Aktuell: Interview zur Herbsttagung der Landessynode mit Präses Thomas Dittmann

Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann stellte sich den Fragen von medio-Onlineredakteur Christian Küster am 23.11.2018 in Kassel.

Küster: Herr Präses Dr. Dittmann, die Landessynode tritt zu ihrer Herbsttagung zusammen. Welche Schwerpunkte wird die Tagung haben?

Präses Dittmann: In dieser Herbstsynode werden wir vor allem einen Anzahl von Berichten hören. An erster Stelle steht der Bericht des Bischofs. Es ist ja der letzte regelhafte Bericht, den Bischof Hein vor der Landessynode halten wird und deswegen sind wir besonders gespannt, was er uns für die Zukunft mit auf den Weg geben wird. 

Weiterhin hören wir einen Bericht des Kooperationsrates, der von unserer Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gebildet wird. Im Bericht geht es im Wesentlichen um die Kooperationsfelder Ökumene und Religionspädagogik. Im Zentrum Ökumene in Frankfurt am Main und dem Religionspädagogischen Institut in Marburg gibt es seit einigen Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Landeskirchen. Diese Arbeit soll natürlich auch nach der Zusammenführung der Arbeitsfelder von den jeweiligen Landessynoden begleitet werden. Ich nehme wahr, dass beide Arbeitsgebiete auf einem guten Weg sind und sich Synergieeffekte zugunsten unserer beiden Landeskirchen entwickeln. 

In einem weiteren Bericht wird es um den Sachstand des Zukunftsprozesses 2026 gehen. Unsere Vorgängersynode hat nicht weniger als 180 Beschlüsse gefasst, mit denen unsere Landeskirche zukunftsfähig gemacht werden soll. Und diese 180 Grundsatzbeschlüsse müssen nun in kleine Münze umgesetzt werden. Das ist ein Prozess, der sich über einige Jahre hinzieht. Die gegenwärtige Landessynode hat das Interesse, diesen Prozess weiter voran zu treiben und sich zu informieren, dass alle Dinge, die beschlossen sind, auch im entsprechenden Zeitrahmen umgesetzt werden. 
Dann werden wir weiterhin einen Bericht von der EKD-Synode hören, die zu Beginn dieses Monats in Würzburg stattgefunden hat. Außerdem wird die Synode über die Arbeit des Dezernats für Dienstrecht des Landeskirchenamtes informiert. 

Und schließlich wird der Vizepräsident unserer Landeskirche seinen regelhaften Finanzbericht geben. Zum wichtigen Schwerpunkt Finanzen wird die Landessynode den Jahresabschluss 2017 erörtern und beraten und auch den Tätigkeitsbericht des Amtes für Revision hören und diskutieren und darüber hinaus natürlich auch den Nachtragshaushalt für das Jahr 2018 beraten. 

Besonders zum Jahresabschlussbericht 2017, aber auch zu den übrigen Finanzfragen, bieten wir einen Workshop an, in dem die Synodalen vertiefte Kenntnisse über unser Finanzsystem und über die Art und Weise der Aufstellung des Jahresabschlusses erwerben können. 

Küster: Sie haben es schon angesprochen: Bischof Hein wird seinen letzten Bischofsbericht vor der Landessynode halten. Zurzeit läuft die Suche nach den Kandidaten für die  Nachfolge im Bischofsamt. Was können Sie zur Bewerberlage sagen und wie ist der weitere Ablauf des Verfahrens?

Präses Dittmann: Ende August hatten wir ja einen Aufruf gestartet, wonach jedes Gemeindeglied Vorschläge unterbreiten konnte, wer für das Bischofsamt geeignet sein könnte. Dieser Aufruf hat ein großes Echo gehabt. Es sind nicht weniger als 142 Briefe bei mir eingegangen, die zum Teil von einer größeren Zahl von Personen unterzeichnet worden sind. Also etwa von einem gesamten Kirchenvorstand oder auch einmal von den Mitgliedern eines Singkreises. Aus den Briefen sind nahezu 60 Vorschläge hervorgegangen und der Nominierungsausschuss hat jetzt die Aufgabe, sorgfältig zu prüfen, welche von den genannten Namen in Frage kommen. Der Nominierungsausschuss wird dann der Landessynode zwei bis drei Kandidaten vorschlagen, die schließlich zur Wahl stehen werden.

Küster: Wann wird mit der Verkündung der entsprechenden Kandidaten zu rechnen sein?

Präses Dittmann: Da gibt es eine klare Vorgabe durch das Bischofswahlgesetz: Einige Wochen vor der projektierten Wahl am 9. Mai 2019 müssen die Namen im Kirchlichen Amtsblatt erscheinen. Der maßgebliche Zeitpunkt dafür ist der 31. März 2019. Ich habe vor,  die Namen einige Tage vor diesem Termin etwa im Rahmen einer Pressekonferenz oder auf einem ähnlichen Weg bekannt zu geben.

Küster: Sie haben für den Vortrag zum Leitwort der Landessynode Herrn Dr. Charbonnier vom Kirchenamt der EKD eingeladen, der zum Thema „Digitalisierung“ sprechen wird. Wo nehmen Sie denn für die Landessynode Auswirkungen der Digitalisierung besonders wahr?

Präses Dittmann: Die Informationstechnologie, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung eine große Rolle spielt, führt natürlich dazu, dass Informationsflüsse ganz anders als bisher gewohnt, zur Verfügung stehen. Daten, die man früher nur in großer Detailarbeit und in langwierigen Prozessen gewinnen konnte, werden in ganz neuer Weise zusammengeführt. Das hat letztlich zur Folge, dass sich die Art und Weise, wie man eine Fragestellung bearbeiten kann, stark ändert. Welche Auswirkungen das im Detail letztlich haben wird, ist mir noch nicht deutlich. Ich denke, dass man hier erst noch seine Erfahrungen sammeln muss. 

Küster: Es gibt vermehrt Bestrebungen, über die digitalen Technologien auch die Mitbestimmung breiter zu streuen. Sehen Sie hier zukünftig Formate, die die Meinungsbildung einer Landessynode beeinflussen könnten?

Präses Dittmann: An der Stelle fehlt mir noch etwas die Fantasie. Ich bin da aber durchaus aufgeschlossen für Experimente. Generell muss ich sagen, dass die Landessynode in sich eine ausgesprochen analoge Veranstaltung ist. Ein wesentliches Merkmal der Landessynode besteht eben darin, dass die Dinge im persönlichen Kontakt und im persönlichen Gespräch miteinander erörtert werden, z.B. in Seitengespräche in den Pausen zwischen den eigentlichen Beratungen. Das führt letztlich dazu, dass breitere Konsense erreicht werden können, als sie nach meinen bisherigen, wenigen Erfahrungen auf digitalem Wege erreicht werden könnten.

Küster: Während der Tagung  werden neben den Beratungen auch Gottesdienste und Andachten gefeiert. Was zeichnet denn die geistliche Begleitung einer Synodaltagung besonders aus?

Präses Dittmann: Unsere Synodaltagungen sind ganz wesentlich durch die Gottesdienste und Andachten geprägt. Es spielt eine große Rolle, dass wir nicht nur mit den Sachthemen konfrontiert sind, sondern dass wir die Beratungen in einen größeren Zusammenhang stellen - eben in den Zusammenhang der Gemeinde Jesu Christi und der Nachfolge. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Synoden immer mit einem Gottesdienst eröffnen und in der Regel haben wir am zweiten Synodentag dann eine Bibelarbeit, in der ein biblischer Text vertieft untersucht wird. Den letzten Synodentag eröffnen wir normalerweise mit einem Abendmahlsgottesdienst und die Tage an sich sind durch ein kurzes Mittagsgebet und eine Abendandacht strukturiert. Damit sind wir während der gesamten Tagung intensiv mit einem gottesdienstlichen Geschehen konfrontiert und erfahren Wegweisung und Leitung.

Küster: Vielen Dank für das Gespräch!

(28.11.2018)

2018-11-28 26352

Nachgefragt...
Interview zur Herbsttagung der Landessynode mit Präses Thomas Dittmann

(Foto: medio.tv/Schauderna)

Präses Kirchenrat Dr. Thomas Dittmann stellte sich den Fragen von medio-Onlineredakteur Christian Küster am 23.11.2018 in Kassel.

Küster: Herr Präses Dr. Dittmann, die Landessynode tritt zu ihrer Herbsttagung zusammen. Welche Schwerpunkte wird die Tagung haben?

Präses Dittmann: In dieser Herbstsynode werden wir vor allem einen Anzahl von Berichten hören. An erster Stelle steht der Bericht des Bischofs. Es ist ja der letzte regelhafte Bericht, den Bischof Hein vor der Landessynode halten wird und deswegen sind wir besonders gespannt, was er uns für die Zukunft mit auf den Weg geben wird. 

Weiterhin hören wir einen Bericht des Kooperationsrates, der von unserer Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gebildet wird. Im Bericht geht es im Wesentlichen um die Kooperationsfelder Ökumene und Religionspädagogik. Im Zentrum Ökumene in Frankfurt am Main und dem Religionspädagogischen Institut in Marburg gibt es seit einigen Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Landeskirchen. Diese Arbeit soll natürlich auch nach der Zusammenführung der Arbeitsfelder von den jeweiligen Landessynoden begleitet werden. Ich nehme wahr, dass beide Arbeitsgebiete auf einem guten Weg sind und sich Synergieeffekte zugunsten unserer beiden Landeskirchen entwickeln. 

In einem weiteren Bericht wird es um den Sachstand des Zukunftsprozesses 2026 gehen. Unsere Vorgängersynode hat nicht weniger als 180 Beschlüsse gefasst, mit denen unsere Landeskirche zukunftsfähig gemacht werden soll. Und diese 180 Grundsatzbeschlüsse müssen nun in kleine Münze umgesetzt werden. Das ist ein Prozess, der sich über einige Jahre hinzieht. Die gegenwärtige Landessynode hat das Interesse, diesen Prozess weiter voran zu treiben und sich zu informieren, dass alle Dinge, die beschlossen sind, auch im entsprechenden Zeitrahmen umgesetzt werden. 
Dann werden wir weiterhin einen Bericht von der EKD-Synode hören, die zu Beginn dieses Monats in Würzburg stattgefunden hat. Außerdem wird die Synode über die Arbeit des Dezernats für Dienstrecht des Landeskirchenamtes informiert. 

Und schließlich wird der Vizepräsident unserer Landeskirche seinen regelhaften Finanzbericht geben. Zum wichtigen Schwerpunkt Finanzen wird die Landessynode den Jahresabschluss 2017 erörtern und beraten und auch den Tätigkeitsbericht des Amtes für Revision hören und diskutieren und darüber hinaus natürlich auch den Nachtragshaushalt für das Jahr 2018 beraten. 

Besonders zum Jahresabschlussbericht 2017, aber auch zu den übrigen Finanzfragen, bieten wir einen Workshop an, in dem die Synodalen vertiefte Kenntnisse über unser Finanzsystem und über die Art und Weise der Aufstellung des Jahresabschlusses erwerben können. 

Küster: Sie haben es schon angesprochen: Bischof Hein wird seinen letzten Bischofsbericht vor der Landessynode halten. Zurzeit läuft die Suche nach den Kandidaten für die  Nachfolge im Bischofsamt. Was können Sie zur Bewerberlage sagen und wie ist der weitere Ablauf des Verfahrens?

Präses Dittmann: Ende August hatten wir ja einen Aufruf gestartet, wonach jedes Gemeindeglied Vorschläge unterbreiten konnte, wer für das Bischofsamt geeignet sein könnte. Dieser Aufruf hat ein großes Echo gehabt. Es sind nicht weniger als 142 Briefe bei mir eingegangen, die zum Teil von einer größeren Zahl von Personen unterzeichnet worden sind. Also etwa von einem gesamten Kirchenvorstand oder auch einmal von den Mitgliedern eines Singkreises. Aus den Briefen sind nahezu 60 Vorschläge hervorgegangen und der Nominierungsausschuss hat jetzt die Aufgabe, sorgfältig zu prüfen, welche von den genannten Namen in Frage kommen. Der Nominierungsausschuss wird dann der Landessynode zwei bis drei Kandidaten vorschlagen, die schließlich zur Wahl stehen werden.

Küster: Wann wird mit der Verkündung der entsprechenden Kandidaten zu rechnen sein?

Präses Dittmann: Da gibt es eine klare Vorgabe durch das Bischofswahlgesetz: Einige Wochen vor der projektierten Wahl am 9. Mai 2019 müssen die Namen im Kirchlichen Amtsblatt erscheinen. Der maßgebliche Zeitpunkt dafür ist der 31. März 2019. Ich habe vor,  die Namen einige Tage vor diesem Termin etwa im Rahmen einer Pressekonferenz oder auf einem ähnlichen Weg bekannt zu geben.

Küster: Sie haben für den Vortrag zum Leitwort der Landessynode Herrn Dr. Charbonnier vom Kirchenamt der EKD eingeladen, der zum Thema „Digitalisierung“ sprechen wird. Wo nehmen Sie denn für die Landessynode Auswirkungen der Digitalisierung besonders wahr?

Präses Dittmann: Die Informationstechnologie, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung eine große Rolle spielt, führt natürlich dazu, dass Informationsflüsse ganz anders als bisher gewohnt, zur Verfügung stehen. Daten, die man früher nur in großer Detailarbeit und in langwierigen Prozessen gewinnen konnte, werden in ganz neuer Weise zusammengeführt. Das hat letztlich zur Folge, dass sich die Art und Weise, wie man eine Fragestellung bearbeiten kann, stark ändert. Welche Auswirkungen das im Detail letztlich haben wird, ist mir noch nicht deutlich. Ich denke, dass man hier erst noch seine Erfahrungen sammeln muss. 

Küster: Es gibt vermehrt Bestrebungen, über die digitalen Technologien auch die Mitbestimmung breiter zu streuen. Sehen Sie hier zukünftig Formate, die die Meinungsbildung einer Landessynode beeinflussen könnten?

Präses Dittmann: An der Stelle fehlt mir noch etwas die Fantasie. Ich bin da aber durchaus aufgeschlossen für Experimente. Generell muss ich sagen, dass die Landessynode in sich eine ausgesprochen analoge Veranstaltung ist. Ein wesentliches Merkmal der Landessynode besteht eben darin, dass die Dinge im persönlichen Kontakt und im persönlichen Gespräch miteinander erörtert werden, z.B. in Seitengespräche in den Pausen zwischen den eigentlichen Beratungen. Das führt letztlich dazu, dass breitere Konsense erreicht werden können, als sie nach meinen bisherigen, wenigen Erfahrungen auf digitalem Wege erreicht werden könnten.

Küster: Während der Tagung  werden neben den Beratungen auch Gottesdienste und Andachten gefeiert. Was zeichnet denn die geistliche Begleitung einer Synodaltagung besonders aus?

Präses Dittmann: Unsere Synodaltagungen sind ganz wesentlich durch die Gottesdienste und Andachten geprägt. Es spielt eine große Rolle, dass wir nicht nur mit den Sachthemen konfrontiert sind, sondern dass wir die Beratungen in einen größeren Zusammenhang stellen - eben in den Zusammenhang der Gemeinde Jesu Christi und der Nachfolge. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Synoden immer mit einem Gottesdienst eröffnen und in der Regel haben wir am zweiten Synodentag dann eine Bibelarbeit, in der ein biblischer Text vertieft untersucht wird. Den letzten Synodentag eröffnen wir normalerweise mit einem Abendmahlsgottesdienst und die Tage an sich sind durch ein kurzes Mittagsgebet und eine Abendandacht strukturiert. Damit sind wir während der gesamten Tagung intensiv mit einem gottesdienstlichen Geschehen konfrontiert und erfahren Wegweisung und Leitung.

Küster: Vielen Dank für das Gespräch!

(28.11.2018)


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