Aktuell: Bischof Hein: Ethikrat ist «Labor für gesellschaftliche Diskussionen»

Kassel (epd). Der turnusgemäß aus dem Deutschen Ethikrat ausgeschiedene Bischof Martin Hein hat die große gesellschaftliche Bedeutung des Gremiums gewürdigt. «Gäbe es den Ethikrat nicht, müsste man ihn erfinden», sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). In den Beratungen des 26köpfigen Gremiums spiegelten sich die gesellschaftlichen Debatten wider. Der Ethikrat sei eine Art «Labor für gesellschaftliche Diskussionen»,sagte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Besonders bewegt hätten ihn im Ethikrat, dem er seit 2014 angehörte, die Diskussionen zum Thema Hirntod sowie vor kurzem das Thema Zulässigkeit von Zwangsmaßnahmen. Zu diesem Thema ist am Donnerstag in Berlin ein einstimmig verabschiedetes, 250 Seiten starkes Papier des Ethikrates veröffentlicht worden. Hein war bei den Beratungen Mitglied der Untergruppe Altenpflege. Das Papier sieht in Zwangstherapien und Freiheitseinschränkungen nur ein allerletztes Mittel, wenn hilfsbedürftige Menschen vor sich selbst geschützt werden müssen.

Generell sei der Ethikrat trotz seiner sehr unterschiedlichen Zusammensetzung immer um Konsens bemüht, so Hein weiter. Meistens gelinge dies auch, es würden aber auch unterschiedliche Positionen zugelassen. Als Bischof habe er gegenüber den anderen Mitglied keinen Vertrauensvorschuss genossen, sagte er. «Im Ethikrat kann man sich nur auf der Ebene des vernünftigen Arguments einbringen», zog er Bilanz. Rein theologische Begründungen überzeugten nicht. Die Argumente für eine bestimmte Position müssten allgemeinverständlich
sein.

Als eines der Themen, mit denen sich der Ethikrat künftig befassen müsse, sieht Hein das Thema künstliche Intelligenz. Momentan seien aber auch genetische Eingriffe beim Menschen sowie die Digitalisierung und der damit zusammenhängende Datenschutz wichtige Themen. (01.11.2018)

2018-11-01 26093


Bischof Hein: Ethikrat ist «Labor für gesellschaftliche Diskussionen»

Bischof Martin Hein (2.v.l.) im Gespräch mit den Redakteuren Torsten Scheuermann (1.v.l.) und Christian Prüfer (4.v.l.) sowie dem stellv. Sprecher der Landeskirche, Pfarrer Christian Fischer (3.v.l.). (Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel (epd). Der turnusgemäß aus dem Deutschen Ethikrat ausgeschiedene Bischof Martin Hein hat die große gesellschaftliche Bedeutung des Gremiums gewürdigt. «Gäbe es den Ethikrat nicht, müsste man ihn erfinden», sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). In den Beratungen des 26köpfigen Gremiums spiegelten sich die gesellschaftlichen Debatten wider. Der Ethikrat sei eine Art «Labor für gesellschaftliche Diskussionen»,sagte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Besonders bewegt hätten ihn im Ethikrat, dem er seit 2014 angehörte, die Diskussionen zum Thema Hirntod sowie vor kurzem das Thema Zulässigkeit von Zwangsmaßnahmen. Zu diesem Thema ist am Donnerstag in Berlin ein einstimmig verabschiedetes, 250 Seiten starkes Papier des Ethikrates veröffentlicht worden. Hein war bei den Beratungen Mitglied der Untergruppe Altenpflege. Das Papier sieht in Zwangstherapien und Freiheitseinschränkungen nur ein allerletztes Mittel, wenn hilfsbedürftige Menschen vor sich selbst geschützt werden müssen.

Generell sei der Ethikrat trotz seiner sehr unterschiedlichen Zusammensetzung immer um Konsens bemüht, so Hein weiter. Meistens gelinge dies auch, es würden aber auch unterschiedliche Positionen zugelassen. Als Bischof habe er gegenüber den anderen Mitglied keinen Vertrauensvorschuss genossen, sagte er. «Im Ethikrat kann man sich nur auf der Ebene des vernünftigen Arguments einbringen», zog er Bilanz. Rein theologische Begründungen überzeugten nicht. Die Argumente für eine bestimmte Position müssten allgemeinverständlich
sein.

Als eines der Themen, mit denen sich der Ethikrat künftig befassen müsse, sieht Hein das Thema künstliche Intelligenz. Momentan seien aber auch genetische Eingriffe beim Menschen sowie die Digitalisierung und der damit zusammenhängende Datenschutz wichtige Themen. (01.11.2018)


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