Aktuell: Kurhessische Delegation besuchte griechisch-orthodoxe Gemeinden in Syrien

Kassel/Hanau (medio/epd). Unter vielen Christen in Syrien gibt es nach Einschätzung des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Prof. Dr. Martin Hein, derzeit eine positive Stimmung. «Die Hoffnung, dass es bergauf geht, überwiegt», sagte Hein am Montag (12.8.) nach der Rückkehr von der Reise einer kurhessischen Delegation zur befreundeten Rum-orthodoxen Kirche von Antiochia, die in Syrien und ihm Libanon verbreitet ist. «Ein normales, friedliches Leben scheint wieder möglich zu sein», bestätigte auch Ökumenedezernentin Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß, die ebenso zur Delegation gehörte wie der Vorsitzende des Arbeitskreises «Freundschaft mit der Rum-orthodoxen Kirche von Antiochia», Dr. Martin Lückhoff.

Im «Tal der Christen» nahe Homs habe man viele Bauprojekte und eine florierende Jugendarbeit der Kirche gesehen, sagte Bischof Hein. Allerdings gebe es noch nicht in allen Teilen Syriens Frieden. Der derzeitige Frieden sei lediglich militärisch abgesichert. Zudem, so Brinkmann-Weiß, drohe das Land in unterschiedliche Regionen mit eigenen Kriegsherren zu zerfallen. Die sei ein Zeichen der Hoffnung für Menschen in Syrien, so Dr. Lückhoff, der Dekan des Kirchenkreises Hanau ist. «Wir haben vieles gesehen, was Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht.»

Fast 30 Jahre freundschaftliche Beziehungen

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die griechisch-orthodoxe Kirche von Antiochia verbinde seit fast 30 Jahren eine freundschaftliche Beziehung, so der Dekan weiter. Das Patriarchat von Antiochia bezeichne sich als «rum-orthodox», wobei "rum" die arabische Wiedergabe von "rhomäisch" (byzantinisch-griechisch) ist: es ist also das griechisch-orthodoxe Patriarchat arabischer Sprache, erläuterte Lückhoff.

Beeindruckt sei die Delegation auch von der Wirkung der Spenden gewesen, die über die Syrienhilfe in Deutschland gesammelt wurden. Man habe bei dem Besuch auch Spendengelder dabeigehabt und persönlich übergeben, da es schwierig sei, Gelder nach Syrien zu überweisen, sagte Dezernentin Brinkmann-Weiß. Mit Hilfe der Spenden werde derzeit eine Herzintensivstation im Al Hosn-Hospital im «Tal der Christen» aufgebaut, das auch Muslimen offenstehe, berichtete Bischof Hein. Zudem würden von den Spenden syrische Priester unterstützt sowie Theologiestudenten an der orthodoxen Universität in Balamand im Libanon.

2019-08-16 29060

Bischof Hein: Christen in Syrien hoffnungsvoll
Kurhessische Delegation besuchte griechisch-orthodoxe Gemeinden in Syrien

Herzlicher Empfang in Balamand: Patriarch Johannes X. (Mitte) mit Bischof Martin Hein (2.v.r.), Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß (r.) und Dekan Dr. Martin Lückhoff (2.v.l.). (Foto: privat)

Kassel/Hanau (medio/epd). Unter vielen Christen in Syrien gibt es nach Einschätzung des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Prof. Dr. Martin Hein, derzeit eine positive Stimmung. «Die Hoffnung, dass es bergauf geht, überwiegt», sagte Hein am Montag (12.8.) nach der Rückkehr von der Reise einer kurhessischen Delegation zur befreundeten Rum-orthodoxen Kirche von Antiochia, die in Syrien und ihm Libanon verbreitet ist. «Ein normales, friedliches Leben scheint wieder möglich zu sein», bestätigte auch Ökumenedezernentin Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß, die ebenso zur Delegation gehörte wie der Vorsitzende des Arbeitskreises «Freundschaft mit der Rum-orthodoxen Kirche von Antiochia», Dr. Martin Lückhoff.

Im «Tal der Christen» nahe Homs habe man viele Bauprojekte und eine florierende Jugendarbeit der Kirche gesehen, sagte Bischof Hein. Allerdings gebe es noch nicht in allen Teilen Syriens Frieden. Der derzeitige Frieden sei lediglich militärisch abgesichert. Zudem, so Brinkmann-Weiß, drohe das Land in unterschiedliche Regionen mit eigenen Kriegsherren zu zerfallen. Die sei ein Zeichen der Hoffnung für Menschen in Syrien, so Dr. Lückhoff, der Dekan des Kirchenkreises Hanau ist. «Wir haben vieles gesehen, was Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht.»

Fast 30 Jahre freundschaftliche Beziehungen

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die griechisch-orthodoxe Kirche von Antiochia verbinde seit fast 30 Jahren eine freundschaftliche Beziehung, so der Dekan weiter. Das Patriarchat von Antiochia bezeichne sich als «rum-orthodox», wobei "rum" die arabische Wiedergabe von "rhomäisch" (byzantinisch-griechisch) ist: es ist also das griechisch-orthodoxe Patriarchat arabischer Sprache, erläuterte Lückhoff.

Beeindruckt sei die Delegation auch von der Wirkung der Spenden gewesen, die über die Syrienhilfe in Deutschland gesammelt wurden. Man habe bei dem Besuch auch Spendengelder dabeigehabt und persönlich übergeben, da es schwierig sei, Gelder nach Syrien zu überweisen, sagte Dezernentin Brinkmann-Weiß. Mit Hilfe der Spenden werde derzeit eine Herzintensivstation im Al Hosn-Hospital im «Tal der Christen» aufgebaut, das auch Muslimen offenstehe, berichtete Bischof Hein. Zudem würden von den Spenden syrische Priester unterstützt sowie Theologiestudenten an der orthodoxen Universität in Balamand im Libanon.

Bekräftigung und Ausbau der Freundschaft

Offiziell begrüßt und empfangen wurden die Vertreter der Landeskirche von Johannes X., dem Oberhaupt des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochia, in der Universität von Balamand. Die ‚University of Balamand‘ wurde 1988 von Patriarch Ignatius IV als eine freie, unabhängige uns säkular ausgerichtete Bildungseinrichtung mit einem theologischen Institut gegründet.

In den ersten, intensiven Gesprächen im theologischen Institut in Balamand wurde vor allem erörtert, wie man in Kooperation mit dem Evangelischen Studienseminar Hofgeismar neue Akzente in der Ausbildung setzen könne. Die orthodoxen Kirchengemeinden in Syrien wiederum verfügten über 1.400 Jahre Erfahrung im christlich-islamischen Dialog. Davon könne man sehr viel lernen.

Bischof Hein und Patriarch Johannes X. bekräftigten erneut, dass ihre Kirchen in Freundschaft verbunden blieben und man diese ausbauen wolle. Der Patriarch habe keinen Zweifel daran gelassen, auch künftig mit der ersten Bischöfin der Landeskirche, Dr. Beate Hofmann, eng zusammenarbeiten zu wollen, so Dekan Lückhoff.

Infrastruktur, Arbeit und Bildungseinrichtungen fehlen

Überrascht war die Delegation vor allem davon, mit welchem Selbstbewusstsein, mit welcher Freundlichkeit und Zuversicht die Christen in Syrien die großen Probleme zu meistern versuchen. «Es fehlt an Infrastruktur, an Bildungseinrichtungen, an Arbeit und an Gesundheit. Die politische Lage ist unübersichtlich. Viele junge Menschen verlassen die Region, weil sie hier keine Zukunft sehen», sagte Lückhoff. «Deshalb können und wollen wir in Syrien einen friedlichen Beitrag leisten, der den Christen und der ganzen Gesellschaft zugutekommt.» Das Land stehe zudem vor großen sozialpolitischen Herausforderungen. Viele alte Menschen seien auf sich gestellt, Altenheime würden gebraucht. «Hier können wir mit unserer jahrelangen Erfahrung helfen,» sagte Lückhoff.

Krankenhauses im «Tal der Christen» wichtige Zukunftsinvestition

Eine entscheidend wichtige Investition in die Zukunft der Region ist der Bau des Krankenhauses im «Tal der Christen». Der Kirchenkreis Hanau hat hier das Notstromaggregat gespendet, damit Operationen auch bei Stromausfall durchgeführt werden können. Aktuell im Bau befindet sich eine kardiologische Abteilung, die einzige im Umkreis von 100 Kilometern. «Mit großer Freude haben wir gesehen, wie sehr Ärzte und Mitarbeiter sich dort im Krankenhaus engagieren.» Der Aufbau der Kardiologie werde mit großer Hoffnung verbunden. Die starke Bautätigkeit an vielen Orten in der Region könnte ein Indiz für eine wirtschaftliche Erholung sein.

In der politisch und sozial schwierigen Situation in Libanon und in Syrien gibt der Besuch aus Deutschland den Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. «Die Menschen wissen, sie sind nicht vergessen, wir denken an sie und beten für sie. Aber dem Gebet muss auch materielle Hilfe folgen», so Dekan Lückhoff. Landeskirche und Kirchenkreis würden weiterhin die Kosten für etwa 80 bis 100 ärztliche Behandlungen im Krankenhaus für arme Menschen übernehmen. Wo Bedarf bestehe, würde man weitere Projekte partnerschaftlich verhandeln. (16.08.2019)

Weitere Informationen:

Freundeskreis: «Freundschaft mit der Rum-Orthodoxen Kirche von Antiochia»
Dekan Dr. Martin Lückhoff
E-Mail: Martin.Lueckhoff@ekkw.de


info_outline Kollekten und Spenden:

Empfänger: EKKW
IBAN: DE33520604100000003000
(Evangelische Bank Kassel)
Verwendungszweck: Z 760000004