Aktuell: Interview zur Herbsttagung der Landessynode mit Bischof Martin Hein

Bischof Hein stellte sich den Fragen von Pfarrer Christian Fischer, Leiter des Medienhauses der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, am 23.11.2018 in Kassel.

Fischer: Herr Bischof, das Schwerpunktthema ihres Berichts vor der Synode lautet in diesem Jahr: «Theologische Orientierung». Warum dieses Thema?

Bischof Hein: Es geht mir darum deutlich zu machen, dass die Kirche nie ausschließlich nach Maßstäben von Effektivität und Effizienz arbeiteten darf, sondern dass sie ganz bewusst den Glauben, den sie verkündet, reflektieren muss. Dieses Nachdenken über den Glauben hat Konsequenzen für das Handeln der Kirche. Theologie geschieht eben nicht nur in wissenschaftlichen Zusammenhängen, sondern Theologie hat unmittelbare Bedeutung für das kirchliche Leben, wenn es uns gelingt, Abstand zu gewinnen und in der Rückfrage nach dem Wort Gottes zu schauen, was wichtig ist im Blick auf die Zukunft der Verkündigung des Evangeliums. Zugleich steht Theologie aber als Wissenschaft im Kreuzfeuer moderner Entwicklungen. Mein Anliegen ist es, gegenüber der akademischen Welt zum Ausdruck zu bringen, dass wir uns als Kirche nicht von der akademischen Theologie verabschieden, sondern großen Wert darauf legen, dass innerhalb des universitären Zusammenhangs die Theologie mit ihren Fragen Gehör findet und dass sie in eine kritische Beziehung zur Kirche treten kann.

Fischer: Was heißt das konkret für die Ausbildung zum Beispiel von Pfarrerinnen und Pfarrern?

Bischof Hein: Mein Plädoyer geht ganz klar dahin, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Sinne von «öffentlichen Intellektuellen» ein akademisches Studium durchlaufen müssen. Inzwischen gibt es angesichts der Frage, ob wir auf Dauer den Bedarf an Pfarrerinnen und Pfarrern decken können, Überlegungen, auch aus anderen Bereichen künftige Pfarrerinnen und Pfarrer zu gewinnen und auszubilden. Wir haben uns als Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als erste für einen berufsbegleitenden Master-Studiengang Theologie eingesetzt. Aber dieser Studiengang ersetzt nicht den Regelfall des grundständigen akademischen Studiums. Weiterhin gilt: Wenn es darum geht, den Glauben in unserer Welt sprachfähig zu machen, benötigen wir akademisch geschulte Pfarrerin und Pfarrer.

Fischer: Herr Bischof, Sie streifen in ihrem Bericht auch das Thema Jugend. Was muss sich da ändern von Seiten der Kirche?

Bischof Hein: Ich bin auf dieses Thema gekommen, weil es ja ganz offensichtlich ist, dass Jugendliche spätestens nach ihrer Konfirmation in Distanz zur Kirche treten. Das hat mich veranlasst einmal nach dem Zufallsprinzip Jugendliche nach Kassel zu einem Hearing einzuladen, um von ihnen zu hören, was sie von der Kirche erwarten – und was nicht. Und der Eindruck, den ich dort gewonnen habe – verbunden mit einer Onlinebefragung, auf die über 400 Jugendliche antworteten – ist folgender: Jugendliche identifizieren Kirche überwiegend mit dem Gottesdienst. Der Gottesdienst ist das, was Kinder und Jugendliche prägt, und wenn es da nicht zu einer Begeisterung gekommen ist, dann erfahren Jugendliche den Gottesdienst in seiner traditionellen Form als ausgesprochen langweilig. Das kann ich nachvollziehen.

Fischer: Was muss die Kirche tun, um solchen Erfahrungen gegenzusteuern?

Bischof Hein: Erst einmal muss man sagen, Kirche ist mehr als Gottesdienst. Mich hat gewundert, mit welcher Beharrlichkeit alle Jugendlichen ständig vom Gottesdienst gesprochen haben, wo es doch auch eine ganze Fülle sonstiger Beziehungen auch geben kann, etwa im Religionsunterricht. Nein, der Gottesdienst ist für sie das Schlüsselerlebnis. Und dadurch, dass in der Konfirmandenzeit oft der Gottesdienst Besuch als eine Pflichtveranstaltung erlebt wird, sind dann viele ganz froh, dass sie da später nicht mehr hingehen müssen. Was könnte man machen? Eine stärkere Integration der Jugendlichen in den Ablauf des Gottesdienstes legt sich nahe. Wäre ich noch einmal junger Pfarrer, würde ich das Modell der Messdiener aus der katholischen Kirche ziemlich bruchlos übernehmen und Jugendlichen Mitverantwortung für die Gestaltung des Gottesdienstes geben. Sodann müssen wir auch das Liedgut ausweiten. Es sind nicht nur Jugendliche, die gerne einmal andere Lieder singen, es sind auch Erwachsene und ältere Menschen. Wir trauen denen oft gar nicht zu, dass sie sich auf Jugendliche einstellen können. Und dann muss man wahrnehmen, dass es andere Formen der Kommunikation gibt, die nicht mehr auf die bisher übliche analoge Weise sich vollziehen, sondern digital.

Fischer: Da haben Sie ja auch persönlich Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel mit ihrem Chatprogramm im Internet. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Bischof Hein: Das habe ich nun 18 Jahre lang gemacht, zwei Mal im Jahr. Inzwischen habe ich den Eindruck: Es kommt da eine gewisse Routine auf. Viele steigen ein, die auf anonyme Weise mit dem Bischof Themen erörtern wollen. Inzwischen gibt neue Formen der digitalen Kommunikation – etwa auf Twitter, Facebook oder Instagram. Jugendliche sind an dieser Stelle ungemein fix und wir müssen überlegen, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen und sie nutzen. Ich bin der Letzte, der da die Weisheit mit Löffeln zu sich genommen hat, sondern ich wünsche uns, dass uns engagierte junge Menschen sagen: «Passt mal auf,  hier müsst ihr noch mehr drauf achten!» Und dann muss die Bereitschaft bei uns Älteren da sein, das auch umzusetzen.

Fischer: Herr Bischof, die EKD hat auf ihrer Synode das Thema «sexualisierte Gewalt» zum Thema gemacht. Auch die Landeskirchen sind involviert. Wie sieht die Situation in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aus?

Bischof Hein: Dieses Thema begleitet uns leider nicht erst seit der EKD-Synode. Als vor etlichen Jahren die Missbrauchsfälle in Berlin im Canisius-Kolleg bekannt geworden sind, haben wir mit umfangreichen Präventionsmaßnahmen reagiert, so dass man uns keine Untätigkeit vorwerfen wird. Aber aufgrund der Veröffentlichung der Zahlen des Missbrauchs durch katholische Priester öffnen sich auch bei uns inzwischen die Schleusen und Menschen berichten in geradezu erschütternder Weise, was ihnen als Kindern, Jugendlichen, aber auch als Frauen im Erwachsenenalter angetan worden ist. Zunächst ist es ganz wichtig, diesen Menschen zuzuhören, sie ernst zu nehmen und alles zu tun, dass diejenigen, die das getan haben, auch strafrechtlich und disziplinarisch belangt werden. Nun aber kommen viele Fälle auf den Tisch, die strafrechtlich gesehen verjährt sind. Trotzdem werden wir hier disziplinarisch vorgehen müssen. Wir können nicht akzeptieren, dass Menschen über Jahrzehnte hin das Trauma eines Missbrauchs in sich tragen und wir uns dann zurückziehen und sagen, das hat mit der Kirche insgesamt nichts zu tun – auch wenn die Verantwortlichkeit für solche Übergriffe bei der jeweiligen Person liegt. Wir müssen uns als Kirche fragen, ob es Strukturen gab, die das gefördert haben. Und dann müssen wir die unbedingt abstellen. Und wir müssen uns auch den Anfragen der Öffentlichkeit in aller Deutlichkeit stellen. Hier gibt es nichts zu vertuschen, hier gilt es auch nicht irgendeinen Makel zu verhindern, sondern hier sind Transparenz  und Ehrlichkeit gefordert.

Fischer: Ganz konkret, Welche Strukturen müssen Sie ändern, damit zum Beispiel Betroffene ihr Anliegen artikulieren können? 

Bischof Hein: Es gibt eine zentrale Anlaufstelle bei der EKD, die eingehende Hinweise weiterleitet. Und unser Anliegen ist es, unabhängige Personen zu beauftragen, die sich sowohl juristisch als auch seelsorglich oder auch psychologisch darum kümmern. Es müssen Personen sein, die nicht in einem unmittelbaren Dienstverhältnis zur Kirche stehen, um von vorneherein den Anschein zu vermeiden, wir hätten irgendetwas zu verbergen. Deswegen haben wir in der Kirchenleitung bei allen bisherigen Überlegungen, die in den nächsten Wochen in konkrete Schritte umgesetzt werden, auf den Aspekt der Unabhängigkeit und der Klarheit innerhalb des Verfahrens wert gelegt.

Fischer: Also, unabhängige Anlaufstellen für Menschen, die betroffen sind. Wie steht es um die Prävention? 

Bischof Hein: Wir haben seit einigen Jahren bereits einen Krisenplan, wie wir mit beobachteten Übergriffen umgehen. Der wird jetzt erneut überarbeitet und unmittelbar den Dienststellenleitungen zugestellt. Das Problem besteht darin, dass wir trotz aller Präventionsmaßnahmen sexualisierte Gewalt nicht für immer ausschließen können. Aber wir müssen alles dafür tun, dass wir bewusst entsprechende Schritte einleiten, wenn wir von Vorfällen Kenntnis erhalten. Das bedeutet konkret: Im nächsten Jahr wird es in sämtlichen Dekanaten und Dienststellenleitungen Präventionsschulungen geben – verbunden mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass jeder mit harten Konsequenzen rechnen muss, sofern ein Fall von sexuellem Missbrauch vorliegt. 

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank!

(26.11.2018)

2018-11-27 26312

Nachgefragt...
Interview zur Herbsttagung der Landessynode mit Bischof Martin Hein

Bischof Hein stellte sich den Fragen von Pfarrer Christian Fischer, Leiter des Medienhauses der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, am 23.11.2018 in Kassel.

Fischer: Herr Bischof, das Schwerpunktthema ihres Berichts vor der Synode lautet in diesem Jahr: «Theologische Orientierung». Warum dieses Thema?

Bischof Hein: Es geht mir darum deutlich zu machen, dass die Kirche nie ausschließlich nach Maßstäben von Effektivität und Effizienz arbeiteten darf, sondern dass sie ganz bewusst den Glauben, den sie verkündet, reflektieren muss. Dieses Nachdenken über den Glauben hat Konsequenzen für das Handeln der Kirche. Theologie geschieht eben nicht nur in wissenschaftlichen Zusammenhängen, sondern Theologie hat unmittelbare Bedeutung für das kirchliche Leben, wenn es uns gelingt, Abstand zu gewinnen und in der Rückfrage nach dem Wort Gottes zu schauen, was wichtig ist im Blick auf die Zukunft der Verkündigung des Evangeliums. Zugleich steht Theologie aber als Wissenschaft im Kreuzfeuer moderner Entwicklungen. Mein Anliegen ist es, gegenüber der akademischen Welt zum Ausdruck zu bringen, dass wir uns als Kirche nicht von der akademischen Theologie verabschieden, sondern großen Wert darauf legen, dass innerhalb des universitären Zusammenhangs die Theologie mit ihren Fragen Gehör findet und dass sie in eine kritische Beziehung zur Kirche treten kann.

Fischer: Was heißt das konkret für die Ausbildung zum Beispiel von Pfarrerinnen und Pfarrern?

Bischof Hein: Mein Plädoyer geht ganz klar dahin, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Sinne von «öffentlichen Intellektuellen» ein akademisches Studium durchlaufen müssen. Inzwischen gibt es angesichts der Frage, ob wir auf Dauer den Bedarf an Pfarrerinnen und Pfarrern decken können, Überlegungen, auch aus anderen Bereichen künftige Pfarrerinnen und Pfarrer zu gewinnen und auszubilden. Wir haben uns als Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als erste für einen berufsbegleitenden Master-Studiengang Theologie eingesetzt. Aber dieser Studiengang ersetzt nicht den Regelfall des grundständigen akademischen Studiums. Weiterhin gilt: Wenn es darum geht, den Glauben in unserer Welt sprachfähig zu machen, benötigen wir akademisch geschulte Pfarrerin und Pfarrer.

Fischer: Herr Bischof, Sie streifen in ihrem Bericht auch das Thema Jugend. Was muss sich da ändern von Seiten der Kirche?

Bischof Hein: Ich bin auf dieses Thema gekommen, weil es ja ganz offensichtlich ist, dass Jugendliche spätestens nach ihrer Konfirmation in Distanz zur Kirche treten. Das hat mich veranlasst einmal nach dem Zufallsprinzip Jugendliche nach Kassel zu einem Hearing einzuladen, um von ihnen zu hören, was sie von der Kirche erwarten – und was nicht. Und der Eindruck, den ich dort gewonnen habe – verbunden mit einer Onlinebefragung, auf die über 400 Jugendliche antworteten – ist folgender: Jugendliche identifizieren Kirche überwiegend mit dem Gottesdienst. Der Gottesdienst ist das, was Kinder und Jugendliche prägt, und wenn es da nicht zu einer Begeisterung gekommen ist, dann erfahren Jugendliche den Gottesdienst in seiner traditionellen Form als ausgesprochen langweilig. Das kann ich nachvollziehen.

Fischer: Was muss die Kirche tun, um solchen Erfahrungen gegenzusteuern?

Bischof Hein: Erst einmal muss man sagen, Kirche ist mehr als Gottesdienst. Mich hat gewundert, mit welcher Beharrlichkeit alle Jugendlichen ständig vom Gottesdienst gesprochen haben, wo es doch auch eine ganze Fülle sonstiger Beziehungen auch geben kann, etwa im Religionsunterricht. Nein, der Gottesdienst ist für sie das Schlüsselerlebnis. Und dadurch, dass in der Konfirmandenzeit oft der Gottesdienst Besuch als eine Pflichtveranstaltung erlebt wird, sind dann viele ganz froh, dass sie da später nicht mehr hingehen müssen. Was könnte man machen? Eine stärkere Integration der Jugendlichen in den Ablauf des Gottesdienstes legt sich nahe. Wäre ich noch einmal junger Pfarrer, würde ich das Modell der Messdiener aus der katholischen Kirche ziemlich bruchlos übernehmen und Jugendlichen Mitverantwortung für die Gestaltung des Gottesdienstes geben. Sodann müssen wir auch das Liedgut ausweiten. Es sind nicht nur Jugendliche, die gerne einmal andere Lieder singen, es sind auch Erwachsene und ältere Menschen. Wir trauen denen oft gar nicht zu, dass sie sich auf Jugendliche einstellen können. Und dann muss man wahrnehmen, dass es andere Formen der Kommunikation gibt, die nicht mehr auf die bisher übliche analoge Weise sich vollziehen, sondern digital.

Fischer: Da haben Sie ja auch persönlich Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel mit ihrem Chatprogramm im Internet. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Bischof Hein: Das habe ich nun 18 Jahre lang gemacht, zwei Mal im Jahr. Inzwischen habe ich den Eindruck: Es kommt da eine gewisse Routine auf. Viele steigen ein, die auf anonyme Weise mit dem Bischof Themen erörtern wollen. Inzwischen gibt neue Formen der digitalen Kommunikation – etwa auf Twitter, Facebook oder Instagram. Jugendliche sind an dieser Stelle ungemein fix und wir müssen überlegen, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen und sie nutzen. Ich bin der Letzte, der da die Weisheit mit Löffeln zu sich genommen hat, sondern ich wünsche uns, dass uns engagierte junge Menschen sagen: «Passt mal auf,  hier müsst ihr noch mehr drauf achten!» Und dann muss die Bereitschaft bei uns Älteren da sein, das auch umzusetzen.

Fischer: Herr Bischof, die EKD hat auf ihrer Synode das Thema «sexualisierte Gewalt» zum Thema gemacht. Auch die Landeskirchen sind involviert. Wie sieht die Situation in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aus?

Bischof Hein: Dieses Thema begleitet uns leider nicht erst seit der EKD-Synode. Als vor etlichen Jahren die Missbrauchsfälle in Berlin im Canisius-Kolleg bekannt geworden sind, haben wir mit umfangreichen Präventionsmaßnahmen reagiert, so dass man uns keine Untätigkeit vorwerfen wird. Aber aufgrund der Veröffentlichung der Zahlen des Missbrauchs durch katholische Priester öffnen sich auch bei uns inzwischen die Schleusen und Menschen berichten in geradezu erschütternder Weise, was ihnen als Kindern, Jugendlichen, aber auch als Frauen im Erwachsenenalter angetan worden ist. Zunächst ist es ganz wichtig, diesen Menschen zuzuhören, sie ernst zu nehmen und alles zu tun, dass diejenigen, die das getan haben, auch strafrechtlich und disziplinarisch belangt werden. Nun aber kommen viele Fälle auf den Tisch, die strafrechtlich gesehen verjährt sind. Trotzdem werden wir hier disziplinarisch vorgehen müssen. Wir können nicht akzeptieren, dass Menschen über Jahrzehnte hin das Trauma eines Missbrauchs in sich tragen und wir uns dann zurückziehen und sagen, das hat mit der Kirche insgesamt nichts zu tun – auch wenn die Verantwortlichkeit für solche Übergriffe bei der jeweiligen Person liegt. Wir müssen uns als Kirche fragen, ob es Strukturen gab, die das gefördert haben. Und dann müssen wir die unbedingt abstellen. Und wir müssen uns auch den Anfragen der Öffentlichkeit in aller Deutlichkeit stellen. Hier gibt es nichts zu vertuschen, hier gilt es auch nicht irgendeinen Makel zu verhindern, sondern hier sind Transparenz  und Ehrlichkeit gefordert.

Fischer: Ganz konkret, Welche Strukturen müssen Sie ändern, damit zum Beispiel Betroffene ihr Anliegen artikulieren können? 

Bischof Hein: Es gibt eine zentrale Anlaufstelle bei der EKD, die eingehende Hinweise weiterleitet. Und unser Anliegen ist es, unabhängige Personen zu beauftragen, die sich sowohl juristisch als auch seelsorglich oder auch psychologisch darum kümmern. Es müssen Personen sein, die nicht in einem unmittelbaren Dienstverhältnis zur Kirche stehen, um von vorneherein den Anschein zu vermeiden, wir hätten irgendetwas zu verbergen. Deswegen haben wir in der Kirchenleitung bei allen bisherigen Überlegungen, die in den nächsten Wochen in konkrete Schritte umgesetzt werden, auf den Aspekt der Unabhängigkeit und der Klarheit innerhalb des Verfahrens wert gelegt.

Fischer: Also, unabhängige Anlaufstellen für Menschen, die betroffen sind. Wie steht es um die Prävention? 

Bischof Hein: Wir haben seit einigen Jahren bereits einen Krisenplan, wie wir mit beobachteten Übergriffen umgehen. Der wird jetzt erneut überarbeitet und unmittelbar den Dienststellenleitungen zugestellt. Das Problem besteht darin, dass wir trotz aller Präventionsmaßnahmen sexualisierte Gewalt nicht für immer ausschließen können. Aber wir müssen alles dafür tun, dass wir bewusst entsprechende Schritte einleiten, wenn wir von Vorfällen Kenntnis erhalten. Das bedeutet konkret: Im nächsten Jahr wird es in sämtlichen Dekanaten und Dienststellenleitungen Präventionsschulungen geben – verbunden mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass jeder mit harten Konsequenzen rechnen muss, sofern ein Fall von sexuellem Missbrauch vorliegt. 

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank!

(26.11.2018)


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