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Bischofskonsultation der Partnerkirchen
Bischöfe besorgt über zunehmenden Fundamentalismus und religiös begründete Gewalt

Brotterode/Eisenach (medio). Die Bischöfe der fünf Partnerkirchen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zeigten sich während ihrer Bischofskonsultation in der vergangenen Woche tief besorgt über die Zunahme von Fundamentalismus und Gewalt in vielen Ländern. Während ihrer Zusammenkunft vom 16. bis 22. Juni in Brotterode/Thüringen tauschten sich die leitenden Geistlichen auf Einladung der Landeskirche über die Entwicklungen und die religiös begründete Gewalt u.a. im Irak, in Syrien, in Nigeria und im Sudan aus, die dort insbesondere die Christen trifft, berichtete die Dezernentin für Ökumene, Weltmission und Entwicklungsfragen, OLKR Dr. Ruth Gütter. In den täglichen Morgen- und Abendandachten hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konsultation zudem Fürbitte für die Opfer dieser Entwicklungen. Die Landeskirche unterhält Partnerschaften zu Kirchen in Estland, Indien, Kirgisien, Namibia und Südafrika.

Einschränkung der Religionsfreiheit, wachsender Unterschied zwischen Arm und Reich und Säkularisierung

2015-07-16
Während des Treffens berichteten die Teilnehmer aus Indien und Kirgisien von Einschränkungen des Rechts auf Religionsfreiheit. Die Vertreter aus Südafrika und Namibia beschrieben die Folgen für die Bevölkerung, die aus dem zunehmenden Unterschied zwischen Arm und Reich resultierten und noch aus der Zeit der Apartheid nachwirkten, so Gütter. Die Vertreter aus Estland und Deutschland berichteten vor allem von den Folgen des fortschreitenden Säkularisierungsprozesses für die Kirchen.

Bildungsangebote der Kirchen fördern gesellschaftlichen und politischen Wandel

Nach den Berichten aus den Partnerkirchen tauschten sich die Bischöfe und weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konsultation darüber aus, wie sich die reformatorische Botschaft in der Entwicklung der verschiedenen Ländern gesellschaftlich und politisch ausgewirkt hat, berichtete Dezernentin Gütter weiter. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Bedeutung der Bildung, die durch die reformatorischen Kirchen in vielen Ländern besonders gefördert wird. Die südafrikanischen Vertreter berichteten, dass viele kirchliche und politische Führer, die an dem gesellschaftlichen Wandel in Südafrika mitgewirkt haben, in Missionsschulen ihre Ausbildung erhalten hätten. Dies bestätigten auch die indischen Vertreter für ihr Land und zogen Parallelen zwischen der Zeit der Reformation und der globalen Situation heute. Es gelte, als protestantische Kirchen auch heute wieder aus dem Evangelium heraus gegen gewaltsame und zerstörerische Auswirkungen von Fundamentalismus und sozialer Ungerechtigkeit entschieden Stellung zu beziehen, lautete der Appell.

Exkursion auf die Wartburg - Nächste Konsultation zu Menschenrechten und Religionsfreiheit

Von dem widerständigen Geist der Reformation und seiner gesellschaftlichen Wirkung konnten sich die Teilnehmer auch bei Besuchen der Wirkungsstätten Luthers in Schmalkalden und Eisenach einen lebendigen Eindruck verschaffen. Während der Exkursion auf die Wartburg, bei der die Bischöfe auch mit der Landtagspräsidentin des Thüringischen Landtages, Birgit Dietzel (CDU), zusammentrafen, sei aber deutlich geworden, dass die Form des reformatorischen Protestes niemals gewaltsam, sondern nur – so Luther - mit «Wort und Tinte» ausgeführt werden sollte, erklärte Gütter.

In dem abschließenden gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst hob Bischof Prof. Dr. Martin Hein hervor, wie wichtig die ökumenischen Partnerschaften für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sind. In den Partnerschaften ginge es um die gegenseitige Anteilnahme («Sharing»), so Hein. Dies sei der Kern des christlichen Glaubens, weil auch Gott in Christus am Leben jedes Menschen Anteil nehme. In einem Wortspiel aus dem Englischen hob der Bischof hervor, dass Christen keine «share-holder», sondern «share-giver» sind, also keine «Anteilseigner», sondern «Anteilsgeber». «Wir pflegen unsere Partnerschaften, weil sie uns wichtig sind und weil sie auch uns bereichern», sagte Bischof Hein abschließend in seiner Predigt. Dass dies nicht nur für die kurhessische Kirche gilt, kam in den abschließenden Dankesworten aller Partner zum Ausdruck. So wurde verabredet, sich in zwei Jahren in Kirgisien zur nächsten Konsultation wiederzutreffen. Themenschwerpunkt sollen dann «Menschenrechte und Religionsfreiheit» sein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konsultation

Zu den Teilnehmern der Konsultation gehörten Erzbischof Andres Põder und der Kanzler der Kirchenkanzlei, Urmas Viilmar, von der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Bischof Ravikumar Niranjan und Dr. Dexter Maben von der Karnataka Northern Diocese der Church of South India, Bischof Alfred Eichholz von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgisien, Bischof Ernst Gamxamub und Dekanin Gerda Kayambu von der Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia, Bischof Marcus M. Ditlhale und Pfarrer Moses Moselane von der Western Diocese der Evangelical-Lutheran Church in Southern Africa.

Seitens der gastgebenden Landeskirche nahmen Bischof Prof. Dr. Martin Hein, Ökumenedezernentin OLKR Dr. Ruth Gütter und Referatsleiter Pfarrer Bernd Müller teil. Inhaltliche Impulse gaben Dekan Burkhardt zur Nieden aus Marburg und Pfarrerin Petra Schwermann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Beauftragte für die Reformationsdekade 2017 in der Landeskirche, aus Kassel.

Stichwort: Bischofskonsultation

In regelmäßigem Rhythmus tauschen sich die Kirchenleitungen auf Bischofsebene aus. Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Konsultationen berichten die Bischöfe über die jeweiligen Entwicklungen, Chancen und Probleme ihrer Kirchen und gesellschaftlichen Kontexte, um sich zu informieren und voneinander lernen zu können. Die Konsultationen sollen die seit vielen Jahren bestehenden Partnerschaften bekräftigen. Zur letzten Bischofskonsultation kam man 2012 in Südindien zusammen. (23.06.2014)

Impressionen vom Besuch in Brotterode und auf der Wartburg:

(Alle Fotos: medio.tv/Schauderna und Müller)

Übersicht

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Austausch zu Kirche und Gesellschaft im estnischen Tallin
4. Theologinnenkonsultation der Landeskirche und deren Partnerkirchen

Tallinn/Estland (medio). Pfarrerinnen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und deren Partnerkirchen in Südafrika, Namibia, Indien und Estland trafen sich vom 3. bis 10. September 2012 in Tallinn/Estland zu ihrer 4. Theologinnenkonsultation.

Eine Woche lang tauschten sich die Theologinnen, darunter auch die Prälatin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marita Natt, aus, teilte Pfarrerin Dr. Constanze Thierfelder aus Wetter mit. Das Treffen stand unter dem Leitthema «Herausforderungen der Veränderungen in Kirche und Gesellschaft».
 
Die Diskussionen der Theologinnen seien lebendig und vom "Geist gegenseitiger Akzeptanz" geprägt gewesen, so Pfarrerin Thierfelder. Der Ertrag des Treffens soll in einem Abschlussbericht gesichert und den Kirchenleitungen übergeben werden. Der kurhessischen Delegation gehörte neben Prälatin Natt und Pfarrerin Thierfelder auch Pfarrerin Sandra Scholz aus Melsungen an. Mit Gaststatus war Pfarrerin K. Ufholz bei der Konsultation dabei, die derzeit mit besonderem Auftrag in der estnischen Kirche in Haapsalu beschäftigt ist, berichtete Pfarrerin Thierfelder. (20.09.2012)

2015-07-15

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