Überschrift: Kirchenkreis Ziegenhain Überschrift: Kirchenkreis Ziegenhain

Region und Geschichtliches


(Foto: Kirchenkreis)

Landschaft, Bräuche, Überlieferungen

Der Kirchenkreis Ziegenhain ist besonders geprägt durch die Landschaft der Schwalm. In ihr spielten Bräuche und Überlieferungen eine besondere Rolle. Besonders eindrucksvoll ist hier die Schwälmer Tracht. Bei den zahlreichen Festlichkeiten und Umzügen wird sie bis heute immer wieder präsentiert.

Eine besondere Beziehung ist in der Tracht natürlich zum evangelischen Kirchentum zu beobachten. Spezielle Trachten zur Taufe , Hochzeit, Trauer, Beichte und Abendmahl wurden würdevoll und stolz getragen.


Schwälmer Bibel

(Foto: Kirchenkreis)

Das Schwälmer Bibel-Gesangbuch (Bibel und Gesangbuch zusammengebunden) in kostbarer Ausstattung gehört zu den besonderen Glanzstücken.

Der rührige Schwälmer Heimatbund mit seinen Museen in Ziegenhain und Holzburg pflegt die Tradition sehr sorgfältig. Hier erscheint jährlich das Schwälmer Jahrbuch. Berühmt sind bis heute ferner die Schwälmer Kochkunst und die Weißstickerei nach Motiven aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Bedeutende Maler der Schwalm ( z.B. Carl Bantzer) haben mit ihren Bildern weite Verbreitung gefunden. Die Willingshäuser Malerkolonie aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Bezeichnung, unter der die Maler bekannt wurden. Heute ist die Tracht im Alltag nahezu ausgestorben, lebt aber in einer lebhaft gepflegten Erinnerung und in den Festen und Feiern fort.

Von der Frühzeit bis zur Gegenwart

Frühzeit

Der Raum stand schon sehr früh unter dem Einfluss von Fritzlar (Bonifatius) und Mainz (Bischofssitz). Erzpriestersitze gab es in Ottrau und in Treysa. Schon vor der Reformation bildeten sich viele Pfarreien, deren Gebietseinteilung die Reformation überdauert hat.

Von großer Bedeutung waren die Grafen von Ziegenhain weit über die Schwalm hinaus sowie die Patronatsfamilien von Dörnberg, von Schwertzell und von Baumbach. Die Patronate bestehen noch bis heute. Bedeutend war ferner der Einfluss der Klöster (Spieskappel, Immichenhain, Michelsberg, Treysa).

Reformation

Sie wurde 1526 aufgrund der Homberger Synode eingeführt. Eine große Rolle spielte in der Region bei der Neuordnung des Kirchenwesens der Ziegenhainer Festungskommandant Heinz von Lüder.

1538/39 kam es zur Verabschiedung der berühmten "Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung"


Den vollständigen Text der "Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung"
und Hintergrundinformationen finden Sie hier als pdf-Dateien.
Unter dem Einfluss des Straßburger Reformators Martin Bucer wurden das Laienamt des Kirchenältesten und die Konfirmation mit vorausgehendem Unterricht eingeführt. Ferner wurde der Toleranzgedanke im Umgang mit Andersgläubigen gefördert.

Seit 1593 wurden im Bereich des jetzigen Kirchenkreises drei Klassenbezirke als Mittelinstanzen eingerichtet (Ortsklassen Neukirchen, Treysa und Ziegenhain). Jeweils ein Metropolitan hatte die Aufsicht über den Bezirk. 1924 wurden die drei Bezirke zu einer Superintendentur und 1929 zum heutigen Kirchenkreis (Dekanat seit 1956).

Aufnahme der Hugenotten

1699 durften sich im Raum Treysa 100 Hugenottenfamilien ansiedeln. Sie gründeten den Ort Frankenhain und behielten lange Zeit die französische Sprache bei. In besonderer Weise befruchteten sie das kirchliche Leben.

Mission und Diakonie

1834 wurde in Ziegenhain ein Zweigverein des Kurhessischen Missionsvereins gegründet und 1850 das erste kirchliche Missionsfest Hessens am 1. und 2. Mai in Treysa gefeiert. Hieraus haben sich die bis in unsere Zeit reichenden Schwälmer Missionsfeste entwickelt.

Der Treysaer Pfarrer Franz von Roques gründete 1864 das Hess. Diakonissen-Mutterhaus, das ca. 50 Jahre später nach Kassel übersiedelte und noch heute besteht. Zugleich war dies der Ausgangspunkt für die Entstehung des heutigen Diakonie-Zentrums Hephata auf der Höhe oberhalb von Treysa. Von hier sind viele Impulse für Diakonie und Mission ausgegangen.

20. Jahrhundert

Im Dritten Reich ist die Bekenntnistreue mancher Christen mit Kreispfarrer Laabs an der Spitze zu nennen. In der Zeit ist auch das bis heute jährlich stattfindende Reformationsfrauentreffen entstanden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde am 31. August 1945 bei der Treysaer Kirchenkonferenz die Ev. Kirche in Deutschland (EKD) gegründet und ihre vorläufige Ordnung beschlossen. Zugleich kam es zur Gründung des Hilfswerks der EKD. Später entstand hieraus das Diakonische Werk.