Aktuell: Studienkurs des EKD-Arbeitskreises Kirche und Sport zum Thema (Selbst-)Optimierung

Sils Maria (medio). Die Frage nach der (Selbst-) Optimierung ist längst zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema geworden. Viele Menschen stählen ihre Muskeln, fordern die Organe und joggen ihr Gehirn. Die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit kontrollieren sie systematisch über Apps. Doch wie weit dürfen Maßnahmen zur (Selbst-)Optimierung gehen? Wer legt Grenzen fest? Was heißt in diesem Zusammenhang «Selbstbestimmung»? Diese und weitere Themen diskutierten Experten und Expertinnen mit Verantwortlichen aus Kirche und Sport beim 49. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Sils/Maria in der Schweiz. Eröffnet wurde der Kurs mit einem Gottesdienst, in dem der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, predigte. In Sils/Maria stellte sich Hein den Fragen zum Thema «Selbstoptimierung» in unserem Kurzinterview «Drei Fragen an...».

2019-03-08 26896

Drei Fragen an Bischof Martin Hein
Studienkurs des EKD-Arbeitskreises Kirche und Sport zum Thema (Selbst-)Optimierung

Sils Maria (medio). Die Frage nach der (Selbst-) Optimierung ist längst zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema geworden. Viele Menschen stählen ihre Muskeln, fordern die Organe und joggen ihr Gehirn. Die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit kontrollieren sie systematisch über Apps. Doch wie weit dürfen Maßnahmen zur (Selbst-)Optimierung gehen? Wer legt Grenzen fest? Was heißt in diesem Zusammenhang «Selbstbestimmung»? Diese und weitere Themen diskutierten Experten und Expertinnen mit Verantwortlichen aus Kirche und Sport beim 49. Studienkurs des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Sils/Maria in der Schweiz. Eröffnet wurde der Kurs mit einem Gottesdienst, in dem der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, predigte. In Sils/Maria stellte sich Hein den Fragen zum Thema «Selbstoptimierung» in unserem Kurzinterview «Drei Fragen an...».

Bischof Prof. Dr. Martin Hein (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna)

Drei Fragen an...

... Bischof Prof. Dr. Martin Hein zum Thema «Selbstoptimierung». Die Fragen stellte Pfarrer Johannes Meier.

1
Herr Bischof Hein, was heißt für Sie Selbstoptimierung und wo streben Sie nach Optimierung?

Bischof Prof. Dr. Martin Hein: Selbstoptimierung: Das klingt natürlich zunächst einmal sehr kritisch, aber jedes Training, jede Übungsstunde dient dazu, sich zu verbessern. Ich habe früher Klavierunterricht genommen und natürlich war der Sinn des Übens zu Hause, dass man hinterher besser spielen konnte als vorher.
Für den Sport gilt genau dasselbe: Training dient zunächst einmal der Optimierung der jeweiligen Leistung und ist von daher auch nicht fragwürdig, sondern wir alle bemühen uns, ein Stück weit besser zu werden als wir es sind, wenn wir den Eindruck haben, dass es in unseren Fähigkeiten und in unseren Möglichkeiten liegt.

2
Sie sagten es bereits: Optimierung im Sport und Leistungsstreben sind ganz normal. Nun werden hier auch die negativen Auswirkungen der Selbstoptimierung diskutiert. Was sehen Sie kritisch und wann läuft etwas für Sie falsch?

Bischof Hein: Der Punkt ist ja, dass Selbstoptimierung inzwischen zum Lifestyle gehört. Man ist mit dem, was man hat und was man kann, nicht mehr zufrieden. Und so verändert man sein Aussehen, verstärkt seine Leistungsfähigkeit und begibt sich ständig in eine Art Hamsterrad, sich zu verbessern, sich mit anderen zu vergleichen, und ist dadurch im Grunde ganz auf sich selbst bezogen. Die Selbstoptimierung kann dann, so glaube ich wenigstens, negative Folgen für das Leben in einer Gemeinschaft haben.
Wenn ich nur noch an mich denke und meine Verbesserung, die Verbesserung meines Körpers, die Verbesserung meiner Leistungen, die Verbesserung überhaupt all dessen, was ich denken kann, dann halte ich das für gefährlich – gerade auch, wenn ich weitgehende Manipulationen zulasse, wie z. B. das Doping, das gerade im Breitensport um sich greift.
Ich habe aber prinzipiell nichts gegen die Verbesserung einer Leistung. Das gehört zur Erziehung, das gehört zur Bildung, das gehört auch zum Training im Sport.

3
Bei dieser Tagung kommen ganz unterschiedliche Referenten zusammen, um sich gegenseitig zuzuhören. Was hat Sie besonders berührt oder beschäftigt? Was nehmen Sie von der Tagung mit?

Bischof Hein: Besonders bewegend war für mich der Einblick in das Zwangssystem der DDR und den flächendeckenden Einsatz des Dopings, der staatlich verordnet war, um damit die Überlegenheit der sozialistischen Menschen zu demonstrieren. Die Folgen dieser Eingriffe für viele Menschen sind sehr anschaulich vor Augen geführt worden. Es zeigt aber auch, dass wir selbst aufmerksam im Umgang mit den Möglichkeiten der Verbesserung unserer Leistungen sein sollten.
Spannend war für mich auch zu erleben, wie Wissenschaftler inzwischen erkennen, wie stark sich etwa Bewegung auf unser Wohlbefinden auswirkt – ganz besonders in einem Zeitalter, in dem wir fast nur noch sitzen. Aber dass Bewegung mentale Fähigkeiten freisetzt, habe ich mir in dieser Weise noch gar nicht so bewusst vor Augen geführt. Ich glaube, dass das mein Leben noch einmal neu bestimmen wird: Also raus aus dem Sessel und den Körper mal zwischendurch auf eine andere Weise erfahren, als dass er nur schmerzt. Und wieder frei werden im Nachdenken, im Sprechen und auch im Fühlen. Das ist etwas, was ich hier gelernt habe.

(07.03.2019)


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Hier können Sie die Predigt von Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Eröffnungsgottesdienst des Studienkurses im Wortlaut lesen:

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