Aktuell: Engagement von Klimaaktivistin Thunberg ist für Bildungsdezernentin Lehrstück für politische Bildung

Kassel (medio). Die Dezernentin für Bildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe, zeigte sich begeistert vom Engagement der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. «Endlich engagieren sich junge Menschen für ihre Interessen», sagte Neebe in einem Interview mit der Onlineredaktion des Medienhauses der Landeskirche. Auch in hessischen Städten sind Jugendliche bereits unter dem Motto «#Fridays for future» für das Klima auf die Straße gegangen. Die Aktionen gehen auf die junge Schwedin zurück, die seit August 2018 in Stockholm jeden Freitag gegen die Klimapolitik protestiert.

Neebe sieht in der Bewegung von Schülerinnen und Schüler, die sich weltweit mit der 16-Jährigen solidarisieren, auch ein Lehrstück für politische Bildung. «Jugendliche nehmen bewusst Nachteile in Kauf, müssen Inhalte nachlernen, Klausuren nachschreiben, aber lernen den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, setzen sich für die Bewahrung der Schöpfung ein und lernen auch fürs 'echte' Leben», so die Dezernentin. Thunberg mache den Erwachsenen mit ihrem Mut vor, wie es eigentlich gehen sollte: «Wir müssen raus aus der Komfortzone und auch unbequeme Entscheidungen fällen und vertreten», forderte die Bildungsdezernentin. Lesen Sie unten das ganze Interview.

2019-02-15 26823

Drei Fragen an...
Engagement von Klimaaktivistin Thunberg ist für Bildungsdezernentin Lehrstück für politische Bildung

Unter dem Motto «#FridaysForFuture» schließen sich besonders Schülerinnen und Schüler Greta Thunberg an und streiken für den Klimaschutz. Unser Foto zeigt Schüler bei einem Streik Anfang Februar vor dem Kasseler Rathaus. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel (medio). Die Dezernentin für Bildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe, zeigte sich begeistert vom Engagement der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. «Endlich engagieren sich junge Menschen für ihre Interessen», sagte Neebe in einem Interview mit der Onlineredaktion des Medienhauses der Landeskirche. Auch in hessischen Städten sind Jugendliche bereits unter dem Motto «#Fridays for future» für das Klima auf die Straße gegangen. Die Aktionen gehen auf die junge Schwedin zurück, die seit August 2018 in Stockholm jeden Freitag gegen die Klimapolitik protestiert.

Neebe sieht in der Bewegung von Schülerinnen und Schüler, die sich weltweit mit der 16-Jährigen solidarisieren, auch ein Lehrstück für politische Bildung. «Jugendliche nehmen bewusst Nachteile in Kauf, müssen Inhalte nachlernen, Klausuren nachschreiben, aber lernen den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, setzen sich für die Bewahrung der Schöpfung ein und lernen auch fürs 'echte' Leben», so die Dezernentin. Thunberg mache den Erwachsenen mit ihrem Mut vor, wie es eigentlich gehen sollte: «Wir müssen raus aus der Komfortzone und auch unbequeme Entscheidungen fällen und vertreten», forderte die Bildungsdezernentin. Lesen Sie unten das ganze Interview.

Bildungsdezernentin Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna)

Drei Fragen an...

... die Bildungsdezernentin der Landeskirche, Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe, zum Engagement von Greta Thunberg und der Landeskirche für den Klimaschutz. Die Fragen stellte Christian Küster, Onlineredakteur im Medienhaus der EKKW:

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Frau Prof. Dr. Neebe, wie stehen Sie zum Engagement von Greta Thunberg und den jungen Menschen, die sich ihr anschließen?

Als ich Greta zum ersten Mal beim Klimagipfel in Polen sah, war ich spontan begeistert. Endlich engagieren sich junge Menschen für ihre Interessen und widerlegen damit auch so manche Studie. Zuletzt die von Wegner, EKD, die narzisstische Selbstbezogenheit attestiert. Mag sein, dass die Daten richtig ausgewertet wurden, aber es gibt eben auch die Jugendlichen, die zum Thema Klima protestieren und dabei verdeutlichen, dass es um ihre Zukunft geht. Ich habe gleich nach dem Auftritt den Blog gelesen und die Biographie recherchiert, weil ich unbedingt wollte, dass wir das im Bildungsbereich aufgreifen. Inzwischen gibt es eine Unterrichtseinheit zur Thematik, die für Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit zur Verfügung steht. Als Reaktion darauf haben Lehrkräfte und Pfarrerinnen und Pfarrer um weitere Materialien gebeten und auch im RPI (Anm. d. Red.: Religionspädagogisches Instituts der EKKW und EKHN) bekommen.

Außerdem ist das ein Lehrstück für politische Bildung. Jugendliche nehmen bewusst Nachteile in Kauf, müssen Inhalte nachlernen, Klausuren nachschreiben, aber lernen den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, setzen sich für die Bewahrung der Schöpfung ein und lernen auch fürs «echte» Leben. Im Grunde machen sie uns Erwachsenen mit ihrem Mut auch vor, wie es eigentlich gehen sollte. Wir müssen raus aus der Komfortzone und auch unbequeme Entscheidungen fällen und vertreten. Dazu passt wunderbar die Aktion «Klima fasten» vom Klimaschutzmanager der Landeskirche, Pfarrer Stefan Weiß.

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Beim Weltwirtschaftsforum in Davos merkte Thunberg kritisch in einer Diskussionsrunde an, dass es - wie überall - nur ums Geld ginge: «Es hat den Anschein, dass Geld und Wachstum unsere einzige Sinnerfüllung sind.» Was kann die Kirche tun, um dem Klimaschutz im öffentlichen Diskurs lauter Gehör zu verschaffen?

Sie kann Position beziehen, die Jugendlichen unterstützen, die Bewahrung der Schöpfung als wichtige Thematik viel deutlicher aufgreifen in vielen ihrer Handlungsfelder. Sie kann das in ihren eigenen Einrichtungen zum Thema machen (Kitas, Schulen, Konfirmandenarbeit, evangelischer Religionsunterricht) und das tut sie auch. Bei allen Bauvorhaben wird Pfarrer Weiß einbezogen und ist Klimaschutz ein wichtiges Thema: Dämmen, selbst Energie sparen oder auch erzeugen, Heizung austauschen, auf das Fahrrad umsteigen, bewusst Essen und einkaufen etc. Auch in unsere Tagungsstätten ist das ein wichtiges Thema.

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Als Bildungsdezernentin sind Sie für eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen und -aktivitäten in der Landeskirche verantwortlich. Welchen Stellenwert nimmt bei den Angeboten das Thema Klimaschutz ein und wo könnte die Kirche noch zusätzliche Akzente setzen?

Das ist durchaus im Blick, siehe oben, muss aber noch stärker in den Blick gebracht werden. Wir können viel anbieten, die Angebote müssen aber auch angenommen werden. Das ist in den evangelischen Foren, in der Evangelischen Akademie Hofgeismar, in der Erwachsenenbildung im Blick, denn es gibt eigens dazu ein Ressort. Auch bei der Weltgebetstagsarbeit spielt das eine erhebliche Rolle. Aber das Problembewusstsein kann durchaus noch verstärkt werden. Oft muss man persönlich betroffen sein, um aufzuschrecken. Ein weiteres Problem ist, dass man Maßnahmen, die notwendig mit dem Klimaschutz verbunden sind (Stromtrassen, Windkrafträder etc.) überall aber nicht in der Nähe der eigenen Wohnung will. Die Jugendlichen machen uns vor, dass viele kleine Schritte von vielen kleinen Menschen doch etwas bewirken können. Das sollten wir Erwachsenen anerkennen.

(14.02.2019)

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (Foto: Jan Ainali/Wikipedia)

arrow_forward «Von Greta lernen?!»

Das Religionspädagogische Instituts der EKKW und EKHN hat unter dem Titel «Von Greta lernen?!» aktuelles Unterrichtsmaterial zum Klimafasten vor dem Hintergrund der «#Fridays for future»-Aktionen für den Unterricht in der Sekundarstufe 1 und für die Konfirmanden-Arbeit entwickelt: