Aktuell: Religionsvertreter aus aller Welt auf Friedensmission in Lindau

Lindau (epd/medio). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht sich dafür aus, religiöse Repräsentanten aus aller Welt stärker in Friedensprozesse einzubinden. «Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten», sagte er am Dienstag (20.8.) in Lindau bei der offiziellen Eröffnung der 10. Weltversammlung von «Religions for Peace» (Religionen für den Frieden). Doch Glaube und Religion könnten auch missbraucht werden: «Als Motivation für im Grunde außerreligiöse Intentionen und politische Ziele.»

Bis Freitag tagten fast tausend Vertreter von insgesamt 17 Religionen aus 100 Ländern - unter ihnen Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten und Juden - und berieten am Bodensee über Lösungen für aktuelle Konflikte. Zu den Teilnehmenden gehörte auch der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein. Die Weltversammlung der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation tritt etwa alle fünf Jahre zusammen und fand erstmals in Deutschland statt.

Steinmeier: Religionen müssen Werkzeuge des Friedens sein

Steinmeier sagte, «Religions for Peace» mache Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürften für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein könnten und müssten. Auch wenn es für jede Religion zunächst einmal eine Zumutung bedeute, «sich in eine Reihe mit anderen Religionen zu stellen - und anderen Religionen gleiche Bedeutung und gleichen Wert zuzusprechen». Denn jede Religion habe für sich den Anspruch, wahr zu sein. Aber dieser Wahrheitsanspruch könne und dürfe nur friedlich vertreten werden. Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse sein: «Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Treffen am Bodensee als «Zeichen der Hoffnung in einer verunsicherten Welt». Mit dieser Versammlung wolle man ein weltweites Zeichen gegen Spaltungen setzen, die zu Hass und Gewalt führten sowie Wege finden zu Frieden, Gerechtigkeit und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Mitschöpfung, sagte Bedford-Strohm. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, in Zeiten der Globalisierung müssten die Religionen Instrumente des Friedens sein.

Schutz religiöser Stätten und Schutz von afrikanischen Frauen vor sexueller Gewalt

Von der Konferenz mit dem Motto: «Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen - das Gemeinwohl für alle fördern» sollen zwei Initiativen ausgehen. Angesichts blutiger Anschläge auf Kirchen, Moscheen und Synagogen in diesem Jahr wollen sich die Spitzenvertreter von Glaubensgemeinschaften für einen weltweiten Schutz religiöser Stätten einsetzen. Zudem soll ein Projekt auf den Weg gebracht werden, um Frauen in Afrika vor sexueller Gewalt zu schützen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Stichwort: «Religions for Peace»

Die Organisation «Religions for Peace» (Religionen für den Frieden) wurde 1961 als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die atomare Bedrohung im Kalten Krieg gegründet. Erklärtes Ziel ist es, durch ein Netzwerk internationaler Religionsvertreter Friedensarbeit in verschiedenen Krisen und Konflikten weltweit voranzutreiben. Heute gehören der Organisation Gruppen aus mehr als 100 Ländern an, die miteinander im Dialog sind. Seit 1973 von den Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation registriert, vermittelte das Bündnis schon in zahlreichen Konflikten: unter anderem in Bosnien-Herzegowina, in Ruanda, im Kongo, im Irak und in Syrien. Auch nach Naturkatastrophen setzte sich die interreligiöse Allianz beispielsweise in Haiti, Nepal und Japan für die betroffenen Menschen ein. Weltversammlungen der Organisation gibt es etwa alle fünf Jahre. Die diesjährige war die insgesamt zehnte und die erste in Deutschland. (23.08.2019)

2019-08-23 29105

Lösungen für aktuelle Konflikte im Mittelpunkt
Religionsvertreter aus aller Welt auf Friedensmission in Lindau

Fast tausend Vertreter von insgesamt 17 Religionen - unter ihnen Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten und Juden - berieten über Lösungen für aktuelle Konflikte. Darunter Bischof Martin Hein (links im Foto). (Foto: © Ring for Peace)

Lindau (epd/medio). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht sich dafür aus, religiöse Repräsentanten aus aller Welt stärker in Friedensprozesse einzubinden. «Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten», sagte er am Dienstag (20.8.) in Lindau bei der offiziellen Eröffnung der 10. Weltversammlung von «Religions for Peace» (Religionen für den Frieden). Doch Glaube und Religion könnten auch missbraucht werden: «Als Motivation für im Grunde außerreligiöse Intentionen und politische Ziele.»

Bis Freitag tagten fast tausend Vertreter von insgesamt 17 Religionen aus 100 Ländern - unter ihnen Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten und Juden - und berieten am Bodensee über Lösungen für aktuelle Konflikte. Zu den Teilnehmenden gehörte auch der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein. Die Weltversammlung der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation tritt etwa alle fünf Jahre zusammen und fand erstmals in Deutschland statt.

Steinmeier: Religionen müssen Werkzeuge des Friedens sein

Steinmeier sagte, «Religions for Peace» mache Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürften für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein könnten und müssten. Auch wenn es für jede Religion zunächst einmal eine Zumutung bedeute, «sich in eine Reihe mit anderen Religionen zu stellen - und anderen Religionen gleiche Bedeutung und gleichen Wert zuzusprechen». Denn jede Religion habe für sich den Anspruch, wahr zu sein. Aber dieser Wahrheitsanspruch könne und dürfe nur friedlich vertreten werden. Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse sein: «Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Treffen am Bodensee als «Zeichen der Hoffnung in einer verunsicherten Welt». Mit dieser Versammlung wolle man ein weltweites Zeichen gegen Spaltungen setzen, die zu Hass und Gewalt führten sowie Wege finden zu Frieden, Gerechtigkeit und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Mitschöpfung, sagte Bedford-Strohm. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, in Zeiten der Globalisierung müssten die Religionen Instrumente des Friedens sein.

Schutz religiöser Stätten und Schutz von afrikanischen Frauen vor sexueller Gewalt

Von der Konferenz mit dem Motto: «Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen - das Gemeinwohl für alle fördern» sollen zwei Initiativen ausgehen. Angesichts blutiger Anschläge auf Kirchen, Moscheen und Synagogen in diesem Jahr wollen sich die Spitzenvertreter von Glaubensgemeinschaften für einen weltweiten Schutz religiöser Stätten einsetzen. Zudem soll ein Projekt auf den Weg gebracht werden, um Frauen in Afrika vor sexueller Gewalt zu schützen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Stichwort: «Religions for Peace»

Die Organisation «Religions for Peace» (Religionen für den Frieden) wurde 1961 als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die atomare Bedrohung im Kalten Krieg gegründet. Erklärtes Ziel ist es, durch ein Netzwerk internationaler Religionsvertreter Friedensarbeit in verschiedenen Krisen und Konflikten weltweit voranzutreiben. Heute gehören der Organisation Gruppen aus mehr als 100 Ländern an, die miteinander im Dialog sind. Seit 1973 von den Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation registriert, vermittelte das Bündnis schon in zahlreichen Konflikten: unter anderem in Bosnien-Herzegowina, in Ruanda, im Kongo, im Irak und in Syrien. Auch nach Naturkatastrophen setzte sich die interreligiöse Allianz beispielsweise in Haiti, Nepal und Japan für die betroffenen Menschen ein. Weltversammlungen der Organisation gibt es etwa alle fünf Jahre. Die diesjährige war die insgesamt zehnte und die erste in Deutschland. (23.08.2019)


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Weitere Informationen zur 10. Weltversammlung von «Religions for Peace» finden Sie unter: