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Nachgefragt...

Foto: Bischof Martin Hein (r.) im medio-Interview mit Pfarrer Christian Fischer. (Foto: medio.tv/Küster) Bischof Martin Hein (r.) im medio-Interview mit Pfarrer Christian Fischer. (Foto: medio.tv/Küster)
Bischof Prof. Dr. Martin Hein stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 27.04.2012 in Hofgeismar.

Fischer: Herr Bischof Hein, zu Beginn der Synode sprach der Ministerpräsident des Landes Hessen, Herr Volker Bouffier, ein Grußwort. Wie steht es aus Ihrer Sicht um das Verhältnis von Staat und Kirche?

Bischof Hein: Das Verhältnis von Staat und Kirche ist in Deutschland unabhängig von den handelnden Personen rechtlich geregelt und atmosphärisch ausgesprochen gut, weil beide Seiten den jeweils anderen in seinem Eigenrecht anerkennen. Die Kirchen maßen sich keine staatliche Gewalt an, und der Staat maßt sich nicht an, in die Belange der Kirche einzugreifen. Es gibt im Zusammenhang sozialer und kultureller Fragen eine große Gemeinsamkeit. Insofern sind die Kirchen Teil der Gesellschaft, und der Staat ist daran interessiert, dass die Kirchen dies auch wahrnehmen.

Fischer: Das hört sich sehr harmonisch an, aber es gibt doch sicher auch Reibungspunkte...

Bischof Hein: Es gibt natürlich auch Diskussionen, die von bestimmten Parteien nach vorne geschoben werden. Zum Beispiel die Frage der Erhebung der Kirchensteuer oder der sogenannten Staatsleistungen für die Kirchen, die aus der Säkularisierung im 19. Jahrhundert erfolgten. Dies sind alles Punkte, über die diskutiert wird. Auch die Frage etwa des Feiertagsschutzes ist umstritten, weil dieser Schutz in einer sich multireligiös darstellenden Gesellschaft möglicherweise anders betrachtet wird als in einer stark vom Christentum bestimmten Zeit. Also, hier gibt es sicher auch gewisse Konflikte, aber insgesamt muss ich sagen, dass viele Parteien sehr dankbar dafür sind, dass wir als Kirchen in der Mitte der Gesellschaft unseren Dienst tun.

Fischer: Und wenn wir einen kleinen Blick in die Zukunft werfen: Was erwarten Sie vom Staat in Zukunft?
 
Bischof Hein: Es gibt auch Fragen, die wir unsererseits stellen, etwa in der Sozialpolitik die Frage nach der Auskömmlichkeit der Pflegeversicherung und der Wettbewerbssituation der Sozialanbieter. Da sind Fragen, die wir an die politischen Vertreter im Hessischen Landtag stellen, und hier werden wir uns auch weiterhin deutlich äußern. Ich will es so formulieren: Es ist zwar harmonisch, aber trotzdem klar und bestimmt, wie wir miteinander verfahren. Und wir müssen uns manchmal auch von staatlicher oder politischer Seite das eine oder andere vorhalten lassen – das gehört sich einfach in einer partnerschaftlichen Beziehung.

Fischer: Ein weiteres Thema auf dieser Synode war die Einführung einer neuen Trauagende. Was ändert sich denn in Zukunft für Paare, wenn sie vor den Traualtar in Kurhessen-Waldeck treten?

Bischof Hein: Für die Paare ändert sich natürlich nichts. Die wollen getraut werden, das heißt: Sie wollen den Segen Gottes ganz konkret für sich und ihr Leben zugesprochen bekommen. Aber wir wissen, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Lebensverhältnisse verändert haben. Viele Paare leben lange Zeit zusammen, bevor sie sich trauen lassen, manche haben Kinder und wollen sich gemeinsam taufen und trauen lassen. Menschen unterschiedlichen Glaubens –  nicht nur unterschiedlicher Konfessionen, sondern unterschiedlicher Religionen – wollen einander heiraten. Wie ist das in einem Gottesdienst möglich, wenn etwa ein Hindu und eine Christin heiraten? Gibt es für die beiden etwas, das gemeinsam als Segen Gottes ausgesagt werden kann? Darauf gibt die neue Agende eine Antwort. Sie hat eine ganze Fülle von Texten, die unserem heutigen Lebens- und Sprachgefühl entsprechen. Ich freue mich, dass wir dieses neue Buch für Trauungen haben und wir werden damit werben, denn es ist schön, das Leben gemeinsam unter Gottes Segen zu beginnen.

Fischer: Was erhoffen Sie sich an Wirkungen der neuen Trauagende?

Bischof Hein: Ich stelle fest, dass viele Menschen sich heute stärker als früher Gedanken machen: Wie soll meine Trauung gestaltet werden? Dazu eröffnet diese Agende viele Variationen, die sehr spezifisch der Lebenssituation der Menschen angepasst sind. Ich erwarte mir also eine größere Vielfalt und vielleicht auch wieder eine zunehmende Begeisterung, sich kirchlich trauen zu lassen.

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank für das Gespräch!

(27.04.2012)

2012-05-03

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