Aktuell: Elf Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge

Langenselbold (medio). Ein Notruf: Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei rücken aus. Die Profis retten, bergen und behandeln. Doch bei einem Unglück wird oft auch die Seele angegriffen. In Kurhessen-Waldeck gibt es daher seit 2002 flächendeckend die Notfallseelsorge – in einigen Kirchenkreisen sogar schon seit 25 Jahren. Rund um die Uhr sind ein Pfarrer oder eine Pfarrerin bei Notlagen erreichbar. Sie betreuen Verletzte und Hinterbliebene, hören zu und schweigen mit. Sie sind auch dabei, wenn Todesnachrichten überbracht werden und bleiben bei den Angehörigen, wenn diese das wünschen. 

Zum zweiten Mal treten jetzt in Kurhessen-Waldeck auch Ehrenamtliche diesen Dienst an, für elf Männer und Frauen wird am Sonntag (6.11.) in Langenselbold ein Entsendungsgottesdienst gefeiert. Ein Grund für das ehrenamtliche Engagement ist, dass es im Pfarramt ein Nachwuchsproblem gibt. Das Interesse an der Ehrenamts-Ausbildung sei groß, berichtet Landespolizeipfarrer Ulrich Briesewitz, der für die Notfallseelsorge zuständig ist. Viele Interessierte kämen aus sozialen Berufen und fühlten sich der Kirche verbunden. 

Einer von ihnen ist Magnus Böhm. Er geht als Polizeibeamter bald in den Ruhestand und hat im Beruf schon schwere Situationen erlebt. Böhm erinnert sich an einen schweren Unfall mit fünf Todesopfern, nach dem die Polizei die Eltern informieren musste. Notfallseelsorge gab es damals noch nicht. «Das war für mich eine harte Situation», sagt er. Nun will er selbst helfen.

Fortbildung in 80 Unterrichtseinheiten, Hospitation und Kolloquium

Hinter Böhm und den anderen liegen 80 Unterrichtseinheiten, in denen es beispielsweise um Suizidgefährdung und um Trauer bei Kindern ging, aber auch die Abläufe der Rettungskette erklärt wurden.  Danach gab es eine Hospitationsphase, in der die Ehrenamtlichen erfahrene Notfallseelsorger und -seelsorgerinnen eine Zeit lang begleiteten. Mit einem Kolloquium und dem Gottesdienst endet die Fortbildung, nun können sich die Neuen in die Dienstpläne der Notfallseelsorge eintragen lassen. 

Nächster Kurs beginnt im Dezember

Polizeipfarrer Briesewitz freut sich, dass die Nachfrage nach dem Ehrenamt so groß ist, dass bereits im Dezember der nächste Kurs beginnt. Für die Aufgabe seien psychische und physische Stabilität wichtig, schon alleine wenn es darum geht, mitten in der Nacht aufzustehen und zum Einsatzort zu fahren. Er nennt auch «Menschen- und Nächstenliebe» als wichtige Eigenschaften und die Fähigkeit, schwierige Situationen und Stille aushalten zu können. 

Stephanie Wolf hat für sich festgestellt, dass sie diese Voraussetzungen erfüllt. «Gerade beim Thema Trauer und Tod braucht es Menschen, die einem Halt geben», sagt die Grundschullehrerin und beschreibt ihr Anliegen so: «Ich möchte da sein und da unterstützen, wo es für andere ganz schwer wird und wo eigentlich die Worte fehlen.» (03.11.2022, Text: Olaf Dellit/Siegfried Krückeberg) 

2022-11-03 36337

Entsendungsgottesdienst in Langenselbold
Elf Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge

Elf Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge
(Foto: Grützner)

Langenselbold (medio). Ein Notruf: Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei rücken aus. Die Profis retten, bergen und behandeln. Doch bei einem Unglück wird oft auch die Seele angegriffen. In Kurhessen-Waldeck gibt es daher seit 2002 flächendeckend die Notfallseelsorge – in einigen Kirchenkreisen sogar schon seit 25 Jahren. Rund um die Uhr sind ein Pfarrer oder eine Pfarrerin bei Notlagen erreichbar. Sie betreuen Verletzte und Hinterbliebene, hören zu und schweigen mit. Sie sind auch dabei, wenn Todesnachrichten überbracht werden und bleiben bei den Angehörigen, wenn diese das wünschen. 

Zum zweiten Mal treten jetzt in Kurhessen-Waldeck auch Ehrenamtliche diesen Dienst an, für elf Männer und Frauen wird am Sonntag (6.11.) in Langenselbold ein Entsendungsgottesdienst gefeiert. Ein Grund für das ehrenamtliche Engagement ist, dass es im Pfarramt ein Nachwuchsproblem gibt. Das Interesse an der Ehrenamts-Ausbildung sei groß, berichtet Landespolizeipfarrer Ulrich Briesewitz, der für die Notfallseelsorge zuständig ist. Viele Interessierte kämen aus sozialen Berufen und fühlten sich der Kirche verbunden. 

Einer von ihnen ist Magnus Böhm. Er geht als Polizeibeamter bald in den Ruhestand und hat im Beruf schon schwere Situationen erlebt. Böhm erinnert sich an einen schweren Unfall mit fünf Todesopfern, nach dem die Polizei die Eltern informieren musste. Notfallseelsorge gab es damals noch nicht. «Das war für mich eine harte Situation», sagt er. Nun will er selbst helfen.

Fortbildung in 80 Unterrichtseinheiten, Hospitation und Kolloquium

Hinter Böhm und den anderen liegen 80 Unterrichtseinheiten, in denen es beispielsweise um Suizidgefährdung und um Trauer bei Kindern ging, aber auch die Abläufe der Rettungskette erklärt wurden.  Danach gab es eine Hospitationsphase, in der die Ehrenamtlichen erfahrene Notfallseelsorger und -seelsorgerinnen eine Zeit lang begleiteten. Mit einem Kolloquium und dem Gottesdienst endet die Fortbildung, nun können sich die Neuen in die Dienstpläne der Notfallseelsorge eintragen lassen. 

Nächster Kurs beginnt im Dezember

Polizeipfarrer Briesewitz freut sich, dass die Nachfrage nach dem Ehrenamt so groß ist, dass bereits im Dezember der nächste Kurs beginnt. Für die Aufgabe seien psychische und physische Stabilität wichtig, schon alleine wenn es darum geht, mitten in der Nacht aufzustehen und zum Einsatzort zu fahren. Er nennt auch «Menschen- und Nächstenliebe» als wichtige Eigenschaften und die Fähigkeit, schwierige Situationen und Stille aushalten zu können. 

Stephanie Wolf hat für sich festgestellt, dass sie diese Voraussetzungen erfüllt. «Gerade beim Thema Trauer und Tod braucht es Menschen, die einem Halt geben», sagt die Grundschullehrerin und beschreibt ihr Anliegen so: «Ich möchte da sein und da unterstützen, wo es für andere ganz schwer wird und wo eigentlich die Worte fehlen.» (03.11.2022, Text: Olaf Dellit/Siegfried Krückeberg) 


radio Internetradio:

Medio-Reporter Torsten Scheuermann berichtet über ehrenamtliche Notfallseelsorger.

info_outline Termin-Hinweis:

Entsendungsgottesdienst am Sonntag, 6. November, ab 10 Uhr in der Evangelischen Kirche Langenselbold mit Pfarrer Till Martin Wisseler und Pfarrer Ulrich Briesewitz.