Aktuell: Hessens Rat für Digitalethik nimmt Sacharbeit auf

Wiesbaden (epd/medio). «Die Digitalisierung soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.» Das ist die Leitlinie des von der hessischen Landesregierung eingesetzten Rates für Digitalethik, wie dessen neue Vorsitzende und  Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Prof. Dr. Kristina Sinemus, am Mittwoch (20.3.) in Wiesbaden sagte. Bei der nunmehr zweiten Sitzung des Rates beschlossen dessen Mitglieder laut Sinemus die Strukturen für den Einstieg in die konkrete Sacharbeit.

Bischof Hein übernimmt Vorsitz der Arbeitsgruppe für einen Ethik-Kodex

Zu den 17 Mitgliedern des Gremiums gehören auch zwei führende Vertreter der christlichen Kirchen in Hessen: Bischof Prof. Dr. Martin Hein für die Evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck und der katholische Bischof von Limburg, Georg Bätzing. Hein übernahm am Mittwoch den Vorsitz der Arbeitsgruppe in dem Rat, die sich mit dem Thema Ethik-Kodex befasst. Dazu will sie laut Sinemus zunächst prüfen, welche Vereinbarungen der etwa 30 bereits auf verschiedenen Ebenen schon vorhanden Papiere zu ethischen Fragen der Digitalisierung dafür geeignet sind.

Weitere Mitglieder des Rates sind unter anderen HR-Intendant Manfred Krupp, der ehemalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU), Hans-Georg Schnücker vom Verband hessischer Zeitungsverleger, Benjamin Krause von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch sowie mehrere Professoren und Firmenverantwortliche.

Digitalrat strebt Charta für Digitalethik an

Das im Herbst 2018 eingesetzte Gremium strebt eine Art Charta für Digitalethik sowohl als Leitplanke für die Landesregierung wie auch als eine Art freiwillige Selbstverpflichtung für weitere Akteure an. Als konkrete Themen digitaler Ethik nannte Sinemus Künstliche Intelligenz, Datenschutz, Datensicherheit und Wettebewerb. Es gehe aber nicht nur um die ganz großen Themen, sondern beispielsweise auch um den Einsatz von Drohnen in der Baubranche, den 3D-Druck von Orthopäden zur Erstellung passgenauer Teile oder den Einsatz von Pflegerobotern, sagte die Digitalministerin weiter. Hessen hat bisher als einziges Bundesland einen Rat für Digitalethik eingesetzt, dessen Führung jetzt die parteilose Chefin des neugeschaffenen Digitalministeriums von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) übernommen hat. (22.03.2019)

2019-03-22 27051

Bischof Hein leitet Arbeit zu Ethik-Kodex
Hessens Rat für Digitalethik nimmt Sacharbeit auf

Wiesbaden (epd/medio). «Die Digitalisierung soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.» Das ist die Leitlinie des von der hessischen Landesregierung eingesetzten Rates für Digitalethik, wie dessen neue Vorsitzende und  Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Prof. Dr. Kristina Sinemus, am Mittwoch (20.3.) in Wiesbaden sagte. Bei der nunmehr zweiten Sitzung des Rates beschlossen dessen Mitglieder laut Sinemus die Strukturen für den Einstieg in die konkrete Sacharbeit.

Bischof Hein übernimmt Vorsitz der Arbeitsgruppe für einen Ethik-Kodex

Zu den 17 Mitgliedern des Gremiums gehören auch zwei führende Vertreter der christlichen Kirchen in Hessen: Bischof Prof. Dr. Martin Hein für die Evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck und der katholische Bischof von Limburg, Georg Bätzing. Hein übernahm am Mittwoch den Vorsitz der Arbeitsgruppe in dem Rat, die sich mit dem Thema Ethik-Kodex befasst. Dazu will sie laut Sinemus zunächst prüfen, welche Vereinbarungen der etwa 30 bereits auf verschiedenen Ebenen schon vorhanden Papiere zu ethischen Fragen der Digitalisierung dafür geeignet sind.

Weitere Mitglieder des Rates sind unter anderen HR-Intendant Manfred Krupp, der ehemalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU), Hans-Georg Schnücker vom Verband hessischer Zeitungsverleger, Benjamin Krause von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch sowie mehrere Professoren und Firmenverantwortliche.

Digitalrat strebt Charta für Digitalethik an

Das im Herbst 2018 eingesetzte Gremium strebt eine Art Charta für Digitalethik sowohl als Leitplanke für die Landesregierung wie auch als eine Art freiwillige Selbstverpflichtung für weitere Akteure an. Als konkrete Themen digitaler Ethik nannte Sinemus Künstliche Intelligenz, Datenschutz, Datensicherheit und Wettebewerb. Es gehe aber nicht nur um die ganz großen Themen, sondern beispielsweise auch um den Einsatz von Drohnen in der Baubranche, den 3D-Druck von Orthopäden zur Erstellung passgenauer Teile oder den Einsatz von Pflegerobotern, sagte die Digitalministerin weiter. Hessen hat bisher als einziges Bundesland einen Rat für Digitalethik eingesetzt, dessen Führung jetzt die parteilose Chefin des neugeschaffenen Digitalministeriums von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) übernommen hat. (22.03.2019)

Bischof Prof. Dr. Martin Hein (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna)

Drei Fragen an...

Wir haben Bischof Prof. Dr. Martin Hein zu seiner Arbeit im Hessischen Rat für Digitalethik und zu den Herausforderungen der Digitalisierung befragt. Die Fragen stellte Christian Küster, Onlineredakteur im Medienhaus der EKKW:

1
Herr Bischof Hein, das Land Hessen hat im vergangenen Jahr einen Rat für Digitalethik gegründet. Welche Rolle kann ein solcher Rat für die Hessische Landesregierung und die Menschen in Hessen spielen?

Bischof Hein: Die Leiterin des Digitalrates, Kristin Sinemus, ist jetzt auch Hessische Ministerin für digitale Strategie und Entwicklung geworden. Sie ist auf Erfahrung und Kenntnisse aus möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen angewiesen, weil Digitalisierung nicht einfach nur ein technischer Vorgang ist, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung, die man vermutlich sogar als Umwälzung beschreiben kann.

2
Sie wurden vom Hessischen Ministerpräsidenten als Mitglied berufen. Welche Akzente wollen Sie als evangelischer Bischof in dem Rat setzen?

Bischof Hein: Vor allem bringe ich die Expertise aus meiner früheren Mitgliedschaft im Deutschen Ethikrat mit, in dem ich mich mit den Arbeitsformen, den Inhalten und den Aufgaben eines solchen Rates vertraut machen konnte. Dort habe ich gelernt, dass wir als Kirchen – oder sagen wir besser: als Christen – eine Perspektive auf die Welt mitbringen, die eine andere Sichtweise bedeutet, als es z.B. rein technologische oder ökonomische Sichtweisen mitbringen. Wir können auch hier das «Salz der Erde» sein. Salz muss man bekanntlich fein dosieren, aber verzichten kann man darauf nicht.

3
Stichwort Digitalisierung: Wo sehen Sie für die Kirche die drängendsten Herausforderungen und die größten Chancen in diesem Bereich?

Bischof Hein: Zuerst sollten wir als Kirche wahrnehmen, dass die Digitalisierung ein gesellschaftlicher Prozess ist, der auf allen Ebenen stattfindet und wirklich jeden Menschen betrifft. Wir neigen als Kirche dazu, die Frage: «Was müssen wir tun?» viel zu früh und zu schnell zu stellen. Erst einmal müssen wir erkennen: «Was bedeutet die Digitalisierung?», «Wie verändert sich das Verständnis von Gemeinschaft, von Kommunikation, von Teilhabe, Wohlstand, Demokratie, ja: und auch von Glauben, wenn wir immer stärker mit Maschinen verflochten und mit Algorithmen verbunden sind?» Das ist weder ein Drohszenario noch eine Heilsbotschaft. Es ist eine Veränderung, die wie die Erfindung des Buchdrucks, der Industrialisierung oder der Mobilität unser Leben neu bestimmt.

Es ist darum eine theologische Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Es geht nicht einfach darum, zu sagen: «Wir müssen als Kirche auch mal was mit dem Internet machen!». Die Frage lautet vielmehr: «Wer und was wollen wir als Kirche in einer digitalen Gesellschaft sein?», «Wo und wie hat das Evangelium da seinen Platz?». Wir müssen also auch hier, wie ich es in meinem letzten Bischofsbericht gefordert habe, mehr Theologie wagen. Daneben sollten wir die technologischen Innovationen, die uns die Arbeit erleichtern, natürlich nutzen und dafür auch finanzielle Mittel bereitstellen, immer unter der Leitfrage: «Was dient der Verkündigung und dem Dienst am Nächsten?» Das sind starke Kriterien, die wir aber nur gewinnen, wenn wir die theologischen Fragen zuerst stellen.

(30.01.2019)


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Das hessische Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung finden Sie unter:

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Weitere Informationen zum «Rat für Digitalethik» und alle Mitglieder des Gremiums unter: