Aktuell: Sexuelle Gewalt gegen Kinder nimmt weiter zu

Berlin (epd). Sexualisierte Gewalt gegen Kinder hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sprachen am Mittwoch (26.5.) in Berlin von besorgniserregenden Zahlen, äußerten sich aber zurückhaltend, inwieweit die Einschränkungen der Corona-Pandemie für die Zunahme verantwortlich waren.

Am stärksten war der Anstieg mit 53 Prozent bei der sogenannten Kinderpornografie, also der Herstellung und Online-Verbreitung von Bildern und Filmen von sexueller Gewalt gegen Kinder. 2020 wurde laut der jährlichen Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik in 18.761 Fällen Anzeige erstattet, gegenüber 12.262 Fällen im Vorjahr.

Die Zahl der Missbrauchsopfer ist 2020 gegenüber 2019 ebenfalls gestiegen, um knapp 1.000 auf insgesamt 16.921 Kinder unter 14 Jahren. Damit setzt sich der Trend aus den Vorjahren fort. In der Kriminalstatistik werden nur die polizeilich ermittelten Fälle erfasst, das Dunkelfeld sei weit größer, erläuterte BKA-Präsident Münch.

Zu möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sagte Münch, man könne keinen direkten Zusammenhang zwischen den höheren Opfer- und Fallzahlen und der Pandemie herstellen. Die Einschränkungen während der Lockdowns könnten aber Täter begünstigen und es den Opfern noch schwerer machen, Hilfe zu bekommen. Internationale Untersuchungen zeigen einen deutlichen Anstieg der sexuellen Ausbeutung von Kindern online. Europol zufolge ist im ersten Corona-Lockdown der Konsum von Missbrauchsdarstellungen in Europa um 30 Prozent gestiegen. 

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig sagte, die Zahlen seien «unerträglich». Sie bedeuteten zehntausendfaches Leid, unbeschreiblichen Schmerz, Ohnmacht, Ekel und Angst. Er warnte, die Ermittler kämen insbesondere bei der Flut von Missbrauchsdarstellungen im Internet nicht nach und forderte eine massive Personalaufstockung bei Polizei und Justiz: «Hier ist ein Kipppunkt erreicht», warnte Rörig. Wegen Personalmangels könnten Durchsuchungen nicht ausgeführt, Datenträger nicht entschlüsselt, Akten nicht bearbeitet werden. (28.05.2021)

2021-08-25 33114

Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Sexuelle Gewalt gegen Kinder nimmt weiter zu

Sexuelle Gewalt gegen Kinder nimmt weiter zu
Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig (l.), und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, bei der Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer. (Foto: Christine Fenzl)

Berlin (epd). Sexualisierte Gewalt gegen Kinder hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sprachen am Mittwoch (26.5.) in Berlin von besorgniserregenden Zahlen, äußerten sich aber zurückhaltend, inwieweit die Einschränkungen der Corona-Pandemie für die Zunahme verantwortlich waren.

Am stärksten war der Anstieg mit 53 Prozent bei der sogenannten Kinderpornografie, also der Herstellung und Online-Verbreitung von Bildern und Filmen von sexueller Gewalt gegen Kinder. 2020 wurde laut der jährlichen Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik in 18.761 Fällen Anzeige erstattet, gegenüber 12.262 Fällen im Vorjahr.

Die Zahl der Missbrauchsopfer ist 2020 gegenüber 2019 ebenfalls gestiegen, um knapp 1.000 auf insgesamt 16.921 Kinder unter 14 Jahren. Damit setzt sich der Trend aus den Vorjahren fort. In der Kriminalstatistik werden nur die polizeilich ermittelten Fälle erfasst, das Dunkelfeld sei weit größer, erläuterte BKA-Präsident Münch.

Zu möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sagte Münch, man könne keinen direkten Zusammenhang zwischen den höheren Opfer- und Fallzahlen und der Pandemie herstellen. Die Einschränkungen während der Lockdowns könnten aber Täter begünstigen und es den Opfern noch schwerer machen, Hilfe zu bekommen. Internationale Untersuchungen zeigen einen deutlichen Anstieg der sexuellen Ausbeutung von Kindern online. Europol zufolge ist im ersten Corona-Lockdown der Konsum von Missbrauchsdarstellungen in Europa um 30 Prozent gestiegen. 

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig sagte, die Zahlen seien «unerträglich». Sie bedeuteten zehntausendfaches Leid, unbeschreiblichen Schmerz, Ohnmacht, Ekel und Angst. Er warnte, die Ermittler kämen insbesondere bei der Flut von Missbrauchsdarstellungen im Internet nicht nach und forderte eine massive Personalaufstockung bei Polizei und Justiz: «Hier ist ein Kipppunkt erreicht», warnte Rörig. Wegen Personalmangels könnten Durchsuchungen nicht ausgeführt, Datenträger nicht entschlüsselt, Akten nicht bearbeitet werden. (28.05.2021)


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Weitere Informationen zu den Zahlen kindlicher Gewaltopfer und der Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik finden Sie unter:

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