Aktuell: Veränderungen im Posaunenwerk: Kein Vorsitzender mehr, Posaunenrat bleibt bestehen

Kassel (medio). Sie sind viele und sie sind unüberhörbar: Gut 4.000 Menschen gehören einem der 250 Posaunenchöre der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) an. Organisiert sind sie im Posaunenwerk. Dort stehen, wie in der gesamten Kirchenmusik, Veränderungen an.

Sichtbar wird das am Abschied von Pfarrer Jörg Scheer aus dem Amt des Vorsitzenden Mitte Oktober. Diese ehrenamtliche Position wird es dann nicht mehr geben, stattdessen führt Andreas Jahn als neuer Fachbereichsleiter diese Einrichtung der Landeskirche. Er ist Landesposaunenwart und hatte sich auf die neue Position beworben. Bisher war der Vorsitzende auch Vorgesetzter der Chorleiter und -leiterinnen. Durch die neue Organisation im Referat Kirchenmusik hätte es sonst eine Doppelstruktur gegeben, erläutert Jahn.

Das Posaunenwerk selbst bleibt bestehen, auch den ehrenamtlichen Landesposaunenrat wird es weiterhin geben. Das ehrenamtliche Gremium wird von Vertretungen aller 250 Posaunenchöre der EKKW gewählt und hat als Stimme der Basis beratende Aufgaben. 

Die Leiter und Leiterinnen der Posaunenchöre sind in aller Regel nebenberuflich bei den Kirchengemeinden eingestellt. Drei Landesposaunenwarte besuchen die Chöre, beraten sie und bilden fort, organisieren aber auch gemeinsame Gottesdienste und Jubiläen. Dazu gibt es drei Bezirke: Sie werden von Marshall Lamohr (Süd), Philipp Schütz (Mitte) und Andrea Jahn (Nord) betreut.

2022-09-26 36180

Sie bleiben unüberhörbar
Veränderungen im Posaunenwerk: Kein Vorsitzender mehr, Posaunenrat bleibt bestehen

Veränderungen im Posaunenwerk: Kein Vorsitzender mehr, Posaunenrat bleibt bestehen
Aus dem Gemeindeleben kaum wegzudenken: Die Posaunenchöre in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Unser Foto aus dem Jahr 2016 zeigt den Posaunenchor Niedervellmar. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel (medio). Sie sind viele und sie sind unüberhörbar: Gut 4.000 Menschen gehören einem der 250 Posaunenchöre der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) an. Organisiert sind sie im Posaunenwerk. Dort stehen, wie in der gesamten Kirchenmusik, Veränderungen an.

Sichtbar wird das am Abschied von Pfarrer Jörg Scheer aus dem Amt des Vorsitzenden Mitte Oktober. Diese ehrenamtliche Position wird es dann nicht mehr geben, stattdessen führt Andreas Jahn als neuer Fachbereichsleiter diese Einrichtung der Landeskirche. Er ist Landesposaunenwart und hatte sich auf die neue Position beworben. Bisher war der Vorsitzende auch Vorgesetzter der Chorleiter und -leiterinnen. Durch die neue Organisation im Referat Kirchenmusik hätte es sonst eine Doppelstruktur gegeben, erläutert Jahn.

Das Posaunenwerk selbst bleibt bestehen, auch den ehrenamtlichen Landesposaunenrat wird es weiterhin geben. Das ehrenamtliche Gremium wird von Vertretungen aller 250 Posaunenchöre der EKKW gewählt und hat als Stimme der Basis beratende Aufgaben. 

Die Leiter und Leiterinnen der Posaunenchöre sind in aller Regel nebenberuflich bei den Kirchengemeinden eingestellt. Drei Landesposaunenwarte besuchen die Chöre, beraten sie und bilden fort, organisieren aber auch gemeinsame Gottesdienste und Jubiläen. Dazu gibt es drei Bezirke: Sie werden von Marshall Lamohr (Süd), Philipp Schütz (Mitte) und Andrea Jahn (Nord) betreut.

Unser Foto zeigt Pfarrer Jörg Scheer, der im Oktober aus dem Amt des Vorsitzenden des Posaunenwerks verabschiedet wird. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Verabschiedung in Bad Hersfeld

Am 15. Oktober 2022 um 17 Uhr wird Pfarrer Jörg Scheer in einem Festgottesdienst in der Bad Hersfelder Stadtkirche aus seinem Amt als Vorsitzender des Posaunenwerks der EKKW verabschiedet. Er bekleidete dieses Amt seit März 2008. Als Vorsitzender des Posaunenwerks vertrat Jörg Scheer das Posaunenwerk in der Öffentlichkeit und innerhalb der Landeskirche und leitete den Landesposaunenrat. Diese nebenamtliche, später ehrenamtliche Tätigkeit übte er neben seiner Pfarrstelle in Friedlos und, seit November 2020, an der Christuskirche Fulda aus. In dem Gottesdienst wird auch Philip Schütz als Landesposaunenwart für den Bereich Mitte eingeführt. 

Landesposaunenwart Andreas Jahn wird zukünftig als Fachbereichsleiter im Referat Kirchenmusik für die Posaunenarbeit zuständig sein. Unser Archiv-Foto zeigt ihn bei einem Konzert in der Marburger Elisabethkirche. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Die Posaunenwarte seien dicht an der Basis, sagt Jahn: «Wir wissen viel von den Chören.» In jüngster Zeit hat dort, wie fast überall, die Pandemie ihre Spuren hinterlassen: «Die Corona-Krise hat uns sehr gebeutelt.» Die Mitgliedszahlen seien rückläufig. Kinder und Jugendliche suchten sich eher andere Hobbys. Ältere Bläser und Bläserinnen hätten oft mehr Angst vor einer Ansteckung und seien weggeblieben. Einige, die vielleicht ohnehin ans Aufhören gedacht hätten, kämen nicht mehr zurück. 

Diese Probleme kennt der scheidende Vorsitzende Jörg Scheer genau. Daher sei es umso wichtiger, dass die Posaunenchöre attraktiv blieben oder würden. In manchen Chören gebe es eine gewisse Selbstzufriedenheit, wenn es jahrelang gut funktioniert habe. Das könne dazu führen, dass sich neue Mitglieder mit neuen Ideen nicht willkommen fühlten und zu hören bekämen: «Aber das haben wir schon immer so gemacht.» Das gelte allerdings längst nicht für alle Posaunenchöre, hebt Scheer hervor. Bei der Frage nach dem Repertoire sieht er keinen Nachholbedarf: «Musikalisch sind wir am Puls der Zeit.» 

Jörg Scheer hatte ursprünglich einen 25-Prozent-Anteil seiner Pfarrstelle für die Posaunenarbeit zur Verfügung, seit 2020 war der Vorsitz ein Ehrenamt. Zwar könnte eine Zentralisierung, wie sie jetzt geschehe, auch Nachteile bringen, aber grundsätzlich sagt Scheer: «Wir gehören dazu, also gehören wir auch in die Strukturen.» Früher habe das Posaunenwerk gefühlt manchmal eher am Rand gestanden, das ändere sich nun. 

Bei allen strukturellen Veränderungen bleibt die Begeisterung für die Posaunenarbeit. Jeder und jede könne kommen, sagt Scheer, und man brauche nicht viel Geld, weil die Instrumente in aller Regel ausgeliehen werden könnten. Im Posaunenchor übe man «gegenseitige Verantwortung», denn wenn einer nicht komme, fehle er deutlich hörbar. Die Gemeinschaft in den Posaunenchören ist auch für Andreas Jahn besonders wichtig. Gemeinsam schöne Musik zu machen, das sei etwas Tolles. Zugleich sei gerade diese Art von Musik auch sehr persönlich, denn – ähnlich wie beim Singen – mache eigentlich der Körper die Musik: «Das hat ganz viel mit mir selbst zu tun.» 

Pfarrer Scheer fast die Posaunenarbeit so zusammen: «niedrigschwellig, ohne niveaulos zu sein».

Stichwort: Posaunenchorbewegung

Posaunenchöre sind ein typisch evangelisches Phänomen. Als Gründer der Posaunenchorbewegung gelten Johannes Kuhlo (1856-1941) und sein Vater Eduard (1822-1891). Kuhlo habe erkannt, dass Menschen sich über die Posaunenchöre sehr mit ihrer Kirche identifizierten, sagt Andreas Jahn. Bundesweit sei die grundlegende Literatur, also die Noten, für Bläser und Bläserinnen weitgehend gleich, sodass man problemlos überall in Deutschland mitspielen könne. Doch der auch «Posaunengeneral» genannte Johannes Kuhlo ist eine höchst problematische Figur, wie Jahn erläutert, denn er sei überzeugter Nationalsozialist gewesen. Eine Konsequenz sei, dass die Kuhlo-Medaille mit dessen Antlitz seit einigen Jahren nicht mehr verliehen werde.  

(26.09.2022, Text: Olaf Dellit)


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