Eine Information über den Kooperationsprozess von den Evangelischen Kirchen Kurhessen-Waldeck / Hessen und Nassau – Mai 2009
Eine Information über den Kooperationsprozess von den Evangelischen Kirchen Kurhessen-Waldeck / Hessen und Nassau – Mai 2009

Für ein neues Miteinander unserer Landeskirchen

Der Kooperationsprozess der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Die Kirche ist auf dem Weg. Als bleibenden Auftrag verkündigt sie die frohe Botschaft Gottes. Ihre sichtbare Gestalt ist demgegenüber geschichtlich gewachsen und Wandlungen unterworfen. Daher ist es sinnvoll, regelmäßig zu prüfen, ob bestehende Formen verbessert werden können. In Hessen gibt es zwei große evangelische Landeskirchen, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Sie sind verbunden in ihrem Auftrag. Gemeinsam sind auch ihre historischen Wurzeln in der hessischen Reformation. Zugleich sind die Herausforderungen, vor denen beide Landeskirchen heute beim Dienst für unsere Gesellschaft stehen, kaum verschieden. Das ist eine gute Grundlage, die Möglichkeiten der Kooperation zwischen beiden Landeskirchen auszuloten, ohne dass sie ihre Identität und Selbstständigkeit aufgeben.

 
Dr. Martin Hein,
Bischof der Ev.
Kirche von
Kurhessen-
Waldeck
Dr. Volker Jung,
Kirchenpräsident
der Evangelischen
Kirche in Hessen
und Nassau

Der Kooperations- prozess unserer Landeskirchen widmet sich den Bereichen Akademiearbeit, Mission und Ökumene, Religionspädagogik und der theologischen Aus- und Fortbildung. Weitergehende Formen der Zusammenarbeit haben die Diakonischen Werke unserer Landeskirchen auf den Weg gebracht. Erste Vorschläge und Modelle der Kooperation wurden in den Gesprächen der Lenkungsgruppe und der Fachleute der genannten Bereiche entwickelt. Hierüber wird Sie in Zukunft der Newsletter informieren. Es ist gut, dass sich nunmehr auch die Synoden unserer Landeskirchen intensiv mit dem Kooperationsprozess befassen. Eine Gelegenheit, das zu vertiefen, ist der erste gemeinsame Studientag beider Synoden am 20. Juni in Marburg.

Mit herzlichem Gruß
Martin Hein      Volker Jung

 

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Karte der Kirchengebiete der beiden Landeskirchen
Karte der Kirchengebiete der beiden Landeskirchen

Der Kooperationsprozess:

Ziele und Verfahren

Im Frühjahr 2006 haben die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gleichzeitig beschlossen, in einzelnen Arbeitsfeldern enger miteinander zu kooperieren. Es handelt sich dabei um:

  • Akademiearbeit
  • Mission und Ökumene
  • Religionspädagogik
  • Theologische Aus- und Fortbildung

Ziele

  • Durch die Kooperation soll sich die Qualität der Arbeit in den Aufgabenfeldern verbessern.
  • Die Handlungsfelder sollen nach innen und außen gestärkt werden.
  • In Bezug auf gesellschaftliche Entwicklungen, wie beispielsweise den demografi schen Wandel sollen neue Visionen und Handlungsoptionen entwickelt und erweitert werden.
  • Es soll sich auch die Identität für jede der beiden Kirchen schärfen.

Durch die engere Kooperation sollen auch Ressourcen und Mittel eingespart werden.

Projektsteuerungsgruppen

Für jede der genannten Arbeitsfelder sind Projektsteuerungsgruppen eingerichtet worden, die untersuchen sollen, ob und wie Aufgaben auf eine gemeinsame Ebene übertragen werden können. Sie bestehen aus jeweils zwei fachlich zuständigen Personen sie haben jeweils eine Ansprechperson aus der Lenkungsgruppe einen sogenannten „Paten“.

Lenkungsgruppe

Der Gesamtprozess wird von einer Lenkungsgruppe gesteuert, die aus Bischof Martin Hein, Kirchenpräsident Volker Jung, den beiden leitenden Juristen, Oberkirchenrätin Sigrid Bernhardt-Müller und Vizepräsident Volker Knöppel, Präses Karl Heinrich Schäfer und Dekan Rudolf Schulze (für die Synodalvorstände), der Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Cordelia Kopsch und dem stellvertretenden Ratsmitglied Andrea Stöber (als weitere Mitglieder der Kirchenleitungen), den jeweiligen Vorstandsvorsitzenden beider Diakonischer Werke, Wolfgang Gern und Dr. Eberhard Schwarz, sowie dem Beauftragten der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz der Landesregierung, Kirchenrat Jörn Dulige besteht.

Koordinierungsgruppe

Eine Koordinierungsgruppe, bestehend aus Frau Kopsch und Herrn Knöppel sowie Joachim Schauss als Geschäftsführer und Wolfgang Kleemann als externem Berater, ist zwischen den Sitzungen der Lenkungsgruppe tätig. Sie dient den Arbeitsgruppen und Projektsteuerungsgruppen als Ansprechpartner und kann nach Rücksprache mit der Lenkungsgruppe Entscheidungen hinsichtlich des Verfahrens treffen.

Synoden

Den Frühjahrssynoden beider Landeskirchen wurde ein Bericht über den Stand der Entwicklungen vorgelegt. Am 20. Juni fi ndet ein gemeinsamer Studientag in Marburg statt. Die Lenkungsgruppe strebt eine verbindliche Beschlussfassung beider Synoden im Herbst 2009 zum weiteren Fortgang und zur Umsetzung des Kooperationsprozesses an.

Diakonische Werke

Die beiden Diakonischen Werke der EKHN und der EKKW wollen zwischen 2012 und 2015 fusionieren.

Aus dem Pressetext beider Diakonischer Werke:
„Wir hoffen, dass wir die Schaffung eines Diakonischen Werkes beider Landeskirchen in Hessen im Jahr 2012 erreichen. Auch wegen der enger werdenden Finanzierungsbedingungen auf dem Sozial- und Gesundheitsmarkt ist es höchste Zeit, jetzt schon mit einer Stimme – und zwar einer kräftigen – in Hessen zu sprechen“.

Zum 1. April 2009 wurde ein gemeinsames juristisches Dach – die Diakonie Hessen GmbH – gegründet.

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Akademiearbeit

Projekt "Evangelische Akademie Hessen"

In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat die Akademiearbeit eine große und gute Tradition. Sie verbindet sich bisher mit den Namen der Akademien Arnoldshain und der Stadtakademie Frankfurt in Hessen und Nassau einerseits und mit der Akademie Hofgeismar in Kurhessen-Waldeck andererseits. Im Kooperationsprozess hat nun die Projektsteuerungsgruppe „Akademiearbeit“ ein Konzept vorgelegt, nach dem sie zukünftig unter dem Dach einer Organisation, der „Evangelischen Akademie Hessen“ (Arbeitstitel) gebündelt werden soll und an zwei Standorten stattfindet: nämlich in Hofgeismar und Frankfurt. Diese neue Organisation ist so zu gestalten, dass beide Standorte unterstützt werden.

Inhaltlich-programmatisch besteht für die Akademiearbeit eine doppelte Aufgabe, nämlich 1. die Gestaltung der Gesellschaft durch Politik (und Recht), Kultur und Ökonomie sowie 2. ihre Deutung durch Wissenschaft und Religion. Die vorgesehenen zwei Standorte der „Evangelischen Akademie Hessen“ ermöglichen es den Landeskirchen, sowohl im wichtigen Rhein-Main-Gebiet wie im prägenden ländlichen Raum präsent zu sein. Es ist angedacht, dass die Akademiearbeit in der Metropole Frankfurt zukünftig viel stärker als bisher aktiv wird.

Durch diese Neukonzeption eröffnet sich zugleich die Chance, ein differenziertes Angebot zu entwickeln, das Menschen in unterschiedlichen Lebensräumen und Lebensvollzügen erreicht. An den beiden Standorten der zu gründenden „Evangelischen Akademie in Hessen“ könnte man sich stärker als bisher auf inhaltliche Schwerpunkte konzentrieren. Zugleich könnten spezielle Angebote für regional gebundene Tagungsteilnehmer vor Ort weiter ausgebaut werden.

Bei den derzeit weiter zu beratenden Fragen geht es unter anderem auch darum, unter Einbeziehung der bisherigen Stadtakademie eine Lösung für die benötigte Tagungs- und Unterbringungskapazität am Standort Frankfurt am Main zu finden.

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Mission und Ökumene

Projekt "Ökumenezentrum"

Auf dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Strukturen sieht die Projektsteuerungsgruppe (PSG) heutige Schwerpunkte des kirchlichen Auftrags im Arbeitsfeld „Ökumene – Mission – Weltverantwortung“ in den Bereichen „Kirchen und Gemeinden anderer Sprache und Herkunft“, „Interreligiöse Herausforderungen“ sowie „Missions- und Ökumenetheologie“. Diese Schwerpunkte im Blick behaltend, zielt das Konzept der PSG auf die Schaffung eines gemeinsamen Ökumenezentrums für beide Kirchen. Für die konkrete Umsetzung präsentiert die PSG zwei alternative Modelle: In Modell A ist die Einrichtung des Ökumenezentrums bis in Details von Stellenplan und Gebäudegröße ausgearbeitet und alle Schritte im beschriebenen Stufenkonzept laufen darauf zu. Modell B legt mehr Gewicht auf bzw. reserviert zu Beginn mehr Zeit für die Erarbeitung einer gemeinsamen inhaltlichen Konzeption als Voraussetzung der Entscheidung, welche Dienste in einem Ökumenezentrum und welche Dienste dezentral verortet sein sollen. Für beide Modelle macht die PSG auf bestehende strukturelle Unterschiede auf der mittleren Ebene beider Kirchen aufmerksam (Fach- und Profilstellen). Zur Vorbereitung der Standortentscheidung für das Ökumenezentrum hat die PSG drei Möglichkeiten mittels fachlicher Kriterien durchgeprüft. Die Eröffnung eines gemeinsamen Ökumenezentrums könnte der PSG zufolge im Frühjahr 2012 (nach Modell A) bzw. im Frühjahr 2013 (nach Modell B) erfolgen.

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Religionspädagogik: Die zentrale und die lokale Arbeit stärken

Die Religionspädagogik besitzt sowohl in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wie auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck einen hohen Stellenwert. Für Pfarrerinnen und Pfarrer und Lehrerinnen und Lehrer verbindet sich die religionspädagogische Arbeit und Veranstaltungen zur Aus- und Fortbildung bislang mit den Namen der Tagungsstätten Religionspädagogisches Zentrum Schönberg (RPZ) in Kronberg und der Kirchlichen Fort- und Ausbildungsstätte (KiFAS) in Kassel.

Im Kooperationsprozess hat nun die Projektsteuerungsgruppe Religionspädagogik ein Konzept vorgelegt: Demnach soll künftig die religionspädagogische Arbeit an einem gemeinsamen zentral und gut erreichbar gelegenen neuen Standort durch ein Religionspädagogisches Institut (RPI) geleitet werden. Dabei gilt es, die regionalen und zentralen Fortbildungsaufgaben deutlich aufeinander abzustimmen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass beide Landeskirchen nicht nur im Bundesland Hessen, sondern auch in Rheinland-Pfalz (EKHN) und im Freistaat Thüringen (EKKW) tätig sind.

Die Leitung des zukünftigen RPI und seiner integrierten regionalen Struktur soll einem Aufsichtsgremium bestehend aus dem Dezernenten (EKKW) und Referatsleiter (EKHN) verantwortlich sein. Die zentral und regional arbeitenden Studienleiter sollen ein gemeinsames Kollegium bilden. Eine künftige Konzeption der religionspädagogischen Arbeit wird zum einen die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigen müssen: Die Schulen sind auf dem Weg zur eigenverantwortlichen Schule. Zugleich ist eine Arbeitsstruktur erforderlich, die das Gesamtsystem Schule im Blick hat – und zwar nicht eingeengt allein auf das Fach Evangelische Religion. So sollen die Verantwortlichkeiten für Religionsunterricht, Schulseelsorge und schulbezogene Jugendarbeit nach den Vorstellungen der Projektsteuerungsgruppe Religionspädagogik im RPI zusammengeführt werden. Eine weitere Herausforderung ist der „Bildungsplan 0 bis 10“ des Landes Hessen, wodurch auch die religionspädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten und deren Mitarbeiter in den Blick kommen. Schließlich gilt es, neue Konzepte für die Konfi rmandenarbeit und die Jugendarbeit zu entwickeln. Nicht zuletzt durch den Trend zur Ganztagsschule könnten kirchliche Angebote nicht nur das Nachmittagsangebot, sondern die gesamte Schulkultur ergänzen.

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Theologische Aus- und Fortbildung: Zusammenarbeit

Bei der Kooperation in der Theologischen Ausbildung zwischen der EKKW und der EKHN geht es um eine Steigerung der Attraktivität des Berufs der Pfarrerin bzw. des Pfarrers, um die Inhalte und Strukturen der Ausbildung, um die Möglichkeiten, in beiden Kirchen als Pfarrerin oder Pfarrer tätig zu sein sowie um die Zukunft der beiden Theologischen Ausbildungsstätten Herborn und Hofgeismar.

Ein Zusammenarbeit kann sich sehr verschieden gestalten. Eine mehr lockere Zusammenarbeit ließe sich dahingehend denken, dass gemeinsame Praktika entwickelt werden, beispielsweise zur berufl ichen und Lebensweltorientierung (Modell I a). Eine engere Kooperation würde dadurch entstehen, dass die angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer wählen können zwischen den beiden Ausbildungsgängen in Herborn und in Hofgeismar (Modell I b). Beide Vikariate würden dann in das Pfarramt beider Kirchen führen. Noch enger würde die Zusammenarbeit, wenn sich die beiden Theologischen Seminare zu einem Seminar mit einer gemeinsamen Ausbildungskonzeption und einem einheitlichen Curriculum zusammenschlössen, jedoch weiterhin an zwei Standorten (Herborn und Hofgeismar) ausbildeten (Modell II). Eine vollständige Kooperation würde die Zusammenlegung beider Seminare bedeuten (Modell III).

Die derzeitigen Überlegungen einer Kooperation in der theologischen Ausbildung zwischen beiden Kirchen konzentrieren sich auf das Modell Ib, das sich in Richtung Modell II entwickeln könnte. So wäre es in naher Zukunft Vikarinnen und Vikare möglich, in einer der Landeskirche ihrer Wahl Vikariat zu machen. Langfristig könnte eine einheitliche theologische Ausbildung an den zwei Standorten Herborn und Hofgeismar entwickelt werden.

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Termine

20.06.09:
Gemeinsamer Studientag der beiden Synoden in Marburg

08.10.09:
Strategische Leitungskonferenz in Fulda

23. - 26.11.09:
Herbstsynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

25. - 28.11.09:
Herbstsynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

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