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Katechismuspfad


Fünf Kirchen rund um Ziegenhain laden zum Pilgern mit dem Katechismus ein

 

1539 wurde in Ziegenhain die Konfirmation erfunden und für Landgrafschaft Hessen eingeführt. Die Idee stammte von dem Straßburger Theologen Martin Bucer.

 

Weltweit hat sich die Konfirmation seither zu einem Modell und Markenzeichen evangelischen Lebens  entwickelt.

 

Von  Anfang an bestimmte der Katechismus von Martin Luther die zu lernenden Hauptstücke des Christlichen Glaubens in evangelischer Tradition.

 

In Erinnerung an die Erfindung der Konfirmation in Ziegenhain gibt es rund um Ziegenhain seit 2014 den  Katechismuspfad.

 

Auf dem  21 km langen Pilgerweg  bieten fünf Kirchen die Begegnung mit je einem Hauptstück des Katechismus an.

 

Schlosskirche Ziegenhain : Glaubensbekenntnis

 

Stadtkirche Treysa: Abendmahl

 

Kirche Loshausen: Vater Unser

 

Kirche Trutzhain: Die Zehn Gebote

 

Kirche  Niedergrenzebach: Taufe

 

Was war das Bahnbrechende an der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung?

 CW: Gut ist, sich die Voraussetzungen klarzumachen. Philipp der Großmütige hatte die Reformation 1526 eingeführt, jung und dynamisch. Im Laufe der Jahre haben sich strukturelle Probleme ergeben. Eines hatte mit den Täufern zu tun, mit der Frage: Reicht die Kindertaufe? Muss ein Erwachsener noch einmal getauft werden? Oder kann überhaupt nur der erwachsene Gläubige getauft werden? Die Lutheraner hielten ganz bewusst an der Bedeutung Gnadenzusage in der Taufe fest, die am deutlichsten wird, wenn man Kinder tauft. Nun gab es seit 1529 einen Freibrief des Kaisers, dass die Landesfürsten sogenannte „Wiedertäufer“  des Landes verweisen oder auch hinrichten durften. Das Besondere und Wegweisende in der kurhessischen Geschichte ist, dass Philipp mit Hilfe des Straßburger Reformators Martin Bucer das Gespräch mit der Täuferbewegung gesucht hat, und dass schließlich ein Kompromiss gefunden wurde. Eine Kirchenordnung wurde aufgestellt, die kirchliche Praxis geändert  und damit der Streit beigelegt.

Konnten die Täufer damit leben, gab es eine Befriedung?

CW: Damals  waren Abkündigungen im Gottesdienst stets auch Bekanntmachungen des Landgrafen. Er hatte ein hohes Interesse daran, dass wirklich alle seine Landeskinder den Gottesdienst besuchten. Bei Philipp mischt sich das Geistliche mit dem Politischen.

Dass am Ende der Landesfürst zufrieden war und in Kurhessen kein Täufer um seines Glaubens willen hingerichtet wurde, zeigt, dass die Täufer sehr wohl den Kompromiss akzeptiert und die Gottesdienste wieder besucht haben.

Es ging auch um die Position des Kirchenältesten. Was hat es damit auf sich?

CW: Sie werden in der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung den „Dienern des Wortes“ an die Seite gestellt, um mit ihnen zusammen über das geistliche Leben im Gottesdienst und in der Gemeinde zu wachen.

Kann man darin - im Gegensatz zur bisherigen Vorstellung des Priesters - eine Aufwertung der Laien sehen?

CW: Das ist eindeutig so. Die Kirchenältesten werden in den Bestimmungen der Ordnung sogar oft vorangestellt. Die Kirchenordnung steht damit auf der Schwelle zur Neuzeit und überwindet mittelalterliches Ständedenken.

 Die Konfirmation soll die Taufe bekräftigen. Wie ist das möglich, wenn vielfach kirchliche Traditionen und biblische Inhalte nicht mehr selbstverständlich sind?

CW: Wir haben heute eine breite religiöse Form der Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Kindergottesdienst, Religionsunterricht und Konfirmandenunterricht. Die Angebote sind da. Ein Problem ist sicher, dass die Glaubensvermittlung in den Familien nicht mehr unbedingt vorausgesetzt werden kann. Martin Luther hat den Katechismus für die Väter geschrieben, damit sie ihre Kinder im christlichen Glauben unterweisen. Auch die Kirchenzuchtordnung versteht die Konfirmation noch so, dass Eltern und Paten ihre Kinder vorbereiten und dem Pfarrer vorstellen, der sie prüfte und dann einsegnete. Die Kirchenältesten und die Pfarrer sollten dafür Sorge tragen,  dass die Kinder zu Hause und in der Gemeinde den Katechismus lernten. Aus der Kassler Kirchenordnung vom 1539 wird deutlich, dass es regelmäßigen Katechismusunterricht für Jung und Alt gab.  Diese Kirchenordnung aus dem gleichen Jahre diente der praktischen Umsetzung dessen, was in der Ziegenhainer Ordnung verfasst worden war.

„Wie bei jungen und alten der Katechismus, das ist  rechter Verstand der Zehn Gebote der Artikel unseres heiligen Christlichen Glaubens, des Gebets, so uns unser Herr Christus gelehrt hat und der heiligen Sakramente nimmer genug gelehrt und getrieben werden mag, so haben sich die Prediger bedacht den Katechismus in jeder Pfarre dreimal in der Woche zu halten. Nämlich auf den Sonntag, Dienstag und Donnerstag allemal um zwei Uhr nach Mittag, dazu eine Glocke geläutet werden soll und die Leite ihre Kinder und Gesinde getreulich schicken und selbst kommen.“ (zitiert nach „Die Kassler Kirchenordnung“, in D. Alfred Uckeley, Die Kirchenordnungen von Ziegenhain und Kassel, Marburg 1939)

Glaubenslehre war eine Verantwortung der Familie, die durch die Gemeinde unterstützt wurde. Dieses leisten Familien aus unterschiedlichen Gründen heute nicht mehr in gleicher Weise. Die sozialen Veränderungen sind gewaltig. Auch Großeltern spielen heute kaum noch eine unmittelbare Rolle mehr in der Glaubensvermittlung.

Da erwachsen ganz neue Aufgaben für den Konfirmandenunterricht?

CW: Er musste und muss sich verändern. Früher hat man Lieder, Bibelverse und den Katechismus auswendig gelernt, um sie bei einer Prüfung aufsagen zu können. Das war alles. Vor 25 Jahren ersetzte man den Begriff „Konfirmanden-Unterricht“ durch „Konfirmanden-Arbeit“, das zielte auf offenere Formen des Lernens, nicht mehr vom Katheder aus, sondern auf Augenhöhe, in Stuhlkreisen, auf Freizeiten, in kreativer Gestaltung. Heute gibt es den Impuls lieber von der „Konfirmandenzeit“ zu sprechen, Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten „subjektorientiert“, indem sie von den Fragen und Erfahrungen der Kinder her zu Aussagen zu kommen, die getragen sind von dem, was der christliche Glaube bietet. Und es gibt längst nicht mehr die Fülle an Lernstoff. 

Aber die Jahre der Pubertät bleiben schwierig, Jugendliche haben mit ihrer Selbstfindung, Orientierung zu tun. Dieses Bedürfnis bleibt ja. Und sehr viele lassen sich konfirmieren.

CW: Fast 90 Prozent. Pubertierende sind Suchende in einer Umbruchphase ihres Lebens. Unsere Aufgabe ist, Lehrinhalte nicht einzutrichtern, sondern zu sehen: Was steckt in diesem jungen Menschen an Fragen und Kompetenzen? Wie können gemeinsam Antworten gefunden werden? Und zugleich gilt es die Tradition des christlichen Glaubens als Sprach- und Erfahrungsraum anzubieten. Da bleibe ich durchaus konservativ. Wer konfirmiert wird, soll wissen, was die fünf Hauptstücke des Katechismus sind. Die habe ich zur Hand. Diese kann ich reflektieren. Damit kann ich mich im Glauben sprachfähig erleben.

Früher ging man nach der Konfirmation in die Lehre. Ist sie heute noch ein wichtiger Einschnitt als Ritual des Erwachsenwerdens?

CW: Da gibt es verschiedene Antworten. Eine lautet rein biologisch: Alle sieben Jahre übertritt der Mensch eine Schwelle, dann haben sich alle Zellen komplett erneuert. Insofern ist das 14. Lebensjahr  eine biologische Schwelle. Die Kindheit ist vorbei, die Jugendlichen werden sich nun in die Welt der Erwachsenen hinein orientieren, sie werden bald schon Verantwortung übernehmen und ernst genommen.

Einigen wird am  Tag der Konfirmation das Erwachsenwerden besonders deutlich indem die Familie zusammenkommt und sie an diesem Tag, bei diesem Fest ganz im Mittelpunkt steht. Andere  spüren vielleicht gerade an diesem Tag, dass ihre Familie brüchig ist. Sie erleben, wie Erwachsene mit der Zerbrechlichkeit ihrer Träume, ihres Lebens umgehen. Darin ergeben sich seelsorgerliche Aufgaben.

Wichtig ist vielen Jugendlichen der Begriff des Segens: dass sie auf der Schwelle aus der Kindheit heraus einem Schutz, einer Geborgenheit, einem Segen vertrauen können.

Es gibt inzwischen die Möglichkeit, einen Teil des Konfirmandenunterrichts in die dritte Klasse zu legen. Ist das eine Entscheidung der jeweiligen Gemeinde?

CW: Das entscheiden die Kirchenvorstände. Ich finde es sehr sinnvoll und gehöre zu den Protagonisten dieser Form der Gemeindearbeit. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit diesen „KU3“ in die Hände von Eltern legen, die dazu Unterstützung und Schulung durch die Kirchengemeinde bekommen. In anderen Gemeinden haben Jugendreferenten diese Aufgabe übernommen. Es ist grundsätzlich eine Chance der Begegnung, wenn Kirche häufiger biografisch vorkommt und sich anbietet: Zur Taufe, in der Vorkonfirmandenzeit, im Kindergottesdienst, in der Jungschar, schließlich  in der Konfirmandenzeit und bei einigen dann auch in der sich anschließenden Jugendarbeit.

Sie sind seit über 25 Jahren Pfarrer. Wird der Konfirmandenunterricht schwieriger?

CW: Ich hab ihn nie als wirklich mühsam empfunden. Es ist eine spannende Herausforderung. Die Erwachsenenwelt reagiert auf Jugendkultur immer ängstlich. Das gab es früher schon, dass es hieß: Gegen die Musik der Jugend kommen wir mit unseren Chorälen nicht an. Inzwischen sind die neuen Lieder von damals ebenfalls alte Kamellen. Ich muss die Sprache der Jugendlichen akzeptieren, aber meine eigene auch anbieten. Dann kann etwas gelingen. Nur akzeptieren ist zu wenig. Auch die neuen Medien bieten einen Kommunikationsraum, in dem Glauben zur Sprache kommen kann. Na klar, Facebook, Twitter, Instagram  oder Snapchat sind nie ganz ungefährlich. Die Frage, wie ich mich in der Öffentlichkeit präsentiere, ist heikel. Da kann ich zu weit gehen. Aber wir müssen uns auch in diesen Medien als Gesprächspartner darstellen, Inhalte anbieten, als Gegenüber und Ansprechpartner präsent sein.

Es gibt den Witz von den Fledermäusen, die ein Pfarrer loswerden will. Er konfirmiert sie kurzerhand, dann kommen sie nicht wieder. Was muss man tun, um diesen Effekt des „Aus-der-Kirche-Konfirmierens“ zu vermeiden?

CW: Der Witz funktioniert, aber er stimmt nicht. Wenn sonntags beispielsweise in Ziegenhain 70 oder 100 Menschen im Gottesdienst sind, dann sind außer den 10 bis 15 Konfirmandinnen und Konfirmanden alle anderen konfirmiert. Auch die jetzt 80-jährige Oma hatte möglicherweise in ihrer Jugendzeit eine Kirchenpause. Generell gilt: Jugendliche wollen nicht nur dasitzen und sich etwas anhören müssen. Wenn Jugendliche eine Aufgabe haben, kommen sie gern. Wer Jugendliche im Gottesdienst erleben will, muss sie auch zu Wort kommen lassen. Das, so muss ich selbstkritisch sagen, könnte uns durchaus öfter gelingen.

(Die Fragen stellte Mark-Christian von Busse. Die Antworten sind von Dekan Christian Wachter)

 

 


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