Aktuell: Gustav-Adolf-Werk in Kurhessen-Waldeck wird 175 Jahre alt

Hofgeismar (medio). Ein stolzes Jubiläum begeht das Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Kurhessen-Waldeck: Seit 175 Jahren kümmert sich das Werk um evangelische Christen in der Diaspora – weltweit und in der Heimat. Eine große Jubiläumsfeier gab es coronabedingt nicht, aber am Rande der Eröffnungsandacht der Vertreterversammlung des bundesweiten GAW in Hofgeismar wurde an den Anlass erinnert. Bischöfin Dr. Beate Hofmann erhielt dort das erste Exemplar der Festschrift zum 175-jährigen Bestehen.

Der kurhessische Hauptverein des GAW wurde am 12. Juni 1845 gegründet, nachdem es in den Jahren zuvor ähnliche Initiativen unter anderem in Leipzig und Darmstadt gegeben hatte. Das Ziel damals: Protestantischen Christen, die unter der Minderheitensituation litten oder gar verfolgt wurden, Hilfe zu leisten. Der Name bezieht sich auf den schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632), der im 30-jährigen Krieg den Protestanten zur Hilfe kam und einen Sieg des kaiserlich-katholischen Seite verhinderte.

Nach einer schwierigen Zeit, in der die Arbeit zeitweise untersagt war, stabilisierte der Kasseler Pfarrer August Wilhelm Ebert (1815-1888) die Arbeit des Vereins. Unter anderem richtete er sein Augenmerk auf eine Diasporagemeinde ganz in der Nähe: in Neuhof bei Fulda – in das katholische Gebiet zogen damals immer mehr Protestanten. Auch Gemeinden in Fulda, in der Rhön und in Fritzlar wurden unterstützt.

Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Frauenarbeit im Jahr 1857, die bis heute ein wichtiger Bestandteil der GAW-Arbeit ist.

Im so genannten 3. Reich, auch das macht die Festschrift deutlich, gab der GAV (Gustav-Adolf-Verein hieß das Werk damals noch) Huldigungsadressen an Hitler ab, der damalige GAV-Präsident Hans Gerber stand dem Regime nahe. Die Regierung forderte seinerzeit, nur noch deutschsprachige Gemeinden im Ausland zu unterstützen.

Nach dem 2. Weltkrieg waren Verbindungen zu vielen Gemeinden,  gerade in Osteuropa, ganz oder größtenteils gekappt. Der Fokus richtete sich wieder auf die eigene Landeskirche. Unter anderem erhielt die Gemeinde in Fulda 50.000 Mark für den Wiederaufbau der Christuskirche. Nach und nach wuchsen Verbindungen zu osteuropäischen Gemeinden wieder. Heute hilft das kurhessische GAW in vielen Ländern – mit Schwerpunkten in Osteuropa, Südamerika und Europa, aber auch in afrikanischen Ländern. Seit 2005 ist Pfarrerin Doris Krause Vorsitzende der GAW-Hauptgruppe Kurhessen Waldeck. Inge Rühl leitet seit 2015 die Frauenarbeit im GAW.

«Das Gustav-Adolf-Werk ist nicht ‚von vorgestern‘, sondern sehr modern aufgestellt. Sein Selbstverständnis und seine Praxis spiegeln die Veränderungen der letzten 175 Jahre wider. Aus einem eher ‚missionarischen‘ und paternalistischen Ansatz ist ein partnerschaftlicher, ‚missionaler‘ Ansatz geworden, der Verkündigung, Seelsorge und Diakonie, Spiritualität und Engagement als Einheit versteht», schreibt Bischöfin Hofmann in der Festschrift zum stolzen Jubiläum. (23.09.2020)

2020-09-23 31341

Ein stolzes Jubiläum
Gustav-Adolf-Werk in Kurhessen-Waldeck wird 175 Jahre alt

Gustav-Adolf-Werk in Kurhessen-Waldeck wird 175 Jahre alt
Mitgliederversammlung der GAW: Seit 175 Jahren kümmert sich das Werk um evangelische Christen in der Diaspora (Foto: medio.tv/Schauderna)

Hofgeismar (medio). Ein stolzes Jubiläum begeht das Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Kurhessen-Waldeck: Seit 175 Jahren kümmert sich das Werk um evangelische Christen in der Diaspora – weltweit und in der Heimat. Eine große Jubiläumsfeier gab es coronabedingt nicht, aber am Rande der Eröffnungsandacht der Vertreterversammlung des bundesweiten GAW in Hofgeismar wurde an den Anlass erinnert. Bischöfin Dr. Beate Hofmann erhielt dort das erste Exemplar der Festschrift zum 175-jährigen Bestehen.

Der kurhessische Hauptverein des GAW wurde am 12. Juni 1845 gegründet, nachdem es in den Jahren zuvor ähnliche Initiativen unter anderem in Leipzig und Darmstadt gegeben hatte. Das Ziel damals: Protestantischen Christen, die unter der Minderheitensituation litten oder gar verfolgt wurden, Hilfe zu leisten. Der Name bezieht sich auf den schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632), der im 30-jährigen Krieg den Protestanten zur Hilfe kam und einen Sieg des kaiserlich-katholischen Seite verhinderte.

Nach einer schwierigen Zeit, in der die Arbeit zeitweise untersagt war, stabilisierte der Kasseler Pfarrer August Wilhelm Ebert (1815-1888) die Arbeit des Vereins. Unter anderem richtete er sein Augenmerk auf eine Diasporagemeinde ganz in der Nähe: in Neuhof bei Fulda – in das katholische Gebiet zogen damals immer mehr Protestanten. Auch Gemeinden in Fulda, in der Rhön und in Fritzlar wurden unterstützt.

Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Frauenarbeit im Jahr 1857, die bis heute ein wichtiger Bestandteil der GAW-Arbeit ist.

Im so genannten 3. Reich, auch das macht die Festschrift deutlich, gab der GAV (Gustav-Adolf-Verein hieß das Werk damals noch) Huldigungsadressen an Hitler ab, der damalige GAV-Präsident Hans Gerber stand dem Regime nahe. Die Regierung forderte seinerzeit, nur noch deutschsprachige Gemeinden im Ausland zu unterstützen.

Nach dem 2. Weltkrieg waren Verbindungen zu vielen Gemeinden,  gerade in Osteuropa, ganz oder größtenteils gekappt. Der Fokus richtete sich wieder auf die eigene Landeskirche. Unter anderem erhielt die Gemeinde in Fulda 50.000 Mark für den Wiederaufbau der Christuskirche. Nach und nach wuchsen Verbindungen zu osteuropäischen Gemeinden wieder. Heute hilft das kurhessische GAW in vielen Ländern – mit Schwerpunkten in Osteuropa, Südamerika und Europa, aber auch in afrikanischen Ländern. Seit 2005 ist Pfarrerin Doris Krause Vorsitzende der GAW-Hauptgruppe Kurhessen Waldeck. Inge Rühl leitet seit 2015 die Frauenarbeit im GAW.

«Das Gustav-Adolf-Werk ist nicht ‚von vorgestern‘, sondern sehr modern aufgestellt. Sein Selbstverständnis und seine Praxis spiegeln die Veränderungen der letzten 175 Jahre wider. Aus einem eher ‚missionarischen‘ und paternalistischen Ansatz ist ein partnerschaftlicher, ‚missionaler‘ Ansatz geworden, der Verkündigung, Seelsorge und Diakonie, Spiritualität und Engagement als Einheit versteht», schreibt Bischöfin Hofmann in der Festschrift zum stolzen Jubiläum. (23.09.2020)