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Nachgefragt...

Foto: Christiane Freifrau von der Tann (2.v.r.) mit den jungen Menschen, die unter der Moderation von Claus-Peter Müller von der Grün (3.v.l.) mit den Synodalen über die Kirche diskutierten. (Foto: medio.tv/Schauderna) Christiane Freifrau von der Tann (2.v.r.) mit den jungen Menschen, die unter der Moderation von Claus-Peter Müller von der Grün (3.v.l.) mit den Synodalen über die Kirche diskutierten. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Christiane Freifrau von der Tann vom Synodalvorstand stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 27.04.2012 in Hofgeismar.

Fischer: Frau von der Tann, Sie wollen als Mitglied des Synodalvorstandes einen Dialog initiieren zwischen den jungen Menschen auf der einen Seite und der Synode auf der anderen Seite. Warum ist aus Ihrer Sicht ein solcher Dialog notwendig?

Von der Tann: Ein größerer Prozentsatz unserer Gemeindemitglieder sind junge Menschen. Wie für ältere brauchen wir auch für unsere jüngeren Mitglieder ein attraktives Programm. Es besteht vielfach eine Diskrepanz zwischen dem, was die Kirche bietet und den Erwartungen junger Menschen. Hier müssen wir mit unseren Überlegungen und Konzepten ansetzen. Gerade dafür brauchen wir den Dialog.

Fischer: Was ist denn Ihre Wahrnehmung, wie stehen  Jugendliche heute zur Kirche?

Von der Tann: Die Kirche ist für junge Leute und für junge Erwachsene weiterhin wichtig. Eine neue Entwicklung ist, dass junge Erwachsene sich zunehmend trauen, nach dem persönlichen Nutzen einer Kirchenzugehörigkeit zu fragen: Was habe ich davon? Wofür brauche ich sie? Hier haben wir als Kirche eine wichtige Aufgabe, heutzutage würde man sagen eine «Marketingaufgabe», auch der jungen Generation zu vermitteln, wofür Kirche steht und wichtig ist. An diesem Thema sollten wir in der Synode weiter arbeiten.
 
Fischer: Junge Menschen sind für die Kirche die Klientel von morgen. Warum fällt es der Kirche schwer, sich auf Jugendliche einzustellen?

Von der Tann: Wahrscheinlich war das immer schon ein Problem, das heute allerdings durch die demographische Entwicklung und die Entfremdung junger Menschen von der Kirche größer geworden ist. Bei mir zu Hause besuche ich auch Gottesdienste in Landgemeinden. Da fällt mir auf, dass dort fast ausschließlich ältere Mitglieder sitzen und die Jugend weitgehend fehlt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Pfarrern und Pfarrerinnen ist das bewusst, gemeinsam mit den Kirchenvorständen sollten Konzepte entwickelt werden, wie die gesamte Gemeinde erreicht werden kann. Aber es ist nicht allein deren Aufgabe, sondern eine Zukunftsaufgabe der Kirche insgesamt.

Fischer: Jugendliche für den Gottesdienst zu begeistern ist sicher eine besondere Herausforderung...

Von der Tann: Stimmt. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Gottesdienst ein zentraler Ort ist, an dem Glaubensinhalte vermittelt werden und Gemeinschaft erlebbar ist. Die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation ist für mich eine der wichtigsten Aufgaben von Kirche und von uns Christen und darf nicht bei der Konfirmation enden. Hier müssen wir auch neue Gestaltungsmöglichkeiten finden.

Fischer: Also mehr Gottesdienste speziell für junge Menschen?

Von der Tann: Das ist eine der Möglichkeiten. Auch bei den Gottesdienstzeiten sollte man mehr an die Lebensgewohnheiten junger Menschen denken. In den regulären Gottesdiensten selbst sollten sie direkter angesprochen werden, gerade auch durch Predigt und Musik. Im Übrigen sind genau das die Fragen, an denen wir die jungen Leute beteiligen müssen.

Fischer: Sie wollen auf dieser Synode zunächst den Jugendlichen zuhören. Wäre das auch ein Modell für unsere Gemeinden?

Von der Tann: Ja natürlich, da spielt die Musik. Die Gemeinde ist der «protestantische Humus». Hier wächst die Beziehung zur Kirche. Daher wünschte ich mir dort mehr Kontakte zu jungen Mitgliedern. Das darf nicht bloß eine Angelegenheit des Kirchentages sein!

Fischer: Und wie soll diese Kontaktaufnahme mit Jugendlichen geschehen? Die jungen Leute bewegen sich ganz selbstverständlich im Internet und in sozialen Netzwerken...

Von der Tann: Selbstverständlich muss Kirche in Sachen Kommunikation - dazu gehört zum Beispiel auch Facebook - mit der Zeit gehen. Wir müssen junge Leute da abholen, wo sie sind. Und wir brauchen ein Konzept, wie wir mehr über ihre Bedürfnisse und Erwartungen erfahren und sie sich stärker in unsere Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse einbringen können.

Fischer: Frau von der Tann, vielen Dank für das Gespräch!

(27.04.2012)

2012-05-02

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