Überblick - Donnerstag, 28. April 2005

   

Eröffnungsgottesdienst (10 Uhr, Bischof Dr. Martin Hein)
Personalbericht von Prälatin Roswitha Alterhoff

Bericht «Weltweite Bezeugung des Evangeliums -
Das ökumenische Profil der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
» (Dezernent für Mission und Ökumene
der EKKW, Wilhelm Richebächer)

 

   

Eröffnungsgottesdienst der Tagung der Landessynode
Bischof Hein: Das neue Lied des Lebens gegen die Resignation anstimmen

   
Altar in der Brunnenkirche in Hofgeismar.
Altar in der Brunnenkirche in Hofgeismar. (Foto: medio.tv / Küster)  

Hofgeismar (medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Martin Hein, hat in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Landessynode am heutigen Donnerstagvormittag in Hofgeismar zu neuer Hoffnung und Aufbruch in Kirche und Gesellschaft aufgerufen. Hein wandte sich gegen eine Haltung der Resignation und Erwartungslosigkeit. Eine Haltung der Anpassung an den scheinbar unabwendbaren Lauf der Dinge führe schließlich dazu, in «das Lied vom Tod» einzustimmen. Christen könnten demgegenüber im Licht des Osterfestes auf das neue «Lied des Lebens» vertrauen und die Zukunft freudig und gelassen gestalten. Auch wenn das «alte Lied des Todes» in der Welt mächtig sei, bleibe festzuhalten: «Veränderungen sind möglich, wenn wir um den Glauben bitten, der uns die Wunder Gottes in unserem Leben entdecken lässt», betonte der Bischof.

Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist am heutigen Donnerstag zu ihrer Frühjahrstagung im nordhessischen Hofgeismar zusammengetreten. Die Beratungen der 90 Synodalen werden sich voraussichtlich bis zum Samstag erstrecken. (28.04.2005)

 

   
Personalbericht von Prälatin Alterhoff vor der Landessynode

Günstige Entwicklung der Gottesdienstbesuche:
Advent, Heiligabend, Ostern und Familiengottesdienste besonders gefragt

   
Prälatin Roswitha Alterhoff vor Journalisten in Hofgeismar.
Prälatin Roswitha Alterhoff vor Journalisten in Hofgeismar. (Foto: medio.tv / Küster)  
Hofgeismar (medio). In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist der Gottesdienstbesuch in den letzten Jahren prozentual gleich geblieben oder sogar gestiegen. Dieses Ergebnis hat Prälatin Roswitha Alterhoff, geistliche Stellvertreterin des Bischofs, zum Auftakt der Landessynode in Hofgeismar am Donnerstag (28.04.) vorgestellt. Zwar sei im Rückblick auf die letzten 20 Jahre die absolute Zahl der Gottesdienstteilnehmer rückläufig; dies sei aber im wesentlichen auf die sinkende Zahl der Gemeindemitglieder zurückzuführen. Dabei ergäben sich aber mit Blick auf das Kirchenjahr auffällige Unterschiede. Während der Gottesdienst etwa am ersten Sonntag der Passionszeit und am Karfreitag schwächer besucht sei, suchten am 1. Advent und am Heiligen Abend mehr Menschen die Kirchen auf.

Verändert habe sich das Gottesdienstverhalten: «Von Karfreitag zu den Osterfeiern, vom sonntäglichen zu den besonderen Gottesdiensten», erklärte die Prälatin. Sie hob zugleich die starke Resonanz von Familien- und Schulgottesdiensten hervor. Auch die Zahl der Wochengottesdienste (Andachten in der Passions- und Adventszeit) sei gestiegen. Jeden Sonntag gehen allein in der Evangelischen Kirche in Deutschland mehr als eine Million Menschen in den Gottesdienst. Dies könne keine Institution der Gesellschaft überbieten, betonte Alterhoff.

Ältere Menschen, denen der Besuch der Kirche nicht mehr möglich sei, schalteten zudem am Sonntag gerne Fernsehen und Radio ein, um dort den Gottesdiensten zu folgen oder mitzufeiern. Umfragen ergäben, dass selbst Kirchendistanzierte ein regelmäßiges Sonntagsgottesdienst-Angebot wünschen, auch wenn sie selbst nicht oder nur begrenzt daran teilnehmen. Gottesdienst sei also auch ein «stellvertretendes Geschehen». Die Prälatin kritisierte in diesem Zusammenhang, dass vielerorts Ausrichter von Veranstaltungen nicht Rücksicht auf die Gottesdienstzeiten und den besonderen Charakter eines Feiertages, wie etwa Karfreitag, nähmen. Hier müsse das Gespräch mit den Verantwortlichen in den Kommunen gesucht werden.

Kirchenaustritte 2004 im Jahr um rund 30 Prozent gesunken – Eintritte gleichbleibend

Die Zahl der Kirchenaustritte ist in der Landeskirche im Jahr 2004 gegenüber 2003 von 4.642 auf 3.264 um fast 30 Prozent zurückgegangen. (Kurhessen-Waldeck weist im Vergleich zu anderen deutschen Landeskirchen mit die geringsten Austrittszahlen auf.) Dem steht eine gleichbleibende Zahl von Eintritten (2004: 1024; 2003: 1030 Personen) gegenüber. Bedenklich sei freilich die demographische Entwicklung, die sich im Überhang von Bestattungen gegenüber Taufen zeigten. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck kommen auf eine Taufe 1,34 Bestattungen. Diese Differenz sei der Hauptfaktor (48,9 Prozent) für den Mitgliederrückgang in der Landeskirche. Mit weitem Abstand folge das Saldo von Austritten zu Eintritten (36,7 Prozent) und die Differenz von Weg- zu Zuzügen (14,4 Prozent).

Zum 1. Januar 2005 hatte die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck 966.850 Mitglieder, 6.108 weniger als ein Jahr zuvor. In den Kirchenkreisen Fulda und Marburg-Stadt war eine Zunahme der evangelischen Bevölkerung zu verzeichnen, sonst war sie – in unterschiedlicher Höhe – rückläufig. Das Durchschnittsalter der Gemeindeglieder liegt bei 44,7 Jahren, davon sind 46,59 Prozent männlich und 53,41 Prozent weiblich.

1.074 Pfarrer in der Landeskirche – Gemeindegröße: von 32 bis zu 8.721 Mitgliedern

Am 1. Januar 2004 zählte die Landeskirche 953 Kirchengemeinden. Auf eine Kirchengemeinde entfallen demnach durchschnittlich 1.027 Mitglieder; allerdings schwanken die Zahlen zwischen 32 und bis zu 8.721 Gemeindegliedern. Zum 1. Mai werden 1.074 Personen im Pfarrdienst stehen. Von ihnen sind knapp 72 Prozent im gemeindlichen Dienst tätig, rund 20 Prozent in anderen Aufgabenfeldern, rund sechs Prozent sind beurlaubt und rund zwei Prozent nehmen einen ehrenamtlichen Dienst wahr.

Der Anteil von Frauen beträgt 33 Prozent. Die Zahl der Frauen im Pfarramt hat sich in den letzten 20 Jahren um mehr als 265 Prozent vervielfacht. Insgesamt hat sich seit 1984 die Zahl der Pfarrer in der Landeskirche um 35 Prozent erhöht. Davon nehmen allerdings mittlerweile rund ein Viertel einen sogenannten eingeschränkten Dienstauftrag wahr (halber oder Dreiviertel-Dienstauftrag), bei den Pfarrerinnen sogar die Hälfte. Die Prälatin regte an, Möglichkeiten auszuschöpfen, um Dreiviertelstellen durch Zusatzaufträge zu einer vollen Pfarrstellen aufzustocken. Dies koste allerdings Geld. Zu überlegen sei, ob zukünftig bei jeder eintretenden Vakanz einer sogenannten landeskirchlichen (Funktions-) Pfarrstelle der Dienst nicht auch aus einer Gemeindepfarrstelle wahrgenommen werden könne. So könnte die Verteilung einer vollen Klinikpfarrstelle vier kleine Kirchengemeinden vor der Umwandlung in eine Pfarrstelle mit Dreiviertel-Dienstauftrag bewahren.

Gestiegen ist die Zahl der Menschen, die ehrenamtlichen Verkündigungsdienst leisten: bei den Lektoren um 4,43 Prozent auf 825, bei den Prädikanten um 7,14 Prozent auf 105. (Frauenanteil bei den Lektoren 53,8 Prozent, bei den Prädikanten 32,4 Prozent.) Damit gibt es bemessen auf jede volle hauptamtliche Pfarrstelle 1,32 Personen, die im ehrenamtlichen Verkündigungsdienst stehen.

Da die prognostizierte Zahl des Pfarrernachwuchses den Bedarf der Landeskirche derzeit nicht deckt, hat der Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg beschlossen, einen berufsbegleitenden Master-Studiengang (Evangelische Theologie II) einzurichten. Auf dessen Akkreditierung wird in enger Zusammenarbeit mit der Landeskirche hingearbeitet. Der Ausbildungsgang richtet sich an Studierende, die bereits über einen berufsbefähigenden Abschluss und Berufserfahrung verfügen. Nach dem Studienabschluss müssen sie sich dem kirchlichen Zulassungsverfahren stellen und das Vikariat absolvieren. Dieser Studiengang soll allerdings der Ausnahmefall vom Regelstudium der Theologie bleiben. (28.04.2005)

 

 

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Prälatin Alterhoff im Wortlaut nach:

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Hintergrund:

Zwischenbericht des Ratsausschusses für Personalentwicklungs-
planung (PEP VI) vor der Landessynode am 28. April 2005:

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Bericht des Dezernats Mission, Ökumene und Weltverantwortung
Ökumene der Konfessionen im Stadium der Bewährung – Neuentdeckung der Mission

   
Tagungssaal in Hofgeismar
Blick in den Synodalsaal (Foto: medio.tv/Küster)  

Hofgeismar (medio). Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat sich am Donnerstagabend in Hofgeismar mit dem Bericht des Ökumenedezernenten der Landeskirche, Oberlandeskirchenrat Dr. Wilhelm Richebächer, unter dem Titel «Weltweite Bezeugung des Evangeliums – Das ökumenische Profil der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck» befasst.

Mit Blick auf das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche diagnostiziert der Bericht ein «Stadium der Bewährung». Neben unverkennbaren Fortschritten sei teilweise auch eine Ernüchterung, etwa in der strittigen Frage der Ordination, festzustellen. Gefragt sei hier eine ökumenische Ehrlichkeit. Positiv sei das gute Miteinander zwischen Kirchen- und Bistumsleitungen in Hessen zu bewerten. Dies zeige sich in mehreren gemeinsamen Rundschreiben, mit dem sich der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Bischof von Fulda an römisch-katholische wie evangelische Christen gewandt hätten.

Ein große Bedeutung komme der Mission bei – weltweit und angesichts sinkender Mitgliederzahlen auch im eigenen Lande. Dabei gelte es, den Missionsbegriff zu aktualisieren. Dies könne nur in einer theologischen Besinnung, einer soliden geschichtlichen Betrachtung und genauer soziologischer und religionswissenschaftlicher Betrachtung geschehen. Hier komme den Arbeitsbereichen «Gemeindeentwicklung» und «Mission, Ökumene und Weltverantwortung» des Amtes für kirchliche Dienste (AfkD) sowie die Mitgliedschaft der Landeskirche in drei regionalen Missionswerken (Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland, Vereinigte Evangelische Mission und Evangelisches Lutherisches Missionswerk in Niedersachsen) eine große Bedeutung bei.

Kirchenpartnerschaften - Entwicklungs- und Diasporaarbeit – Dialog der Religionen

Zugleich gelte es an den Kirchenpartnerschaften der Landeskirche festzuhalten, die die Chance böten, «vom Anderen zu lernen, um sich selbst zu finden». Die Landeskirche unterhält Partnerschaften zu evangelischen Kirchen in Südafrika, Namibia, Indien und Estland. Zugleich bestehen freundschaftliche Beziehungen zur Rum-Orthodoxen Kirche in Syrien und dem Libanon. Dabei komme dem Austausch ökumenischer Mitarbeiter, besonders im Pfarrdienst, eine große Rolle bei.

Die kirchliche Entwicklungs- und Diasporaarbeit leiste einen wesentlichen Beitrag beim Eintreten für Benachteiligte. «Gerechtigkeit fördern», im Einsatz für die Versöhnung «Wunden zu heilen» und «Gewalt verhindern» seien hier herausragende Merkmale. Als Beispiele für diese Arbeit nannte Richebächer das Engagement für «Fairen Handel und nachhaltigen Konsum in der Kirche, den «Zugang zum Wasser als Menschenrecht», die Förderung einer «Beratungsstelle für Gewalt» (Menschenhandel) sowie die Rezeption der 1998 vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufenen «Dekade zur Überwindung der Gewalt» in der Landeskirche.

Eine große Bedeutung ist, so Richebächer, dem Dialog mit Vertretern anderer Religionen beizumessen. Entscheidend sei es hier, Vertrauen in die eigene Religion und Respekt vor der fremden Religion zu gewinnen. Die Arbeit des Islambeauftragten der Landeskirche sei hier besonders wichtig. Es gelte, Orientierung und Entscheidungshilfe zu geben, aber auch der Frage nach dem Verständnis des Dialoges und den damit verbundenen Erwartungen genauer nachzugehen. (29.04.2005)

 

 

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von OLKR Dr. Wilhelm Richebächer im Wortlaut nach:

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