Aktuell: Bischof Hein ruft zu mehr Gemeinsamkeit unter den Konfessionen auf

Hanau (epd/medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, rief in einem Festgottesdienst am Sonntag (16.9.) auf dem Hanau Marktplatz zu mehr Gemeinsamkeit unter den christlichen Konfessionen auf. Anlass war ein großes Jubiläumsfest, mit dem die Feierlichkeiten rund um das 200. Jubiläum der Hanauer Union ihren Abschluss und Höhepunkt fanden. Hein, der seine Predigt in einfacher Sprache hielt, verwies auf den Anlass des Festes, die Überwindung der Trennung von Lutheranern und Reformierten vor 200 Jahren in Hanau. Die Bürger der Stadt hätten damals zu den ersten gehört, die mit den unterschiedlichen evangelischen Kirchen nicht mehr zufrieden waren und sich deshalb zusammengeschlossen. Nach Veranstalterangaben waren rund 1.000 Besucherinnen und Besucher gekommen.

Vor dem Gottesdienst hatte es auf dem Marktplatz ein Anspiel zum Entstehen der Hanauer Union gegeben. Zudem spielten ein Posaunenchor mit rund 150 Bläsern aus der Region sowie der Landesgospelchor «Get up!» und Band. Ein eigens für diesen Anlass komponiertes Lied mit dem Vers «Mit Zuversicht nach vorne gehen, das Evangelium neu verstehen, den Segen in der Vielfalt sehen» vermittelte den Besuchern das Anliegen der Union musikalisch. Rund um den Marktplatz informierten zahlreiche kirchliche Initiativen über ihre Angebote.

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Rund 1.000 Besucher auf Hanauer Unionsfest
Bischof Hein ruft zu mehr Gemeinsamkeit unter den Konfessionen auf

Fröhliches Fest bei bestem Wetter. In Hanau schlossen sich vor 200 Jahren lutherische und reformierte Christen zu einer evangelisch-christlichen Kirche zusammen. Zum Jubiläum sang auch der Landesgospelchor «Get up!». (Fotos: medio.tv/Schauderna)

Hanau (epd/medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, rief in einem Festgottesdienst am Sonntag (16.9.) auf dem Hanau Marktplatz zu mehr Gemeinsamkeit unter den christlichen Konfessionen auf. Anlass war ein großes Jubiläumsfest, mit dem die Feierlichkeiten rund um das 200. Jubiläum der Hanauer Union ihren Abschluss und Höhepunkt fanden. Hein, der seine Predigt in einfacher Sprache hielt, verwies auf den Anlass des Festes, die Überwindung der Trennung von Lutheranern und Reformierten vor 200 Jahren in Hanau. Die Bürger der Stadt hätten damals zu den ersten gehört, die mit den unterschiedlichen evangelischen Kirchen nicht mehr zufrieden waren und sich deshalb zusammengeschlossen. Nach Veranstalterangaben waren rund 1.000 Besucherinnen und Besucher gekommen.

Vor dem Gottesdienst hatte es auf dem Marktplatz ein Anspiel zum Entstehen der Hanauer Union gegeben. Zudem spielten ein Posaunenchor mit rund 150 Bläsern aus der Region sowie der Landesgospelchor «Get up!» und Band. Ein eigens für diesen Anlass komponiertes Lied mit dem Vers «Mit Zuversicht nach vorne gehen, das Evangelium neu verstehen, den Segen in der Vielfalt sehen» vermittelte den Besuchern das Anliegen der Union musikalisch. Rund um den Marktplatz informierten zahlreiche kirchliche Initiativen über ihre Angebote.

Erstunterzeichnung der «Hanauer Erklärung»

Eine besondere Aktion war zudem die Erstunterzeichnung einer im Laufe des Festjahres entstandenen «Hanauer Erklärung» unter anderem durch Bischof Hein, Dekan Martin Lückhoff und Torben W. Telder von der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde Hanau. In ihr bekennen sich die Unterzeichner zur konfessionellen Identität, zur Ökumene und zum interreligiösen und interkulturellen Gespräch. Im Anschluss unterzeichneten zahlreiche Gemeinden und Hanauer Bürger ebenfalls die Erklärung.

Dekan Dr. Martin Lückhoff bezeichnete die Erklärung als ein Positionspapier, das von unten nach oben gewachsen sei. Er hoffe, dass auch katholische Gemeinden sich dieser Erklärung anschließen könnten. Vor allem an dem in der Erklärung erwähnten interreligiösen Gespräch führe heute kein Weg mehr vorbei, sagte Lückhoff.

Auch eine Festschrift zum Jubiläum wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. In ihr sind die auch für Laien verständlichen Vorträge, die im Jubiläumsjahr zum Thema gehalten wurden, zusammengefasst.

Vor 200 Jahren hatten sich auf einer Hanauer Synode die lutherischen und reformierten Kirchengemeinden im Bereich des heutigen Sprengels Hanau zu einer evangelischen Kirche zusammengeschlossen und somit die konfessionelle Aufspaltung, zu der es im Zuge der Reformation gekommen war, überwunden.

Das Stichwort: Die Hanauer Erklärung

Im Jubiläumsjahr der Hanauer Union 2018 ist im evangelischen Kirchenkreis Hanau ein Positionspapier entstanden, das wesentliche Einsichten der Hanauer Synode von 1818 aufgreift und in die Herausforderungen der heutigen Zeit übersetzt. Es enthält drei Kernsätze: «Gemeinsam in Vielfalt glauben», «Ja zur konfessionellen Identität - denn eigene Überzeugungen sind wichtig» sowie «Ja zur ökumenischen Aufgabe - denn Glauben geht gemeinsam».

Die Erklärung hebt in den Ausführungen zu diesen Sätzen hervor, dass eine Gemeinschaft des Glaubens nicht in sich widerspruchsfrei sein muss. Entscheidend sei, dass sie sich im Kern auf das Evangelium in Jesus Christus beziehe. Einheit in versöhnter Verschiedenheit ist demnach getragen von dem Willen, Gemeinschaft im Neben- und Miteinander verschiedener Glaubenstraditionen als «christlich» zu bezeugen. Die Vielfalt der Glaubenspraxis gefährde die Einheit der Kirche nicht. Die verschiedenen Konfessionen stifteten Identität und ließen zugleich Vielfalt zu.

Die Hanauer Erklärung kann von Kirchengemeinden, Institutionen und auch Einzelpersonen unterzeichnet werden. Die Erstunterzeichnung erfolgte auf dem Hanauer Unionsfest 16. September 2018.

Prälat Böttner: Mehr Einheit der Kirchen möglich

Der Prälat der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Bernd Böttner, hält mehr «Einheit in versöhnter Verschiedenheit» zwischen den christlichen Kirchen für möglich. Er setze auf die ökumenischen Bestrebungen und vor allem auf den 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021, sagte Böttner im Vorfeld der Veranstaltung. Eine Vereinigung mit der katholischen Kirche halte er aber für nicht möglich und auch nicht erstrebenswert.

Böttner, der lange Zeit als Propst in Hanau wirkte, zeigte sich über die Veranstaltungen zum 200. Jubiläum der Hanauer Union zufrieden. Die Veranstaltungen unter dem Motto «Zusammen in Vielfalt glauben» seien alle gut besucht gewesen, die Kooperation mit den verschiedenen Partnern habe sich sehr bewährt. Die Visionen der Väter der Union könnten auch heute Vorbild sein für das Bestreben nach Einheit in der Vielfalt der Konfessionen und auch in der Gesellschaft, sagte Böttner.

Vor 200 Jahren hatten sich die lutherischen und reformierten Kirchengemeinden im Bereich des heutigen Sprengels Hanau zu einer evangelischen Kirche zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss erfolgte auf der Hanauer Synode am 1. Juni 1818. Zum Jubiläumsjahr gab es bisher zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem mit der Reformationsbotschafterin Margot Käßmann und dem kurhessische Bischof Hein. Über das historische Ereignis und sein Zustandekommen hatte der Historiker Erhard Bus an verschiedenen Orten referiert.

Bernd Böttner in der Marienkirche in Hanau, wo er von 2010 bis 2017 als Propst wirkte (Foto: medio.tv/Schauderna)

Drei Fragen an...

Bernd Böttner ist Prälat der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und wirkte von 2010 bis 2017 als Propst in Hanau. Wir haben ihn zum Jubiläum befragt. Die Fragen stellte epd-Redakteur Christian Prüfer.

Prüfer: Wie ist das Jubiläum mit seinen Angeboten von den Hanauern aufgenommen worden?

Prälat Böttner: Angefangen von dem Vortrag von Margot Käßmann waren die weiteren Vorträge unterschiedlich, aber gut besucht. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kooperationspartner (Stadt Hanau, Hanauer Geschichtsverein, Interessengemeinschaft Hanauer Altstadt, Luther-Gesellschaft, Volkshochschule, Stadtkirchengemeinde Hanau, Kirchenkreis Hanau, Sprengel Hanau sowie Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) hat sich sehr bewährt.

Prüfer: Was bedeutet die Hanauer Union für uns heute?

Prälat Böttner: «Zusammen in Vielfalt glauben» lautet das Motto des Jubiläums. Die Visionen der Mütter und der Väter der Hanauer Union können uns auch heute leiten in unserem Bestreben nach Einheit in der Vielfalt der Konfessionen und überhaupt auf der Suche nach Einheit in einer Gesellschaft, die immer vielfältiger wird, die aber auch auseinanderzubrechen droht.

Prüfer: Halten Sie eine «Union» zwischen evangelischer und katholischer Kirche für möglich?

Prälat Böttner: Eine Union wie die Vereinigung der lutherischen und der reformierten Gemeinden im Sprengel Hanau im Jahr 1818 zu einer Kirche, auch im organisatorischen Sinn, halte ich nicht für möglich, allerdings auch nicht für erstrebenswert. Mehr Einheit in versöhnter Verschiedenheit wäre durchaus möglich. Hier setze ich auf die weiteren ökumenischen Bestrebungen und vor allem auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021.

 (17.09.2018)


file_download Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Bischof Martin Hein in einfacher Sprache im Festgottesdienst am 16. September 2018 im Wortlaut:

radio Internetradio:

Der Historiker Erhard Bus erläutert den Unterschied zwischen lutherisch und reformiert und wie die Hanauer Union zustande gekommen ist. Ein Beitrag von Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer:

radio Internetradio:

Pfarrer Michael Lapp erklärt das unterschiedliche Verständnis von reformierten und lutherischen Gemeinden. Ein Beitrag von medio-Reporter Siegfreid Krückeberg:

radio Internetradio:

Wie das Unionsjubiläum in der Region gefeiert wurde und welche Bedeutung die Haneuer Union hat, erklären die Hanauer Pfarrerin Ines Fetzer und der ehemalige Propst des Sprengels Hanau und jetzige Prälat der Landeskirche, Bernd Böttner. Hören Sie hier den Beitrag von medio-Reporter Siegfried Krückeberg:

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Weitere Informationen zur Hanauer Union und zum Fest am 16. September unter: