Evangelischer Kirchenkreis Schwalm Eder - Dekanat Ziegenhain

Netzwerk geschaffen

Schwalm. Unter dem Dach der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen startete vor drei Jahren das Projekt „Route55plus“. Die Initiatoren hatten sich auf die Fahnen geschrieben, Menschen mittleren Alters zusammenzubringen, die beim Übergang in die nachberufliche Lebensphase ihren Interessen in gemeinsamen Aktivitäten nachgehen möchten. Von Dreieich im Süden, über Hanau und dem Vogelsberg, bis hin nach Ziegenhain wurden vier Koordinationsstellen eingerichtet, von denen aus die Unterstützung bei der Selbstorganisation gesteuert wurde. Im damaligen Kirchenkreis Ziegenhain brachte Melanie Nöll das Projekt auf den Weg, daraus gingen bis dato ein Dutzend Gruppen und Aktivitäten hervor. Nun lief die Zeit der professionellen Begleitung aus, in einer kleinen Feierstunde ließen kürzlich haupt- und ehrenamtliche Akteure den bisherigen Verlauf der Reise Revue passieren. „Sie ist eine grandiose Netzwerkerin“, lobte Pfarrerin Annegret Zander Nölls Fähigkeiten der Verknüpfung – symbolisch überreichte sie ihr zwei Rollen Garn zum Abschied. In den drei Jahren nach der Auftaktveranstaltung habe Nöll an die zwei Dutzend Stammtische auf die Beine gestellt, bei denen die Teilnehmer unzählige Ideen sammelten, die später bestenfalls umgesetzt worden seien, so die Referentin der Fachstelle Zweite Lebenshälfte weiter. „Sie hat die Menschen dabei unterstützt, sich selbst zu organisieren“, erklärte Zander, daraus seien unter anderem die „Mittagstischentdecker“ und die Aktion „Lesefrüchte teilen“ entstanden. „Mit all dem wurde auch Demenz-Prophylaxe betrieben“, beschrieb sie die Wirkung der Aktivitäten. In den vergangenen zwei Jahren wurde Nölls Stelle durch eine Förderung der DiaDem-Stiftung der Diakonie Hessen ermöglicht. Der Aufbau und die Pflege tragender sozialer Kontakte sei einer der wichtigsten Elemente um einer Demenz vorzubeugen. „Melanie Nöll hat stets darauf geachtet, dass alle Interessierten mitgenommen und alle Ecken des Kirchenkreises bespielt werden“, betonte Zander. Kompetent, kreativ und beharrlich habe sie die neu entstandenen Gruppen auf ihren eigenen Weg gebracht und dabei regelmäßig über den Tellerrand geschaut. „Menschen können auch im Alter quicklebendig sein“, erinnerte Dekan Wachter in seiner Ansprache – er dankte Nöll für die vielfältigen Impulse, die sie in der wichtigen Aufgabe der Erwachsenenbildung gegeben habe. „Netzwerke zu knüpfen braucht Zeit und entsprechende Akteure“, sagte Inge Schmidt-Nolte, die zum Stammtisch-Kern zählte. „Das Projekt Route55plus ist ein guter Weg gegen die Vereinsamung“, machte sie deutlich und hoffte darauf, dass die angestoßenen Projekte auch in Zukunft mit Leben gefüllt würden. Weitere Wegbegleiter bedankten sich ebenfalls bei der engagierten „Wegweiserin“.

(10.07.2020)