Themenschwerpunkte: Kirche und Energiekrise: Was können Gemeinden tun?

Kassel (medio). Nicht nur bei Privatleuten und Unternehmen sorgen die steigenden Energiepreise für Sorgenfalten. Auch Kirchenleute schauen unruhig auf die Entwicklung. «Wir sehen die schwarzen Wolken auf uns zukommen», so beschreibt Alexander Reitz die Stimmung. Reitz leitet das Kasseler Stadtkirchenamt, das 149 Gebäude verwaltet, darunter 33 Kirchen, 45 Pfarrhäuser, 29 Gemeindehäuser und 17 Kindertagesstätten. 

Kurzfristig, sagt der Verwaltungsdirektor, könne man allenfalls darüber nachdenken, im Herbst und Winter Kirchen gar nicht mehr zu heizen oder die Temperatur bei Gebäuden zu deckeln. Das sieht Pfarrer Stefan Weiß, Klimaschutzmanager der Landeskirche, ähnlich. In vielen Gemeinden gebe es bereits Winterkirchen, also eine Verlegung der Gottesdienste in ein leichter heizbares Gemeindehaus oder in einen abgegrenzten Teil der Kirche. Solche Lösungen propagiert Weiß. Bei den steigenden Preisen für Heizkosten, manche Experten befürchten mehrere hundert Prozent, sei Nichts-Tun jedenfalls keine Option, so Weiß: «Die hohen Preise werden es keinem Kirchenvorstand erlauben, es einfach so laufen zu lassen.»

Temperatur senken

Genau dazu haben das Baudezernat und das Dezernat Theologisches Personal und Gemeindeentwicklung Empfehlungen an die Pfarrämter und Kirchenkreise herausgegeben. Unter anderem wird geraten, die bisherige Grundtemperatur in Kirchen von 8 Grad Celsius und die maximale Nutztemperatur von 15 Grad Celsius weiter zu senken. Schon ein Grad weniger Grundtemperatur bringe eine Einsparung von 10 bis 15 Prozent, rechnen die Bauexperten vor. Wichtig sei es, auf die relative Luftfeuchtigkeit zu achten. Diese solle zwischen 40 und 65 Prozent liegen, vor allem aber nicht sehr schwanken. Auch die Raumtemperatur solle nur langsam verändert werden, denn durch falsches Heizen könnten Schäden an den Gebäuden, der Ausstattung und an den Orgeln entstehen.  

Insgesamt aber, da sind sich Klimaschützer Weiß und Kirchenamtsleiter Reitz einig, ist Energiesparen ein Projekt für die Langstrecke. Der Stadtkirchenkreis hat dazu schon einiges auf den Weg gebracht, berichtet Reitz. So werden Dächer kirchlicher Gebäude, wo möglich, nach und nach mit Photovoltaik-Anlagen bestückt. Auch Fernwärme soll genutzt werden, wo es geht. Vier Gebäude seien schon auf diese Energieform umgestellt worden, sagt Reitz. Aber insgesamt gelte: «Das wird Jahre dauern.“ Auch Klimaschützer Weiß ist klar, dass zwei Dinge nötig sind: Zeit und Geld. In der Vergangenheit sei das Geld für Klimaschutz oft nicht da gewesen, dabei gelte: «Das Teuerste ist, nichts zu tun.» 

Blick in die Zukunft

Ein Problem sind Ölheizungen. Für gut gedämmte Gebäude sei oft, aber nicht immer, eine Wärmepumpen-Heizung eine gute Alternative, so Pfarrer Weiß. Diese Geräte laufen mit Strom, gelten aber als effizienter als Stromradiatoren, wie sie früher häufig eingesetzt wurden. Gut seien auch Kombigeräte mit Wärmepumpe und einem Gasbrenner. Bei Kirchen plädiere er schon lange dafür, Warmluftheizungen mit Gitterschächten durch Fuß- oder Sitzheizungen zu ersetzen, die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher effektiver wärmen. Er ist sich aber auch sicher, dass sich die Kirche noch von vielen Gebäuden werde trennen müssen. 

Jetzt zu investieren, das betont Weiß immer wieder, sei dringend nötig, zumal derzeit die Kirchensteuer-Einnahmen ja noch gut seien. Auch einen Griff in die Rücklage hält er für vertretbar – außerdem gebe es zahlreiche Möglichkeiten staatlicher Förderung für den Klimaschutz. 

Die dunklen Wolken der hohen Energiepreise kommen näher – dieser Sturm muss durchgestanden werden. Doch auch, wenn sie sich längst verzogen haben, bleibt die Energiefrage existenziell wichtig. Denn die Klimaveränderung ist langfristig, der Kampf dagegen ein Marathon. (19.08.2022, Text: Olaf Dellit) 

2022-10-10 35934

Empfehlungen an die Pfarrämter und Kirchenkreise
Kirche und Energiekrise: Was können Gemeinden tun?

Kirche und Energiekrise: Was können Gemeinden tun?
Kirchen sollen im Winter nur noch begrenzt geheizt werden. Foto: Pixabay.

Kassel (medio). Nicht nur bei Privatleuten und Unternehmen sorgen die steigenden Energiepreise für Sorgenfalten. Auch Kirchenleute schauen unruhig auf die Entwicklung. «Wir sehen die schwarzen Wolken auf uns zukommen», so beschreibt Alexander Reitz die Stimmung. Reitz leitet das Kasseler Stadtkirchenamt, das 149 Gebäude verwaltet, darunter 33 Kirchen, 45 Pfarrhäuser, 29 Gemeindehäuser und 17 Kindertagesstätten. 

Kurzfristig, sagt der Verwaltungsdirektor, könne man allenfalls darüber nachdenken, im Herbst und Winter Kirchen gar nicht mehr zu heizen oder die Temperatur bei Gebäuden zu deckeln. Das sieht Pfarrer Stefan Weiß, Klimaschutzmanager der Landeskirche, ähnlich. In vielen Gemeinden gebe es bereits Winterkirchen, also eine Verlegung der Gottesdienste in ein leichter heizbares Gemeindehaus oder in einen abgegrenzten Teil der Kirche. Solche Lösungen propagiert Weiß. Bei den steigenden Preisen für Heizkosten, manche Experten befürchten mehrere hundert Prozent, sei Nichts-Tun jedenfalls keine Option, so Weiß: «Die hohen Preise werden es keinem Kirchenvorstand erlauben, es einfach so laufen zu lassen.»

Temperatur senken

Genau dazu haben das Baudezernat und das Dezernat Theologisches Personal und Gemeindeentwicklung Empfehlungen an die Pfarrämter und Kirchenkreise herausgegeben. Unter anderem wird geraten, die bisherige Grundtemperatur in Kirchen von 8 Grad Celsius und die maximale Nutztemperatur von 15 Grad Celsius weiter zu senken. Schon ein Grad weniger Grundtemperatur bringe eine Einsparung von 10 bis 15 Prozent, rechnen die Bauexperten vor. Wichtig sei es, auf die relative Luftfeuchtigkeit zu achten. Diese solle zwischen 40 und 65 Prozent liegen, vor allem aber nicht sehr schwanken. Auch die Raumtemperatur solle nur langsam verändert werden, denn durch falsches Heizen könnten Schäden an den Gebäuden, der Ausstattung und an den Orgeln entstehen.  

Insgesamt aber, da sind sich Klimaschützer Weiß und Kirchenamtsleiter Reitz einig, ist Energiesparen ein Projekt für die Langstrecke. Der Stadtkirchenkreis hat dazu schon einiges auf den Weg gebracht, berichtet Reitz. So werden Dächer kirchlicher Gebäude, wo möglich, nach und nach mit Photovoltaik-Anlagen bestückt. Auch Fernwärme soll genutzt werden, wo es geht. Vier Gebäude seien schon auf diese Energieform umgestellt worden, sagt Reitz. Aber insgesamt gelte: «Das wird Jahre dauern.“ Auch Klimaschützer Weiß ist klar, dass zwei Dinge nötig sind: Zeit und Geld. In der Vergangenheit sei das Geld für Klimaschutz oft nicht da gewesen, dabei gelte: «Das Teuerste ist, nichts zu tun.» 

Blick in die Zukunft

Ein Problem sind Ölheizungen. Für gut gedämmte Gebäude sei oft, aber nicht immer, eine Wärmepumpen-Heizung eine gute Alternative, so Pfarrer Weiß. Diese Geräte laufen mit Strom, gelten aber als effizienter als Stromradiatoren, wie sie früher häufig eingesetzt wurden. Gut seien auch Kombigeräte mit Wärmepumpe und einem Gasbrenner. Bei Kirchen plädiere er schon lange dafür, Warmluftheizungen mit Gitterschächten durch Fuß- oder Sitzheizungen zu ersetzen, die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher effektiver wärmen. Er ist sich aber auch sicher, dass sich die Kirche noch von vielen Gebäuden werde trennen müssen. 

Jetzt zu investieren, das betont Weiß immer wieder, sei dringend nötig, zumal derzeit die Kirchensteuer-Einnahmen ja noch gut seien. Auch einen Griff in die Rücklage hält er für vertretbar – außerdem gebe es zahlreiche Möglichkeiten staatlicher Förderung für den Klimaschutz. 

Die dunklen Wolken der hohen Energiepreise kommen näher – dieser Sturm muss durchgestanden werden. Doch auch, wenn sie sich längst verzogen haben, bleibt die Energiefrage existenziell wichtig. Denn die Klimaveränderung ist langfristig, der Kampf dagegen ein Marathon. (19.08.2022, Text: Olaf Dellit) 


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Die Broschüre «Verantwortungsbewusstes Temperieren von Kirchen im Winter 2022/2023 - Handlungsempfehlungen» wurde gemeinsam erstellt und herausgegeben von den Bauabteilungen katholischer Bistümer und evangelischer Landeskirchen in Abstimmung mit den jeweiligen Umwelt-, Orgel- und Kunstabteilungen:

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Heizkosten sparen ist auch bei den evangelischen Kirchen in Hessen angesagt. Was sie ihren Gemeinden empfehlen, wissen Medienhaus-Redakteur Torsten Scheuermann und Volontär Nico Mader: