Aktuell: Evangelischen Akademie Hofgeismar im Gespräch über menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie

Hofgeismar (medio). Corona spült Missstände hoch, die seit Jahren bekannt sind, aber ignoriert werden. Die Evangelische Akademie Hofgeismar griff am 13. August in einer Online-Veranstaltung eines dieser Missstände auf: die menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie, teilte Christine Lang-Blieffert von der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelische Akademie Hofgeismar mit. Erst durch eine Masseninfektion mit Covid-19 in der Großschlachterei von Tönnies wurde der bundesdeutsche Blick auf das Leben und die Arbeit von Beschäftigten in der Fleischindustrie gelenkt. 
 
In der einstündigen Online-Veranstaltung in der Reihe «Was bewegt? Evangelische Akademie Hofgeismar online» fragte Studienleiterin Pfarrerin Christina Schnepel den katholischen Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich, der sich seit Jahren für bessere Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie im Münsterland engagiert, wie es zu dem Missstand kam.

Dieser wies darauf hin, dass früher auf Schlachthöfen und in Metzgereien durchaus gut entlohnt wurde. Durch die EU-Öffnung nach Osteuropa konnten billige Arbeitskräfte angeworben und ganze Stammbelegschaften ausgetauscht werden. Der Beruf des Metzgers, ein anspruchsvoller Ausbildungsberuf, sei durch die Fließbandarbeit des Zerteilens ersetzt worden. In der Folge musste jede 3. Metzgerei in den vergangenen zehn Jahren schließen. 

Lebensqualität werde mit großen Mengen Fleisch zu billigen Preisen gleichgesetzt. Das habe sich auch auf die Landwirtschaft ausgewirkt, so Kossen. Durch Massentierhaltung produziert Deutschland derzeit 120 Prozent des deutschen Bedarfs an Schweinefleisch und damit für den Export. Für Pfarrer Kossen steht fest: Es braucht eine EU-weite Regelung, ansonsten verlagert sich nur das Problem.Die Kirchen als Global Player müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden: Kirche sollte zeigen, dass es für Lebensqualität nicht immer die Dynamik des «immer mehr, immer weiter» brauche.  

Die nächste Online-Veranstaltung «Nutztier und Mitgeschöpf!» findet am 9. September 2020 von 19.00-20.00 Uhr statt. (01.09.2020)

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Online-Veranstaltung
Evangelischen Akademie Hofgeismar im Gespräch über menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie

Evangelischen Akademie Hofgeismar im Gespräch über menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie
Studienleiterin Pfarrerin Christina Schnepel mit dem katholischen Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich im Gespräch. (Bildschirmfoto)

Hofgeismar (medio). Corona spült Missstände hoch, die seit Jahren bekannt sind, aber ignoriert werden. Die Evangelische Akademie Hofgeismar griff am 13. August in einer Online-Veranstaltung eines dieser Missstände auf: die menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie, teilte Christine Lang-Blieffert von der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelische Akademie Hofgeismar mit. Erst durch eine Masseninfektion mit Covid-19 in der Großschlachterei von Tönnies wurde der bundesdeutsche Blick auf das Leben und die Arbeit von Beschäftigten in der Fleischindustrie gelenkt. 
 
In der einstündigen Online-Veranstaltung in der Reihe «Was bewegt? Evangelische Akademie Hofgeismar online» fragte Studienleiterin Pfarrerin Christina Schnepel den katholischen Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich, der sich seit Jahren für bessere Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie im Münsterland engagiert, wie es zu dem Missstand kam.

Dieser wies darauf hin, dass früher auf Schlachthöfen und in Metzgereien durchaus gut entlohnt wurde. Durch die EU-Öffnung nach Osteuropa konnten billige Arbeitskräfte angeworben und ganze Stammbelegschaften ausgetauscht werden. Der Beruf des Metzgers, ein anspruchsvoller Ausbildungsberuf, sei durch die Fließbandarbeit des Zerteilens ersetzt worden. In der Folge musste jede 3. Metzgerei in den vergangenen zehn Jahren schließen. 

Lebensqualität werde mit großen Mengen Fleisch zu billigen Preisen gleichgesetzt. Das habe sich auch auf die Landwirtschaft ausgewirkt, so Kossen. Durch Massentierhaltung produziert Deutschland derzeit 120 Prozent des deutschen Bedarfs an Schweinefleisch und damit für den Export. Für Pfarrer Kossen steht fest: Es braucht eine EU-weite Regelung, ansonsten verlagert sich nur das Problem.Die Kirchen als Global Player müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden: Kirche sollte zeigen, dass es für Lebensqualität nicht immer die Dynamik des «immer mehr, immer weiter» brauche.  

Die nächste Online-Veranstaltung «Nutztier und Mitgeschöpf!» findet am 9. September 2020 von 19.00-20.00 Uhr statt. (01.09.2020)


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