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Nachgefragt...

Foto: Präses Kirchenrat Rudolf Schulze vor der Presse in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Küster) Präses Kirchenrat Rudolf Schulze vor der Presse in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Küster)
Präses Kirchenrat Rudolf Schulze stellte sich den Fragen von medio-Volontärin Ramona Kopec am 27.04.2012 in Hofgeismar.

Kopec: Herr Schulze, zeitgleich mit der Synode hier in Hofgeismar tagt die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Auf dem Programm steht jeweils auch der Kooperationsprozess. Wie ist der aktuelle Stand?

Präses Schulze: Gegenwärtig verhandeln die Ausschüsse beider Landeskirchen über die Details des Kooperationsvertrages. Dabei zeigt sich eine sehr unterschiedliche Herangehensweise in beiden Landeskirchen. Während die Ausschüsse auf unserer Seite sich strikt an das Verhandlungsmandat halten und nur über die Details verhandeln, die wir ihnen in der Synode mitgegeben haben, stehen die Ausschüsse der hessen-nassauischen Kirche auf dem Standpunkt, dass sie alle Aspekte der Kooperation noch einmal neu prüfen und selber den Umfang ihrer Verhandlungen bestimmen können. Das erfüllt mich mit Sorge, weil ich nicht erkennen kann, wie man ein so umfangreiches Feld bis zum 30. Juni verhandelt haben kann. Am 30. Juni soll der Verhandlungsschluss der Ausschüsse sein. Wenn man alles, was längst auch im Kooperationsrat verhandelt worden ist in den letzten Jahren, noch einmal neu aufrollt, dann wird das möglicherweise nicht gelingen. Ich finde unsere Art der Verhandlungsführung hier effizienter.

Kopec: Was sind für Sie die Highlights dieser Synodaltagung?

Präses Schulze: Wir haben unterschiedliche Highlights. Auf der einen Seite war natürlich der Besuch des Ministerpräsidenten Bouffier ein besonderes Erlebnis der Wertschätzung für die vielfältigen Engagements unserer Kirche im Land Hessen und für die Dienste, die die Kirche für unsere Gesellschaft erbringt. Das war ein sehr positiver Einstieg in unsere Landessynode. Auf der anderen Seite haben wir jetzt mehrere herausfordernde Themen. Das eine ist die Fusion der Diakonischen Werke. Dort ist die Begleitmusik die, dass die Mitarbeitervertretungen der beiden Diakonischen Werke in Hessen die Frage des Arbeitsrechts in den Vordergrund stellen, obwohl die politische Entscheidung über die Fusion der beiden Diakonischen Werke zu fällen ist und das Arbeitsrecht nur ein Teil der Debatte ist, freilich ein sehr wesentlicher Teil. Insofern führen wir hier eine sehr spannende Debatte. Und ein weiteres Highlight ist das Novum, dass wir beabsichtigen eine Onlinewahl durchzuführen bei der nächsten Kirchenvorstandswahl. Wenn die Synode diesem Gesetzesvorschlag folgt, würden wir innerhalb der EKD, aber auch innerhalb des politischen Wahlverfahrens in Deutschland, einen neuen Weg beschreiten, der uns völlig neue Aspekte eröffnet. Wir erhoffen uns dafür natürlich auch eine hohe Wahlbeteiligung bei der kommenden Kirchenvorstandswahl.

Kopec: Heute wurde auch über die Altersgrenze bei Kirchenvorständen entschieden. Wie schätzen Sie das Ergebnis ein?

Präses Schulze: Bisher darf sich nur jemand, der noch nicht das 70. Lebensjahr zum Zeitpunkt der Wahl vollendet hat, zur Wahl stellen. Dies ist in unserer Grundordnung so festgelegt. Es gab nun einen Gesetzentwurf, diese Altersgrenze aufzuheben angesichts der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung und des höheren Anteils an älteren Gemeindegliedern, die ja auch sonst aktiv an unserem Gemeindeleben teilnehmen und etwa in Kreisen und Gruppen eine aktive Rolle spielen, obwohl sie längst das 70. Lebensjahr hinter sich haben. Diese Mitarbeit schätzen wir sehr hoch ein. Es gab dann in unserer Debatte unterschiedliche Auffassungen. Auf der einen Seite die Mehrheitsauffassung, dass man die Altersgrenze aufheben sollte, auf der anderen Seite aber auch die Befürchtung, dass eine Aufhebung der Altersgrenze dazu führen könnte, dass keine Verjüngung der Kirchenvorstände statt findet. Das könnte für jüngere Gemeindeglieder dann nicht so attraktiv sein. Wir haben nach sorgfältiger Debatte abgestimmt, und haben dabei eine deutliche Mehrheit für die Aufhebung der Altersgrenze erreicht, aber diese Mehrheit reicht nicht aus, um unsere Verfassung zu ändern. Denn die Grundordnung kann nur mit zweidrittel der gesetzlichen Mitgliederzahl verändert werden. Wir haben 93 Mitglieder, dann müssten 62 für die Aufhebung gestimmt haben. Tatsächlich haben aber nur 57 von 84 Synodalen, die im Raum waren, für die Aufhebung der Altersgrenze gestimmt. Das war zwar eine Zweidrittelmehrheit der Anwesenden, aber leider nicht die Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Mitgliederzahl der Landessynode. In sofern haben wir ein etwas widersprüchliches Ergebnis. Es hat nicht gereicht, um die Altersgrenze aufzuheben, andererseits haben wir eine deutliche und klare Mehrheit gehabt dafür, dass künftig auch über 70 Jährige sich zu Wahl stellen sollen. Rechtlich ist dies aber zur Zeit nicht möglich.

Kopec: Auf jeden Fall ist hier eine Stimmung zu erkennen...

Präses Schulze: ...das ist zutreffend. Es ist eine ganz deutliche Stimmung zu erkennen und ich vermute, dass wenn nach der nächsten Kirchenvorstandwahl das erneut beraten wird, die Altersgrenze endgültig aufgehoben seien wird.

Kopec: Herr Präses, wie sehen Sie allgemein die Zukunft der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck?

Präses Schulze: Unsere Kirche ist insgesamt gut aufgestellt und zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich in ihren Kirchenvorständen, Kreissynoden und in der Landessynode immer wieder auf neue Herausforderungen einzustellen vermag. Deshalb bin ich im Blick auf die demografische Entwicklung, die ja die größte organisatorische Herausforderung für uns gegenwärtig darstellt, zuversichtlich, dass wir die notwendigen Anpassungsprozesse leisten werden. Auf der anderen Seite, neben diesen organisatorischen Aufgaben, die wir zu erledigen haben, steht aber eine ganz andere und eigentlich viel wichtigere Aufgabe, nämlich die, das Evangelium von Jesus Christus den Menschen nahe zu bringen und Menschen mit dem christlichen Glauben als einem positiven Lebensmodel vertraut zu machen. Da müssen wir künftig noch mehr Energie drauf verwenden und noch mehr Einsatz zeigen. Ich glaube, wir haben dafür auch gute Argumente, aber wir verwenden gegenwärtig sehr viel Energie für die organisatorisch, institutionellen Anpassungsprozesse. Das verzehrt möglicherweise Kräfte, die wir eigentlich für die inhaltliche Werbung für den christlichen Glauben brauchen.

Kopec: Herr Präses, vielen Dank für dieses Gespräch!

(27.04.2012)

2012-05-03

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