Elisabeth von Thüringen - Radikale Vertreterin eines gelebten Evangeliums. Logo des Elisabethjahres 2007.
Elisabeth von Thüringen - Radikale Vertreterin eines gelebten Evangeliums. Logo des Elisabethjahres 2007.

«Elisabethjahr 2007»

Im Jahr 2007 jährt sich der Geburtstag der heiligen Elisabeth zum 800. Mal. Die ungarische Königstochter Elisabeth, Gemahlin des thüringischen Landgrafen Ludwig IV., Stifterin des Hospitals in Marburg sowie radikale Vertreterin eines gelebten Evangeliums ist eine herausragende Gestalt der hessischen, deutschen und europäischen Kirchengeschichte. Ihr Lebensentwurf von vollständiger Armut, tätiger Caritas und selbstloser Hingabe übt noch heute große Faszination aus.

Aus diesem Anlass werden die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sowie die Diakonischen Werke beider Landeskirchen unter dem Dach des Elisabethjahres 2007 eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten konzipieren und durchführen. Bezüglich der Inhalte und Termine findet eine enge Abstimmung mit dem Bischöflichen Generalvikariat Fulda statt. Vielfach werden hierbei Kooperationspartner beteiligt sein wie etwa das Hessische Staatsarchiv Marburg oder regionale und lokale Geschichtsvereine, Museen und andere; in Planung befinden sich Kontakte in das europäische Ausland. Den Kern der evangelischen Feiern zu Ehren Elisabeths bildet eine Wanderausstellung, die unter dem (Arbeits-)Titel "Krone, Brot und Rosen" an Leben, Wirken und Nachleben Elisabeths erinnert. Sie wird inhaltlich vom Hessischen Staatsarchiv Marburg konzipiert und erarbeitet und von den ev. Kirchen und Diakonischen Werken in Hessen umgesetzt und präsentiert. Sie wird von November 2006 an bis 2008 an vielen Dutzend Orten in Hessen, Thüringen und zahlreichen weiteren Bundesländern zu sehen sein.

Die Homepage informiert durch aktuelle Kalender und Nachrichten über diese Aktivitäten. Bis zu ihrer endgültigen Fertigstellung finden Sie hier ein vorläufiges Informationsangebot. Stöbern Sie ruhig schon ein wenig darin herum!

Viel Freude,

Dr. Jürgen Römer
Geschäftsführer des Elisabeth-Jahrs 2007

Veranstalter:

Das Elisabethjahr 2007 wird veranstaltet von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und den Diakonischen Werken beider Landeskirchen.

www.ekkw.de
www.ekhn.de
www.dwkw.de
www.dwhn.de

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Aktuelle Nachrichten

Programm zum Elisabethjahr 2007 nimmt Gestalt an

Marburg (epd). Das Programm für das Elisabethjahr 2007 nimmt Gestalt an. Vertreter der Stadt Marburg, der evangelischen und der katholischen Kirche haben am Montag (6.3.) in Marburg einen ersten Programmentwurf vorgestellt. Schwerpunkte werden eine Wanderausstellung zum Leben und Wirken der Elisabeth, eine Landesausstellung auf der Wartburg in Thüringen und eine Ausstellung im Marburger Schloss sein. Elisabeth von Thüringen wurde 1207 in Ungarn geboren. Sie starb 1231 in Marburg und wurde nach ihrem Tod heilig gesprochen.

Das Elisabethjahr 2007 werde eine «überregional ausstrahlende Veranstaltung» sein, sagte Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Die Stadt erwarte viele Pilger. Mit der ersten «Programmvorschau», die eine Auswahl der geplanten Veranstaltungen enthält, wolle man frühzeitig Aufmerksamkeit wecken.

Das Elisabethjahr beginnt in Marburg mit einem Auftakt-Gottesdienst am 17. November 2006 in der Elisabethkirche. An diesem Tag soll auch die Wanderausstellung, die von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie den diakonischen Werken in Hessen getragen wird, eröffnet werden.

Sie ist zunächst im Landeskirchenamt in Kassel zu sehen, danach in vielen hessischen Städten, anderen Bundesländern und eventuell auch im europäischen Ausland. Die katholische Kirche feiert die Eröffnung des Elisabethjahres am 3. Dezember in der Marburger Kirchengemeinde St. Peter und Paul.

Am 24. März 2007 beginnt im Marburger Landgrafenschloss die Ausstellung «Elisabeth in Marburg und der Dienst am Kranken».
Ausgrabungen nahe der Elisabethkirche aus den 1970-er Jahren werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung auf der Wartburg ist vom 7. Juli bis zum 19. November 2007 zu sehen.

Am 24. Juni 2007 wird in Eisenach der Elisabeth-Pfad, ein Pilgerweg von Eisenach nach Marburg, eröffnet. Am 2. Dezember 2007 startet die bundesweite evangelische Spendenaktion «Brot für die Welt» in der Elisabethkirche. Geplant sind in Marburg außerdem Symposien, Tagungen und Vorlesungsreihen, Gottesdienste, Konzerte, weitere Ausstellungen sowie eine «Woche der Diakonie».

Man wolle kein «geglättetes, romantisierendes Bild» von Elisabeth zeigen, sondern sie auch in ihrer Widersprüchlickeit darstellen, sagte Kulturamtsleiter Richard Laufner. Für die evangelische Kirche sei Elisabeth als Vorläuferin der Diakonie sehr wichtig, erklärte der Geschäftsführer des Elisabethjahres, Jürgen Römer. Ihre «radikale Hingabe» für die Schwachen der Gesellschaft und der Bruch mit ihrer Herkunft besäßen auch heute noch Aktualität.

Die Programmvorschau zum 800. Geburtstag Elisabeths werde in den kommenden Wochen an Kirchengemeinden ausgegeben, die sie weiter verteilen können. Die Broschüre hat eine Auflage von 90.000. Im Herbst dieses Jahres soll eine weitere ausführlichere Broschüre erscheinen. Auf der Internetseite www.marburg.de sollen die Veranstaltungen regelmäßig ergänzt und aktualisiert werden. Weitere Informationen auch unter 800-Jahre-Elisabeth.de. (06.03.2006)

Elisabethjahr auf dem 5. Landeskirchentag in Gelnhausen


Mit einem eigenen Stand informierte Dr. Jürgen Römer viele
Besucherinnen und Besucher auf dem 5. Landeskirchentag in
Gelnhausen über den aktuellen Vorbereitungsstand des
Elisabethjahres.

Terminkalender:

Hier finden Sie den Kalender für das Elisabethjahr 2007 mit Terminen in Hessen und Thüringen (2006 – 2008):

PDF-Dokument

Wanderausstellung:

Hier finden Sie die Termine und Orte der Wanderausstellung zum Elisabethjahr für den Zeitraum 2006 – 2008:

PDF-Dokument

Geschäftsstelle «Elisabethjahr 2007»

Geschäftsstelle Elisabethjahr 2007
Dr. Jürgen Römer (Geschäftsführer)

Wilhelmshöher Allee 330
34131 Kassel

Tel.: (0561) 9378 - 368
Fax: (0561) 9378 - 450
E-Mail: elisabethjahr@ekkw.de

Material für Pressevertreter:

Logo

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Fotos

Pressebild Dr. Jürgen Römer
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(Bei Verwendung als Fotonachweis bitte angeben:
Foto: medio.tv/schauderna)

Veranstalter

Das Elisabethjahr 2007 wird veranstaltet von:

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (www.ekkw.de)
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (www.ekhn.de)
Diakonisches Werk von Kurhessen-Waldeck e. V. (www.dwkw.de)
Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e. V. (www.dwhn.de)

Elisabeth von Thüringen - Von der Königstochter zur Heiligen

1207 kommt in Ungarn die Tochter des Königs Andreas II. und seiner Frau Gertrud aus dem Haus Andechs-Meranien zur Welt. Sie wird auf den Namen Elisabeth getauft. Schon als Vierjährige gerät sie in die Welt der großen Politik: Sie wird mit Ludwig, dem Sohn des mächtigen Landgrafen Hermann I. von Thüringen, verlobt und verlässt ihre Heimat, um von nun an in Thüringen zu leben. Dort wächst sie am Hof des kunstsinnigen Fürsten zusammen mit ihrem vorgesehenen Ehegatten auf. Schon früh übt der christliche Glaube eine große Faszination auf das Mädchen aus. Sie versucht, möglichst oft in der Kirche zu sein und zieht dies sogar dem Spiel mit anderen Kindern vor. So beschrieben es - nach Elisabeths Tod - in der Rückschau auf ihre Kindheit Dienerinnen und Hofdamen, die sie von klein auf kannten.

Als Elisabeth 13 Jahre alt ist, wird sie, wie es in dieser Zeit üblich ist, mit dem sieben Jahre älteren Ludwig verheiratet. Die wenigen Berichte von Augenzeugen, die einige Jahre nach Elisabeths Tod am 16./17. November 1231 aufgezeichnet wurden, sprechen immer wieder davon, in welch zärtlicher Liebe die beiden einander verbunden waren. Diese Liebe bringt drei Kinder hervor, Hermann, Sophie und Gertrud. Über ihre zweite Tochter wird Elisabeth zur Stammmutter der hessischen Landgrafen werden; der erste Träger dieses Titels, Heinrich I. von Hessen, ist ihr Enkel.

Elisabeths christliche Begeisterung wird im Laufe der Jahre immer stärker. Sie sucht religiösen Beistand bei ihrem Beichtvater, und ihr Mann Ludwig, in dessen Leben Frömmigkeit auch eine bedeutende Rolle spielt, lässt sie gerne gewähren, wenn sie nachts das Ehebett verlässt, um zu beten und sich ihren asketischen Bedürfnissen hinzugeben. Ihre Hinwendung zum Nächsten zeigt sich deutlich in der Fürsorge für ihre Untertanen. Als Ludwig 1226/27 auf einer Reise ist und Thüringen von einer Hungersnot heimgesucht wird, lässt sie die Vorratsspeicher der Landgrafen öffnen und die Nahrungsmittel an die Not leidenden Menschen verteilen. Ihre Verwandten, vor allem die Brüder ihres Mannes, verfolgen dies mit Argwohn, doch Ludwig stellt sich nach seiner Rückkehr hinter Elisabeth.

In dieser Zeit tritt ein Mann in das Leben Elisabeths, der für ihren weiteren Weg eine wichtige Rolle spielen wird, der Kreuzzugsprediger und Ketzerverfolger Magister Konrad von Marburg, der vom Papst mit einer enormen Machtfülle ausgestattet ist. Er wird zum religiösen Führer der jungen Fürstin, die ihm bald absoluten Gehorsam gelobt, aus dem nur die Rechte Ludwigs ausgenommen sind. Für den Fall von Ludwigs Tod legt sie einen Eid ab, auf eine Wiederverheiratung zu verzichten, ein ihre Standesgenossen und vor allem die Familie ihres Mannes brüskierender Akt. Immer öfter sieht man sie nun in einfache Kleider gehüllt; der höfische Luxus und der aufwändige Lebensstil des Adels werden ihr immer fremder. Bei Tisch besteht sie unter dem Einfluss ihres Beichtvaters darauf, mit ihren Dienerinnen nur solche Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, die auf rechtmäßige Weise von den Gütern ihres Mannes stammen. Lebensmittel, die zum Beispiel aus entfremdeten Kirchengütern stammen, lehnt sie ab, lieber will sie hungern.

1227, Elisabeth ist gerade 20 Jahre alt, muss ihr Mann mit Kaiser Friedrich II. auf den Kreuzzug nach Palästina. Er wird von dort nicht wiederkehren, schon in Süditalien wird er zum Opfer einer Seuche werden. Die schwangere Elisabeth begleitet ihn bei seiner Abreise und es kommt zu einem langen, traurigen Abschied voll düsterer Vorahnungen. Bald trifft die Nachricht von Ludwigs Tod bei Elisabeth ein. Ihre Trauer um den geliebten Mann kennt kaum Grenzen, doch fügt sie sich in den Willen Gottes, den sie in den Geschehnissen sieht.

Ein neues Leben beginnt. Ihre Schwäger, Heinrich Raspe, der spätere Gegenkönig, und Konrad, wollen sie junge Witwe mit ihren Kindern nicht mehr auf der Wartburg dulden. Sie befürchten vor allem, dass Elisabeth in der ihnen übertrieben und maßlos erscheinenden religiösen Hingabe an die Armen das Familiengut der Dynastie verschleudern könnte. Elisabeth verlässt die Wartburg mit ihren Kindern, versucht für einige Zeit, sich auf eigene Faust in Eisenach am Fuß des Burgbergs durchzuschlagen und wird dann von ihrer Tante, der Äbtissin des Klosters Kitzingen, nach Bamberg zu ihrem Onkel gebracht, dem dortigen Bischof, und später auf dessen Burg Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Unter Mitwirkung Konrads von Marburg kommt es zu einem Kompromiss mit den Schwägern, Elisabeth zieht sich auf ihr Witwengut in Marburg zurück. Spätere Quellen wollen wissen, dass in dieser Zeit sogar Kaiser Friedrich II. um ihre Hand angehalten habe, was sie ablehnte.

Unter dem Einfluss der religiösen Ideen des Franz von Assisi und der frommen Armutsbewegung, die vor allem Frauen in ganz Europa ergriffen hat, widmet sie ihr Leben und den größten Teil ihres Besitzes nun der Pflege von Armen und Kranken, für die sie vor den Toren Marburgs eine Kapelle und ein Hospital errichten lässt. An einem Karfreitag schwört sie in der Kirche im Beisein Konrads von Marburg allen weltlichen Dingen ab, sie gibt ihre Kinder weg und will von nun an als Arme unter Armen leben, ganz dem Streben nach Begegnung mit Christus im Nächsten hingegeben. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um Leprakranke, hungrige, verwahrloste Kinder und Bettler. Dabei sucht sie geradezu nach der Konfrontation mit dem Erschreckenden: sie küsst die eitrigen Wunden, liebkost die schorfigen Köpfe der kranken Kinder und verrichtet die niedersten Arbeiten, wie es in allen Berichten heißt, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Augenzeugen rühmen ihre Fröhlichkeit und ihr Gottvertrauen.

Elisabeth ist in dieser Hingabe an karitative Arbeiten kein Einzelfall. Unter ihren Zeitgenossinnen und Zeitgenossen lassen sich viele andere finden, die so wie Elisabeth ihr weltliches Gut hingeben und ihre Familien verlassen, um sich der Nächstenliebe zu widmen, neben Franziskus mag Maria von Oignies als Beispiel dienen. Sie gilt als Gründerin der Beginenbewegung, der Elisabeth sich ebenso verbunden fühlt wie den Franziskanern. Im Unterschied zu den Nonnen in den von der Welt abgewandten Klöstern wollen diese religiös bewegten und begeisterten Frauen in der Welt den Menschen dienen. Gerade im Umgang mit den Ärmsten und Elendesten finden diese Frauen ihren direkten Kontakt zu Jesus Christus, der sagt: "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Mt. 25, 40b)

Elisabeth stürzt sich in die Arbeit, in die Selbstaufopferung. Sie schenkt, würde am liebsten alles verschenken, was sie besitzt. Konrad von Marburg hält sie davon ab. Er verbietet ihr das grenzenlose Schenken, um für den Unterhalt des Hospitals Mittel zu sichern. Dabei schreckt Konrad auch vor derben Körperstrafen für Elisabeth nicht zurück, die er selbst ausführt oder aber von Dienerinnen ausführen lässt. Elisabeth, die offenkundig im Leiden Erfüllung finden kann, nimmt die Strafen mit Gleichmut, ja mit fröhlicher Gelassenheit hin. Ihr nahe Stehende beschreiben, wie sie gleichzeitig lachen und weinen kann. Elisabeth sucht nicht nach effektiv organisierter, nachhaltiger Nächstenliebe, sie will sich verschwenden für die Armen, hier und jetzt und sofort. Sie möchte sein wie sie: Immer wieder versucht sie auf rührende und etwas tolpatschige Weise, Arbeiten der einfachen Menschen aus dem Handwerk, der Haushaltsführung und der Landwirtschaft selbst auszuführen, was mehr als einmal schief geht. Elisabeth lacht darüber, Vieles ist ihr auch ein Spiel. Sie ist impulsiv und maßlos in ihrem Streben nach Heiligung ihrer Selbst und ihrer Nächsten. Mehr als einmal verschreckt sie die Menschen mit ihren ungezügelten Handlungen.

Es dauert nicht lange, und Elisabeth hat sich so verausgabt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht. Während Konrad von Marburg selbst schwer krank nieder liegt, kommt sie zu ihm und prophezeit ihm ihr nahes Ende. Und so geschieht es: Er wird wieder gesund, und sie legt sich nach einigen Tagen zum Sterben hin, das etwa zwei Wochen dauern wird. Ihr Körper ist vollkommen erschöpft, aber ihr Geist noch hellwach, oftmals in den Bann gezogen von Visionen, die sie klar und deutlich wahrnimmt und den sie Umstehenden erzählt. Als es immer mehr bergab geht mit ihr, möchte sie nur noch geistliche Personen um sich haben und einen Jungen, den sie gepflegt hat und der sie aus dankbarer Anhänglichkeit nicht mehr verlässt. In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231 stirbt Elisabeth in den frühen Morgenstunden.

Die Nachricht von ihrem Tod verbreitet sich in Windeseile. Innerhalb weniger Stunden umringen viele Menschen den Leichnam, schneiden Fetzen von der Kleidung, reißen Haarbüschel aus und schrecken nicht davon zurück, Fingerglieder und die Brustwarzen mit Messern vom Körper abzutrennen, um sie als Heil bringende Reliquien an sich zu nehmen. Nach drei Tagen, am 19., wird sie in der Franziskuskapelle ihres Hospitals beigesetzt. Schon bald setzt eine Wallfahrt zum Grab Elisabeths ein, die für ihre Zeitgenossen offenbar schon zu Lebzeiten eine Heilige war. Die Berichte und Erzählungen über die sich nach wenigen Tagen am Grab ereignenden Wunder werden das Ihre dazu getan haben, viele Menschen dazu zu bringen, den Weg nach Marburg auf sich zu nehmen.
Konrad von Marburg setzt sofort erste Schritte für eine Heiligsprechung durch den Papst in Rom in Gang. Er lädt den zuständigen Mainzer Erzbischof nach Marburg ein und legt ihm eine Sammlung von Wunderberichten und einen von ihm selbst verfassten, kurzen Lebensabriss Elisabeths vor. Auch Elisabeths Schwiegerfamilie entdeckt sehr schnell, dass es nur von Vorteil ist, eine Heilige zu den eigenen Reihen zu zählen. Im Verlauf der nächsten Jahre werden weitere Protokolle von Verhören angefertigt, unter anderem das "Büchlein mit den Aussagen der vier Dienerinnen", in dem Frauen, die Elisabeth zu Lebzeiten eng verbunden waren, ihre Erinnerungen erzählen.

Am Pfingsttag des Jahres 1235 ist es soweit: Papst Gregor IX. spricht Elisabeth in Perugia heilig. Konrad von Marburg erlebt diesen Tag nicht mehr: Schon zwei Jahre zuvor war er, der nicht nur Elisabeths religiöser Führer, sondern auch ein erbarmunsgloser Ketzerjäger und Kreuzzugsprediger mit päpstlichem Auftrag gewesen war, im Auftrag von einigen Adligen, die er hatte verfolgen lassen, erschlagen worden. Am 1. Mai 1236 sieht Marburg die größte Menschenmenge, die je in die Stadt gekommen ist, manche - sicher etwas übertreibende - Berichte sprechen von einer Million Menschen. Eine kaum zu übersehende Zahl höchster geistlicher und weltlicher Würdenträger ist erschienen, an ihrer Spitze Kaiser Friedrich II. Er geht im Büßergewand barfuß hinter Elisabeths Sarg her, als sie zur Ehre der Altäre erhoben wird. Der Kaiser krönt den Schädel der Toten mit einer wertvollen Krone und birgt ihn in einem kostbaren Reliquiar.

Schon zuvor war mit dem Bau der Elisabethkirche in Marburg begonnen worden, dem ersten rein gotischen Bau, der in Deutschland errichtet wurde. Es sollte noch zwei Generationen dauern, bis sie 1283 geweiht wurde. Seitdem stellt sie das heraus ragende Erinnerungszeichen an Elisabeth von Thüringen dar. Mit den sterblichen Überresten ist die Geschichte wenig gnädig umgegangen: Um 1250 wurden sie in einen prunkvollen Schrein überführt, der noch heute in der Elisabethkirche steht. Nachdem im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder kleine und größere Teile entnommen wurden, machte Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen, selbst ein Nachfahre Elisabeths, der von ihm abgelehnten Heiligenverehrung ein Ende, indem er die letzten Reste Elisabeths 1539 entfernen und an einem unbekannten Ort beisetzen ließ. Mit letzter Sicherheit lässt sich nicht sagen, was aus den Reliquien wurde. Ob ein heute in Wien liegender Schädel authentisch ist, oder einer in Viterbo; ob das kostbare Reliquiar in Stockholms Reichsmuseum wirklich das von Elisabeth ist; ob nicht vielleicht Schädel und Knochen bis heute unentdeckt tatsächlich im Boden der Elisabethkirche ruhen?

Ob die Antworten auf diese Fragen wirklich von Bedeutung sind, mag jeder und jede Einzelne für sich entscheiden. Ohne Belang sind sie dafür, was Elisabeth gewirkt hat und bis heute wirkt. Noch immer ist sie eine der populärsten katholischen Heiligen, noch immer erfreut sie sich vor allem in Hessen und Thüringen aber auch in evangelischen Kreisen großer Bekanntheit und Beliebtheit. Ob wir uns für sie als historische Figur interessieren, ob wir uns von ihrer Radikalität faszinieren lassen, ob wir ihr tiefe Menschlichkeit bewundern, ob wir versuchen, ihre Religiosität zu begreifen, ob wir ihrer Spiritualität nachfühlen: Elisabeths Leben sowie Nachleben und das, was wir darüber wissen und zu wissen glauben, geben in ihrer schillernden Fülle viele Antworten, aber auch viele neue Rätsel auf. Das ist der Grund, warum sie uns immer wieder neu und unmittelbar begegnet, warum sie trotz der 800 Jahre, die seit ihrer Geburt in Ungarn vergangen sind, uns immer neu herausfordert. Nehmen wir die Herausforderung an!

(Dr. Jürgen Römer 2006)

Zeittafel zum Leben und Wirken

1207
Elisabeth kommt als Tochter des Königs Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud aus dem Haus Andechs-Meranien wahrscheinlich auf der Burg Sárospatak in Ungarn zur Welt. Im selben Jahr verzichtet der reiche junge Franziskus von Assisi auf alle weltlichen Güter und zieht in vollkommener Armut als Prediger durch die Lande.

1211
Die kleine Elisabeth wird aufgrund eines Heiratsvertrages mit den Landgrafen von Thüringen mit reichen Geschenken an deren Hof gebracht. Hier wird sie gemeinsam mit den Kindern des Landgrafen Hermann II. und seiner Gemahlin Sophie aufwachsen.

1213
Am 28. September wird Elisabeths Mutter Gertrud in Ungarn von aufständischen Adligen ermordet.

1215
Der Stauferkönig Friedrich II. wird in Aachen zum Kaiser gekrönt.

1216
Der thüringische Landgrafensohn Hermann, mit dem Elisabeth verlobt ist, stirbt am letzten Tag des Jahres.

1217
Hermanns Bruder Ludwig wird nach dem Tod des Vaters Landgraf von Thüringen.

1221
Elisabeth und Ludwig IV. heiraten. Ihre Schwiegermutter Sophie tritt in das Zisterzienserkloster in Eisenach ein. Ludwig erhält die vormundschaftliche Regierung über die Markgrafschaft Meißen und steigt so endgültig in die Spitze des Hochadels im Reich auf.

1222
Hermann, Elisabeths erstes Kind, kommt zur Welt.

1223
Elisabeths zweites Kind Sophie wird geboren.

1225
In Eisenach entsteht das erste dortige Franziskanerkloster.

1226
Elisabeth erwählt sich im Frühjahr mit Zustimmung Ludwigs den Kreuzzugsprediger und Ketzerverfolger Magister Konrad von Marburg als ihren Beichtvater. Sie schwört ihm unbedingten Gehorsam, von dem lediglich die Verpflichtungen ihrem Mann gegenüber ausgenommen sind. Insbesondere verzichtet sie auf eine neue Heirat für den Fall von Ludwigs Tod. In Abwesenheit Ludwigs verteilt sie, als später im Jahr eine schwere Hungersnot das Land erfasst, Lebensmittel aus den landgräflichen Vorräten an die Armen.

1227
Ludwig entschließt sich, dem Stauferkaiser Friedrich II. auf den Kreuzzug ins Heilige Land zu folgen. Er stirbt bereits am 11. September noch auf italienischem Boden an einer Seuche. Wenig später wird Elisabeths drittes Kind, die Tochter Gertrud, geboren. Nach Eintreffen der Todesnachricht bricht am thüringischen Hof ein Konflikt zwischen Elisabeth und ihrem Schwager Heinrich Raspe, dem neuen Landgrafen, auf. Elisabeth verlässt mit ihren Kindern die Wartburg und verbringt der Winter 1227/28 unter schweren Umständen in Eisenach.

1228
Im zeitigen Frühjahr holt Elisabeths Tante, die Äbtissin Mechthild, sie in ihr Kloster in Kitzingen. Elisabeths Onkel, Bischof Ekbert von Bamberg, nimmt seine Nichte kurz danach in Bamberg auf und plant, sie mit Kaiser Friedrich II. zu verheiraten. Als sie sich weigert, lässt er sie auf seiner Burg Pottenstein in Franken festsetzen. Unter dem Eindruck von Verhandlungsbemühungen Konrads von Marburg kommt ein Vergleich mit Heinrich Raspe über die Witwengüter Elisabeths zustande. Konrad wird von Papst Gregor IX. zum geistlichen Beschützer und Lenker Elisabeths ernannt. Im Sommer siedelt Elisabeth nach Marburg über, wo sie sofort mit dem Aufbau eines kleinen Hospitals zur Armen- und Krankenpflege beginnt. Dafür verwendet sie die Einkünfte aus ihrem Witwengut. Ihre beiden älteren Kinder gibt sie ab.

1229
Elisabeth verteilt ohne Wissen Konrads ein Viertel ihres gesamten Besitzes an einem Tag an die Armen. Konrad bestraft sie dafür und ordnet den Betrieb des Hospitals. Er entfernt Elisabeths vertraute Dienerinnen aus ihrer Umgebung und gibt ihr andere Frauen an die Seite, die ihr das Leben schwer machen und ihm treu über alles berichten, was Elisa-beth tut. Sie führen zusammen mit Konrad auch die von diesem für Elisabeth angeordneten Prügelstrafen und Geißelungen aus. Am Karfreitag legt Elisabeth gegenüber Konrad von Marburg ein zweites Gelübde ab. Ihr jüngstes Kind schickt sie in das Prämonstratenserinnenkloster Altenberg an der Lahn, wo sie es später wahrscheinlich einige Male besuchen wird.

1231
Am 17. 11. in den frühen Morgenstunden stirbt Elisabeth vollkommen erschöpft nach kurzer Krankheit. Zwei Tage danach wird sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Franziskuskapelle ihres Hospitals beigesetzt.

1232
Im Laufe des Jahres bemüht sich Konrad von Marburg, die für ein Heiligsprechungsverfahren notwendigen Nachweise von Wundern zu sammeln. Dazu werden Dutzende von Zeugen verhört. In Protokollen werden ihre Aussagen und die Erzählungen von Dienerinnen und Gefährtinnen Elisabeths festgehalten.

1233
Konrad von Marburg wird von Schergen der von ihm der Ketzerei bezichtigten Grafen von Sayn ermordet.

1234
Danach betreibt vor allem Elisabeths jüngerer Schwager Konrad das Heiligsprechungsverfahren in Italien weiter. Der Deutsche Orden gelangt in den Besitz von Hospital und Kirche Elisabeths in Marburg. Elisabeths Schwager Konrad tritt in den Orden ein.

1235
Im zeitigen Frühjahr erfolgen weitere Zeugenvernehmungen in Marburg auf Anordnung des Papstes Gregor IX. Im Dominikanerkloster in Perugia spricht er Elisabeth am 12. Mai heilig. Am 14. August wird der Grundstein zur heutigen Elisabeth-Kirche in Marburg über dem Grab der Heiligen gelegt.

1236
Am 1. Mai werden unter Anwesenheit einer gewaltigen Menschenmenge, an ihrer Spitze der in ein Büßergewand gekleidete Kaiser Friedrich II., die sterblichen Überreste Elisabeths aus ihrem Grab erhoben und in einem prächtigen Schrein beigesetzt.

1239
Elisabeths Schwager Konrad wird Hochmeister des Deutschen Ordens.

1283
Am 1. Mai wird die Elisabethkirche in Marburg geweiht.

Links

Bestellmöglichkeit des Katalogs zur Ausstellung des Elisabethjahres beim Deutschen Kunstverlag (Erscheint Oktober 2006)
kunstbuecher-online.de

Website zur 3. Thüringer Landesausstellung «Elisabeth von Thüringen - Eine europäische Heilige» (2007)
www.elisabeth.wartburg.de

Die Wartburg in Eisenach (Thüringen) im Internet:
www.wartburg-eisenach.de

Website des Elisabethpfad Vereins in Marburg
www.elisabethpfad.de

Website der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen
www.ekmd-online.de

Website des Bistums Fulda
www.bistum-fulda.de

Website der Stadt Marburg
www.marburg.de

Website der Stadt Eisenach in Thüringen
www.eisenach.de