Aktuell: Herbsttagung der Landessynode in Hofgeismar

Hofgeismar (epd/medio). Mit der Verabschiedung eines Nachtragshaushaltes in Höhe von rund 13,5 Millionen Euro im Ergebnishaushalt und 1,1 Millionen Euro im Investitionshaushalt ist am Mittwoch (28.11.) die Herbstsynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Hofgeismar zu Ende gegangen. Zuvor verabschiedeten die Synodalen einen Brief an die Bundesregierung sowie an den Botschafter Kameruns, in dem sie zu einer friedlichen Lösung des gewalttätigen Konfliktes zwischen der Regierung und dem englischsprachigen Teil des Landes aufriefen.

Bischofsbericht: «Theologische Orientierung», sexualisierte Gewalt und und Juniorberater in den Kirchenvorständen

Zum Auftakt der Synode hatte Bischof Prof. Dr. Martin Hein am Montag in seinem mit «Theologische Orientierung» betitelten Bericht die Theologie als eine Orientierungswissenschaft bezeichnet, die eine entscheidende Funktion für Kirche, Staat und Gesellschaft habe. Sie könne angesichts zunehmender Wahlmöglichkeiten in einer pluralistischen Gesellschaft Orientierung aus dem biblischen Glauben heraus anbieten, sagte Hein. Es war der letzte Bericht, den Hein vor seinem Ausscheiden aus dem Bischofsamt im September 2019 vor der Synode hielt.

Ein weiterer Punkt von Heins Bericht war das Thema sexualisierte Gewalt. Dieses Problem betreffe nicht nur die katholische, sondern auch die evangelische Kirche, sagte er. Die Landeskirche strebe die Einrichtung unabhängiger Anlaufstellen, ein Konzept zur Prävention sowie eine Koordinationsstelle an, sagte Hein. Opfern müsse Recht verschafft, Strukturen, die Gewalt begünstigten, verändert werden.

Zum Thema Jugend und Kirche regte Hein die Einrichtung eines Ehrenamtes von «Juniorberatern» an. Diese könnten analog dem Amt der «Kirchenältesten» den Kirchengemeinden beratend zur Seite stehen. Die größte statistische Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus der Kirche austräten, liege zwischen dem 14. und 26. Lebensjahr, erläuterte Hein die Notwendigkeit, mehr auf die Jugend zu hören.

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Vom 26. bis 28. November 2018
Herbsttagung der Landessynode in Hofgeismar

Tagte in Hofgeismar: Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Hofgeismar (epd/medio). Mit der Verabschiedung eines Nachtragshaushaltes in Höhe von rund 13,5 Millionen Euro im Ergebnishaushalt und 1,1 Millionen Euro im Investitionshaushalt ist am Mittwoch (28.11.) die Herbstsynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Hofgeismar zu Ende gegangen. Zuvor verabschiedeten die Synodalen einen Brief an die Bundesregierung sowie an den Botschafter Kameruns, in dem sie zu einer friedlichen Lösung des gewalttätigen Konfliktes zwischen der Regierung und dem englischsprachigen Teil des Landes aufriefen.

Bischofsbericht: «Theologische Orientierung», sexualisierte Gewalt und und Juniorberater in den Kirchenvorständen

Zum Auftakt der Synode hatte Bischof Prof. Dr. Martin Hein am Montag in seinem mit «Theologische Orientierung» betitelten Bericht die Theologie als eine Orientierungswissenschaft bezeichnet, die eine entscheidende Funktion für Kirche, Staat und Gesellschaft habe. Sie könne angesichts zunehmender Wahlmöglichkeiten in einer pluralistischen Gesellschaft Orientierung aus dem biblischen Glauben heraus anbieten, sagte Hein. Es war der letzte Bericht, den Hein vor seinem Ausscheiden aus dem Bischofsamt im September 2019 vor der Synode hielt.

Ein weiterer Punkt von Heins Bericht war das Thema sexualisierte Gewalt. Dieses Problem betreffe nicht nur die katholische, sondern auch die evangelische Kirche, sagte er. Die Landeskirche strebe die Einrichtung unabhängiger Anlaufstellen, ein Konzept zur Prävention sowie eine Koordinationsstelle an, sagte Hein. Opfern müsse Recht verschafft, Strukturen, die Gewalt begünstigten, verändert werden.

Zum Thema Jugend und Kirche regte Hein die Einrichtung eines Ehrenamtes von «Juniorberatern» an. Diese könnten analog dem Amt der «Kirchenältesten» den Kirchengemeinden beratend zur Seite stehen. Die größte statistische Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus der Kirche austräten, liege zwischen dem 14. und 26. Lebensjahr, erläuterte Hein die Notwendigkeit, mehr auf die Jugend zu hören.

Finanzbericht: Kirchensteuereinnahmen, Freiwilliges Kirchgeld und Austrittsverhalten

Erfreuliches in Bezug auf die Finanzen wusste am Dienstag Vizepräsident Dr. Volker Knöppel den Synodalen zu berichten. Dank guter Konjunktur sei für 2018 mit steigenden Kirchensteuereinnahmen in Höhe von rund fünf Prozent zu rechnen, sagte er in seinem Finanzbericht. Auch das vor zwölf Jahren im Kirchenkreis Wolfhagen eingeführte Projekt «Freiwilliges Kirchgeld» habe sich gut entwickelt, die Spenden summierten sich mittlerweile auf über eine Million Euro. Diese Form der Finanzierung in den Gemeinden sei inzwischen in zehn Kirchenkreisen eingeführt, in den restlichen zehn solle es bis 2020 auf den Weg gebracht werden.

Knöppel wies in seinem Bericht auf Untersuchungen hin, die gezeigt hätten, dass Männer und Frauen um das Alter 26 Jahre und um 48 Jahre besonders häufig aus der Kirche austräten. Die Gründe hierfür seien zum einen die Familiengründung und später dann der Wegfall von Kindergeld und Kinderfreibeträgen, erklärte Knöppel. Eine Arbeitsgruppe versuche momentan, Vorschläge zu erarbeiten, diese Tendenzen zu mildern. Es gelte besser zu vermitteln, welche «Benefits» die Menschen von den Angeboten der Kirche hätten.

Kirchengesetze und Nachtragshaushalt

Auf der Tagesordnung standen weiterhin u.a. die Verabschiedung eines Kirchengesetzes über Regelungen zur Leitung in den Kirchenkreisen und die Verabschiedung des Nachtragshaushaltsplanes 2018. Erstmalig stellte auch das Amt für Revision auf einer Tagung der Landessynode einen Tätigkeitsbericht vor.

Vortrag:  «Welchen Beitrag kann die Kirche in einer digitalen Welt leisten?»

Zum Leitspruch der 13. Landessynode «Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen» hielt der Leiter des Referats Sozial- und Gesellschaftspolitische Fragen im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland, Oberkirchenrat Dr. Ralph Charbonnier, am Dienstagabend einen Vortrag zum Thema: «Welchen Beitrag kann die Kirche in einer digitalen Welt leisten?».

Gottesdienst und Eröffnung

Den Auftakt der Tagung bildete am 26. November um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Brunnenkirche, der vom Synodalpräsidium gestaltet wurde. Beginn der öffentlichen Beratungen war um 11:30 Uhr im Synodalsaal der Evangelischen Tagungsstätte Hofgeismar. (29.11.2018)


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Laden Sie hier die Tagesordnung der Herbsttagung herunter:

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Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Interview zum Schwerpunkt seines letzten Bischofberichts «Theologische Orientierung», zur Jugend und der Kirche und zum Thema «sexualisierte Gewalt» in der evangelischen Kirche:

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Vizepräsident Dr. Volker Knöppel im Interview zur Finanzentwicklung in Kurhessen-Waldeck, zur EKD-Studie über die zukünftige Entwicklung des Steueraufkommens und das darin beobachtbare Austrittsverhalten von Gemeindemitgliedern:

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Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann im Interview zu den Schwerpunktthemen der Herbsttagung, zur Bewerberlage für die Bischofswahl im kommenden Jahr und was die geistliche Begleitung einer Synodaltagung besonders auszeichnet: