Aktuell: Appelle und Gebet zur Lage der Flüchtlinge an der belarussisch-polnischen Grenze

Hannover/Berlin (medio). Angesichts der wachsenden Not tausender Menschen im polnisch-belarussischen Grenzgebiet und der Zuspitzung des politischen Konflikts rufen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Arbeitsgruppe «Christliche Vision» des Koordinierungsrates für Belarus sowie kirchliche Hilfswerke der evangelischen Kirche alle politisch Verantwortlichen auf, unverzüglich humanitäre Hilfe zu ermöglichen, geltendes Recht einzuhalten und Menschen nicht zum Spielball von Politik zu machen.

Gemeinsamer Appell von EKD und der Arbeitsgruppe «Christliche Vision» 

«Das Vorgehen des belarussischen Machthabers ist kriminell und zynisch. Doch der politische Kampf um Fernsehbilder und Deutungshoheit verdeckt das Leid von tausenden Männern, Frauen und Kindern. Sie sind zwischen die Fronten geraten und brauchen dringend Hilfe. Sie benötigen Schutz und sie haben Rechte», sagte EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. «Menschen sind keine Waffen. Europa sollte daher auf die Erpressungsversuche nicht reagieren, indem es selbst Recht und Humanität über Bord wirft. Als Christinnen und Christen glauben wir an den, der dorthin gegangen ist, wo Menschen schutzlos und in Not sind: in der Kälte, im Schlamm, zwischen Stacheldraht. Deswegen können wir als Kirche angesichts dieser Not nicht schweigen. Die Staaten der Europäischen Union müssen die Menschen unverzüglich aufnehmen, denn der Winter ist bereits da und ihnen droht der Tod durch Erfrieren», so die Auslandsbischöfin in einer EKD-Mitteilung.

Natallia Vasilevich, Theologin und Sprecherin der Arbeitsgruppe «Christliche Vision» des Koordinierungsrates für Belarus betont: «Die Frage im Gleichnis vom barmherzigen Samariter – Wer ist mein Nächster? – ist keine Frage von Alternativen. Es ist wichtig, alle Gruppen und Einzelpersonen zu sehen, die unter der Ungerechtigkeit und den Manipulationen des diktatorischen Regimes leiden: sei es die belarussische Bevölkerung oder diejenigen, die das Land nur durchreisen. Sie alle sind Menschen. Ob als Migranten im Schlamm, als politische Gefangene, die gefoltert werden, oder auch das medizinische Personal, das unter der Corona-Leugnung des Regimes leidet: Sie alle sind Menschen in Belarus, die unter Bedrohung und enormem Druck zu überleben versuchen. Sie alle sind unsere Nächsten, brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, den Schutz ihrer Menschenwürde und ihrer Rechte.»

Der vollstädige Appell ist auf den Internetseiten der EKD unter www.ekd.de/appell-belarus zu finden.

2021-11-19 34148

EKD, Diakonie, Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt
Appelle und Gebet zur Lage der Flüchtlinge an der belarussisch-polnischen Grenze

Appelle und Gebet zur Lage der Flüchtlinge an der belarussisch-polnischen Grenze
Unser Foto zeigt ein Sharepic der EKD-Menschenrechtsinitiative «#freiundgleich» aus dem Sozialen Netzwerk Facebook, mit dem das Gebet der Referentin für Menschenrechte, Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Sabine Dreßler, geteilt werden kann. (Quelle: facebook.com/initiativefreiundgleich)

Hannover/Berlin (medio). Angesichts der wachsenden Not tausender Menschen im polnisch-belarussischen Grenzgebiet und der Zuspitzung des politischen Konflikts rufen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Arbeitsgruppe «Christliche Vision» des Koordinierungsrates für Belarus sowie kirchliche Hilfswerke der evangelischen Kirche alle politisch Verantwortlichen auf, unverzüglich humanitäre Hilfe zu ermöglichen, geltendes Recht einzuhalten und Menschen nicht zum Spielball von Politik zu machen.

Gemeinsamer Appell von EKD und der Arbeitsgruppe «Christliche Vision» 

«Das Vorgehen des belarussischen Machthabers ist kriminell und zynisch. Doch der politische Kampf um Fernsehbilder und Deutungshoheit verdeckt das Leid von tausenden Männern, Frauen und Kindern. Sie sind zwischen die Fronten geraten und brauchen dringend Hilfe. Sie benötigen Schutz und sie haben Rechte», sagte EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. «Menschen sind keine Waffen. Europa sollte daher auf die Erpressungsversuche nicht reagieren, indem es selbst Recht und Humanität über Bord wirft. Als Christinnen und Christen glauben wir an den, der dorthin gegangen ist, wo Menschen schutzlos und in Not sind: in der Kälte, im Schlamm, zwischen Stacheldraht. Deswegen können wir als Kirche angesichts dieser Not nicht schweigen. Die Staaten der Europäischen Union müssen die Menschen unverzüglich aufnehmen, denn der Winter ist bereits da und ihnen droht der Tod durch Erfrieren», so die Auslandsbischöfin in einer EKD-Mitteilung.

Natallia Vasilevich, Theologin und Sprecherin der Arbeitsgruppe «Christliche Vision» des Koordinierungsrates für Belarus betont: «Die Frage im Gleichnis vom barmherzigen Samariter – Wer ist mein Nächster? – ist keine Frage von Alternativen. Es ist wichtig, alle Gruppen und Einzelpersonen zu sehen, die unter der Ungerechtigkeit und den Manipulationen des diktatorischen Regimes leiden: sei es die belarussische Bevölkerung oder diejenigen, die das Land nur durchreisen. Sie alle sind Menschen. Ob als Migranten im Schlamm, als politische Gefangene, die gefoltert werden, oder auch das medizinische Personal, das unter der Corona-Leugnung des Regimes leidet: Sie alle sind Menschen in Belarus, die unter Bedrohung und enormem Druck zu überleben versuchen. Sie alle sind unsere Nächsten, brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, den Schutz ihrer Menschenwürde und ihrer Rechte.»

Der vollstädige Appell ist auf den Internetseiten der EKD unter www.ekd.de/appell-belarus zu finden.

«Gebet für die im Grenzland»

Die Referentin für Menschenrechte, Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Sabine Dreßler, hat ein «Gebet für die im Grenzland» formuliert. Die Konferenz für Migration, Integration, Flucht und Asyl in der Evangelischen Kirche in Deutschland (KMIFA) bittet darum, das Gebet mit Autorinnennennung in den Sozialen Netzwerken zu teilen und in anderen Publikationen, wie z.B. Gemeindebriefen, abzudrucken. 
 
Jeden, aber auch jeden Halm der Hoffnung hätte ich ergriffen,
um dem Elend, der Folter zu entkommen.
Und in dieser Hoffnung auch jedem vertraut,
der mir ein anderes Leben versprochen hätte,
nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Jeder Halm der Hoffnung wäre mir recht gewesen,
weil ich noch nicht hätte sterben wollen,
weil ich glaube, dass da noch was kommt
und dass auch ich ein Recht hätte, auf der Welt zu sein.
Macht es mich zu einem schlechten Menschen, des Lebens nicht wert,
weil ich zum Spielball der Mächtigen geworden bin?
Wäre es so falsch, Gott, dass ich die Hoffnung nicht aufgebe?
Hätte ich Dich so missverstanden, als Du mich ins Leben gehaucht
und mich segnetest für die Zukunft?
 
Gott, wenn, dann weißt Du, was ich getan hätte.
Aber ich muss nicht im Grenzland ums nackte Leben kämpfen,
ich ahne nur, wie kalt es dort ist
und wie weh der Stacheldraht den bloßen Händen tut.
Bitte, Gott, lass uns nicht zu Komplizen von Menschenschändern werden,
die das Recht brechen und verlachen.
Die da draußen brauchen Dich und Deine Nähe, um die Nacht zu überleben.
Sie brauchen Menschen, die ihnen Brot und Liebe bringen
und solche, die sie herausholen und hereinlassen.
Gott, segne Du, was gut und recht ist.
Amen

(Text: Sabine Dreßler)

Appell von Diakonie, Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt

Auch die kirchlichen Hilfswerke Diakonie, Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt appellieren an die Europäische Union und Belarus, sofort und mit aller Kraft eine Lösung der humanitären Krise voranzutreiben. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe sagte: «Die humanitäre Lage der Flüchtlinge an der belarussisch-polnischen Grenze ist verzweifelt. Wir rufen alle staatlichen Akteure dazu auf, sich eindringlich zu vergegenwärtigen, dass es sich hier um Männer, Frauen und Kinder handelt!» Die EU müsse darauf drängen, dass an der europäischen Außengrenze die Genfer Flüchtlingskonvention eingehalten und Menschen Zugang zu einem fairen Asylverfahren gewährt werde, so Pruin weiter. Zudem müssten alle diplomatischen Wege genutzt werden, damit die politische Situation in Polen und der EU nicht eskaliere.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sagte: «Die menschenverachtende Politik des belarussischen Machthabers macht einmal mehr deutlich, wie dringend die Europäische Union ein schlüssiges Konzept für Asyl und Migration braucht.» Noch immer wüssten die europäischen Länder nicht, wie sie mit Flüchtlingen in akuten Notsituationen umgehen sollen. Es könne aber nicht sein, dass die Schwächsten als Geiseln genommen werden und ihr Leid politisch missbraucht wird, so Lilie. (19.11.2021)


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Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite «Menschen wie wir» der Evangelischen Landeskirchen und der Diakonie in Hessen: