Aktuell: Weltgebetstag kam 2020 aus Simbabwe

Kassel (medio). «Steh auf, nimm deine Matte, und geh los!» (Joh 5, 2-9) lautete das Motto des Weltgebetstages am 6. März 2020. Vorbereitet wurde das Programm von Frauen aus Simbabwe. Sie verstehen diese Worte als Aufforderung an sich, aber auch an ganz Simbabwe, das eigene Schicksal nach 37 Jahren Mugabe-Ära jetzt neu in die Hand zu nehmen, erklärt Ute Dilger, Verantwortliche für die Weltgebetstagsarbeit in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Musik sei dabei für die Frauen eine wichtige Kraftquelle, so Dilger weiter. Die Lieder, die Tänze, dazu der enge Zusammenhalt in den Gemeinschaften, Familien und Dörfern tragen die Menschen durch schwere Zeiten. Diese Impulse wurden auch in die Workshops zur Vorbereitung der Gottesdienste aufgenommen.

Livestream aus Bayreuth

Neben tausenden von ökumenischen Gottesdiensten in ganz Deutschland, konnte über die Internetseiten des Weltgebetstags live mitgefeiert werden. Bereits zum zweiten Mal richtete der Weltgebetstag zusammen mit dem Projekt «Kirche digital» der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern einen Livestream ein. Gesendet wurde aus der Erlöserkirche Bayreuth. Auch Gehörlose konnten daran gut teilnehmen, da der Gottesdienst live untertitelt wurde.

Unterstützung für Frauen und Mädchen

Mit der deutschen Kollekte in den Gottesdiensten werden 86 Partnerorganisationen in 29 Ländern bei der Stärkung von Frauen und Mädchen unterstützt. Im Jahr 2019 kamen in Deutschland anlässlich des Weltgebetstags aus Slowenien Spenden und Kollekten von über 2,5 Millionen Euro zusammen. In diesem Jahr möchte der Weltgebetstag zusätzlich das hochverschuldete Simbabwe durch eine Unterschriftenaktion unterstützen. Damit fordert der Weltgebetstag von der deutschen Bundesregierung, auf einen Teil der Rückzahlung zu verzichten. Das Geld muss Simbabwe stattdessen in Gesundheitsprogramme investieren, die der Bevölkerung zugutekommen.

Länder Information

Vor zwei Jahren hat sich Simbabwe, Schwerpunktland des Weltgebetstages 2020, unter Mühen von seinem langjährigen Machthaber Robert Mugabe getrennt. Doch trotz seiner Absetzung sind noch dieselben Eliten an der Macht: Proteste werden brutal unterdrückt, wirtschaftliche und soziale Not prägen das Land. Über 90 Prozent Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, dazu die Folgen des Zyklons Idai (März 2019) und jetzt eine drohende Hungersnot sprechen für sich, berichtet Dilger.

Bei all dem sind die Traumata der gewalttätigen Kämpfe in der Vergangenheit nicht aufgearbeitet. Die Situation der Frauen ist besonders prekär. Viele sind betroffen von HIV/Aids, und es wird immer schwieriger, retrovirale Medikamente zu bekommen. Hinzu komme, dass Frauen traditionell verantwortlich für die Ernährung der Familien sind. So reisen viele unter viel Mühen in die Nachbarländer, kaufen dort Lebensmittel ein und verkaufen sie wieder in den Städten Simbabwes. 

Stichwort Weltgebetstag

Den Weltgebetstag gibt es seit über 130 Jahren und wird jedes Jahr von christlichen Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Jeden ersten Freitag im März sind Frauen, Männer und Kinder dazu eingeladen, gemeinsam für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde der Frauen zu beten. In Deutschland besuchen Jahr für Jahr rund eine Million Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche die Gottesdienste und Veranstaltungen rund um den Weltgebetstag. Auf diese Weise wandern die Gebete über 24 Stunden um die Erde und verbinden Christinnen und Christen über Landesgrenzen hinaus. Durch das gemeinsame Erleben und Gestalten des Weltgebetstages lernen sich Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen kennen und schätzen. So entstehen enge Kontakte und Freundschaften weltweit. (09.03.2020)

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«Steh auf und geh!»
Weltgebetstag kam 2020 aus Simbabwe

Kassel (medio). «Steh auf, nimm deine Matte, und geh los!» (Joh 5, 2-9) lautete das Motto des Weltgebetstages am 6. März 2020. Vorbereitet wurde das Programm von Frauen aus Simbabwe. Sie verstehen diese Worte als Aufforderung an sich, aber auch an ganz Simbabwe, das eigene Schicksal nach 37 Jahren Mugabe-Ära jetzt neu in die Hand zu nehmen, erklärt Ute Dilger, Verantwortliche für die Weltgebetstagsarbeit in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Musik sei dabei für die Frauen eine wichtige Kraftquelle, so Dilger weiter. Die Lieder, die Tänze, dazu der enge Zusammenhalt in den Gemeinschaften, Familien und Dörfern tragen die Menschen durch schwere Zeiten. Diese Impulse wurden auch in die Workshops zur Vorbereitung der Gottesdienste aufgenommen.

Livestream aus Bayreuth

Neben tausenden von ökumenischen Gottesdiensten in ganz Deutschland, konnte über die Internetseiten des Weltgebetstags live mitgefeiert werden. Bereits zum zweiten Mal richtete der Weltgebetstag zusammen mit dem Projekt «Kirche digital» der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern einen Livestream ein. Gesendet wurde aus der Erlöserkirche Bayreuth. Auch Gehörlose konnten daran gut teilnehmen, da der Gottesdienst live untertitelt wurde.

Unterstützung für Frauen und Mädchen

Mit der deutschen Kollekte in den Gottesdiensten werden 86 Partnerorganisationen in 29 Ländern bei der Stärkung von Frauen und Mädchen unterstützt. Im Jahr 2019 kamen in Deutschland anlässlich des Weltgebetstags aus Slowenien Spenden und Kollekten von über 2,5 Millionen Euro zusammen. In diesem Jahr möchte der Weltgebetstag zusätzlich das hochverschuldete Simbabwe durch eine Unterschriftenaktion unterstützen. Damit fordert der Weltgebetstag von der deutschen Bundesregierung, auf einen Teil der Rückzahlung zu verzichten. Das Geld muss Simbabwe stattdessen in Gesundheitsprogramme investieren, die der Bevölkerung zugutekommen.

Länder Information

Vor zwei Jahren hat sich Simbabwe, Schwerpunktland des Weltgebetstages 2020, unter Mühen von seinem langjährigen Machthaber Robert Mugabe getrennt. Doch trotz seiner Absetzung sind noch dieselben Eliten an der Macht: Proteste werden brutal unterdrückt, wirtschaftliche und soziale Not prägen das Land. Über 90 Prozent Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, dazu die Folgen des Zyklons Idai (März 2019) und jetzt eine drohende Hungersnot sprechen für sich, berichtet Dilger.

Bei all dem sind die Traumata der gewalttätigen Kämpfe in der Vergangenheit nicht aufgearbeitet. Die Situation der Frauen ist besonders prekär. Viele sind betroffen von HIV/Aids, und es wird immer schwieriger, retrovirale Medikamente zu bekommen. Hinzu komme, dass Frauen traditionell verantwortlich für die Ernährung der Familien sind. So reisen viele unter viel Mühen in die Nachbarländer, kaufen dort Lebensmittel ein und verkaufen sie wieder in den Städten Simbabwes. 

Stichwort Weltgebetstag

Den Weltgebetstag gibt es seit über 130 Jahren und wird jedes Jahr von christlichen Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Jeden ersten Freitag im März sind Frauen, Männer und Kinder dazu eingeladen, gemeinsam für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde der Frauen zu beten. In Deutschland besuchen Jahr für Jahr rund eine Million Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche die Gottesdienste und Veranstaltungen rund um den Weltgebetstag. Auf diese Weise wandern die Gebete über 24 Stunden um die Erde und verbinden Christinnen und Christen über Landesgrenzen hinaus. Durch das gemeinsame Erleben und Gestalten des Weltgebetstages lernen sich Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen kennen und schätzen. So entstehen enge Kontakte und Freundschaften weltweit. (09.03.2020)

Drei Fragen an...

Drei Fragen an Pfarrerin Ute Dilger, Verantwortliche für die Weltgebetstagsarbeit in der Landeskirche.

1
Worum geht es beim Weltgebetstag 2020 und seinem Motto «Steh auf! Nimm deine Matte und geh!»?

Das Motto stammt aus einer Heilungsgeschichte im Johannesevangelium. Jesus sagt diese Worte zu einer Person, die 38 Jahre lang krank war und vergeblich auf das heilende Wasser eines Teichs bei Jerusalem gehofft hat. Eigentlich sind sehr viele Menschen um die Person herum – die Anlage hat fünf Säulenhallen und wird Bethesda, «Haus der Gnade», genannt. Aber im Grunde ist die Person unendlich alleine und einem heftigen Konkurrenzkampf ausgesetzt, weil immer nur die Person, die es als erste ins Wasser schafft, geheilt wird. 
Jesus wendet sich ihr zu, sieht einen Menschen mit eigenem Willen und Würde und nicht nur ein Opfer und fragt: willst du gesund werden? Damit holt er den Menschen heraus aus seiner «Problemtrance», in die er über die Jahre gefallen ist und eröffnet neue Möglichkeiten. Im Grunde macht Jesus damit auch deutlich: Das ganze System hier ist krank – die Einsamkeit ist der Skandal und der größte Schmerz. Das, was die Krankheit schwer macht, ist der falsche Umgang damit.

2
Wie ist die Situation für Frauen in Simbabwe und wofür können Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau beten?

Den Frauen in Simbabwe ist in der Geschichte total wichtig, dass die geheilte Person ihre Matte mitnehmen soll. Das ist ein alltägliches Bild in Simbabwe: Viele Frauen tragen Bastmatten mit sich, weil sie meist auf dem Boden sitzen, viele schlafen nachts auch darauf. Dass die geheilte Person die Matte offen herumträgt, bedeutet für sie: Es wird nicht länger geschwiegen über die Last, die die Frauen alleine tragen. 
Sie werden in einem Land voller Hunger, Korruption und Gewalt allein für die Ernährung der Familien verantwortlich gemacht. Auch noch nach dem Sturz des Diktators Mugabe wird in Simbabwe weiterhin vieles unter den Teppich gefegt: Das Trauma durch das Massaker an den Ndebele in den 80er Jahren, Korruption, häusliche Gewalt, politische Gewalt, Betrug und Intrigen. Das geht nicht mehr, wenn der Teppich gleichsam aufgehoben wird. Alle sehen darin ein Zeichen der Veränderung. Es kann nicht mehr geschwiegen werden. 

3
Was für besondere Aktionen gibt es in diesem Jahr und welche Rolle kann die Weltgebetstags-Bewegung generell in der aktuellen Weltlage spielen?

Simbabwe ist bei Deutschland hoch verschuldet. Das Gesundheitssystem dort ist praktisch zusammengebrochen. Der Weltgebetstag in Deutschland sammelt Unterschriften, mit denen wir die Regierung in Deutschland auffordern, einen Teil der Schulden im Land zu lassen. Sie sollen dem internationalen Global Health Funds übergeben werden, der für eine transparente und fachgerechte Verteilung der Mittel sorgt. Wir hoffen, auf diese Weise vielen Frauen und Kindern, die besonders unter der fehlenden medizinischen Versorgung leiden, direkt helfen zu können. 
Ich bin immer erstaunt, wie treffsicher die Themen und Länder schon Jahre vorher vom Internationalen Komitee des Weltgebetstags ausgewählt werden. Im Moment ist es auch bei uns wichtig, dass wir gemeinsam aufstehen und uns für ein friedvolles Miteinander in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft einsetzen. Dabei denke ich u.a. an den Widerstand gegen Rassismus und Rechtsradikalismus in Hessen, gerade jetzt nach dem Anschlag in Hanau, und eben auch im Internet. Auch in Volkmarsen hilft es den Menschen, wenn sie jetzt nicht alleine gelassen werden nach dem Unglück am Montag. In Simbabwe nennen sie diesen Trost und die Kraft, die aus dem Zusammenhalt wächst «Ubuntu». Die Weltgebetsbewegung betet nicht für die Frauen auf der anderen Seite der Erde, sie betet mit ihnen. Die Frauen sind tief verbunden miteinander, das wächst über das Jahr immer mehr. Wer mitmacht, verändert sich, lebt im Bewusstsein, dass die Menschen «überm Meer» unsere Geschwister sind. Für mich ist das ein echter Lichtblick in einer Welt, wo alle nur an sich denken. Jesus will uns da rausholen: Steh auf, nimm deine Matte und geh los! 
Die Rolle des Weltgebetstags in der aktuellen Weltlage wird besonders 2021 deutlich: Da kommt der Weltgebetstag aus Vanuatu. Der kleine Inselstaat in den Weiten des Pazifik ist auf Platz 1 des Weltrisikoindex. Es wird als erstes mit seinem Untergang konfrontiert, wenn wir den Klimawandel nicht stoppen können. Das Thema dazu lautet «Build on a strong foundation» – auf Deutsch: Worauf bauen wir?

Name
  • Pfarrerin Ute Dilger
  • Fachreferentin für Weltgebetstagarbeit, Referat Erwachsenenbildung
  • (0561) 9378-216
  • ute.dilger@ekkw.de
  • Internetseite
  • Wilhelmshöher Allee 330
    34131 Kassel

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Ein Gebet wandert einmal um die Erde. Am Freitag wird in mehr als 120 Ländern der Weltgebetstag gefeiert. Dieses Jahr geht es um Simbabwe. Radio-Reporter Tobias Stübing stellt den Weltgebetstag vor:

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