Aktuell: Polizeiseelsorge-Konferenz in Hofgeismar diskutierte über Populismus

Hofgeismar (medio). Unter dem Eindruck der Gewalttaten in Hanau und Volkmarsen stand auch die jährliche Konferenz der Evangelischen Polizeipfarrerinnen und -pfarrer (KEPP) in Hofgeismar. Das Thema «Von der Faszination einfacher Antworten» um die Herausforderungen des Populismus stand schon seit Monaten fest, hatte aber gerade durch das mutmaßlich rassistische Verbrechen in Hanau ungeahnte Aktualität gewonnen.

Die Menschen, die das Recht und damit die Schwächeren schützten, brauchten besondere seelsorgerliche Begleitung, sagte Markus Dröge, mit Blick auf Polizistinnen und Polizisten. Der emeritierte Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte in Hofgeismar einen Vortrag über den Umgang der Kirche mit Populismus gehalten. Pastor Uwe Köster, Vorsitzender der Konferenz, ergänzte, dass viele Polizeibeamte eine Veränderung ihres Berufs und höhere Gefahren durch Terror und Gewalt verspürten. Das betreffe besonders die Älteren, die ihren Beruf noch unter anderen Prämissen gewählt hätten, erklärte Köster in einem Pressegespräch.

2020-03-06 30308

Klare Positionen gegen Extremismus
Polizeiseelsorge-Konferenz in Hofgeismar diskutierte über Populismus

Polizeiseelsorge-Konferenz in Hofgeismar diskutierte über Populismus
Tagte vom 2. bis 6. März 2020 in Hofgeismar: Die Konferenz der Evangelischen Polizeipfarrerinnen und –pfarrer (KEPP). (Foto: medio.tv/Schauderna)

Hofgeismar (medio). Unter dem Eindruck der Gewalttaten in Hanau und Volkmarsen stand auch die jährliche Konferenz der Evangelischen Polizeipfarrerinnen und -pfarrer (KEPP) in Hofgeismar. Das Thema «Von der Faszination einfacher Antworten» um die Herausforderungen des Populismus stand schon seit Monaten fest, hatte aber gerade durch das mutmaßlich rassistische Verbrechen in Hanau ungeahnte Aktualität gewonnen.

Die Menschen, die das Recht und damit die Schwächeren schützten, brauchten besondere seelsorgerliche Begleitung, sagte Markus Dröge, mit Blick auf Polizistinnen und Polizisten. Der emeritierte Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte in Hofgeismar einen Vortrag über den Umgang der Kirche mit Populismus gehalten. Pastor Uwe Köster, Vorsitzender der Konferenz, ergänzte, dass viele Polizeibeamte eine Veränderung ihres Berufs und höhere Gefahren durch Terror und Gewalt verspürten. Das betreffe besonders die Älteren, die ihren Beruf noch unter anderen Prämissen gewählt hätten, erklärte Köster in einem Pressegespräch.

Pressegespräch in Hofgeismar
Pressegespräch in Hofgeismar
V.l.: Pastor Uwe Köster (Vorsitzender der KEPP), Bischof em. Markus Dröge, Pfarrer Christian Fischer (Stv. Sprecher der EKKW) und Landespolizeipfarrer Werner Schiewek (EKvW) (Foto: medio.tv/Dellit)

Doch der Blick der Polizeiseelsorge-Konferenz richtete sich besonders auf polizeiinterne Herausforderungen durch den Populismus. Vielleicht, so Köster, seien hierarchische Organisationen wie die Polizei anfälliger für die Versuchung vermeintlich einfacher Lösungen. Hinzu komme, dass Polizistinnen und Polizisten naturgemäß eher mit den Schattenseiten des Lebens zu tun hätten und so möglicherweise ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit bekämen. «Wir müssen klar machen, wofür eine Organisation wie die Polizei steht», sagte der westfälische Landespolizeipfarrer Werner Schiewek und verwies auf Artikel 1 des Grundgesetzes, den Schutz und die Achtung der Menschenwürde. In Seelsorgegesprächen mit Polizeibeamten stoße er durchaus auch auf populistische Denkmuster, sagte Schiewek, doch insgesamt sei das «überraschend selten».

Die Kirche, so Altbischof Dröge, habe klare Positionen. In seiner Landeskirche gebe es Orte, wo die AfD 25 Prozent der Wählerstimmen geholt habe. Missstände würden dann beispielsweise Flüchtlingen angelastet, dort müsse die Kirche gegenhalten. Extreme Meinungen dürften nicht unwidersprochen bleiben, zugleich müsse klar sein, dass die Personen als solche ernst genommen würden. So wie in den Gemeinden, gelte das auch in der Polizei.

Die Polizeiseelsorger sehen ihre Aufgabe auch darin, Räume für offene Gespräche zu schaffen, in denen ohne Angst vor Konsequenzen diskutiert werden kann. «Wir wollen befördern, dass Polizisten eine Haltung entwickeln», sagte Köster. Wenn extremistische Meinungen innerhalb der Polizei auffielen, sei es wichtig, den Kollegen den Rücken zu stärken, den Fall bekannt zu machen und Aufklärung anzustoßen.

Lob gab es dafür, dass die Polizei vielerorts begonnen habe, sich selbst dem Thema zu stellen und Extremismus innerhalb der Organisation zu untersuchen. «Das ist verdammt schwierig, aber sie probieren es», sagte Werner Schiewek, der sich freuen würde, wenn diese Anstrengungen noch verstärkt würden. Uwe Köster ergänzte: «Ich glaube, die Polizei muss davoR keine Angst haben.»

Bundesweit gibt es nach Angaben der KEPP 50 bis 60 evangelische Polizeiseelsorger, hinzu kämen weitere im Nebenamt. Zur Jahrestagung in Hofgeismar vom 2. bis 6. März waren gut 30 Pfarrerinnen und Pfarrer angereist. Zum Programm gehörte auch ein Gottesdienst mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann und ein Empfang mit dem Hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU). (06.03.2020)


arrow_forward Linktipp:

Informationen zur Polizeiseelsorge in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck finden Sie im ekkw.de-Servicebreich: