Nachgefragt ...
Fischer: Herr Vizepräsident Dr. Knöppel – Sie werden morgen den Haushalt einbringen. Wie würden Sie die finanzielle Lage der Landeskirche zurzeit beschreiben?
Dr. Knöppel: Wir sind eine arme Landeskirche. Aber wir sind ordentlich eingerichtet.
Fischer: … also eher eine bedrohliche, ernste oder eine entspannte Situation?
Dr. Knöppel: Die Situation muss schon als ernst bezeichnet werden. Nicht ohne Not sind vor vier Jahren Beschlüsse in der Synode gefasst worden, die einen Konsolidierungsplan in die Wege geleitet haben. Jetzt sehen wir auch, das ist eine zukunftsweisende richtige Entscheidung gewesen. Sie hilft uns durch die schwierigen Zeiten hindurch zu kommen, insbesondere in einer Situation, in der die Kirchensteuereinnahmen zurückgehen und auch weiter zurückgehen werden.
Fischer: Wie lange wird der Konsolidierungskurs noch andauern? Konnten Sie ihn immer konsequent durchhalten?
Dr. Knöppel: Der Konsolidierungsplan besteht aus drei Stufen. In jeder Stufe sind es zwei Jahre mit jeweils einem Doppelhaushalt. Wir treten jetzt in die dritte Stufe ein und ich werde morgen bei der Einbringung des Doppelhaushaltes berichten, dass wir das Ziel der dritten Stufe nicht vollständig erreicht haben. Das bedeutet für uns, dass auch nach 2011 mit dem Sparen noch kein Ende sein wird. Sparbemühungen müssen auch weiterhin, denke ich, das finanzielle Gebaren unserer Landeskirche bestimmen. Das ist aber auch der demografischen Entwicklung und unserer Einnahmesituation geschuldet und wird, denke ich, letztlich auch nicht überraschen.
Fischer: Können Sie ein Beispiel geben. Wo werden Sie sparen?
Dr. Knöppel: Wir haben im Konsolidierungsplan kein einziges Handlungsfeld unserer Kirche aufgeben wollen. Insofern sparen wir gleichermaßen. Allerdings nicht mit der Rasenmähermethode. Wir sparen mit geringeren Quoten, zum Beispiel im Bereich Jugend, Bildung und Schule.
Fischer: Und die Gemeinden und Einrichtungen? Wie gehen sie mit diesen Vorgaben, die sie jetzt in den nächsten Jahren erwarten, um?
Dr. Knöppel: In den Doppelhaushalt, den ich morgen einbringen werde, sind Vorgespräche mit allen Verantwortlichen aus unseren Einrichtungen eingeflossen, und die Einsparvorgaben sind dort auch im Rahmen der Sonderhaushalte alle auch verstanden worden.
Fischer: Kein Protest oder Grummeln an der Basis?
Dr. Knöppel: Na ja, die landeskirchlichen Einrichtungen sind ja nicht die Basis, aber wenn Sie die Kirchengemeinden meinen, da gibt es natürlich auch Proteste. Auch ich wünschte mir, es stünde mehr Geld zur Verfügung. Aber ich denke, wir können dafür Sorge tragen, dass unsere Kernaufgaben nach wie vor erfüllt werden können.
Fischer: Auch in diesen schwierigen Zeiten wünscht man sich natürlich, den einen oder anderen Akzent zu setzen. Also nicht nur zu sparen, sondern auch zu sagen, wo in Zukunft mehr Geld ausgegeben werden muss. Wo möchten und können Sie solche neuen Akzente setzen?
Dr. Knöppel: Es gibt drei Akzente, die ich gerne setzen möchte. Das eine ist die Einführung des Gebäudemanagements. Das kostet sehr viel Geld, ist aber, denke ich, eine wichtige Entscheidung für die Zukunft. Sie wird mittel- und langfristig zu Entlastungen führen. Zweitens betrifft es unsere Versorgung: wir haben dort schon einen hohen Deckungsgrad. Wir müssen allerdings auch die neuen Generationen, die in unseren Dienst treten, künftig auf gleichem Niveau absichern. Das ist eine große Herausforderung, aber eine wichtige Entscheidung, die vor etwa vierzig Jahren getroffen wurde, indem wir eigenständige Versorgungswerke gegründet haben.
Was wir nicht schaffen oder nicht mehr schaffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die weitere Aufstockung des Stiftungskapitals der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds, mein dritter Aspekt. Da wünschte ich mir demnächst noch mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Der ist im Moment nicht drin. Das wird bei nächster Gelegenheit aber der Fall sein.
Fischer: Vielen Dank, Herr Dr. Knöppel.
Interview:
Vizepräsident Dr. Volker Knöppel im Gespräch mit Pfarrer Christian Fischer:
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