die bisherigen Strukturen bewahren wollten. Selbstkritisch fragte er, ob es den Verantwortlichen besser hätte gelingen können, die Gründe für die anstehenden Veränderungen darzulegen. Deshalb machte der Prälat deutlich: «Ich sehe nach wie vor eine große Vermittlungsaufgabe, vor allem bei den Pfarrerinnen und Pfarrern, aber auch bei den hauptamtlich Mitarbeitenden in der Kirche.» Sie brächten das Wissen und die Professionalität mit, um die Stimmungen aufzunehmen, aber sich nicht allein von diesen leiten zu lassen. Diese Vermittlungsaufgabe werde in den kommenden Jahren verstärkt auf die Pröpstinnen und Pröpste zukommen. Sie würden Vertreterinnen und Vertreter des Bischofs in den Sprengeln landeskirchliche Interessen an der Basis vertreten und könnten zwischen Basis und kirchenleitenden Gremien vermitteln, ohne dabei die Beschlüsse der Landessynode aus den Augen zu verlieren.

Abschließend richtete Böttner ein nachdrückliches Plädoyer an das Plenum der Synode und in die Landeskirche hinein: «Ich werbe leidenschaftlich, die Augen für die notwendigen Veränderungen zu öffnen.» Über den richtigen Weg werde man weiterhin streiten, aber gerade die Unvoreingenommenheit junger Pfarrerinnen und Pfarrer, Vikarinnen und Vikare sowie der Theologiestudierenden stimme ihn zuversichtlich. Als Tenor dieser Gespräche zitierte Böttner: «Meine Kirche ist jetzt so wie sie ist. Ich trage nicht die alten Bilder und die Enttäuschungen der alten mit mir herum. Ich habe Lust in meiner Kirche zu arbeiten, und zwar mit den Möglichkeiten, die jetzt zur Verfügung stehen, und mit neuen Ideen, die gemeinsam zu entwickeln sind.» (26.04.2018)

2018-04-26

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Personalbericht von Prälat Bernd Böttner im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Prälat Bernd Böttner im Interview zu seinem Personalbericht, der Neuaufstellung der kirchlichen und der pastoralen Arbeit und der Nachwuchsgewinnung in der Kirche:

weiter...

a24683

Landessynode nimmt ihre Beratungen auf
Präses Dr. Dittmann: Beratungen mit Augenmaß und im Hören auf Gottes Wort

Foto: Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann (Foto: medio.tv/Schauderna)
Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann (Foto: medio.tv/Schauderna)
Hofgeismar (medio). In seiner Eröffnung erinnerte der Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann daran, dass die Synodaltagungen der letzten Jahre durch die Beschäftigung mit Strukturen, Organisation von Aufgaben, Entscheidungen über Fusionen und Kürzungen geprägt waren. Dabei könne leicht aus dem Blick geraten, dass sich auch bei diesen technischen Fragen geistliche Leitung ereignen müsse. Der Präses gab zu bedenken: «Gerade dann, wenn wir nicht mehr alles tun können, was wir in der Vergangenheit getan haben, wenn wir uns beschränken müssen und von bestimmten Aufgabenfeldern ganz oder teilweise Abschied nehmen, ist es erforderlich, dies nicht nur mit Augenmaß und wachem Verstand, sondern vor allem auch im Gebet und im Hören auf Gottes Wort zu tun.» Das oberste Ziel müsse sein, die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auch künftig so gut wie möglich zu gewährleisten.

Im Mittelpunkt der Beratungen, die bis Freitag (27.4.) dauern werden, steht der erste Personalbericht von Prälat Böttner, der auf den aktuellen Stand des Reformprozesses eingehen wird. Der Bericht steht unter dem Motto: «Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist» (Hosea 10,12). Besonders in den Blick genommen werden dabei die Chancen und Hindernisse, die sich bei der Neuaufstellung der kirchlichen und pastoralen Arbeit ergeben, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle. Neben dem Personalbericht steht die Verabschiedung mehrerer Kirchengesetze auf der Tagesordnung. Dazu gehören eine Novellierung des Traugesetzes, die die gesetzlichen Neuregelungen für gleichgeschlechtliche Ehen berücksichtigt, und die Neustrukturierung der Sprengel in der Landeskirche, deren Beratung in der vergangenen Herbstsynode unterbrochen wurde. (26.04.2018)

2018-04-26

Nachgefragt:

Präses Dr. Thomas Dittmann im Interview zu den Schwerpunkten der Frühjahrstagung, den Anträgen aus den Kreissynoden und dem Expertenvortrag zum Leitwort der Landessynode:

weiter...

a24682

Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrstagung
Bischof Hein: Durch Christus Mut zum Neuen erfahren

Hofgeismar (medio). Mit einem Gottesdienst in der Brunnenkirche in Hofgeismar begann am Donnerstag (26.4.) die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. In seiner Predigt zu 2. Korinther 5,17  ging Bischof Prof. Dr. Martin Hein der Frage nach, inwieweit die Aussage «In Christus eine neue Schöpfung werden» zutreffend sei. Denn oft stecke man in den Bedingungen und Begrenzungen der alten Welt fest, teilte die Pressetselle der Landeskirche mit. Auch im Handeln der Kirche könne man trotz aller Bemühungen um eine Neuausrichtung beobachten, dass viele am Hergebrachten festhielten und es ihnen schwerfalle, sich «auf leichteres Gepäck und auf neues Denken einzustellen», so Hein. Daher stelle sich die Frage, an welcher Stelle der Existenzwandel, von dem Paulus spreche, sichtbar und erlebbar werde. Heins Antwort: in der Taufe. Die Taufe sei die Handlung, die die Menschen mit Christus verbinde. Daraus folge: «Alles, was auf unser Leben zugreifen und sich unser bemächtigen will, gilt nicht mehr. Wir sind befreit – und zwar von Grund auf -, weil Christus unser Leben ist!» Und dies gelte – so der Bischof – nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für die Kirche als Ganzes.

Dies habe Folgen für die Gestalt der Kirche, die sich anhand von drei Prüfsteinen hinterfragen lasse: «Wovon lassen wir uns bestimmen?», «Was lassen wir los?» und «Wozu sind wir beauftragt?» Hein äußerte die Vermutung: «Wir würden tatsächlich mutiger und auch widerständiger und unbequemer, würden wir unsere Befangenheit im bisherigen Denken einmal selbstkritisch überprüfen, um dadurch Freiheit für Neues gewinnen.» Abschließend sprach der Bischof den Synodalen Mut zu mit den Worten: «Sollten wir den Eindruck gewinnen, hinter unserer Bestimmung und Aufgabe zurückzubleiben, gibt es eigentlich nur eines: die Besinnung auf den Anfang unserer neuen Existenz, auf die Zusage, die uns in unserer Taufe gegeben wurde.» Das neue Leben sei noch nicht am Ziel angelangt, aber es wirke und die Kirche sei auf dem Weg: «Manches an Veränderung liegt vor uns. Aber wir können es mit neuem Denken angehen – weil wir in Christus «inkludiert» sind und aus seiner Kraft leben.» (26.04.2018)

2018-04-26

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Bischof Martin Hein im Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrstagung im Wortlaut:

PDF-Dokument

a24685

Impressionen des Tages

(alle Fotos: medio.tv/Schauderna)
 
2018-04-26