Aktuell: Interview zur Frühjahrstagung 2019 der Landessynode mit Prälat Bernd Böttner

Prälat Bernd Böttner stellte sich den Fragen von Ramona Kopec, Leitende Redakteurin Online im Medienhaus der EKKW, am 2. Mai 2019 in Kassel.

Kopec: Prälat Böttner, in dem Personalbericht, den Sie gemeinsam mit dem Vizepräsident vor der Synode halten werden, werden Sie erstmals sowohl über die Entwicklungen der Pfarrstellen als auch der Mitarbeitenden der Landeskirche berichten. Warum hat man sich dazu entschieden?

Prälat Böttner: Das ist eine Entscheidung der Landessynode gewesen. 2015 hat die Landessynode im Blick auf die Neuaufstellung unter anderen auch den Beschluss gefasst, dass es einen Personalbericht geben soll für das gesamte Personal der Landeskirche. Also nicht einen Personalbericht für die Pfarrerinnen und Pfarrer und einen Personalbericht für die anderen Mitarbeitenden, sondern einen gemeinsamen Personalbericht, um in den nächsten Jahren die Personalentwicklung gemeinsam steuern zu können.

Kopec: Wie steht es um das kirchliche Personal?

Prälat Böttner: Was ganz interessant war, ist, dass wir in dem Bericht darstellen, dass es 825 Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, aber es gibt über 9.000 Mitarbeitende in der Landeskirche. Bei diesen über 9.000 Mitarbeitenden der Landeskirche sind natürlich Mitarbeitende, die zwei Stunden pro Woche arbeiten, und welche, die hauptamtlich arbeiten. Das ist ein interessantes Verhältnis von eins zu elf. Und wenn man da jetzt noch die ehrenamtlich Tätigen in der Landeskirche hinzu nimmt, die ungefähr 40.000 ausmachen, dann wird deutlich, dass es ein Verhältnis zwischen Beschäftigten und Ehrenamtlichen von eins zu vier gibt und ein Verhältnis von Pfarrerinnen und Pfarrern zu den Ehrenamtlichen von eins zu 50. Das heißt also, in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck arbeiten viele Ehrenamtliche und Hauptamtliche mit den Pfarrerinnen und Pfarrern zusammen. Und übrigens wird die Kirche auch gemeinsam geleitet. Es ist ja nicht so, dass wir die Ehrenamtlichen nur als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, sondern wir haben auch in jedem Leitungsgremium Ehrenamtliche.

Kopec: In der Pressekonferenz haben Sie eine ganz spannende Entwicklung in der Landeskirche präsentiert, was die Stellenverteilung der Männer und Frauen und das Engagement in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck angeht. Können Sie dazu noch etwas erzählen?

Prälat Böttner: Genau. Also, bei den Mitarbeitenden ist das Verhältnis so, dass wir etwa 7.000 Frauen haben und 2.000 Männer. Bei den Pfarrerinnen und Pfarrern ist es so, dass wir 368 Pfarrerinnen haben und 457 Pfarrer. Bei den Ehrenamtlichen, vor allem in den Leitungsgremien ist es so, dass die Frauen längst in der Mehrzahl sind. In den Kirchenvorständen müssen Sie manchmal die Männer sogar mit der Lupe suchen. Bei den Pfarrerinnen und Pfarrern verändert sich das von Jahrgang zu Jahrgang, der Anteil der Frauen im Pfarramt wächst. In den Leitungsämtern ist es so, dass wir zwar noch nicht ein Verhältnis von 50/50 haben, aber immerhin kommen im Moment auf 12 Dekane acht Dekaninnen. Das wird Anfang nächsten Jahres schon anders aussehen. Dann wird es nur noch zehn Dekane geben. Beim Propstsamt ist es so, dass wir einen Propst haben und zwei Pröpstinnen. Und im Kollegium des Landeskirchenamtes stehen im Moment fünf Männern drei Frauen gegenüber. Auch das wird sich in Kürze ändern, so dass wir da ein Verhältnis von vier zu vier haben werden, in absehbarer Zeit werden die Frauen im Kollegium des Landeskirchenamtes die Mehrheit haben. Insofern kann man von einer männerdominierten Kirche meiner Meinung nach nicht reden.

Kopec: Vor welchen Herausforderungen steht die Landeskirche in Anbetracht der Stellenentwicklungen?

Prälat Böttner: Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck steht vor der Herausforderung neues Personal zu gewinnen und gleichzeitig vor der Herausforderung, dass das Personal im Durchschnitt älter wird. Das hat etwas mit dem Herausschieben der Pensionierungsgrenze zu tun, bzw. der Grenze für den Ruhestand. Es wird in der Zukunft darum gehen, den immer älter werdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht zu werden und es ihnen durch verschiedene Personalmaßnahmen möglich zu machen gut und gesund bis zum Erreichen des Ruhestandes tätig zu sein. Im Blick auf die Jungen ist es wichtig deutlich zu machen, dass wir zukünftig mit weniger Personal und mit weniger Ressourcen auskommen müssen. Trotzdem benötigen wir junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die wir ein verlässlicher und auch ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen. Schließlich wollen wir die Stellen, die wir haben und finanzieren können, auch gut besetzen.

Kopec: Wie kann denn Kirche ein attraktiver und verlässlicher Arbeitgeber bleiben?

Prälat Böttner: Wir müssen die Vergütung weiterhin entsprechend gut fortführen. Das ist wichtig, um auch gegenüber anderen Dienstgebern und Arbeitgebern konkurrenzfähig zu bleiben. Es ist aber genauso wichtig deutlich zu machen, dass es Freude und Lust machen kann bei der Kirche zu arbeiten, weil wir sinnvolle Tätigkeit anzubieten haben. Das sage ich unabhängig davon, ob es sich um eine Erzieherin im Kindergarten, eine Kirchenmusikerin, eine Pfarrerin oder eine Verwaltungsfachangestellte handelt. Also, es ist wichtig auch deutlich zu machen, was wir als Kirche tun und was daran sinnerfüllend ist. Ich denke, dass Menschen unterschiedlichen Alters jetzt und auch zukünftig einen Beruf, eine Beschäftigung, eine Arbeit suchen, die für sie sinnerfüllend ist und die auch Freude macht.

Kopec: Vielen Dank für das Gespräch! 

(07.05.2019)

2019-05-07 28432

Nachgefragt...
Interview zur Frühjahrstagung 2019 der Landessynode mit Prälat Bernd Böttner

(Foto: medio.tv/Schauderna)

Prälat Bernd Böttner stellte sich den Fragen von Ramona Kopec, Leitende Redakteurin Online im Medienhaus der EKKW, am 2. Mai 2019 in Kassel.

Kopec: Prälat Böttner, in dem Personalbericht, den Sie gemeinsam mit dem Vizepräsident vor der Synode halten werden, werden Sie erstmals sowohl über die Entwicklungen der Pfarrstellen als auch der Mitarbeitenden der Landeskirche berichten. Warum hat man sich dazu entschieden?

Prälat Böttner: Das ist eine Entscheidung der Landessynode gewesen. 2015 hat die Landessynode im Blick auf die Neuaufstellung unter anderen auch den Beschluss gefasst, dass es einen Personalbericht geben soll für das gesamte Personal der Landeskirche. Also nicht einen Personalbericht für die Pfarrerinnen und Pfarrer und einen Personalbericht für die anderen Mitarbeitenden, sondern einen gemeinsamen Personalbericht, um in den nächsten Jahren die Personalentwicklung gemeinsam steuern zu können.

Kopec: Wie steht es um das kirchliche Personal?

Prälat Böttner: Was ganz interessant war, ist, dass wir in dem Bericht darstellen, dass es 825 Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, aber es gibt über 9.000 Mitarbeitende in der Landeskirche. Bei diesen über 9.000 Mitarbeitenden der Landeskirche sind natürlich Mitarbeitende, die zwei Stunden pro Woche arbeiten, und welche, die hauptamtlich arbeiten. Das ist ein interessantes Verhältnis von eins zu elf. Und wenn man da jetzt noch die ehrenamtlich Tätigen in der Landeskirche hinzu nimmt, die ungefähr 40.000 ausmachen, dann wird deutlich, dass es ein Verhältnis zwischen Beschäftigten und Ehrenamtlichen von eins zu vier gibt und ein Verhältnis von Pfarrerinnen und Pfarrern zu den Ehrenamtlichen von eins zu 50. Das heißt also, in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck arbeiten viele Ehrenamtliche und Hauptamtliche mit den Pfarrerinnen und Pfarrern zusammen. Und übrigens wird die Kirche auch gemeinsam geleitet. Es ist ja nicht so, dass wir die Ehrenamtlichen nur als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, sondern wir haben auch in jedem Leitungsgremium Ehrenamtliche.

Kopec: In der Pressekonferenz haben Sie eine ganz spannende Entwicklung in der Landeskirche präsentiert, was die Stellenverteilung der Männer und Frauen und das Engagement in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck angeht. Können Sie dazu noch etwas erzählen?

Prälat Böttner: Genau. Also, bei den Mitarbeitenden ist das Verhältnis so, dass wir etwa 7.000 Frauen haben und 2.000 Männer. Bei den Pfarrerinnen und Pfarrern ist es so, dass wir 368 Pfarrerinnen haben und 457 Pfarrer. Bei den Ehrenamtlichen, vor allem in den Leitungsgremien ist es so, dass die Frauen längst in der Mehrzahl sind. In den Kirchenvorständen müssen Sie manchmal die Männer sogar mit der Lupe suchen. Bei den Pfarrerinnen und Pfarrern verändert sich das von Jahrgang zu Jahrgang, der Anteil der Frauen im Pfarramt wächst. In den Leitungsämtern ist es so, dass wir zwar noch nicht ein Verhältnis von 50/50 haben, aber immerhin kommen im Moment auf 12 Dekane acht Dekaninnen. Das wird Anfang nächsten Jahres schon anders aussehen. Dann wird es nur noch zehn Dekane geben. Beim Propstsamt ist es so, dass wir einen Propst haben und zwei Pröpstinnen. Und im Kollegium des Landeskirchenamtes stehen im Moment fünf Männern drei Frauen gegenüber. Auch das wird sich in Kürze ändern, so dass wir da ein Verhältnis von vier zu vier haben werden, in absehbarer Zeit werden die Frauen im Kollegium des Landeskirchenamtes die Mehrheit haben. Insofern kann man von einer männerdominierten Kirche meiner Meinung nach nicht reden.

Kopec: Vor welchen Herausforderungen steht die Landeskirche in Anbetracht der Stellenentwicklungen?

Prälat Böttner: Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck steht vor der Herausforderung neues Personal zu gewinnen und gleichzeitig vor der Herausforderung, dass das Personal im Durchschnitt älter wird. Das hat etwas mit dem Herausschieben der Pensionierungsgrenze zu tun, bzw. der Grenze für den Ruhestand. Es wird in der Zukunft darum gehen, den immer älter werdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht zu werden und es ihnen durch verschiedene Personalmaßnahmen möglich zu machen gut und gesund bis zum Erreichen des Ruhestandes tätig zu sein. Im Blick auf die Jungen ist es wichtig deutlich zu machen, dass wir zukünftig mit weniger Personal und mit weniger Ressourcen auskommen müssen. Trotzdem benötigen wir junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die wir ein verlässlicher und auch ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen. Schließlich wollen wir die Stellen, die wir haben und finanzieren können, auch gut besetzen.

Kopec: Wie kann denn Kirche ein attraktiver und verlässlicher Arbeitgeber bleiben?

Prälat Böttner: Wir müssen die Vergütung weiterhin entsprechend gut fortführen. Das ist wichtig, um auch gegenüber anderen Dienstgebern und Arbeitgebern konkurrenzfähig zu bleiben. Es ist aber genauso wichtig deutlich zu machen, dass es Freude und Lust machen kann bei der Kirche zu arbeiten, weil wir sinnvolle Tätigkeit anzubieten haben. Das sage ich unabhängig davon, ob es sich um eine Erzieherin im Kindergarten, eine Kirchenmusikerin, eine Pfarrerin oder eine Verwaltungsfachangestellte handelt. Also, es ist wichtig auch deutlich zu machen, was wir als Kirche tun und was daran sinnerfüllend ist. Ich denke, dass Menschen unterschiedlichen Alters jetzt und auch zukünftig einen Beruf, eine Beschäftigung, eine Arbeit suchen, die für sie sinnerfüllend ist und die auch Freude macht.

Kopec: Vielen Dank für das Gespräch! 

(07.05.2019)


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