Aktuell: Gruß zum Ramadan: Kirchenpräsident und Bischof schreiben islamischen Vertretern

Kassel/Darmstadt. Herzliche Segenswünsche zum beginnenden Ramadan haben der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Martin Hein, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, Vertretern islamischer Verbände und Gemeinden übermittelt. In einem Brief zeigen sich die beiden Leitenden Geistlichen davon beeindruckt, wie in der Fastenzeit gelebter Glaube in den Alltag hineinwirke, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle der EKKW. 

Der Ramadan biete Muslimen die Chance, neu auf Gott, auf sich selbst und die Menschen im eigenen, alltäglichen, beruflichen und familiären Umfeld zu achten. Auch wenn die «Nacht der Bestimmung» und die «Heilige Nacht» nicht gleichzusetzen seien, böten der Islam und das Christentum viele Anhaltspunkte, um sich darüber auszutauschen. Der Bischof und der Kirchenpräsident machen deutlich, dass der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau daran gelegen sei, verstärkt in einen Dialog über theologische Fragen zu kommen. Ihrer Überzeugung nach wird sich ein solcher Dialog auch positiv auf andere Themenfelder auswirken. 

Gleichzeitig nehmen Hein und Jung das Schreiben zum Anlass, ihre Bestürzung über die Attentate auf Moscheen, Synagogen und Kirchen zum Ausdruck zu bringen. Auftrag aller Religionen sollte es sein, «gemeinsam überall die Botschaft zu verbreiten, dass Gewalt niemals im Namen unserer Religionen gerechtfertigt werden kann.», so die beiden Leitenden Geistlichen.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

«In diesen Tagen beginnt der Ramadan. Sie und Ihre Glaubensgeschwister zeigen mit der bevorstehenden Fastenzeit eindrücklich, wie gelebter Glaube in den Alltag hineinwirken kann. Wenn wir das richtig verstehen, geht es nicht nur um eine äußere Enthaltsamkeit und ein Einüben in das Verzichten, sondern auch um eine innere Klärung und Vergewisserung über die Grundlagen des eigenen Lebens. Der Ramadan bietet die Chance, neu auf Gott, auf sich selbst und die Menschen im eigenen, alltäglichen, beruflichen und familiären Umfeld zu achten. In Ihrer Tradition liegt die tiefe religiöse Bedeutung des Fastenmonats in der ersten Offenbarung an den Propheten Muhammad, die in der «Nacht  der Bestimmung» durch den Engel Gabriel erfolgte. «Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate» – so steht es im Koran (Sure 97,3).

Die «Nacht der Bestimmung» lässt sich sicher nicht mit der von Christen und Christinnen gefeierten «Heiligen Nacht» gleichzusetzen. Und doch ist ein Zusammenhang unverkennbar. Unsere Religionen bieten viele Anhaltspunkte, um sich darüber auszutauschen. Einige evangelische Landeskirchen haben es sich in jüngster Zeit zur Aufgabe gemacht, theologische Klärungen mit Blick auf den Islam herbeizuführen. Auch wir in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wollen diesen Prozess voranbringen. Uns ist daran gelegen, dass wir verstärkt in einen Dialog über theologische Fragen kommen. Wir sind davon überzeugt, dass dies sich auch positiv auf andere Themenfelder auswirkt.

Mit Bestürzung haben wir die Nachrichten der vergangenen Monate verfolgt, dass Menschen beim Gebet in Moscheen, Synagogen und Kirchen von Attentätern ermordet wurden. In Trauer sind wir miteinander verbunden. Und wir sehen den Auftrag, gemeinsam überall die Botschaft zu verbreiten, dass Gewalt niemals im Namen unserer Religionen gerechtfertigt werden kann.

Wir wünschen Ihnen und denen, die Ihnen nahe stehen, eine gesegnete Fastenzeit.»

Hintergrund Ramadan

Der Fastenmonat Ramadan ist tief im Islam verwurzelt. Er gilt als Gebot Gottes und ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam. Mit dem Ramadan verbinden sich im religiösen Jahreskreis die wichtigsten Feste, wie das große Fastenbrechen zum Ende der etwa vierwöchigen Zeit. Gläubige sind im Monat Ramadan aufgerufen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Nach Eintritt der Dunkelheit wird in oft großen Feiern das Fastenbrechen zelebriert. Kinder und alte oder kranke Menschen sowie Schwangere sind vom Fasten ausgenommen. In diesem Jahr beginnt der Ramadan am 5. Mai und dauert bis 4. Juni 2019. Da er nach dem Mondkalender berechnet wird, der nur 354 Tage umfasst, verschiebt er sich jedes Jahr um etwa zehn Tage gegenüber dem üblicherweise heute genutzten Sonnenkalender. Weltweit bekennt sich etwa eine Milliarde Menschen zum Islam. In Deutschland leben nach einer Studie des Bundesinnenministeriums etwa vier Millionen Muslime. (03.05.2019)

2019-05-07 28423

Gewalt im Namen der Religion kann niemals gerechtfertigt werden
Gruß zum Ramadan: Kirchenpräsident und Bischof schreiben islamischen Vertretern

Kassel/Darmstadt. Herzliche Segenswünsche zum beginnenden Ramadan haben der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Martin Hein, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, Vertretern islamischer Verbände und Gemeinden übermittelt. In einem Brief zeigen sich die beiden Leitenden Geistlichen davon beeindruckt, wie in der Fastenzeit gelebter Glaube in den Alltag hineinwirke, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle der EKKW. 

Der Ramadan biete Muslimen die Chance, neu auf Gott, auf sich selbst und die Menschen im eigenen, alltäglichen, beruflichen und familiären Umfeld zu achten. Auch wenn die «Nacht der Bestimmung» und die «Heilige Nacht» nicht gleichzusetzen seien, böten der Islam und das Christentum viele Anhaltspunkte, um sich darüber auszutauschen. Der Bischof und der Kirchenpräsident machen deutlich, dass der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau daran gelegen sei, verstärkt in einen Dialog über theologische Fragen zu kommen. Ihrer Überzeugung nach wird sich ein solcher Dialog auch positiv auf andere Themenfelder auswirken. 

Gleichzeitig nehmen Hein und Jung das Schreiben zum Anlass, ihre Bestürzung über die Attentate auf Moscheen, Synagogen und Kirchen zum Ausdruck zu bringen. Auftrag aller Religionen sollte es sein, «gemeinsam überall die Botschaft zu verbreiten, dass Gewalt niemals im Namen unserer Religionen gerechtfertigt werden kann.», so die beiden Leitenden Geistlichen.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

«In diesen Tagen beginnt der Ramadan. Sie und Ihre Glaubensgeschwister zeigen mit der bevorstehenden Fastenzeit eindrücklich, wie gelebter Glaube in den Alltag hineinwirken kann. Wenn wir das richtig verstehen, geht es nicht nur um eine äußere Enthaltsamkeit und ein Einüben in das Verzichten, sondern auch um eine innere Klärung und Vergewisserung über die Grundlagen des eigenen Lebens. Der Ramadan bietet die Chance, neu auf Gott, auf sich selbst und die Menschen im eigenen, alltäglichen, beruflichen und familiären Umfeld zu achten. In Ihrer Tradition liegt die tiefe religiöse Bedeutung des Fastenmonats in der ersten Offenbarung an den Propheten Muhammad, die in der «Nacht  der Bestimmung» durch den Engel Gabriel erfolgte. «Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate» – so steht es im Koran (Sure 97,3).

Die «Nacht der Bestimmung» lässt sich sicher nicht mit der von Christen und Christinnen gefeierten «Heiligen Nacht» gleichzusetzen. Und doch ist ein Zusammenhang unverkennbar. Unsere Religionen bieten viele Anhaltspunkte, um sich darüber auszutauschen. Einige evangelische Landeskirchen haben es sich in jüngster Zeit zur Aufgabe gemacht, theologische Klärungen mit Blick auf den Islam herbeizuführen. Auch wir in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wollen diesen Prozess voranbringen. Uns ist daran gelegen, dass wir verstärkt in einen Dialog über theologische Fragen kommen. Wir sind davon überzeugt, dass dies sich auch positiv auf andere Themenfelder auswirkt.

Mit Bestürzung haben wir die Nachrichten der vergangenen Monate verfolgt, dass Menschen beim Gebet in Moscheen, Synagogen und Kirchen von Attentätern ermordet wurden. In Trauer sind wir miteinander verbunden. Und wir sehen den Auftrag, gemeinsam überall die Botschaft zu verbreiten, dass Gewalt niemals im Namen unserer Religionen gerechtfertigt werden kann.

Wir wünschen Ihnen und denen, die Ihnen nahe stehen, eine gesegnete Fastenzeit.»

Hintergrund Ramadan

Der Fastenmonat Ramadan ist tief im Islam verwurzelt. Er gilt als Gebot Gottes und ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam. Mit dem Ramadan verbinden sich im religiösen Jahreskreis die wichtigsten Feste, wie das große Fastenbrechen zum Ende der etwa vierwöchigen Zeit. Gläubige sind im Monat Ramadan aufgerufen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Nach Eintritt der Dunkelheit wird in oft großen Feiern das Fastenbrechen zelebriert. Kinder und alte oder kranke Menschen sowie Schwangere sind vom Fasten ausgenommen. In diesem Jahr beginnt der Ramadan am 5. Mai und dauert bis 4. Juni 2019. Da er nach dem Mondkalender berechnet wird, der nur 354 Tage umfasst, verschiebt er sich jedes Jahr um etwa zehn Tage gegenüber dem üblicherweise heute genutzten Sonnenkalender. Weltweit bekennt sich etwa eine Milliarde Menschen zum Islam. In Deutschland leben nach einer Studie des Bundesinnenministeriums etwa vier Millionen Muslime. (03.05.2019)