Aktuell: Zum Volkstrauertag: Ökumenischer Appell für den Frieden

Hannover/Limburg. Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben in einer Botschaft zum Volkstrauertag ihre Solidarität mit der Ukraine bekräftigt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, sowie der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, beklagen in ihrer am Donnerstag (10.11.) veröffentlichten Botschaft, auf beiden Seiten würden Menschen sterben und «dem Wahn eines despotischen russischen Herrschers und seiner Vasallen zum Opfer fallen». Der Volkstrauertag wird in diesem Jahr am 13. November begangen.

Frieden sei über Generationen hinweg das fundamentale Ziel europäischer Einigungsbemühungen gewesen, schreiben die beiden leitenden Geistlichen. Man habe jedoch erlebt, wie die europäische Friedensordnung zerbrochen sei, heißt es in der Botschaft von Kurschus, die auch westfälische Präses ist, und Bätzing, dem Bischof von Limburg.

Der Krieg in der Ukraine sei der Überlebenskampf eines souveränen Staats gegen einen Aggressor. Zugleich sei es ein Kampf der Ukraine um Freiheit und Demokratie. Die Hoffnung auf eine humane Gesellschaft werde durch diesen Krieg «zutiefst erschüttert».

Kurschus und Bätzing dankten dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für seine Arbeit zur Erinnerung an die Schicksale der Opfer zweier Weltkriege. Damals wie heute dürfe man die Menschen, die unter Krieg und Gewalt litten, nicht vergessen: «In unseren Gebeten bitten wir Christus, unseren Erlöser und Erretter, dass er über unsere Welt seinen Frieden und wahre Versöhnung bringen möge.» 

2022-11-11 36583

Gemeinsames Wort von Präses Kurschus und Bischof Bätzing
Zum Volkstrauertag: Ökumenischer Appell für den Frieden

Zum Volkstrauertag: Ökumenischer Appell für den Frieden
Friedhof des ehemaligen Kriegsgefangenen-Lagers auf dem Keilsberg in Kassel-Niederzwehren. Während des 1. Weltkriegs waren dort ab September 1914 mehr als 20.000 Kriegsgefangenen aus England, Russland, Frankreich, Serbien und vielen anderen Ländern eingesperrt. Die hygienischen Zustände waren zeitweise katastrophal, bei einem Typhusausbruch kamen bis zu 3.000 Menschen zu Tode. Die Gefangenen mussten Zwangsarbeit leisten. Es gibt heute zwei getrennte Friedhöfe, einer für die britischen Opfer, einer für die russischen (diese allerdings namenlos) sowie ein Denkmal für deutsche Soldaten, die dort eingesetzt waren. Englischer Friedhofsteil (bzw. Commonwealth) (Foto: medio.tv/Dellit)

Hannover/Limburg. Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben in einer Botschaft zum Volkstrauertag ihre Solidarität mit der Ukraine bekräftigt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, sowie der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, beklagen in ihrer am Donnerstag (10.11.) veröffentlichten Botschaft, auf beiden Seiten würden Menschen sterben und «dem Wahn eines despotischen russischen Herrschers und seiner Vasallen zum Opfer fallen». Der Volkstrauertag wird in diesem Jahr am 13. November begangen.

Frieden sei über Generationen hinweg das fundamentale Ziel europäischer Einigungsbemühungen gewesen, schreiben die beiden leitenden Geistlichen. Man habe jedoch erlebt, wie die europäische Friedensordnung zerbrochen sei, heißt es in der Botschaft von Kurschus, die auch westfälische Präses ist, und Bätzing, dem Bischof von Limburg.

Der Krieg in der Ukraine sei der Überlebenskampf eines souveränen Staats gegen einen Aggressor. Zugleich sei es ein Kampf der Ukraine um Freiheit und Demokratie. Die Hoffnung auf eine humane Gesellschaft werde durch diesen Krieg «zutiefst erschüttert».

Kurschus und Bätzing dankten dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für seine Arbeit zur Erinnerung an die Schicksale der Opfer zweier Weltkriege. Damals wie heute dürfe man die Menschen, die unter Krieg und Gewalt litten, nicht vergessen: «In unseren Gebeten bitten wir Christus, unseren Erlöser und Erretter, dass er über unsere Welt seinen Frieden und wahre Versöhnung bringen möge.» 

Stichwort «Volkstrauertag»

Am Volkstrauertag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Vor 100 Jahren, im Jahr 1922, fand im Deutschen Reichstag in Berlin die erste offizielle Feierstunde zu einem Volkstrauertag statt. Die Initiative kam vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der einen Tag zur Erinnerung an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges angeregt hatte. Damals wurde der Volkstrauertag noch während der Passionszeit vor Ostern begangen.

Während der NS-Diktatur machten NSDAP und Wehrmacht den Tag zum propagandistischen «Heldengedenktag». In der Bundesrepublik Deutschland wurde er Anfang der 50er Jahre neu eingeführt, als Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus. Er findet seitdem jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt.

Es handelt sich um einen sogenannten stillen Feiertag. Zahlreiche Kranzniederlegungen und weitere Veranstaltungen sollen zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und rufen zu Toleranz und Frieden auf. Vor öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen auf halbmast.

(11.11.2022, epd)


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Die Botschaft ist enthalten in der Publikation: «Zum Volkstrauertag am 13. November 2022 - Gedenkstunden und Gottesdienste gestalten» und abrufbar unter: