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Nachgefragt...

Foto: Bischof Martin Hein (r.) im Interview mit medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer. (Foto: medio.tv/Schauderna) Bischof Martin Hein (r.) im Interview mit medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Bischof Prof. Dr. Martin Hein stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 21.11.2011 in Hofgeismar.

Fischer: Herr Bischof, Sie haben heute Ihren Bericht mit dem Titel «Geistliches Leben» vorgestellt. Warum haben sie dieses Thema gewählt?
 
Bischof Hein: Ich glaube, wir müssen uns angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen wir uns in Gesellschaft und Kirche gegenübergestellt sehen, auf das besinnen, was der Grund unseres Glaubens ist und wie sich dieser Glaube in unserem Leben ausprägt.
 
Fischer: Wo könnte geistliches Leben heute stattfinden?

Bischof Hein: Um es mit einem Satz zu sagen: Geistliches Leben ist nicht nur etwas für Spezialisten, für Pfarrerinnen oder Pfarrer, sondern geistliches Leben betrifft alle Christen. Da geht es darum, altbewährte Formen wiederzuentdecken: Das Lesen in der Losung, in der Bibel, das Tischgebet und vieles andere mehr, das uns aufmerksam macht auf das, was für unser Leben wirklich wichtig ist.

Fischer: Manche Christen legen den Schwerpunkt auf dem Gebet, andere fordern zum politischen Engagement auf. Wie passt das für einen Christen zusammen?

Bischof Hein: Ich denke, die Probe darauf, was mir politisch wirklich wichtig ist, wofür ich mich wirklich einsetze, ist das Gebet. Ich habe versucht, es so zu formulieren: Nur wofür ich von Herzen beten kann, weil es mir so wichtig ist, dafür kann ich mich auch politisch einsetzen.

Fischer: Ein politisches Thema, das die Menschen zurzeit sehr beschäftigt ist die Enthüllung rechtsextremer Straftaten. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun?

Bischof Hein: Ich habe betont, dass wir in Deutschland eine streitbare Demokratie brauchen, die frühzeitig den Feinden der Demokratie das Handwerk legt. Wir brauchen demokratische Solidarität untereinander, wir brauchen Abbau von Fremdenhass und wir dürfen es überhaupt nicht dazu kommen lassen, dass solche terroristischen Gruppierungen wieder das Bild von Deutschland in der Welt in irgendeiner Weise beschmutzen. Das heißt also, ich erwarte, dass hier konsequent durchgegriffen wird.

Fischer: Was kann die Kirche, was können Christinnen und Christen tun?

Bischof Hein: Sie können sich zum einen mit den Opfern solidarisch erklären, so wie es die Kirchen schon getan haben. Sie können dafür eintreten, dass zum Beispiel ein Verbot der NPD durchgesetzt wird. Da wird auf das Wort der Kirchen durchaus geachtet! Und einzelne Christinnen und Christen können die Beziehung zu Menschen anderer Religion und anderer Herkunft dadurch intensivieren, dass sie auf sie zugehen. Die Begegnung von Menschen lebt nicht aus Papieren, sondern sie lebt davon, dass wir uns gegenseitig begegnen.

Fischer: Sie sagen, man kann nur dann politisch glaubwürdig als Christ handeln, wenn man seine Glaubenswurzeln spürt. Wie üben sie persönlich ihren Glauben ein?

Bischof Hein: Ich bete täglich und ich lese täglich die Bibel. Daraus erwächst mir eine Kraft, die auch angesichts der Herausforderungen, in denen wir gegenwärtig stecken, Mut macht und mich Hoffnung gewinnen lässt. Und diese Hoffnung lebt aus dem Glauben.

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank für das Gespräch!

(22.11.2011)

2011-11-22

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