Aktuell: Thüringen und Hessen feiern gemeinsam Grenzöffnung vor 30 Jahren

Großburschla (epd). Im thüringischen Großburschla im Wartburgkreis haben die Länder Thüringen und Hessen am Samstag mit einer gemeinsamen Festveranstaltung den 30. Jahrestag der Grenzöffnung vom 9. November 1989 gefeiert. An den Feierlichkeiten nahmen neben den beiden Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und Volker Bouffier (CDU) auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), sowie Leitende Geistliche der Evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland (EKM) und von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sowie der Bistümer Erfurt und Fulda teil.

Den Auftakt machte ein Ökumenischer Gottesdienst in der voll besetzten Großburschlaer Kirche St. Bonifatius, der wegen des großen Andrangs auch ins Freie übertragen wurde. Die Predigt hielt der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr. Die friedliche Revolution sei das Werk vieler, denen Dank und Anerkennung gebühre und auf die alle Deutschen zu Recht stolz sein könnten und stolz sein sollten, sagte Neymeyr. An dem Gottesdienst wirkte auch die Bischöfin der EKKW, Dr. Beate Hofmann, mit.

Er ziehe «den Hut» vor der Lebensleistung der Ostdeutschen seit dem Mauerfall, sagte Bischof Neymeyr weiter. Was verharmlosend als «gebrochene Erwerbsbiografie« bezeichnet werde, sei in Wirklichkeit eine brutale Lebenserfahrung für viele Menschen gewesen, an deren Folgen sie noch immer zu tragen hätten. Dazu gehörten schlecht bezahlte Berufe, langjährige Arbeitslosigkeit und als deren Folge heute eine geringe Rente oder zerrissene Familien.

Nach dem Gottesdienst führte ein langer Zug von mehreren hundert Menschen zur früheren Grenzbrücke über die Werra, wo ein Kranz und Hunderte Blumen für die Opfer der deutschen Teilung niedergelegt wurden. Im Anschluss wurde im Festzelt am Bahnhof Großburschla ein thüringisch-hessisches Bürgerfest eröffnet. Das zu Thüringen gehörende Großburschla ist territorial zu etwa 90 Prozent von hessischem Gebiet umschlossen und ragte während der deutschen Teilung wie ein von Stacheldraht umgebener Finger nach Hessen hinein.

Mit großer Dankbarkeit und großem Respekt blicke er auf 30 Jahre friedliche Revolution und 29 Jahre Wiedervereinigung, erklärte der Thüringer Ministerpräsident: «Wir alle können sehr stolz sein auf das, was wir geschafft und geschaffen, was wir gemeinsam geleistet haben.» Vor 30 Jahren hätten mutige Menschen eine große historischen Leistung vollbracht und die Unfreiheit überwunden, «indem sie Mauern und Grenzen zum Einstürzen brachten.»

Weiter sagte Ramelow, der 9. November stehe für Ereignisse in unserer Geschichte, die Freude und Hoffung, aber auch Trauer und Entsetzen widerspiegele. Der Tag verdeutliche auch, dass Frieden, Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich seien, sondern auch in Zukunft bewahrt und geschützt werden müssten. (11.11.2019)

2019-11-11 29557

Ökumenischer Gottesdienst an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze
Thüringen und Hessen feiern gemeinsam Grenzöffnung vor 30 Jahren

Gedenkgottesdienst zu 30 Jahre Mauerfall in Großburschla. (v.l.): Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW), Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda), Regionalbischof Dr. Christian Stawenow (EKM), Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Bistum Erfurt) (Foto: medio.tv/Schauderna)

Großburschla (epd). Im thüringischen Großburschla im Wartburgkreis haben die Länder Thüringen und Hessen am Samstag mit einer gemeinsamen Festveranstaltung den 30. Jahrestag der Grenzöffnung vom 9. November 1989 gefeiert. An den Feierlichkeiten nahmen neben den beiden Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und Volker Bouffier (CDU) auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), sowie Leitende Geistliche der Evangelischen Kirchen in Mitteldeutschland (EKM) und von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sowie der Bistümer Erfurt und Fulda teil.

Den Auftakt machte ein Ökumenischer Gottesdienst in der voll besetzten Großburschlaer Kirche St. Bonifatius, der wegen des großen Andrangs auch ins Freie übertragen wurde. Die Predigt hielt der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr. Die friedliche Revolution sei das Werk vieler, denen Dank und Anerkennung gebühre und auf die alle Deutschen zu Recht stolz sein könnten und stolz sein sollten, sagte Neymeyr. An dem Gottesdienst wirkte auch die Bischöfin der EKKW, Dr. Beate Hofmann, mit.

Er ziehe «den Hut» vor der Lebensleistung der Ostdeutschen seit dem Mauerfall, sagte Bischof Neymeyr weiter. Was verharmlosend als «gebrochene Erwerbsbiografie« bezeichnet werde, sei in Wirklichkeit eine brutale Lebenserfahrung für viele Menschen gewesen, an deren Folgen sie noch immer zu tragen hätten. Dazu gehörten schlecht bezahlte Berufe, langjährige Arbeitslosigkeit und als deren Folge heute eine geringe Rente oder zerrissene Familien.

Nach dem Gottesdienst führte ein langer Zug von mehreren hundert Menschen zur früheren Grenzbrücke über die Werra, wo ein Kranz und Hunderte Blumen für die Opfer der deutschen Teilung niedergelegt wurden. Im Anschluss wurde im Festzelt am Bahnhof Großburschla ein thüringisch-hessisches Bürgerfest eröffnet. Das zu Thüringen gehörende Großburschla ist territorial zu etwa 90 Prozent von hessischem Gebiet umschlossen und ragte während der deutschen Teilung wie ein von Stacheldraht umgebener Finger nach Hessen hinein.

Mit großer Dankbarkeit und großem Respekt blicke er auf 30 Jahre friedliche Revolution und 29 Jahre Wiedervereinigung, erklärte der Thüringer Ministerpräsident: «Wir alle können sehr stolz sein auf das, was wir geschafft und geschaffen, was wir gemeinsam geleistet haben.» Vor 30 Jahren hätten mutige Menschen eine große historischen Leistung vollbracht und die Unfreiheit überwunden, «indem sie Mauern und Grenzen zum Einstürzen brachten.»

Weiter sagte Ramelow, der 9. November stehe für Ereignisse in unserer Geschichte, die Freude und Hoffung, aber auch Trauer und Entsetzen widerspiegele. Der Tag verdeutliche auch, dass Frieden, Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich seien, sondern auch in Zukunft bewahrt und geschützt werden müssten. (11.11.2019)


radio Internetradio:

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die innerdeutsche Grenze. In Grebendorf bei Eschwege hat Pfarrer Bernd Böttner, Prälat der Landeskirche, seine gesamte Kindheit an dieser Grenze verbracht, keine zwei Kilometer zu Thüringen. Er hat die eigentümliche Situation hautnah mitbekommen und beschreibt sie im Gespräch mit Radio-Reporter Torsten Scheuermann:

radio Internetradio:

Stellen Sie sich vor, Sie wollen nur mal in den Nachbarort fahren. Aber schon an der nächsten Ecke kommen Sie nicht weiter. Sie werden angehalten, müssen ihren Ausweis zeigen, und das Auto wird komplett gefilzt. Genauso war das bis vor 30 Jahren, bis die Mauer fiel. Radio-Reporter Tobias Stübing hat mit Menschen gesprochen, die direkt an der damaligen Grenze gewohnt haben: