Überschrift: Kirchenkreis Ziegenhain Überschrift: Kirchenkreis Ziegenhain

Ein klares Votum für die Satzung des neuen Kirchenkreises

Mit einem klaren Votum für die neue Satzung des Kirchenkeises Schwalm-Eder hat die Synode des Kirchenkreises Ziegenhain am Samstag, den 16.02.2019 in Immichenhain den Verantwortlichen des Kirchenkreisvorstandes für die Arbeit des letzten Jahres das Vertrauen ausgesprochen. Damit sind die Weichen für die weitere Zukunft gestellt. Nachdem die Landessynode im April 2017 ihre deutliche Absicht erklärt hat, dass in der Region Schwalm-Eder künftig nur noch ein Kirchenkreis allerdings mit drei Dekanaten existieren soll, haben die Verantwortlichen der Kirchenkreise mit einem Satzungsentwurf nun die Rahmenbedingungen dafür geschaffen. Drei Dekanatsausschüsse und drei Dekanatspfarrkonferenzen wird es künftig geben. Die Standorte der Dekanate sind Melsungen, Fritzlar und Ziegenhain. Die administrative Organisation des gemeinsamen Kirchenkreises wird durch eine Kreissynode und einen Kirchenkreisvorstand getragen. So bleiben regionale Spezifika erhalten, zugleich wird die Gesamtverantwortung gestärkt.

„Wir wollen auch in der neuen Synode mitwirken.“ Ein deutliches Votum äußerte in Immichenhain der Synodale Noah Mühling als Vertreter des Jugendforums. „Dass wir in der Kreissynode Ziegenhain mit Sitz und Stimme vertreten sind, stärkt uns in der Verantwortung für die Jugendarbeit den Rücken. Tragt dafür Sorge, dass wir auch künftig auf diese Weise Wertschätzung erfahren, mitreden und mitgestalten können.“ Ein entsprechender Antrag wurde von der Kreissynode einstimmig auf den Weg gebracht.

Die Fusion der Kirchenkreise geschieht in Zeiten struktureller Not. „Wir werden deutlich weniger.“  Ein Rückgang von jährlich etwa  1,4 % der Gemeindeglieder macht den Verantwortlichen zu schaffen. Waren im Jahr 2017 noch rund 122.000 Evangelische in den Kirchengemeinden des künftigen Kirchenkreises Schwalm-Eder zu verzeichnen, werden es im Jahre 2030 bei gleichbleibendem Rückgang noch rund 111.000 Gemeindeglieder sein.

Das entspricht nach dem Verteilschlüssel der Landeskirche in etwa einem Rückgang von 6 Pfarrstellen auf dann 69 Pfarrstellen, wobei aktuell noch gar nicht alle rechnerisch notwendigen Maßnahmen der Pfarrstellenreduzierung umgesetzt sind. Dem aktuell vorhandenen Pfarrstellenbudget von 79,50 Pfarrstellen steht ein Zuweisungsbescheid für den 01.01.2020 mit  74,75 Pfarrstellen für den dann startenden Kirchenkreis gegenüber, also ein Überhang von 4,75 Stellen.

In der Summe sind dementsprechend bis in das Jahr 2030 noch 10,75 Pfarrstellen anzubauen und dies mit dem Ziel, die Kirchengemeinden zwischen Niedenstein und Alsfeld, Gilserberg und Spangenberg pfarramtlich dennoch gut zu versorgen. Wo eine Pfarrstelle aufgehoben wird, werden die Pfarrerinnen und Pfarrer in der Nachbarschaft mit dem Dienst in diesen Gemeinden beauftragt. Sowohl von den Geistlichen als auch den Gemeinden wird zunehmend Flexibilität verlangt und die Bereitschaft über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und mit den Nachbarn zu kooperieren.

Zu den Rahmenbedingungen für diesen Veränderungsprozess gehört auch die Tatsache, dass wir künftig weniger Pfarrerinnen und Pfarrer haben werden. Ab dem Jahr 2025 wird die Generation der damals geburtenstarken Jahrgänge nach und nach in den Ruhestand verabschiedet werden. Und es ist kein theologischer Nachwuchs in der gleichen Größenordnung  in Sicht.

„Wir werben für das Theologiestudium. Wir brauchen junge Menschen, die sich für den Beruf der Pfarrerin oder des Pfarrers entscheiden.“

Für die Kirchenkreisvorstände jetzt und den neuen Kirchenkreisvorstand ab 2020 steht die schwierige Aufgabe an, das Pfarrstellennetz mit den notwendigen Veränderungen so anzupassen, dass es den verbleibenden Möglichkeiten und den unabwendbaren Notwendigkeiten entspricht.

Im Kirchenkreis Ziegenhain hat die Kreissynode am vergangenen Samstag erste wegweisende Entscheidungen dahingehend getroffen. Die ½ Pfarrstelle Steinatal in Trutzhain, ¼ Stelle Schulseelsorge an der Carl-Bantzer-Schule und ½ Gemeindepfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Franz-von-Roques in Schwalmstadt werden innerhalb der nächsten 4-5 Jahre aufgehoben. Die pfarramtliche Versorgung der Kirchengemeinden bleibt für die betroffenen Kirchengemeinden durch die Bildung von Kirchspielen gewährleistet. (In einem Kirchspiel ist eine / sind mehrere Pfarrpersonen gemeinsam für die pfarramtliche Versorgung mehrerer Kirchengemeinden verantwortlich.)

Zu den besonders erwarteten seelsorgerlichen Aufgaben in den ländlichen Kirchengemeinden gehört die Sorge für die älteren Menschen. In einer älter werdenden Gesellschaft wird das Leben auf dem Land  beschwerlicher und einsamer. Nachbarschaftshilfen, Fahrdienste, Besuchsdienste und gemeinschaftsfördernde Projekte helfen dem Zusammenleben und der Lebensqualität im ländlichen Raum.

Vier Projekte wurden während der Kreissynode vorgestellt, die sich konkret mit diesen Aufgaben befassen.

1) Die Kreisdiakonieversammlung am 13.03.2019 ab 19.00 Uhr in Schrecksbach beschäftigt sich mit der Suche nach gemeinschaftsfördernden Projekten. Eingeladen ist unter der Überschrift: „Eine diakonische Gemeinde – Medizin gegen die Einsamkeit.“ Zunächst werden drei kreative Projekte vorgestellt und dann in einer Ideenwerkstatt überlegt, was in den Gemeinden vor Ort möglich wäre.

2) Für die bestehenden Besuchsdienste, die es inzwischen in mehreren Kirchengemeinden gibt, und für interessierte Neueinsteiger im Kirchenkreis findet eine Fortbildungsveranstaltung statt:  Am 30.03.19 von 14-18 Uhr in der Festungsschule Ziegenhain: „Ich bin oft so allein. Umgang mit Einsamkeit alter Menschen.“

3) Erneut ausgebildet werden ehrenamtliche Hospizhelferinnen und Hospizhelfer von Mai bis Oktober 2019 in einem Qualifizierungskurs: „Sterbende begleiten lernen.“

4) In Treysa findet am 23. Februar ab 10 Uhr das zweite Repair-Café statt. Im Werkraum in der Treysaer Altstadt bieten Ehrenamtliche ihr Wissen und Können an, um bei der Reparatur von Geräten und Spielzeugen aller Art mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Eine Besonderheit, die der Kirchenkreis Ziegenhain  in den gemeinsamen Kirchenkreis Schwalm-Eder einbringen wird, ist die Kirchenfreundschaft mit der Rum-Orthodoxen Kirche in Syrien. Aktuell unterhält der Kirchenkreis intensive Kontakte zu der in Deutschland wachsenden christlichen Gemeinschaft. Am Samstag, den 23.02.2019 um 17 Uhr gibt der Jugendchor der Rum-Orthodoxen Kirche in der Ziegenhainer Schlosskirche ein Konzert. Leiter des Chores ist Khalil Barakat, der aktuell als Bundesfreiwilligendienstler im Kirchenkreis Ziegenhain beschäftigt ist.

 

 

(18.02.2019)