Aktuell: Protestanten erinnern an den Beginn der Reformation

Kassel (epd/medio). Mit Gottesdiensten und Veranstaltungen haben evangelische Christen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und in aller Welt am Montag den Reformationstag gefeiert. Am 31. Oktober 1517 verbreitete Martin Luther (1483 bis 1546) in Wittenberg seine 95 Thesen gegen die kirchlichen Missstände seiner Zeit. Das Datum gilt als Beginn der Reformation, die weitreichende religiöse, politische, gesellschaftliche und kulturelle Folgen hatte.

Bischöfin Hofmann: «Ein feste Burg» als Schutz vor Gewalt und Krieg

Um die Erfahrung von Schutz in Zeiten von Gewalt und Krieg ging es am 31. Oktober in dem Festgottesdienst zum Reformationstag in der Christuskirche. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Dr. Beate Hofmann, nahm in ihrer Predigt Bezug auf den Krieg in der Ukraine, teilte Claudia Pfannemüller vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda mit. Das Reformationslied «Ein feste Burg» habe angesichts von «Erfahrungen von großer Not und Bildern von Menschen, die Schutzräume aufsuchen müssen vor Bomben und Raketen» an Aktualität gewonnen. Auch wenn das Lied martialisch klinge, so sei es als Antikriegslied zu verstehen: «Der Psalm 46, den Luther in diesem Lied aufnimmt, ist ein Lied gegen die Angst und gegen die Gewalt.» Die Bischöfin schlug den Bogen zu den Protesten im Iran: «Solche Lieder gegen die Angst werden auch in diesen Tagen wieder gesungen, auf den Straßen von Teheran, wo Tausende von Frauen und auch viele Männer gegen ein patriarchales Regime um ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen.»

«Lieder gegen die Angst spielen in unserem Glauben eine wichtige Rolle», fuhr die Bischöfin fort. Dazu gehörten die Lieder Paul Gerhardts ebenso, wie amerikanische Spirituals. Das Singen dieser Lieder sei nicht als Flucht vor der Welt zu verstehen, sondern als Hilfe, «um die unheile Welt auszuhalten und das tägliche Leben zu bewältigen.» Die «feste Burg» aus dem Reformationslied sei ein Bild Luthers für eine konkrete Schutzerfahrung. Hofmann berichtete von Kirchenburgen in Rumänien, die sie unlängst auf einer Reise zur Partnerkirche der EKKW, der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses, besucht hatte. Dort seien heute zum Teil Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht: «Offene Häuser, die Menschen einladen und die ausstrahlen in die Gemeinschaft.»

Auch in Fulda gebe es kirchliche Räume, die für Menschen in Not offenstehen. «Vielleicht wird die Landesgartenschau im nächsten Jahr eine Gelegenheit, Menschen so einen Ausstrahlungsort zu bieten, nicht in einer Burg, sondern draußen, in der Natur, zwischen Blumen und Bäumen», so Hofmann. In diesem Winter gelte es sehr genau zu überlegen, wo Kirchen zu Zufluchtsorten werden können und welche Räume nicht mehr beheizt werden sollten. Die Entscheidung, sich möglicherweise auch von Gebäuden zu trennen, falle schwer und erfordere «Mut und Zuversicht, dass Gott an vielen Orten zu finden ist.» Der Reformationstag erinnere daran, dass Gott mitgehe in Zeiten der Not und Krise. Darum könne manches Vertraute verändert werden, wenn die Zeiten es erfordern, gab die Bischöfin zu bedenken.

2022-11-03 36387

Luthers Thesenanschlag vom 31. Oktober 1517
Protestanten erinnern an den Beginn der Reformation

Protestanten erinnern an den Beginn der Reformation
(Foto: Andreas Breitling/Pixabay)

Kassel (epd/medio). Mit Gottesdiensten und Veranstaltungen haben evangelische Christen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und in aller Welt am Montag den Reformationstag gefeiert. Am 31. Oktober 1517 verbreitete Martin Luther (1483 bis 1546) in Wittenberg seine 95 Thesen gegen die kirchlichen Missstände seiner Zeit. Das Datum gilt als Beginn der Reformation, die weitreichende religiöse, politische, gesellschaftliche und kulturelle Folgen hatte.

Bischöfin Hofmann: «Ein feste Burg» als Schutz vor Gewalt und Krieg

Um die Erfahrung von Schutz in Zeiten von Gewalt und Krieg ging es am 31. Oktober in dem Festgottesdienst zum Reformationstag in der Christuskirche. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Dr. Beate Hofmann, nahm in ihrer Predigt Bezug auf den Krieg in der Ukraine, teilte Claudia Pfannemüller vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda mit. Das Reformationslied «Ein feste Burg» habe angesichts von «Erfahrungen von großer Not und Bildern von Menschen, die Schutzräume aufsuchen müssen vor Bomben und Raketen» an Aktualität gewonnen. Auch wenn das Lied martialisch klinge, so sei es als Antikriegslied zu verstehen: «Der Psalm 46, den Luther in diesem Lied aufnimmt, ist ein Lied gegen die Angst und gegen die Gewalt.» Die Bischöfin schlug den Bogen zu den Protesten im Iran: «Solche Lieder gegen die Angst werden auch in diesen Tagen wieder gesungen, auf den Straßen von Teheran, wo Tausende von Frauen und auch viele Männer gegen ein patriarchales Regime um ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen.»

«Lieder gegen die Angst spielen in unserem Glauben eine wichtige Rolle», fuhr die Bischöfin fort. Dazu gehörten die Lieder Paul Gerhardts ebenso, wie amerikanische Spirituals. Das Singen dieser Lieder sei nicht als Flucht vor der Welt zu verstehen, sondern als Hilfe, «um die unheile Welt auszuhalten und das tägliche Leben zu bewältigen.» Die «feste Burg» aus dem Reformationslied sei ein Bild Luthers für eine konkrete Schutzerfahrung. Hofmann berichtete von Kirchenburgen in Rumänien, die sie unlängst auf einer Reise zur Partnerkirche der EKKW, der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses, besucht hatte. Dort seien heute zum Teil Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht: «Offene Häuser, die Menschen einladen und die ausstrahlen in die Gemeinschaft.»

Auch in Fulda gebe es kirchliche Räume, die für Menschen in Not offenstehen. «Vielleicht wird die Landesgartenschau im nächsten Jahr eine Gelegenheit, Menschen so einen Ausstrahlungsort zu bieten, nicht in einer Burg, sondern draußen, in der Natur, zwischen Blumen und Bäumen», so Hofmann. In diesem Winter gelte es sehr genau zu überlegen, wo Kirchen zu Zufluchtsorten werden können und welche Räume nicht mehr beheizt werden sollten. Die Entscheidung, sich möglicherweise auch von Gebäuden zu trennen, falle schwer und erfordere «Mut und Zuversicht, dass Gott an vielen Orten zu finden ist.» Der Reformationstag erinnere daran, dass Gott mitgehe in Zeiten der Not und Krise. Darum könne manches Vertraute verändert werden, wenn die Zeiten es erfordern, gab die Bischöfin zu bedenken.

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kooperationsraums Fulda-Mitte mit Bischöfin Beate Hofmann (1. Reihe Mitte) in der Fuldaer Christuskirche. (Foto: Kirchenkreis Fulda/Claudia Pfannemüller))

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kooperationsraums Fulda-Mitte sorgten im Festgottesdienst für die Liturgie. Die sieben evangelischen Kirchengemeinden aus Fulda, Petersberg, Künzell, Bad Salzschlirf und Großenlüder setzten damit ihre Tradition fort und luden am Reformationstag gemeinsam zum Gottesdienst ein. Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet von der Kantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Schneidewind und dem Posaunenchor unter der Leitung von Joachim Enders.

Reformprozess bewegt die Landeskirche

Neben den Aktionen und Veranstaltungen zum Reformationstag bewegt sich aktuell auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck durch ihren Reformprozess. Dekan Norbert Mecke ist Mitglied der Steuerungsgruppe und schlägt mit einem Beitrag in den Sozialen Medien und hier auf ekkw.de den Bogen von der aktuellen kirchlichen Entwicklung hin zum Reformationstag, der vor über 500 Jahren große Veränderung auslöste:

Kirche bewegt – der Reformprozess

«Wer den aktuellen Reformprozess unserer Landeskirche in einem Atemzug mit der Reformation nennt, maßt sich Einiges an. Nein, diese Tragweite hat der Prozess nicht! Und doch: 'Kirche bewegt' verdankt sich dem gleichen Geist und den gleichen Quellen. Im Zentrum steht, das Evangelium – von Luther und den Reformatoren neu entdeckt und freigelegt –, mit Vielen, vielfältig und zeitgemäß zu teilen: Nichts anderem dient der Reformprozess, wenn er daraus kirchliche Grundaufgaben ableitet und Kriterien festhält, wie vorhandene Ressourcen dafür eingesetzt werden sollen. Das 'Wie' von Kirche ist aus protestantischer Überzeugung nie ein für alle Mal in Stein gemeißelt. Ihr 'Warum' schon: 'ein feste Burg ist unser Gott!'. Wer auf diesem Fundament steht, bleibt mit dem Spielbein im Gestalten von Kirche beweglich.» (Dekan Norbert Mecke, Melsungen)

Weitere Informationen rund um den Reformprozess der Landeskirche finden Sie hier.

Norbert Mecke ist Dekan im Dekanat Melsungen des Evangelischen Kirchenkreises Schwalm-Eder und Mitglied der Steuerungsgruppe des Reformprozesses der EKKW. (Fotomontage: medio.tv/Stübing)

Stichwort «Reformationstag»

Am Vorabend des Allerheiligentages veröffentlichte der Augustinermönch Luther seine gegen den Ablasshandel der Kirche gerichteten 95 Thesen. Ob er sie tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch nicht gesichert.

Der Reformationstag wird als Gelegenheit zur evangelischen Selbstbesinnung verstanden. Luther wollte die Kirche zum geistigen Ursprung der Botschaft des Evangeliums zurückführen. Die von ihm geforderten Reformen führten nicht nur zur Gründung der evangelischen Kirchen, auch die römisch-katholische Kirche hat sich seitdem grundlegend reformiert.

Erst 150 Jahre nach der Reformation wurde der 31. Oktober zum Gedenktag. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen setzte den Tag im Jahr 1667 fest. Nach den Reformationsjubiläen 1717 und 1817 etablierte sich das Reformationsfest weiter.

Der Reformationstag ist in den östlichen Bundesländern - außer Berlin - gesetzlicher Feiertag. 2018 haben außerdem die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum Feiertag erklärt. Damit ist am 31. Oktober in neun von 16 Bundesländern arbeitsfrei. (31.10.2022)


file_download Predigt zum Reformationstag:

Predigt von Bischöfin Dr. Beate Hofmann zu Psalm 46 am 31.10.2022 in der Christuskirche in Fulda:

arrow_forward Linktipp:

Die 95 Thesen Martin Luthers können Sie im Internet auf den Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland nachlesen: