Aktuell: 400 Menschen bei Mahnwache für niedergeschossenen Eritreer

Wächtersbach (medio/epd). 400 Menschen haben sich am Dienstagabend (23.07.) im südhessischen Wächtersbach zu einer Mahnwache für den 26 Jahre alten Eritreer versammelt, der dort am Montag mit Schüssen lebensgefährlich verletzt worden war. Mit Schildern und Plakaten setzten sie am Ort des Verbrechens ein eindrucksvolles Zeichen gegen Rassismus, Hass und Gewalt. Die Teilnehmer zeigten sich schockiert und betroffen über den nach Erkenntnissen der Ermittler eindeutig fremdenfeindlich motivierten Anschlag. 

Pfarrerin Beate Rilke (Evangelischen Kirchengemeinde Wächtersbach) sagte nach der Veranstaltung gegenüber dem Medienhaus der Landeskirche: «Dass so viele Menschen trotz Hitze und Ferienzeit gekommen sind, ist einfach unglaublich.» Es seien Menschen aus allen Religionsgemeinschaften, Vereinen, Verbänden sowie viele Flüchtlingsfamilien dabei gewesen. Rilke, die auf der Mahnwache für alle Kirchengemeinden der Stadt sprach, beschwor die Kraft der Gemeinschaft. «Ich habe keine Angst, weil wir hier alle zusammenstehen», sagte sie. »Es ist an uns allen, klar in unseren Aussagen zu sein, appellierte sie und sagte: «Man tötet keinen Menschen. Punkt.» Zu der Mahnwache unter dem Motto «Kein Platz für Rassismus» hatten die Stadt Wächtersbach, der Main-Kinzig-Kreis und die Kirchen kurzfristig auf Facebook eingeladen.

Der Bürgermeister von Wächtersbach, Andreas Weiher (SPD), sagte, ein weiteres Mal sei nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke aus Gedanken eine Tat geworden, «die uns erschüttert». Er beklagte eine «neue Qualität von gelebtem Rassismus» und äußerte sich fassungslos über die «400 Hass- und Hetzkommentare» im Internet in Bezug auf den wächtersbacher Vorfall. Die Verfasser hätten keinen Respekt vor einem Menschenleben und träten das Grundgesetz mit Füßen. In Anspielung auf einen Bericht des Hessischen Rundfunks, der mutmaßliche Täter habe die Tat in seiner Stammkneipe angekündigt und anschließend davon erzählt, sagte Bürgermeister Weiher: «Nehmt die Signale ernst, nehmt sie wahr!» Die Botschaft dieser Mahnwache könne nur lauten: «Wir sind stärker und wir bleiben stark.»

Hintergrund:

Der junge Eritreer, der mit Lebensgefährtin und Kind in Wächtersbach lebt, war am Montag aus einem Auto heraus angeschossen worden, mutmaßlich von einem 55-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus dem benachbarten Biebergemünd. Weil Passanten rasch die Rettungskräfte verständigten und das Opfer notoperiert wurde, konnte sein Leben gerettet werden. Der mutmaßliche Täter konnte zunächst fliehen und erschoss sich in seinem Fahrzeug, wo er von Polizeibeamten aufgefunden wurde.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt geht «ganz klar von einem fremdenfeindlichen Motiv aus». Oberstaatsanwalt Alexander Badle teilte am Dienstag in einer Pressekonferenz mit, das Opfer sei aufgrund seiner dunklen Hautfarbe ausgesucht worden. Bei dem mutmaßlichen Täter fanden die Beamten zwei halbautomatische Waffen, drei weitere lagen in seiner Wohnung. Alle soll der Sportschütze legal besessen haben. Die Beamten fanden auch einen Abschiedsbrief, zu dessen Inhalt sich Badle nicht äußerte. Mehrere Medien berichteten, bei der Wohnungsdurchsuchung seien Gegenstände mit Motiven aus der ultrarechten Szene gefunden worden. Einen rechtsextremen Hintergrund des Schützen konnte der Oberstaatsanwalt nicht bestätigen; hier werde zu Vergangenheit und Umfeld des Mannes noch ermittelt. (24.07.2019)

2019-07-24 29011

Motto: «Kein Platz für Rassismus»
400 Menschen bei Mahnwache für niedergeschossenen Eritreer

(Foto: Stadt Wächtersbach)

Wächtersbach (medio/epd). 400 Menschen haben sich am Dienstagabend (23.07.) im südhessischen Wächtersbach zu einer Mahnwache für den 26 Jahre alten Eritreer versammelt, der dort am Montag mit Schüssen lebensgefährlich verletzt worden war. Mit Schildern und Plakaten setzten sie am Ort des Verbrechens ein eindrucksvolles Zeichen gegen Rassismus, Hass und Gewalt. Die Teilnehmer zeigten sich schockiert und betroffen über den nach Erkenntnissen der Ermittler eindeutig fremdenfeindlich motivierten Anschlag. 

Pfarrerin Beate Rilke (Evangelischen Kirchengemeinde Wächtersbach) sagte nach der Veranstaltung gegenüber dem Medienhaus der Landeskirche: «Dass so viele Menschen trotz Hitze und Ferienzeit gekommen sind, ist einfach unglaublich.» Es seien Menschen aus allen Religionsgemeinschaften, Vereinen, Verbänden sowie viele Flüchtlingsfamilien dabei gewesen. Rilke, die auf der Mahnwache für alle Kirchengemeinden der Stadt sprach, beschwor die Kraft der Gemeinschaft. «Ich habe keine Angst, weil wir hier alle zusammenstehen», sagte sie. »Es ist an uns allen, klar in unseren Aussagen zu sein, appellierte sie und sagte: «Man tötet keinen Menschen. Punkt.» Zu der Mahnwache unter dem Motto «Kein Platz für Rassismus» hatten die Stadt Wächtersbach, der Main-Kinzig-Kreis und die Kirchen kurzfristig auf Facebook eingeladen.

Der Bürgermeister von Wächtersbach, Andreas Weiher (SPD), sagte, ein weiteres Mal sei nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke aus Gedanken eine Tat geworden, «die uns erschüttert». Er beklagte eine «neue Qualität von gelebtem Rassismus» und äußerte sich fassungslos über die «400 Hass- und Hetzkommentare» im Internet in Bezug auf den wächtersbacher Vorfall. Die Verfasser hätten keinen Respekt vor einem Menschenleben und träten das Grundgesetz mit Füßen. In Anspielung auf einen Bericht des Hessischen Rundfunks, der mutmaßliche Täter habe die Tat in seiner Stammkneipe angekündigt und anschließend davon erzählt, sagte Bürgermeister Weiher: «Nehmt die Signale ernst, nehmt sie wahr!» Die Botschaft dieser Mahnwache könne nur lauten: «Wir sind stärker und wir bleiben stark.»

Hintergrund:

Der junge Eritreer, der mit Lebensgefährtin und Kind in Wächtersbach lebt, war am Montag aus einem Auto heraus angeschossen worden, mutmaßlich von einem 55-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus dem benachbarten Biebergemünd. Weil Passanten rasch die Rettungskräfte verständigten und das Opfer notoperiert wurde, konnte sein Leben gerettet werden. Der mutmaßliche Täter konnte zunächst fliehen und erschoss sich in seinem Fahrzeug, wo er von Polizeibeamten aufgefunden wurde.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt geht «ganz klar von einem fremdenfeindlichen Motiv aus». Oberstaatsanwalt Alexander Badle teilte am Dienstag in einer Pressekonferenz mit, das Opfer sei aufgrund seiner dunklen Hautfarbe ausgesucht worden. Bei dem mutmaßlichen Täter fanden die Beamten zwei halbautomatische Waffen, drei weitere lagen in seiner Wohnung. Alle soll der Sportschütze legal besessen haben. Die Beamten fanden auch einen Abschiedsbrief, zu dessen Inhalt sich Badle nicht äußerte. Mehrere Medien berichteten, bei der Wohnungsdurchsuchung seien Gegenstände mit Motiven aus der ultrarechten Szene gefunden worden. Einen rechtsextremen Hintergrund des Schützen konnte der Oberstaatsanwalt nicht bestätigen; hier werde zu Vergangenheit und Umfeld des Mannes noch ermittelt. (24.07.2019)