Aktuell: Neues Ausbildungskonzept für den Pfarrberuf vorgestellt

Kassel (medio). «elementar und flexibel» – unter dieser Leitperspektive wird ab 1. September 2020 die Ausbildung zum Pfarrberuf in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck stehen. Das neue Konzept stellte die Landeskirche am Montag (9.3.) auf einem Studientag im Kasseler Haus der Kirche vor. 120 Vikarinnen und Vikare, Theologiestudierende, Pfarrerinnen, Dekane, Pröpstinnen, Leitungsverantwortliche im Haupt- und Ehrenamt, Lehrende an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie zahlreiche Ausbildungsverantwortliche anderer Landeskirchen waren der Einladung gefolgt, teilte die Landeskirche mit.

2020-03-10 30332

Elementar und Flexibel
Neues Ausbildungskonzept für den Pfarrberuf vorgestellt

Neues Ausbildungskonzept für den Pfarrberuf vorgestellt
Konzentrierte Arbeitsatmosphäre beim Studientag in Kassel, bei dem das neue Ausbildungskonzept vielen Interessierten vorgestellt wurde. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel (medio). «elementar und flexibel» – unter dieser Leitperspektive wird ab 1. September 2020 die Ausbildung zum Pfarrberuf in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck stehen. Das neue Konzept stellte die Landeskirche am Montag (9.3.) auf einem Studientag im Kasseler Haus der Kirche vor. 120 Vikarinnen und Vikare, Theologiestudierende, Pfarrerinnen, Dekane, Pröpstinnen, Leitungsverantwortliche im Haupt- und Ehrenamt, Lehrende an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie zahlreiche Ausbildungsverantwortliche anderer Landeskirchen waren der Einladung gefolgt, teilte die Landeskirche mit.

Konzentration auf Grundformen religiöser Kommunikation

Der Direktor des Evangelischen Studienseminars Hofgeismar, Prof. Dr. Lutz Friedrichs, und die für die theologische Ausbildung zuständige Referatsleiterin, Prof. Dr. Regina Sommer, erläuterten die Leitperspektive des neuen Ausbildungskonzepts für den Pfarrberuf. «Elementar» bedeute, dass das Vikariat sich auf drei Grundformen religiöser Kommunikation konzentriere: Gemeinschaftlich Feiern (z.B. in einem Taufgottesdienst), Helfen zum Leben (z.B. in einem sozialdiakonischen Stadtteilprojekt) und Lehren und Lernen (z.B. an einem Konfi-Tag). Mit der Fokussierung auf das Elementare wolle man erreichen, «dass Vikarinnen und Vikare später in ihrem Beruf genau das machen, was sie in ihrer Ausbildung erlebt haben: sich konzentrieren, Schwerpunkte setzen, sich mit anderen verständigen, da Pfarrerinnen und Pfarrer weder alles machen können noch sollen», so Friedrichs.

Ziel: Individuelle Schwerpunkte setzen und flexibel mit Anforderungen umgehen

Sommer führte aus, dass der Begriff «flexibel» für die offenen Phasen des Ausbildungswegs stehe, in denen Vikarinnen und Vikare individuell Schwerpunkte setzen könnten: «Nicht alle müssen die ganze Zeit das Gleiche machen.» «Flexibel» beinhalte aber auch, dass vermittelt werde, mit beruflichen Anforderungen flexibel umgehen zu können.

Gesprächsgruppen und Podiumsdiskussion bieten Impulse für konzeptionelle Weiterarbeit

Im Anschluss an die Vorstellung diskutierten die Studientagteilnehmenden unterschiedliche Perspektiven des Konzepts, z.B. «Gemeinschaftlich feiern», «Helfen zum Leben», «Interprofessionalität», «Erwachsenenbildung», «Vikariat – und dann?» sowie «elementar und flexibel aus Sicht der mittleren Ebene». Die Impulse für die konzeptionelle Weiterarbeit wurden gesammelt und in der abschließenden Podiumsdiskussion aufgegriffen.

Drei Fragen an...

... Prof. Dr. Lutz Friedrichs, Direktor des Evangelischen Studienseminars Hofgeismar. Die Fragen stellte Christian Küster, Onlineredakteur des Medienhauses der EKKW.

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Das neue Ausbildungsmodell unserer Landeskirche für den Pfarrberuf heißt «elementar und flexibel». Was genau ist daran elementar und was wird flexibel?

Prof. Dr. Lutz Friedrichs: Elementar meint: Das Vikariat konzentriert sich auf drei Grundformen religiöser Kommunikation: Gemeinschaftlich Feiern (z.B. in einem Taufgottesdienst), Helfen zum Leben (z.B. in einem sozialdiakonischen Stadtteilprojekt) und Lehren und Lernen (z.B. an einem Konfi-Tag).

Uns ist klar, dass es sehr viele andere Aufgaben gibt. Aber mit dieser Konzentration auf das Elementare möchten wir erreichen, dass Vikarinnen und Vikare später in ihrem Beruf genau das machen, was sie in ihrer Ausbildung erlebt haben: sich konzentrieren, Schwerpunkte setzen, sich mit anderen verständigen, da Pfarrerinnen und Pfarrer weder alles machen können noch sollen.

Flexibel bedeutet: Der Ausbildungsweg ist flexibel. Nicht alle müssen die ganze Zeit das Gleiche machen. Das neue Vikariat enthält offene Phasen, in denen Schwerpunkte individuell gesetzt werden können. Aber noch in einem anderen Sinn ist das neue Vikariat flexibel: Es bildet dazu aus, mit beruflichen Anforderungen flexibel umgehen zu können. Trotz dieser Flexibilität ist das Vikariat klar strukturiert.

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Im Vergleich zum bisherigen Vikariat ist das neue Modell kürzer, doch die beruflichen Herausforderungen an die zukünftigen Pfarrerinnen und Pfarrer steigen. Wie passt das zusammen?

Prof. Dr. Lutz Friedrichs: Wir gehen tatsächlich davon aus, dass die Aufgaben und Herausforderungen im Pfarrberuf steigen werden. Der gesellschaftliche Wandel hat einen Wandel von Kirche und Religion zur Folge. Wohin Kirche sich entwickeln wird, können wir heute noch gar nicht sagen. Unsere Grundfrage war: Woraufhin bilden wir Vikarinnen und Vikare heute aus? Unsere Antwort: Nicht auf feststehende Tätigkeiten und Aufgaben, sondern auf den Umgang mit Veränderung, auf das theologische Begleiten und Gestalten von Veränderungsprozessen.

Wir verlassen mit dem neuen Modell den Anspruch, in dieser Phase der Ausbildung müsse alles erlernt werden, was man für den Pfarrberuf braucht. Dadurch, dass wir uns auf Elementares konzentrieren und Transferdenken fördern, kann die Ausbildungszeit auch kürzer sein; wir sehen sie im Zusammenhang des berufslebenslangen Lernens (in der Fort- und Weiterbildung). Im neuen Vikariat geht es um das, was man braucht, um im Pfarrberuf gut starten zu können.

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Die Menschen kommunizieren und vernetzen sich immer mehr digital und auch Gemeindearbeit verlagert sich vermehrt in diesen Bereich. Wie bereitet das Studienseminar die zukünftigen Pfarrerinnen und Pfarrer darauf vor?

Prof. Dr. Lutz Friedrichs: Wir verstehen Digitalisierung als Kulturphänomen. Es geht nicht primär um das Technische, sondern um den Wandel von Arbeit, Lebensgefühl, aber auch Formen der Kommunikation, unter anderem werden partizipative Prozesse gefördert.

Vikarinnen und Vikare werden im neuen Vikariat mit einem e-Ausbildungsportfolio arbeiten. Das ist eine Art digitaler Begleiter und Kompass der Ausbildung: Werkstücke aus der Ausbildungszeit, Andachten oder Videoaufzeichnungen von Predigten werden dort eingestellt, in digitalen Ordnern gesammelt und reflektiert. Dieses Portfolio ist aber nicht nur ein Reflexionsmedium, sondern auch Medium des Teilens und Vernetzens: Eine Konfi-Einheit kann dort eingestellt und mit anderen «geteilt» und beraten werden. Das Ausbildungsportfolio ist zudem Basis für die Prüfungen, die aus Kolloquien zu den drei kommunikativen Grundformen und einem Essay mit pastoraltheologischem Schwerpunkt bestehen. Die digitale Portfolioarbeit ist nur ein Beispiel dafür, dass digitale Kommunikation in unterschiedlicher Weise ein fester Bestandteil der neuen Ausbildung wird.

(09.03.2020)

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Das Evangelische Studienseminar Hofgeismar - Protestant Seminary for Advanced Studies finden Sie im Internet unter:

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Kurzbeschreibung des Konzepts «elementar & flexibel» für die Ausbildung zum Pfarrberuf in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (Vikariat):