Aktuell: Schauspieler Thomas Hof ist neuer Rhetorik-Studienleiter für die Theologen-Ausbildung

Quereinsteiger: vielleicht das Wort, das Thomas Hof, 36, verheiratet, zwei Kinder, am besten beschreibt. Nach dem Zivildienst und der Ausbildung zum Krankenpfleger stieg er das erste Mal quer ein, und zwar in die Welt des Theaters: Hof studierte in Leipzig Schauspiel und übernahm unter anderem in Dresden und am Jungen Theater Göttingen Rollen. 

Nach der Elternzeit wieder etwas Neues: Der Schauspieler stieg in die Theaterpädagogik ein und leitete dazu noch die Kinder- und Jugendtheatersparte am Kasseler Staatstheater. Und nun wieder ein Quereinstieg: Mit dem «naiven Blick» eines Externen, wie er selber sagt, ist er am Studienseminar der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck als Rhetorik-Experte angestellt, oder wie es offiziell heißt: Studienleiter für Kommunikation und Präsentation. 

Er sei selbst nicht getauft, habe aber immer viel mit der Kirche zu tun gehabt, sagt Hof, und erlebe sie als offen und mutig. «Ich hoffe und meine, dass alle Menschen einen Glauben haben», sagt er. Gläubige Menschen hätten eine große Kraft. Für seine Arbeit am Studienseminar heißt das: «Ich möchte sie gerne unterstützen, dass sich diese Kraft authentisch auf andere überträgt.» Sie, das sind Pfarrerinnen und Pfarrer und solche, die es werden wollen. Im Plenum, in Kleingruppen und im Einzeltraining geht es um drei Aspekte: Sprecherziehung, Körperarbeit, Rhetorik. 

Wer allerdings vermutet, Thomas Hof habe eine Art rhetorischen Werkzeugkasten, den er Teilnehmern mitgibt, der irrt sich. Natürlich gibt es Tipps und Tricks, er spricht zum Beispiel von der «Macht der Pause», aber vor allem geht es um jeden Einzelnen und jede Einzelne. «Ich möchte zunächst gerne die Person kennenlernen», sagt er. Jeder müsse seine eigene Form finden, dabei könne er helfen und stärken.

Gerade im Pfarrberuf sei die Verbindung von Person und Beruf essentiell, enger wohl noch als bei Politikern. So gehöre es auch zur Aufgabe, sein eigenes Rollenverständnis zu prüfen; also auch die Balance zwischen Amt und Individuum. «Man darf sich vom Talar nicht erschlagen lassen», fasst es Thomas Hof in ein Bild, «sondern die Person soll durch die Maschen nach außen dringen.»

Um das zu üben und zu erproben, braucht es einen geschützten Raum – und genau den will der Schauspieler den Teilnehmern geben. Falsch und richtig gebe es in diesem Bereich eigentlich nicht, sondern eher die Frage: Was funktioniert? 

Hof nennt das Beispiel einer Vikarin, die eine Textstelle gerne «persönlicher» vortragen wollte. Er empfahl ihr, doch zwischen die Bankreihen zu gehen. Ihre Reaktion: «Das geht doch nicht!» Doch, es ging. Für die junge Frau war das vermutlich zunächst eine Zumutung, doch in dem Wort «zumuten» stecke so viel Positives, sagt der neue Studienleiter. Man traue der anderen etwas zu, weil man den Mut in ihr spüre. 

Und wenn die Angst, etwas könne schiefgehen, zu groß wird, empfiehlt Hof, sich vorzustellen, was im schlimmsten Fall denn passieren könne. Meistens sei das gar nicht so dramatisch – da sei es doch besser, es mal zu wagen, anstatt sich mühevoll ein Konstrukt des Scheiterns im Kopf zurechtzulegen. 

Etwas wagen, ausprobieren, all das will Thomas Hof ermöglichen. Dabei hat er nicht den Ansatz, er wisse schon, wie es geht. Es gelte, gemeinsam zu suchen und zu finden – im Gespräch mit ihm merkt man, dass er sich auf diese Suche freut. Die Suche in einem Gebiet, in das er als Quereinsteiger kam. (24.09.2019)

2019-09-25 29374

Schauspieler Thomas Hof ist neuer Rhetorik-Studienleiter für die Theologen-Ausbildung

Warum Zumutungen etwas Gutes sind

Autorenbeitrag
Olaf Dellit, Redakteur im Medienhaus der EKKW, hat Thomas Hof, Schauspieler und Rhetorik-Studienleiter für die Theologen-Ausbildung im Studienseminar der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, getroffen.
Portrait Autor/in

Quereinsteiger: vielleicht das Wort, das Thomas Hof, 36, verheiratet, zwei Kinder, am besten beschreibt. Nach dem Zivildienst und der Ausbildung zum Krankenpfleger stieg er das erste Mal quer ein, und zwar in die Welt des Theaters: Hof studierte in Leipzig Schauspiel und übernahm unter anderem in Dresden und am Jungen Theater Göttingen Rollen. 

Nach der Elternzeit wieder etwas Neues: Der Schauspieler stieg in die Theaterpädagogik ein und leitete dazu noch die Kinder- und Jugendtheatersparte am Kasseler Staatstheater. Und nun wieder ein Quereinstieg: Mit dem «naiven Blick» eines Externen, wie er selber sagt, ist er am Studienseminar der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck als Rhetorik-Experte angestellt, oder wie es offiziell heißt: Studienleiter für Kommunikation und Präsentation. 

Er sei selbst nicht getauft, habe aber immer viel mit der Kirche zu tun gehabt, sagt Hof, und erlebe sie als offen und mutig. «Ich hoffe und meine, dass alle Menschen einen Glauben haben», sagt er. Gläubige Menschen hätten eine große Kraft. Für seine Arbeit am Studienseminar heißt das: «Ich möchte sie gerne unterstützen, dass sich diese Kraft authentisch auf andere überträgt.» Sie, das sind Pfarrerinnen und Pfarrer und solche, die es werden wollen. Im Plenum, in Kleingruppen und im Einzeltraining geht es um drei Aspekte: Sprecherziehung, Körperarbeit, Rhetorik. 

Wer allerdings vermutet, Thomas Hof habe eine Art rhetorischen Werkzeugkasten, den er Teilnehmern mitgibt, der irrt sich. Natürlich gibt es Tipps und Tricks, er spricht zum Beispiel von der «Macht der Pause», aber vor allem geht es um jeden Einzelnen und jede Einzelne. «Ich möchte zunächst gerne die Person kennenlernen», sagt er. Jeder müsse seine eigene Form finden, dabei könne er helfen und stärken.

Gerade im Pfarrberuf sei die Verbindung von Person und Beruf essentiell, enger wohl noch als bei Politikern. So gehöre es auch zur Aufgabe, sein eigenes Rollenverständnis zu prüfen; also auch die Balance zwischen Amt und Individuum. «Man darf sich vom Talar nicht erschlagen lassen», fasst es Thomas Hof in ein Bild, «sondern die Person soll durch die Maschen nach außen dringen.»

Um das zu üben und zu erproben, braucht es einen geschützten Raum – und genau den will der Schauspieler den Teilnehmern geben. Falsch und richtig gebe es in diesem Bereich eigentlich nicht, sondern eher die Frage: Was funktioniert? 

Hof nennt das Beispiel einer Vikarin, die eine Textstelle gerne «persönlicher» vortragen wollte. Er empfahl ihr, doch zwischen die Bankreihen zu gehen. Ihre Reaktion: «Das geht doch nicht!» Doch, es ging. Für die junge Frau war das vermutlich zunächst eine Zumutung, doch in dem Wort «zumuten» stecke so viel Positives, sagt der neue Studienleiter. Man traue der anderen etwas zu, weil man den Mut in ihr spüre. 

Und wenn die Angst, etwas könne schiefgehen, zu groß wird, empfiehlt Hof, sich vorzustellen, was im schlimmsten Fall denn passieren könne. Meistens sei das gar nicht so dramatisch – da sei es doch besser, es mal zu wagen, anstatt sich mühevoll ein Konstrukt des Scheiterns im Kopf zurechtzulegen. 

Etwas wagen, ausprobieren, all das will Thomas Hof ermöglichen. Dabei hat er nicht den Ansatz, er wisse schon, wie es geht. Es gelte, gemeinsam zu suchen und zu finden – im Gespräch mit ihm merkt man, dass er sich auf diese Suche freut. Die Suche in einem Gebiet, in das er als Quereinsteiger kam. (24.09.2019)

Portrait von Thomas Hof (Foto: medio.tv/Schauderna)

radio Internetradio:

Hören Sie hier einen Beitrag zum Thema von Radio-Reporter Torsten Scheuermann, gesendet im Kirchenmagazin «kreuz & quer» auf Hit Radio FFH: