Aktuell: Hanau feiert 425 Jahre Neustadt und Wallonisch-Niederländische Kirche Hanau

Hanau (medio). Über 200 Menschen kamen zum Auftaktgottesdienst 425 Jahre Hanauer Neustadt in die Marienkirche, der zugleich der Abschiedsgottesdienst für Kantor Christian Mause nach 26jähriger Tätigkeit in Hanau war. Den festlichen Rahmen setze die Kantorei durch Pauken und Trompeten begleitet mit den Chorpassagen «Stimmt an die Saiten» und «Die Himmel erzählen die Ehre Gottes» aus Haydns Schöpfung. Pfarrerin Katrin Kautz und Pfarrer Horst Rühl führten durch den Gottesdienst mit dem zugleich die Predigtreihe «Mensch! Bild Gottes!» eröffnet wurde. Nach dem Gottesdienst schloss sich ein Nachtprogramm in der Kirche mit Führungen durch Gruft, Kirche und Orgel an. Anschließend konnten Interessierte noch an einer Nachtwächterführung von der Altstadt in die Neustadt teilnehmen.

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Umfangreiches Programm mit vielfältigen Veranstaltungen
Hanau feiert 425 Jahre Neustadt und Wallonisch-Niederländische Kirche Hanau

Hanau feiert 425 Jahre Neustadt und Wallonisch-Niederländische Kirche Hanau
(Grafik: Christian Fischer)

Hanau (medio). Über 200 Menschen kamen zum Auftaktgottesdienst 425 Jahre Hanauer Neustadt in die Marienkirche, der zugleich der Abschiedsgottesdienst für Kantor Christian Mause nach 26jähriger Tätigkeit in Hanau war. Den festlichen Rahmen setze die Kantorei durch Pauken und Trompeten begleitet mit den Chorpassagen «Stimmt an die Saiten» und «Die Himmel erzählen die Ehre Gottes» aus Haydns Schöpfung. Pfarrerin Katrin Kautz und Pfarrer Horst Rühl führten durch den Gottesdienst mit dem zugleich die Predigtreihe «Mensch! Bild Gottes!» eröffnet wurde. Nach dem Gottesdienst schloss sich ein Nachtprogramm in der Kirche mit Führungen durch Gruft, Kirche und Orgel an. Anschließend konnten Interessierte noch an einer Nachtwächterführung von der Altstadt in die Neustadt teilnehmen.

Das wird gefeiert:

Vor 425 Jahren wurde die Hanauer Neustadt durch wallonische und niederländische Glaubensflüchtlinge gegründet. Das Ereignis, die Vielfalt und Diversität in Hanau feiert die evangelische Kirche mit einem unfangreichen Programm über den ganzen Sommer. Denn bis heute zeichnet das Stadtbild von Hanau aus, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen dort eine Heimat finden.

«Das Jubiläum der Neustadt ist ein guter Grund diese Vielfalt und Diversität der Stadtgesellschaft zu feiern und zugleich an einer Weiterentwicklung einer inklusiven Stadt mitzuwirken», erklärt Pfarrer Horst Rühl, der für die Planung und Durchführung der Aktivitäten seitens der Landeskirche gewonnen und beauftragt wurde. «Teilhabe und Mitgestaltung sind keine Ziele, die am Stadtrand von Hanau enden. Sie haben damals in die ganze Grafschaft gewirkt, die sich auch ein ganzes Stück des Kinzigtals nach Nordosten und bis nach Münzenberg erstreckte.» Hanau feiern heiße somit, gezielt in die Zukunft zu schauen. Das hat sich die Evangelische Kirche zum Ziel gesetzt und lädt unter dem Motto: «Vielfalt voll normal – und siehe, es war sehr gut!»  Hanau als inklusive Stadt zu feiern ein.

Geplant ist ein vielfältiges Programm über den Sommer 2022. So findet am 5.06. ein Festkonzert mit Haydens Schöpfung in der Christuskirche statt. Am Pfingstmontag wir eine Tafel der Vielfalt zwischen Altstadt und Neustadt aufgebaut. Außerdem stehen auf dem Programm ein interreligiöser Stadtrundgang, politische Abendgebete und ein Fest der Religionen. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am 2.10. mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann in der Marienkirche in Hanau. Das komplette Programm finden Sie im Linktipp.

Hintergrund

Mit der Capitulation des Grafen Philipp Ludwig II. wurde 1597 die Gründung der Neustadt und die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge möglich. So sind die Menschen von damals und ihre Nachkommen heute, die zu einem Teil weiterhin der Wallonisch-Niederländischen-Gemeinde angehören, dem Neustadtgründer sehr verbunden. Sie führen als damalige Wallonische - und Niederländische - Gemeinde ihre Gründung auf eben diese Tatsache zurück, dass sie diese Neustadt erbauten und frei ihre reformierten Gottesdienste feiern konnten. Kurz zuvor hatte der junge Graf das reformierte Bekenntnis in seiner Grafschaft und somit auch an der Hanauer Marienkirche eingeführt. Somit ist die Marienkirche in der Altstadt nicht nur schon seit 1523 die erste Kirche der Reformation in der gesamten Grafschaft, sondern auch die erste reformierte Kirche nach Calvinistischem Bekenntnis. Dieses war dem Grafen durch seine Erziehung ans Herz gewachsen. Graf Philipp-Ludwig II. liegt – leider schon 1612 verstorben – bis heute in der Gruft der Hanauer Marienkirche bestattet. Sein Engagement für die Glaubensflüchtlinge schlägt bis heute eine Brücke aus der Altstadt zur Neustadt. Zur Stadtentwicklung gehören auch die Neuansiedlung von jüdischen Menschen ab 1603 in der heutigen Nordstraße, der Zuzug von Menschen römisch-katholischen Glaubens in der Neuzeit sowie die geflohenen Menschen nach dem 2. Weltkrieg. Der Zuzug von Menschen auf Arbeitssuche zuerst aus den Ländern Südeuropas und dann aus der Türkei hat das Stadtbild erneut verändert. Aktuell zwingen Armut, Hunger, Verfolgung und Kriegswirren immer wieder Menschen aus dem arabischen Kontext und aktuell aus der Ukraine zum Verlassen ihrer Heimat. Auch sie gehören inzwischen zum Stadtbild. Hanau ist über die Jahrhunderte zu einer bunten Stadt mit vielen Menschen unterschiedlicher Geschichten und Kulturen geworden. (24.05.2022)


arrow_forward Linktipp:

Das Programm und weitere Informationen rund um die Feierlichkeiten zu 425 Jahre Neustadt Hanau finden Sie hier:

radio Internetradio:

Die Gruft des Hanauer Grafen Philipp Ludwig des Zweiten und seiner Verwandten wird am Samstag, den 21.05.2022 im Rahmen des Jubiläums 425 Jahre Neustadt geöffnet. Wie es unter der der Marienkirche aussieht, verrät Pfarrer Horst Rühl. medio-Reporter Siegfried Krückeberg hat mit ihm gesprochen.