Aktuelle Tagung: Bericht der Bischöfin: Klimaschutz und Nutzung von Gemeindehäusern im Fokus

Hofgeismar (medio). Nachhaltig, öffentlich, digital: Mit diesen drei Begriffen hat die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann, während der Herbsttagung der Landessynode Entwicklungen angesprochen, «die für unsere Kirche in den nächsten Jahren besondere Chancen, aber auch besondere Herausforderungen mit sich bringen», teilte die Pressestelle der Landeskirche mit. Ihr Bericht «Die Kirche im Prozess gesellschaftlicher Veränderungen» markierte am Montag (22. November) den Auftakt der digitalen Zusammenkunft. 

Intensive Beschäftigung mit dem Klimaschutz gefordert

«Seit ich hier Bischöfin bin, beschäftigt mich der Wald – oder das, was davon noch übrig ist», sagte Bischöfin Hofmann zu Beginn ihres Berichts. Der Gedanke der ‚Nachhaltigkeit‘ komme aus dem Wald, erinnerte Hofmann – und auch daran, dass die Landeskirche den Wald im Namen trage. «Es könnte ein Identitätsmerkmal und ein Markenzeichen werden, eine nachhaltige Waldkirche zu sein, also eine Kirche, die so lebt und arbeitet, dass dadurch die Bedürfnisse und Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generation nicht gefährdet werden.»

Nachhaltigkeit als wichtiges Prinzip kirchlicher Weiterentwicklung signalisiere der Fridays-for-Future-Bewegung: «Wir von der Kirche haben verstanden! Und jetzt müssen wir liefern, damit wir glaubwürdig bleiben», betonte die Bischöfin. Dabei gehe es auch darum, Gottes Auftrag zu erfüllen: die Schöpfung zu bewahren, ohne anderen zu schaden. Bischöfin Hofmann fordert daher eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Klimaschutz auf allen kirchlichen Ebenen. Dazu zähle ein neues Klimaschutzkonzept mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Dies werde unter anderem veränderte Mobilität durch digitale Sitzungen, E-Mobilität, nachhaltiges Bauen und veränderte Ernährung fordern. «Klimaschutz kostet Geld, er verändert unsere Gewohnheiten und er wird uns Verzicht abfordern; er wird an manchen Stellen weh tun und unser Leben - eben: nachhaltig - verändern.» 

Die christliche Stimme in der Gesellschaft erheben

Neben dem Begriff der Nachhaltigkeit nahm Bischöfin Hofmann auch das Thema öffentliche Ausstrahlung in den Fokus. Der Vorwurf, die Kirchen hätten während der Corona-Pandemie geschwiegen, sitze noch immer tief. Anders als bei der Flutkatastrophe an der Ahr, wo Seelsorgende in den betroffenen Gebieten sichtbar wurden, wo es einen großen Gedenkgottesdienst gab und «und damit Bilder von dem, was Kirche tut», habe es während des Lockdowns kaum entsprechende Bilder geben können. «Videogottesdienste, Gottesdienste to go, Telefonandachten – all das lässt sich schwerer in Bildern festhalten. Aber es war da, und zwar in einer großen Vielfalt und Fülle, wofür ich sehr dankbar bin», unterstrich die Bischöfin. Mit dem Stichwort «öffentlich» verbinde sich aber nicht nur die Frage nach der öffentlichen Kommunikation, sondern auch ein theologisches Konzept: die Stimme zu erheben für die, deren Stimme überhört wird. Aufgabe der Kirche müsse sein, Räume des Zuhörens und Miteinander-Redens zu schaffen. «Dann haben wir eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Diskurs.»

2021-11-24 34173

Nachhaltig, öffentlich, digital
Bericht der Bischöfin: Klimaschutz und Nutzung von Gemeindehäusern im Fokus

Bericht der Bischöfin: Klimaschutz und Nutzung von Gemeindehäusern im Fokus
Bischöfin Dr. Hofmann während der Aussprache zu ihrem Bericht vor der Synode. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Hofgeismar (medio). Nachhaltig, öffentlich, digital: Mit diesen drei Begriffen hat die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Beate Hofmann, während der Herbsttagung der Landessynode Entwicklungen angesprochen, «die für unsere Kirche in den nächsten Jahren besondere Chancen, aber auch besondere Herausforderungen mit sich bringen», teilte die Pressestelle der Landeskirche mit. Ihr Bericht «Die Kirche im Prozess gesellschaftlicher Veränderungen» markierte am Montag (22. November) den Auftakt der digitalen Zusammenkunft. 

Intensive Beschäftigung mit dem Klimaschutz gefordert

«Seit ich hier Bischöfin bin, beschäftigt mich der Wald – oder das, was davon noch übrig ist», sagte Bischöfin Hofmann zu Beginn ihres Berichts. Der Gedanke der ‚Nachhaltigkeit‘ komme aus dem Wald, erinnerte Hofmann – und auch daran, dass die Landeskirche den Wald im Namen trage. «Es könnte ein Identitätsmerkmal und ein Markenzeichen werden, eine nachhaltige Waldkirche zu sein, also eine Kirche, die so lebt und arbeitet, dass dadurch die Bedürfnisse und Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generation nicht gefährdet werden.»

Nachhaltigkeit als wichtiges Prinzip kirchlicher Weiterentwicklung signalisiere der Fridays-for-Future-Bewegung: «Wir von der Kirche haben verstanden! Und jetzt müssen wir liefern, damit wir glaubwürdig bleiben», betonte die Bischöfin. Dabei gehe es auch darum, Gottes Auftrag zu erfüllen: die Schöpfung zu bewahren, ohne anderen zu schaden. Bischöfin Hofmann fordert daher eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Klimaschutz auf allen kirchlichen Ebenen. Dazu zähle ein neues Klimaschutzkonzept mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Dies werde unter anderem veränderte Mobilität durch digitale Sitzungen, E-Mobilität, nachhaltiges Bauen und veränderte Ernährung fordern. «Klimaschutz kostet Geld, er verändert unsere Gewohnheiten und er wird uns Verzicht abfordern; er wird an manchen Stellen weh tun und unser Leben - eben: nachhaltig - verändern.» 

Die christliche Stimme in der Gesellschaft erheben

Neben dem Begriff der Nachhaltigkeit nahm Bischöfin Hofmann auch das Thema öffentliche Ausstrahlung in den Fokus. Der Vorwurf, die Kirchen hätten während der Corona-Pandemie geschwiegen, sitze noch immer tief. Anders als bei der Flutkatastrophe an der Ahr, wo Seelsorgende in den betroffenen Gebieten sichtbar wurden, wo es einen großen Gedenkgottesdienst gab und «und damit Bilder von dem, was Kirche tut», habe es während des Lockdowns kaum entsprechende Bilder geben können. «Videogottesdienste, Gottesdienste to go, Telefonandachten – all das lässt sich schwerer in Bildern festhalten. Aber es war da, und zwar in einer großen Vielfalt und Fülle, wofür ich sehr dankbar bin», unterstrich die Bischöfin. Mit dem Stichwort «öffentlich» verbinde sich aber nicht nur die Frage nach der öffentlichen Kommunikation, sondern auch ein theologisches Konzept: die Stimme zu erheben für die, deren Stimme überhört wird. Aufgabe der Kirche müsse sein, Räume des Zuhörens und Miteinander-Redens zu schaffen. «Dann haben wir eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Diskurs.»

Die Synodalen verfolgten gespannt den Bericht der Bischöfin auf den Bildschirmen. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt

In ihrem Bericht sprach Bischöfin Hofmann auch die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt an: «In der Evangelischen Kirche gab und gibt es sexualisierte Gewalt. Sie verwundet Betroffene an Leib und Seele, sie betrifft auch ihre Familien und Freundschaften. Und sie beschädigt das Vertrauen in Kirche als einen Raum, der Schutz und Sicherheit vor sexuellen Übergriffen bietet», machte Hofmann deutlich. «Das Ziel unseres Handelns muss es zuerst sein, sexuellen Missbrauch soweit das irgend möglich ist, zu verhindern.» Ferner gelte es, Kirche als einen Kommunikationsort zu gestalten, «in dem Menschen jeden Alters leidvolle Erfahrungen zur Sprache bringen können, wo sie darin ernstgenommen werden und erlittenes Unrecht nicht vertuscht oder Täterverhalten beschwichtigt wird», sagte Hofmann. Solche Aufarbeitung müsse ehrlich im Blick auf das eigene Versagen, transparent und öffentlich sein.

«Wir haben nicht mehr die Rolle der selbstverständlichen Weltdeuter»

«Öffentliche Kirche ist im 21. Jahrhundert auch Kirche im digitalen Raum», spann die Bischöfin den Bogen zum dritten Schlagwort und bilanzierte angesichts der Informationsvielfalt und der Konkurrenz um Deutung und Aufmerksamkeit: «Wir können unsere Stimme und unsere christliche Perspektive in die Gespräche über Leben und Glauben einbringen, aber wir haben darin nicht mehr die Rolle der selbstverständlichen Weltdeuter, denen automatisch Vertrauen entgegengebracht und Glauben geschenkt wird.» Eine der Lernerfahrungen der Pandemie sei, dass es Gemeinschaft auch im digitalen Raum gibt. Zudem hätten sich Arbeitsformen verändert.

Gemeindehäuser als Co-Working-Spaces

Wie kann sich Kirche in die Digitalisierungsprozesse einbringen? Als ein Beispiel nannte Bischöfin Hofmann die Möglichkeit, Gemeindehäuser als Co-Working-Spaces, als flexiblen Arbeitsplatz zu öffnen: Dies böte große Chancen für Kontaktflächen, für Kooperationen, für Ausstrahlung, für Nachhaltigkeit und Beteiligung und vor allem für Innovation. «Das wäre ein exemplarisches Feld für eine ‚missionale‘ Kirche», so die Bischöfin. Sie resümierte: «Wir leben in einer Welt, die sich rasant verändert und immer stärker von Ungleichzeitigkeit und Unsicherheit geprägt ist. Als Christinnen und Christen können wir diese Situation annehmen und im Vertrauen auf Gottes Liebe und Beistand mutig und beherzt leben und glauben. Als christliche Gemeinschaft können wir in dieser Welt neue Räume und Wege entwickeln, um unseren Auftrag zu erfüllen, nämlich das Evangelium von Jesus Christus zu kommunizieren.» (22.11.2021)


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«Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden» (1. Joh 3,2) - Die Kirche im Prozess gesellschaftlicher Veränderungen: Nachhaltig – öffentlich – digital. Schriftliche Fassung des Berichts von Bischöfin Dr. Beate Hofmann:

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Präsentation zum Bericht der Bischöfin:

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