Aktuell: Kurhessische Pfarrerin war Seelsorgerin beim Busunglück auf Madeira

Funchal/Kassel (medio). 29 deutsche Urlauber verloren bei einem Busunglück auf der portugiesischen Insel Madeira in der vergangenen Woche ihr Leben. Als eine der ersten bei den Verletzten war die kurhessische Pfarrerin Ilse Everlien Berardo, die die deutsche evangelische Gemeinde auf Madeira leitet. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes kontaktierte die Pfarrerin, sodass sie schon eine Stunde nach dem Unfall mit den Verletzten im Krankenhaus sprach und als Übersetzerin Hilfe leistete. Berardo veranstaltete in ihrer Gemeinde zudem einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, bei dem auch Nuno Brás da Silva Martins (Bischof der Diözese Funchal), Marcelo Rebelo de Sousa (Staatspräsident Portugal) und Pedro Calado (Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira) anwesend waren.

Ilse Everlien Berardo ist «Pfarrerin im Ehrenamt» der Landeskirche. Seit 32 Jahren leitet sie die deutsche evangelische Gemeinde auf Madeira, zu der 50 Mitglieder zählen. Zwei- bis dreimal im Monat feiert die Gemeinde einen Abendmahl-Gottesdienst mit Besuchern aus der ganzen Welt. 2011 wurde Berardo von Bischof Prof. Dr. Martin Hein in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, zur Pfarrerin ordiniert. Ihr Theologiestudium verbrachte sie in Marburg und Göttingen, bevor sie ihr Examen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig absolvierte. Seitdem ist Berardo in Funchal aktiv. (25.04.2019)

2019-04-26 28378

Urlauberseelsorge
Kurhessische Pfarrerin war Seelsorgerin beim Busunglück auf Madeira

Funchal/Kassel (medio). 29 deutsche Urlauber verloren bei einem Busunglück auf der portugiesischen Insel Madeira in der vergangenen Woche ihr Leben. Als eine der ersten bei den Verletzten war die kurhessische Pfarrerin Ilse Everlien Berardo, die die deutsche evangelische Gemeinde auf Madeira leitet. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes kontaktierte die Pfarrerin, sodass sie schon eine Stunde nach dem Unfall mit den Verletzten im Krankenhaus sprach und als Übersetzerin Hilfe leistete. Berardo veranstaltete in ihrer Gemeinde zudem einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, bei dem auch Nuno Brás da Silva Martins (Bischof der Diözese Funchal), Marcelo Rebelo de Sousa (Staatspräsident Portugal) und Pedro Calado (Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira) anwesend waren.

Ilse Everlien Berardo ist «Pfarrerin im Ehrenamt» der Landeskirche. Seit 32 Jahren leitet sie die deutsche evangelische Gemeinde auf Madeira, zu der 50 Mitglieder zählen. Zwei- bis dreimal im Monat feiert die Gemeinde einen Abendmahl-Gottesdienst mit Besuchern aus der ganzen Welt. 2011 wurde Berardo von Bischof Prof. Dr. Martin Hein in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, zur Pfarrerin ordiniert. Ihr Theologiestudium verbrachte sie in Marburg und Göttingen, bevor sie ihr Examen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig absolvierte. Seitdem ist Berardo in Funchal aktiv. (25.04.2019)

Drei Fragen an...

Wir haben mit Pfarrerin Ilse Everlien Berardo nach dem Unglück telefoniert. Die Fragen stellte Julian Lorenbeck, Volontär im Medienhaus der EKKW:

1
Frau Berardo, wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?

Berardo: Ich habe die vergangenen Tage so erlebt, als wäre ein Sturm über unsere deutsche evangelische Gemeinde hinweggegangen und wir mussten Bodenhaftung wahren. Das heißt, die vielen Emotionen, das Betroffen-Sein, die Klage der Menschen vor Ort, der Portugiesen: Warum musste es auf Madeira passieren? Das war eine sehr starke und große Spannung auch für unsere Gemeinde. Es war eben auch noch die Karwoche, eine Woche, in der wir sowieso Leid und Schmerz noch mehr bedenken. Aber wir haben nicht über das Kreuz gesprochen, sondern aus dem Kreuz heraus. Es war eine sehr schwierige Woche für uns. Aber es sind Kräfte in uns freigelegt worden, so haben Gemeindemitglieder gesagt: Wenn Sie Übersetzer brauchen, sind wir zu jeder Stunde einsatzfähig. Und das ist ein großer Zuspruch für jeden, der Verantwortung trägt.

2
Sie waren eine der ersten bei den Verletzten? Wie haben Sie die Situation wahrgenommen?

Berardo: Ich war ungefähr eine Stunde nach dem Busunglück schon im Krankenhaus, weil der Krisenstab auf Katastrophen vorbereitet ist und natürlich einen Katastrophenplan hat, der dann aktiviert wird. Ich stehe auf der Liste derer, die dann angerufen werden. Die Situation im Krankenhaus war sehr geordnet und ruhig. Die medizinischen Fachkräfte haben das Möglichste getan, jedem die Hilfe zukommen zu lassen, die er brauchte. Die Betroffenen, die Leicht- und Schwerverletzten, waren natürlich im Schockzustand. Aber sie haben Ruhe und Vertrauen ausgedrückt, denn sie haben die Empathie der Ärzte und des Fachpersonals gespürt: Wir können uns auf sie verlassen.

3
Sie sind jetzt schon lange auf Madeira im Einsatz. Was gehört denn zu den schönen Erlebnissen Ihres Berufs?

Berardo: Was natürlich immer etwas sehr Schönes ist, wenn ich aus Deutschland die Anfrage bekomme: Können wir uns von Ihnen trauen lassen? Oder wir haben Silberne oder Goldene Hochzeit und wir möchten gerne den Segen in Ihrer Kirche bekommen. Das sind für mich Glücksmomente, weil ich da auf einmal, genauso wie jetzt in diesem tragischen Moment, das tiefe Vertrauen in die Kirche als verlässlichen Begleiter und Nothelfer spüre. Menschen suchen den Segen Gottes. Das ist etwas, was mich immer wieder neu bewegt. In dieser tragischen Sitaution des Unfalls habe ich aber auch wieder diese Erfahrung gemacht: Es gibt ein tiefes Vertrauen zur Kirche, zur Kirche als verlässlichen Nothelfer. Das zu erhalten ist letzlich auch meine Aufgabe hier auf der Insel.